Das Musikkollegium Winterthur spielt Mozart und Schoeck 
Prächtig, leicht, humorvoll

Prächtig, leicht, humorvoll

Verena Naegele, 27.06.2018

Leichtfüssig spielt das Musikkollegium Winterthur unter der Leitung von Roberto González-Monjas Mozarts Haffner-Serenade. In Othmar Schoecks Opus 1 lässt es Schalk aufblitzen.

Er ist der Komet am Winterthurer Klassikhimmel: Roberto González-Monjas, seit der Saison 2013/2014 Konzertmeister des dortigen Musikkollegiums, der auch als Dirigent auftritt. Daneben ist er in gleicher Funktion in Rom beim Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia und als Professor im Fach Violine an der Guildhall School of Music and Drama in London tätig. Ein Hansdampf in allen Gassen, der seit seinem Amtsantritt in der allzu oft im Schatten Zürichs stehenden Eulachstadt das Konzertleben gehörig aufmischt.

Nun legt er mit dem Musikkollegium beim Schweizer Label Claves eine CD vor, die vor Elan und Leichtigkeit nur so sprüht. Eingespielt sind die berühmte Haffner-Serenade KV 250 von Mozart und die Serenade op. 1 von Othmar Schoeck, wobei González-Monjas sowohl als Dirigent als auch als Sologeiger fungiert. Erstaunlich, wie leicht und akzentsicher das Orchester, das unter dem ehemaligen Chefdirigenten Douglas Boyd zuweilen recht behäbig wirkte, nun zu spielen vermag.

Die achtsätzige Haffner-Serenade ist Meisterwerk und Abschluss von Mozarts Serenadenschaffen zugleich. Prächtig in der Besetzung (mit dem gesamten Bläserregister) und damit in der Farbigkeit verbindet es den sinfonischen Anspruch mit der unterhaltenden Leichtigkeit dieser Gattung. Als raffinierte Besonderheit hat Mozart die Sätze zwei bis vier als veritables Geigenkonzert voller Liedhaftigkeit und Virtuosität gestaltet, ein «gefundenes Fressen» für den Violinkünstler González-Monjas. Mit seiner filigranen Art und seinem wunderbar singenden Geigenklang dominiert er die Serenade denn auch über weite Strecken, wobei Tonmeister Andreas Werner seine Kunst noch mehr herausstellt. Das ist etwas schade, denn das Orchester hat sehr viel zu bieten, wie die witzige Schoeck-Serenade zeigt. Einst als Abschlussarbeit in Zürich komponiert und in Leipzig überarbeitet, gefällt das Werk durch handwerkliches Geschick, Humor und Klangsinnlichkeit: vom tänzerischen Anfang bis zum prächtigen Mittelteil ein überzeugendes Plädoyer für dieses gut achtminütige Kleinod.

Wolfgang Amadeus Mozart
Wolfgang Amadeus Mozart
Othmar Schoeck
Image

Mozart & Schoeck: Serenaden. Musikkollegium Winterthur, Leitung Roberto González-Monjas.
Claves 50-1710


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