Die «Musikinsel» Rheinau steht ab Mai 2014 zum Proben bereit 
Reif für die Insel?

Reif für die Insel?

Sibylle Ehrismann , 07.11.2013

Die «Musikinsel» Rheinau ist im Bau, ab Mai 2014 steht die altehrwürdige Klosteranlage Orchestern, Chören und Ensembles als Probezentrum zur Verfügung. Ein Augenschein vor Ort.

Der Ort hat etwas Magisches. Rheinau liegt im zürcherischen Weinland nahe bei Schaffhausen, direkt am Rhein und an der Grenze zu Deutschland. Man fährt durch das hübsche Dorf mit alten Riegelhäusern hinunter an den Rhein auf den Klosterplatz: Von hier aus führt eine Brücke auf die Insel mit der wuchtigen Klosteranlage.
An zwei dreistöckigen Flügeln wird zurzeit mächtig gebaut. Seit dem Jahr 2000 standen die Räume leer, Nutzungsideen – Schulungszentrum, Museum, Internat, Resort-Hotel – scheiterten an den fehlenden Investoren. Nun entsteht in diesem grossartigen Baudenkmal ein Musikhotel mit 16 modern ausgestatteten Proberäumen verschiedenster Grösse, dazu 63 Gästezimmer und eine Küche mit Esssaal für die Musikerinnen und Musiker, die sich hierher zurückziehen möchten, um mit ihrem Chor, ihrem Orchester oder ihrem Ensemble ein paar Tage intensiv zu proben. Möglich macht dies die Stiftung Schweizer Musikinsel Rheinau. Sie wurde 2009 von Christoph Blocher gegründet und investiert 2.7 Millionen Franken. Den Kanton Zürich kostet der Umbau 28.5 Millionen.

Klang
Der Blick durch die Fenster auf den Rhein ist fantastisch, die Klosteranlage ist direkt ans Wasser gebaut. Man steht in einer Klosterzelle, die nun zu einem schön «designten» Hotelzimmer mit Nasszelle umgebaut ist, und der Fluss fliesst mächtig vorüber: Innehalten ist hier die Devise, tief durchatmen, die Ruhe ist in dieser Abgeschiedenheit intensiv, das Licht, die Kulturlandschaft und die Natur einzigartig.

Doch wie ruhig ist es hier noch, wenn mehrere Ensembles gleichzeitig proben möchten? «Wir haben einen Akustiker beigezogen: Eckhard Kahle aus Karlsruhe, der auch beim KKL Luzern mitwirkte», erklärt Patrick McEvily von der Stiftung Musikinsel während unseres Rundgangs. «Einerseits müssen die Räume so gut isoliert sein, dass sich die Ensembles nicht gegenseitig stören. Aus diesem Grund kann man bei uns auch keine verstärkte Musik proben. Andererseits muss die Akustik im historischen Saal drin für Musik gut sein. Dafür haben wir fest installierte und mobile Akustikelemente anfertigen lassen, die man an der Wand befestigen kann.»

Image
Musiksaal

Raum
Platz für ganze Orchester oder für einen Chor bieten der Musiksaal und die Alte Bibliothek. Verzierte Decken und Holzböden sind nicht nur toll anzusehen, sie geben den Räumen auch eine besondere Atmosphäre. Grosse Fenster sorgen dafür, dass die Räume mit Tageslicht durchflutet werden. In diesen beiden Sälen steht je ein Konzerflügel, in den übrigen 14 Proberäumen, gross genug für einzelne Stimmgruppen oder Kammermusik, stehen Klaviere. Und zum Essen geht man nach dem Proben ins ehemalige Refektorium, einen grosszügigen Saal mit Stuckaturdecke, in dem problemlos 90 Personen Platz haben. Das sind sehr feudale Verhältnisse – fürs Proben. Ob das Konzept aufgeht?

Nichts erinnert heute mehr daran, dass in dieser Klosteranlage rund 100 Jahre lang eine psychiatrische Klinik war. Erst vor 13 Jahren zog diese endgültig aus. Jahrhunderte vorher,1455, wurde das Kloster unter den Schutz der Eidgenossenschaft gestellt und trat ab 1532 als Hort der Gegenreformation hervor. Heute wird denkmalgeschützt restauriert, und in jedem Treppenhaus sind Lifte eingebaut, damit man die Instrumente transportieren kann.
 

Geld
So schön und sorgfältig das alles gemacht wird, können sich Musiker das überhaupt leisten? Die Preise überraschen, sie sind moderat: Das Doppelzimmer zum Beispiel kostet pro Person mit Halbpension 80 Franken, die kleineren Probe-Räume kosten 40 bis 150 Franken pro Tag, der Musiksaal 400 Franken. Die Stiftung ermöglicht diese Preise mit einer Defizitgarantie. Im Mai 2014 sollten die Bauarbeiten fertig sein, dann kann die Musik einziehen.

Ein Wermutstropfen bleibt: Die Stiftung Musikinsel darf keine öffentlichen Konzerte veranstalten, die beiden Säle genügen den feuerpolizeilichen Anforderungen nicht. Und die Klosterkirche steht ihr nicht zur Verfügung, weil hier der lokale Musikkreis das Sagen hat. So dringt das Proben und Musizieren nur andernorts an die Öffentlichkeit.

www.musikinsel.ch
Anfragen und Reservationen: Tel. 044 254 53 69; info@musikinsel.ch


Kommentare

* Pflichtfelder

Neuer Kommentar
Ihr Beitrag wird nach redaktioneller Prüfung veröffentlicht.