Sonaten von Johann Franz Xaver Sterkel 
Ein Meister, meisterlich gespielt

Ein Meister, meisterlich gespielt

Michael Kube, 31.05.2018

Els Biesemans (Fortepiano) und Meret Lüthi (Violine) machen mit ihren subtilen Interpretationen deutlich, wie erfindungsreich und ausgefeilt die Kammermusik von Franz Xaver Sterkel ist.

Auch noch 14 Jahre nach der Gründung des Labels Ramée ist jede CD ein Fest für Auge und Ohr. Spezialisiert auf Alte Musik (in diesem Fall definiert als bis knapp über die Wende zum 19. Jahrhundert) setzt Ramée nicht auf Masse, sondern fördert in durchwegs herausragenden Interpretationen vielfach Rares aus den Tiefen der Musikgeschichte zu Tage, das man dann mit anhaltender Begeisterung wieder und wieder auflegt.

Zu diesen Schätzen gehört auch die Kammermusik von Franz Xaver Sterkel (1750–1817) – einem Komponisten, der zu Lebzeiten als Pianist weithin bekannt war, mit seinen zahlreichen Sonaten und Klaviertrios bei Liebhabern hoch im Ansehen stand und doch (wie so viele seiner Generation) mit dem Aufkommen der musikalischen Romantik viel zu rasch vergessen wurde. Neben einer Kunstreise durch Italien waren freilich nicht Wien, Berlin, Paris oder London die Stationen seines Wirkens, sondern vielmehr Mainz, Regensburg, Aschaffenburg und Würzburg – Orte, an denen Sterkel massgeblich an der Etablierung eines regen Musiklebens Anteil hatte, wo er sich aber auch über den stilistischen Wandel hinweg, den er sehr wohl wahrnahm, treu blieb: So verachtete Sterkel die vermeintlich «unwürdigen Künsteleien», suchte vielmehr «edle Simplicität», «reinen Rhythmus» sowie «Harmonie und Melodie» (1808).

Dass ihm dies in einer bemerkenswert eigenen Sprache auch gelang, davon zeugt die vorliegende Auswahl von Sonaten, die zwischen 1785 und 1817 im Druck erschienen. Sie vereinen erfrischende Erfindungsgabe mit einem ausgeprägten Sinn für kammermusikalische Dramaturgie (klanglich wie harmonisch). Wie gross dabei der gestalterische Spielraum ist, zeigen Els Biesemans (Fortepiano) und Meret Lüthi (Violine) in ihrer vollendet ausgehörten Interpretation. Sie machen auf faszinierende Weise deutlich, was in Sterkels Werken wirklich steckt.

Sonate in B-Dur op. 25, Allegro cantabile
Sonate in B-Dur op. 25, Cantabile
Sonate in B-Dur op. 25, Allegro un poco vivace
Sonat in A-Dur op. 33 Nr. 3 - Allegro
Image

Johann Franz Xaver Sterkel: Sonatas for Fortepiano and Violin. Els Biesemans (Fortepiano), Meret Lüthi (Violine). Ramée RAM 1701

 


Kommentare

* Pflichtfelder

Neuer Kommentar
Ihr Beitrag wird nach redaktioneller Prüfung veröffentlicht.

Rezensionen finden

Die deutschsprachigen CD-Rezensionen ab Januar 2013 sind hier gesammelt.

CD-Rezensionen bis Dezember 2012 finden Sie über das Printarchiv unter dem Suchbegriff «Schweizer-CDs». Über die Suchfunktion hier auf der Seite können Sie gezielt nach Komponisten, Interpreten oder Schlagwörtern suchen. (Nur einen einzelnen Begriff eingeben, z. B. nur den Nachnamen.)

Weitere Tonträgerrezensionen

Rezensionen

Die deutschsprachigen Rezensionen ab Januar 2013 sind hier gesammelt.

Über die Suchfunktion auf dieser Seite können Sie gezielt nach Autoren oder Schlagwörtern suchen (nur einen einzelnen Begriff eingeben, z. B. nur den Nachnamen).

Rezensionen bis Dezember 2012 finden Sie über das Printarchiv unter dem Suchbegriff «Neuerscheinungen Bücher und Noten» oder einem spezifischen Schlagwort.

Rezensionen auf Französisch.