Julie Campiche Quartet: «Onkalo» 
Mit minimalistischen Motiven

Mit minimalistischen Motiven

Michael Gasser, 24.03.2020

Nach dem Auseinanderbrechen ihrer Band Orioxy gründete Julie Campiche 2016 ein (nach ihr benanntes) Jazzquartett. Auf dem Debütalbum verschreiben sich die Harfenistin und ihre Begleiter meditativen, aber auch zappeligen Klängen.

Am Anfang stand ein Ende: Nach acht Jahren löste sich 2016 das Genfer Quartett Orioxy, dessen auf dem Jazz basierender Sound selbst zärtlichste Momente mit wilder Energie zu verknüpfen verstand, unerwartet auf. «Als alles zerbrach, erhielt ich den Schlag meines Lebens», erinnert sich Harfenistin Julie Campiche. Dennoch oder gerade deshalb ging sie zwei Wochen später bereits ihr neues Projekt an. Eigentlich sei ihr das zu schnell gegangen, räumt die Westschweizerin ein, aber: «Man muss die Überraschungen nutzen, die das Leben bereithält.»

Mittlerweile sind drei Jahre vergangen und das Julie Campiche Quartet, zu dem neben der Bandleaderin auch Saxofonist Leo Fumagalli, Kontrabassist Manu Hagmann und Schlagzeuger Clemens Kuratle gehören, hat Ende Januar mit Onkalo sein Plattendebüt veröffentlicht. Sechs Songs umfasst das Werk und zeigt sich neugierig und experimentierfreudig: Das erste Stück, Flash Info, beginnt mit einer introspektiven Harfenmelodie, die nach einer Minute durch überfallartige Jazzsequenzen unterbrochen wird – zumindest vorübergehend.

Das Gebotene ist erstaunlich energiegeladen und präsentiert ein Flair für Improvisationen und minimalistische Motive. Auf dem Album entfaltet sich progressiver Jazz, der sich in erster Linie für Klanglandschaften interessiert, die sich konstant und überraschend verändern. Das wirkt meditativ, mitunter aber auch zappelig und bisweilen sogar aufrüttelnd. Vielleicht, weil man spürt, dass sich hinter den Kompositionen stets Geschichten verbergen. Onkalo – finnisch für Hohlraum – soll beispielsweise von vergrabenen radioaktiven Abfällen erzählen. Julie Campiche und ihren Begleitern gelingt es auf der CD, nicht nur einen Sog zu entwickeln, sondern auch Musik, die auf eine ebenso faszinierende wie mutige Klangreise mitnimmt.
 

Cradle Song
Lepidoptera
Onkalo
To the Holy Land
Image

Julie Campiche Quartet: Onkalo. Leo Fumagalli, Sax & FX; Julie Campiche, Harfe & FX; Manu Hagmann, Kontrabass & FX; Clemens Kuratle, Schlagzeug & FX.
Meta Records META 083

 


Kommentare

* Pflichtfelder

Neuer Kommentar
Ihr Beitrag wird nach redaktioneller Prüfung veröffentlicht.

Rezensionen finden

Die deutschsprachigen CD-Rezensionen ab Januar 2013 sind hier gesammelt.

CD-Rezensionen bis Dezember 2012 finden Sie über das Printarchiv unter dem Suchbegriff «Schweizer-CDs». Über die Suchfunktion hier auf der Seite können Sie gezielt nach Komponisten, Interpreten oder Schlagwörtern suchen. (Nur einen einzelnen Begriff eingeben, z. B. nur den Nachnamen.)

Weitere Tonträgerrezensionen

Rezensionen

Die deutschsprachigen Rezensionen ab Januar 2013 sind hier gesammelt.

Über die Suchfunktion auf dieser Seite können Sie gezielt nach Autoren oder Schlagwörtern suchen (nur einen einzelnen Begriff eingeben, z. B. nur den Nachnamen).

Rezensionen bis Dezember 2012 finden Sie über das Printarchiv unter dem Suchbegriff «Neuerscheinungen Bücher und Noten» oder einem spezifischen Schlagwort.

Rezensionen auf Französisch.