ZeitRäume Basel: Festival für Neue Musik und Architektur  
Zeit und Raum kunstvoll inszeniert

Zeit und Raum kunstvoll inszeniert

Sibylle Ehrismann, 26.06.2015

Ende Juni wurde das Konzept der 1. Biennale «ZeitRäume Basel» vorgestellt. Vom 10. bis 13. September sollen neue Klänge spezielle Räume beider Basel in ungewöhnliche Musikorte verwandeln.

Schon öfter gab es in Basel originelle Festivals mit Neuer Musik. So etwa den grandiosen «Europäischen Musikmonat 2001» oder Gidon Kremers «Les Muséiques», ein Festival, das hauptsächlich in Museen spielte. Nun haben sich Baselland und Baselstadt auf Initiative von Beat Gysin zusammengetan, um die «einheimische» Biennale ZeitRäume Basel zu realisieren. Gysin präsidiert den Verein Zeiträume, der das Festival verantwortet. An der Pressekonferenz vom 23. Juni in Laufen präsentierte Festivalintendant Bernhard Günther das vielfältige und spannende Programm

Das Konzept ist bestechend: Neue Musik erobert neue Räume und ein neues Publikum. Es überzeugt auch vom Qualitätsanspruch her. Namhafte Komponisten schreiben Stücke für unkonventionelle Konzerträume, wobei die Räume in die Kompositionen einbezogen werden. Und verschiedene Schulklassen und Musikschulen von Stadt und Land sowie Studierende der Musik-Akademie sind originell in die Produktionen eingebunden.

Insgesamt bespielen rund 1000 Beteiligte die beiden Basel, es werden an den vier Festivaltagen über 20 Innen- und Aussenräume akustisch ausgeleuchtet, darunter das Basler Münster inklusive Kreuzgang und Vorplatz, die historische Innenstadt von Laufenburg, das Volkshaus, die Bahnhofshalle Badischer Bahnhof, das Staatsarchiv, eine offene Halle im Rheinhafenareal, der Lachsländerhof, die Alte Aula im Naturhistorischen Museum und das Stadtcasino.

Besonders auffällig an dieser ersten Biennale ist die Durchmischung von Profis mit Laien, von internationalen Grössen und einheimischen Kräften. So findet man international führende Komponisten wie Georg Friedrich Haas, Dieter Schnebel, James Clarke, Karlheinz Stockhausen ebenso in den Programmen wie die Schweizer Künstler Beat Furrer, Daniel Ott und Edu Haubensak. Veranstalter wie das Sinfonieorchester Basel sind für einmal beteiligt an pädagogischen Konzepten für Grundschülerinnen und -schüler, Musikstudentinnen und -studenten. Dieses Miteinander, das sich an den unkonventionellsten Orten Basels klingend offenbaren wird, dürfte dem Festival einen grandiosen Sog geben.

Ein wichtiger Bestandteil dieses Musikfestivals sind die verschiedenen Klanginstallationen. So zeigt etwa das Schweizerische Architekturmuseum ab dem 4. September die Ausstellung Der Klang der Architektur. Der in Berlin lebende Komponist Peter Ablinger entwickelt dafür mit dem Elektronischen Studio der Musik-Akademie Basel in den Ausstellungsräumen ein speziell auf die Ohren zugeschnittenes Konzept.

Im Hinterhof der Musik-Akademie kann man Walter Fähndrichs Musik-Installation Sunset erleben, die den Innenhof in subtil auf den Ort abgestimmte Klangfarben taucht. Unbequeme Musik gibt es auf dem Theaterplatz mit einem «begehbaren Hörstück» von Peter Ablinger, das aus den Klängen der Stadt ein inszeniertes Erlebnis macht. Oder dann der geheimnisvolle Tunnel Spiral im Tunnel des Parkhauses City, in welchem junge Komponistinnen und Komponisten aus Basel eine interaktive Klanginstallation einrichten.

So werden die sonst oft als elitär geltenden Exponentinnen und Exponenten der Neuen Musik Alltagsräume erobern, wie an der Pressekonferenz in Laufen vier Schüler Alltagsgegenstände bespielten. Auf einem Wassereimer hockend machten sie orange Plastikeimer mit Holzschlägeln zu Schlagzeugen, eine dramaturgisch und konzentrationsmässig beeindruckende Leistung.

An der Biennale selbst werden unter der Leitung von Sylwia Zytynska zirka 300 Schülerinnen und Schüler mitmachen, die nicht nur das hübsche «Stetli» von Laufen akustisch besetzen, sondern auch die Freiestrasse in der Stadt Basel. Der anwesende Stadtpräsident Alexander Imhof zeigte berechtigten Stolz auf die Musikbegeisterung in den Laufener Schulen.


www.zeitraeumebasel.com


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