«La concordia de' pianeti» von Antonio Caldara 
Theater ohne Drama

Theater ohne Drama

Claudio Bacciagaluppi, 22.03.2016

Huldigende Planeten interpretiert vom Barockorchester La Cetra und dem Vokalensemble Basel.

Selbst das ehrwürdige Label Archiv Produktion ist bei der Gestaltung der CD-Covers der Mode verfallen, Bilder auszusuchen, die überhaupt keinen Bezug haben zum musikalischen Inhalt. Auf der Ersteinspielung einer Serenade des Wiener Hofkapellmeisters Antonio Caldara bewundern wir das Porträt einer maskierten jungen Dame, deren Gesicht und Décolleté mit bunten Schmetterlingen bedeckt ist. Dabei bietet das Werk vieles an, was die Fantasie der Hörer und Leser beflügeln könnte.

Caldara schrieb La concordia de’ pianeti 1723 als Glückwunsch und Huldigungsgabe für die Kaiserin Elisabeth, die damals gerade schwanger war. Die Gattungsbezeichnung ist wörtlich zu nehmen: Die Serenade wurde unter freiem Himmel – a ciel sereno – uraufgeführt. Zwar weist das Libretto die übliche Folge von Rezitativen und Da-capo-Arien auf, die Unterschiede zu einer Oper sind aber relevant. Es gibt vier Chöre, statt dem in Opern üblichen Tutti im Finale; anstelle einer fortschreitenden Handlung besingen die verschiedenen Götter des griechischen Olymp im Turnus die kaiserliche werdende Mutter. Die Arien der Götter werden ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten entsprechend vertont, Mars beispielsweise singt mit Trompetenbegleitung (Nr. 28, Da mia tromba). Ohne Spannung, ohne Story könnte das Ganze langweilig werden. Die Musik bleibt aber recht abwechslungsreich, oft mit einem tänzerischen, nie schwermütigen Charakter.

Vor allem sorgt das Barockorchester La Cetra unter Andrea Marcon für einen glanzvollen Musikgenuss. La Cetra ist ein wichtiger Bestandteil des Basler Musiklebens, besonders die jährliche Produktion am Theater Basel. Auch im Ausland werden die Musiker geschätzt; Caldaras Serenade wurde im Januar 2014 in Dortmund aufgeführt und aufgenommen. Das Orchester spielt hervorragend: energisch, präzis, klanglich eine Freude. Die Sänger vermögen insgesamt auf diesem Niveau zu bleiben. Besonders zu erwähnen sind die Leichtigkeit und der Geschmack in den Verzierungen von Carlos Mena (Mars), beispielsweise in seiner Arie Non v’è bella che non creda (Nr. 12). Die Stimme von Franco Fagioli (Apoll) ist sehr eindrucksvoll, jedoch würde eine etwas deutlichere Aussprache sicher nicht schaden (Nr. 13, So ch’io dal suolo alzai).

Das Booklet liefert alle Informationen über das Werk und den Komponisten, die man sich beim ersten Kennenlernen wünschen kann; das Libretto ist viersprachig abgedruckt. Auf den 52 Seiten haben neben den Gesichstzügen Antonio Caldaras und Andrea Marcons leider keine weiteren Bilder Platz gefunden.

Introduzione
Aria «Questo dì così giocondo» (Apollo)
Coro «Tu sei cara in pari guisa» (tutti, coro)
Image

Antonio Caldara: La concordia de’ pianeti. La Cetra Barockorchester & Vokalensemble Basel; Delphine Galou, Veronica Cangemi, Ruxandra Donose, Franco Fagioli, Carlos Mena, Daniel Behle, Luca Tittoto, Solostimmen; Andrea Marcon, Leitung. 2 CDs. Deutsche Grammophon 479 3356


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