Tornow & Baumli: «The Night Has A Thousand Eyes» 
Ein Hoch auf die Gefühlswelt

Ein Hoch auf die Gefühlswelt

Michael Gasser, 28.06.2022

Zusammengefunden haben Stefanie Tornow und Beat Baumli durch die Pandemie. Ihr gemeinsames Debüt fusst auf Jazzklassikern, die sie auf ihre ganz individuelle Art prägen

Corona hat manches verhindert, bisweilen jedoch auch Neues begünstigt: Während dem Lockdown suchte die Münchner Sängerin Stefanie Tornow nach Möglichkeiten, ihre Projekte zu proben und landete dabei auf JamKazam, einer Internet-Plattform für Jamsessions. Dort tummelte sich auch Beat Baumli – ein an der Swiss Jazz School und am Berklee College of Music ausgebildeter Gitarrist. Nachdem sich die beiden im Rahmen einer Onlinesession kennengelernt hatten, beschlossen sie alsbald, gemeinsame Sache zu machen, und mittlerweile liegt ihr Debüt The Night Has A Thousand Eyes vor. Auf diesem Album gilt ihr Fokus insbesondere dem Great American Songbook, aber auch Bossa-nova-Klassikern wie «Berimbau». Das schweizerisch-deutsche Duo ist nicht etwa darauf aus, das Rad neu zu erfinden, was das Klangspektrum angeht, sondern, die insgesamt 16 Songs mit möglichst persönlicher Note zu versehen – dies mit einem Sound, der sich zugleich ruhig, entspannt und beschwingt präsentiert.

Während sich der Titeltrack in der 1964er-Version von John Coltrane noch dicht und dringlich zeigte, wirkt dieser in der Bearbeitung von Tornow und Baumli anschmiegsam, leichtfüssig und als Hohelied auf die turbulente Welt der Gefühle. Die Eigenkomposition Chasin’ Wes entpuppt sich derweil als fingerflinke Hommage an den Gitarristen Wes Montgomery, der zu Baumlis Vorbildern zählt. Und Moon River von Henry Mancini, ein weiteres Cover, wird durch das Duo von jeglicher Sentimentalität befreit, wodurch die Melancholie der Melodie an Kontur gewinnt.

Geprägt wird das Album von der samtgleichen Stimme der Sängerin und dem einfühlsamen Gitarrenspiel ihres Kompagnons. Dass sich auf der Platte nur ein einziges, wenngleich überaus gekonntes und stilvolles Stück aus ihrer Feder findet, mag ein kleines Manko sein. Zugleich lässt das Werk jedoch spüren, dass in dieser Zusammenarbeit noch viel Potenzial steckt. Entsprechend gespannt darf man sein, was das Duo zukünftig an gemeinsamen Liedern austüfteln wird.

Chasin’ Wes
Favela
Manhattan
The Night Has A Thousand Eyes
Image

Stefanie Tornow & Beat Baumli: The Night Has A Thousand Eyes, All Jazz Records AllJazzCD2101


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