Klassik: Leila Schayegh und Jörg Halubek spielen Violinsonaten  
CPE Bachs Empfindungen

CPE Bachs Empfindungen

Verena Naegele, 04.06.2014

Die Violinistin Leila Schayegh und der Cembalist Jörg Halubek machen die für jene Zeit schockierende Neuheit empfindsamer Musik hörbar.

Wer kennt es nicht, das berühmte Bild Flötenkonzert in Sanssouci von Adolph Menzel, auf dem Carl Philipp Emanuel Bach als Cembalo-Begleiter seines Dienstherrn, des Preussen-Königs Friedrich II., verewigt ist. Unsterblich auf einem Gemälde, als Komponist heute aber eher am Rande, dies ist das Schicksal des zweitältesten Sohnes von Johann Sebastian Bach. Dabei war der 1714 in Weimar geborene Carl Philipp Emanuel ein bedeutender Wegbereiter der damaligen Moderne. Nicht mehr barock, noch nicht klassisch, vielleicht ist es diese «Ära der Empfindsamkeit», der die Rezeption zugesetzt hat. Bach repräsentierte die ästhetische Aufbruchstimmung seiner Zeit mit einer unglaublichen Modernität, zu der auch die bahnbrechenden Sonaten gehören.

Zum 300. Geburtstag von Carl Philipp Emanuel Bach legt die in Basel wirkende Schweizer Barockspezialistin Leila Schayegh eine empfehlenswerte Einspielung vor. Im lustvollen und «galanten» Zusammenspiel mit ihrem Begleiter Jörg Halubek spürt sie mit wunderbarem Klang dem Schönen, Gewagten, Neuen nach, das Bach für ein «wahrhaftes Meisterstück» so dezidiert forderte. Enthalten sind die Sonaten Wq 76 und Wq 78, in denen die besonderen Qualitäten von Bachs Moderne spürbar sind. Das Dialogisieren zwischen Violine und Begleitinstrument etwa, oder die, von Schayegh schön «ausgesungenen», empfindsamen Violinkantilenen. Diese kommen umso mehr zur Geltung, als die CD mit der frühen Sonate D-Dur eröffnet wird, welche Bach 1731 in seiner Zeit bei Friedrich II., noch stark unter dem Einfluss seines Vaters zeigt.

Umso prägnanter, ja fast schockierend präsentiert sich vor diesem Hintergrund die Freye Fantasie fis-Moll Wq 80, die den sinnigen Titel «C. P. E. Bachs Empfindungen» trägt. Die beiden Musiker haben sich hier für einen Tangentenflügel (Späth & Schmal) entschieden, der mit seinem, dem Hammerklavier ähnlichen Klang bestens zu diesem Experimentierstück passt.

Als Höhepunkt gestaltet sich die Sonate C-Dur Wq 78, ebenfalls mit Tangentenflügel. Jörg Halubek erweist sich als versierter Spieler dieses selten zu hörenden Instrumentes, während Leila Schayegh durch ihren runden, weichschmeichelnden und doch klaren, fast sehnigen Ton begeistert. Faszinierend, wie sie sich farblich an die so unterschiedliche Klanglichkeit von Cembalo und Tangentenflügel anzupassen vermag.

Arioso in A-Dur Wq. 79 (Beginn)
Fantasie in f-Moll, Wq. 80 (Ausschnitt)
Violinsonata in c-Moll, Wq. 78, I. Allegro moderato (Beginn)
Violinsonata in c-Moll, Wq. 78, II. Adagio ma non troppo (Ausschnitt)
Image

C. P. E. Bach: Werke für Violine und Klavier. Leila Schayegh, Barockvioline; Jörg Halubek, Tangentenflügel und Cembalo. Pan Classics PC 10305


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