Klassik: Orgelwerke von Anton Heiller 
Prägende Bedeutung für die Schweiz

Prägende Bedeutung für die Schweiz

Matthias Wamser, 04.03.2014

Roman Summereder hat sämtliche Werke für Orgel solo von Anton Heiller eingespielt.

Ein Organist schreibt für sein Instrument: Wäre das Orgelwerk des Wieners Anton Heiller (1923–79) nur als Ergebnis dieses recht häufigen Vorgangs zu sehen, so wäre die vorliegende Aufnahme wohl unspektakulär. Zwar erreichte Heiller als Interpret von Bachs Orgelwerken und als Orgellehrer weltweite Aufmerksamkeit, doch ist damit nur jener Teil seiner Aktivitäten erwähnt, durch den er auch für die Schweiz prägende Bedeutung hatte. Viele Schweizer Organistinnen und Organisten, auch solche, die später selbst an Hochschulen lehrten, studierten bei ihm, etwa Monika Henking, Bernhard Billeter und Jean-ClaudeZehnder.

Heillers Karriere zeigt eine enorme Vielseitigkeit: Er wirkte nicht nur als Komponist und Organist, sondern auch als Cembalist, Pianist (u. a. unter Sacher und Ansermet mit Werken von Frank Martin) und Dirigent (z. B. mit F. Schmidts Buch mit sieben Siegeln, u. a. noch 1974 in Luzern). Spätestens seit Erscheinen der Biografie von P. Planyavsky (Wien 2009) findet er wieder stärkere Beachtung; bereits 2004 fand in Muri AG ein Heiller-Zyklus statt. Im Werkkatalog findet sich viel Chormusik – von schlichten a-cappella-Messen bis zu symphonischen Werken wie Psalmenkantate (1955), François Villon (1956) und Stabat Mater (1968).

Bei der Beschreibung der Orgelwerke werden oft Vergleiche bemüht, etwa zum Kontrapunkt Davids, zum luziden Spätstil Hindemiths, zur Synthese von tonalen Bezügen und Dodekafonie bei Martin und zu rhythmischen und modalen Prinzipien von Alain und Messiaen. Die Häufung solcher Vergleiche ist gefährlich, da sie zu Unrecht befürchten lässt, Heiller habe unselbständig oder synkretistisch komponiert. Wesentlich ist seine Fähigkeit, unterschiedliche Parameter des Tonsatzes mit gleicher Intensität zu gestalten und unter Verzicht auf Formeln ein dichtes und wiederholungsfreies Œuvre vorzulegen.

Heillers Schüler Summereder spielt auf höchstem Niveau an der Bruckner-Orgel des Stifts St. Florian, die auch für Heillers Entwicklung wichtig war. Auch die hervorragende Aufnahmetechnik und das informative Booklet machen die Produktion zu einem Muss für all jene, die die Musik der Nachkriegszeit über gängiges Lehrbuchwissen hinaus kennenlernen wollen.

Die CD 1 der Gesamteinspielung enthält frühe Orgelwerke bis 1949, CD 2 vor allem Orgelwerke über gregorianische Themen ab 1957, CD 3 wird im Laufe des Jahres erscheinen.

1. Sonate, 3. Satz Con brio
2. Sonate, 1. Satz Allegretto
Victimae paschali laudes
Mit Fried und Freud ich fahr dahin
Image
Image

Anton Heiller: Sämtliche Werke für Orgel solo. Roman Summereder an der «Bruckner-Orgel» der Stiftsbasilika St. Florian, Oberösterreich. Ambiente Musikproduktion ACD-2027 und ACD-2028
 


Kommentare

* Pflichtfelder

Neuer Kommentar
Ihr Beitrag wird nach redaktioneller Prüfung veröffentlicht.

Rezensionen finden

Die deutschsprachigen CD-Rezensionen ab Januar 2013 sind hier gesammelt.

CD-Rezensionen bis Dezember 2012 finden Sie über das Printarchiv unter dem Suchbegriff «Schweizer-CDs». Über die Suchfunktion hier auf der Seite können Sie gezielt nach Komponisten, Interpreten oder Schlagwörtern suchen. (Nur einen einzelnen Begriff eingeben, z. B. nur den Nachnamen.)

Weitere Tonträgerrezensionen

Rezensionen

Die deutschsprachigen Rezensionen ab Januar 2013 sind hier gesammelt.

Über die Suchfunktion auf dieser Seite können Sie gezielt nach Autoren oder Schlagwörtern suchen (nur einen einzelnen Begriff eingeben, z. B. nur den Nachnamen).

Rezensionen bis Dezember 2012 finden Sie über das Printarchiv unter dem Suchbegriff «Neuerscheinungen Bücher und Noten» oder einem spezifischen Schlagwort.

Rezensionen auf Französisch.