Herkulesaufgabe 
Beat Santschi

Beat Santschi

31.03.2021

Beat Santschi, Zentralsekretär des Schweizerischen Musikerverbandes SMV, antwortet auf die Fragen der Schweizer Musikzeitung.

Wie geht es Ihnen und dem SMV nach diesem Jahr?

Dem SMV geht es den Umständen entsprechend gut. Den Mitgliedern weniger. Ich werde langsam zum Zoombie. Das Problem ist, dass die Krise noch nicht vorüber ist. Es zehrt schon sehr an den Kräften. Aus heutiger Sicht erscheint mir die Verbandsarbeit früherer Jahre geradezu paradiesisch gemütlich.

Was ist für Sie besonders einschneidend an der Corona-Zeit?

Während der Liveperformance-Sektor seit einem Jahr faktisch oder praktisch unter einem Berufsverbot leidet und die Betroffenen nur dank permanentem Kampf mit den Behörden mehr schlecht als recht über die Runden kommen, macht die Tonträgerindustrie im Streaminggeschäft Rekordgewinne, die den Musikerinnen und Musikern nach wie vor grösstenteils vorbehalten werden.

Sehr positiv war und ist die Zusammenarbeit mit anderen Verbänden, auch der Veranstalter, in der Taskforce Culture sowie mit dem Schweizerischen Gewerkschaftsbund zugunsten des gesamten Kultursektors. Auch die internationale Solidarität im Rahmen der Fédération Internationale des Musiciens wurde durch die Krise noch zusätzlich gestärkt, trotz beispielloser Schwierigkeiten in vielen Ländern.
 

Wie verändert die Corona-Zeit Ihrer Meinung nach den Musikerberuf und Ihren Verband?

Je länger die Krise dauert, desto mehr freischaffende Musiker und Musikerinnen werden sich beruflich anders ausrichten (müssen). Eine Umfrage unserer englischen Schwestergewerkschaft ergab, dass 40 Prozent ihrer Mitglieder daran denken, den Musikerberuf aufzugeben. Eine Umfrage der Taskforce Culture Romande kommt für die Westschweiz zu einem ähnlichen Resultat. Den damit einhergehenden Verlust an kultureller Vielfalt wieder zu kompensieren, wird eine Herkulesaufgabe sein.

Glücklicherweise hat der SMV bisher keinen Mitgliederschwund zu beklagen, im Gegenteil. Doch die langfristigen Auswirkungen der Krise lassen sich noch nicht abschätzen. Wir hoffen natürlich, dass die zu erwartenden Steuer-Mindereinnahmen der Kantone und Kommunen nicht auf dem Rücken der Kultur kompensiert und langfristig zu Problemen für unsere Orchester werden.
 

Welche Frage möchten Sie dem Bundesrat stellen oder was wünschen Sie sich von ihm, damit die Musikszene wieder auflebt?

Ob er Pläne zur Revision der Sozialversicherungen hat, nachdem sich deren Lücken für die Kulturschaffenden in der Krise eklatant gezeigt haben. Die Frage habe ich BR Berset schon gestellt. Die Antwort war enttäuschend. Die eines Tages zu erwartende Wiedereröffnung der Kulturbetriebe soll nicht an starre Zahlen gekoppelt sein, sondern sich – wie im «Basler Modell» aufgezeigt – flexibel an den örtlichen Begebenheiten und vorhandenen Schutzkonzepten orientieren.


Kommentare

* Pflichtfelder

Neuer Kommentar
Ihr Beitrag wird nach redaktioneller Prüfung veröffentlicht.

Archiv

Hier finden Sie alle Artikel, die in der Schweizer Musikzeitung seit der ersten Ausgabe im Januar 1998 erschienen sind: Printarchiv

Artikel, die in der Schweizerischen Musikzeitung (bis 1983) erschienen sind, finden Sie in Bibliotheken (z.B. Zentralbibliothek Zürich, Schweizerische Nationalbibliothek).

Inserieren in der SMZ

Die Schweizer Musikzeitung bietet ein vielfältiges Umfeld für Ihre Inserate. Weitere Details finden Sie hier: Inserieren

Abonnieren Sie die SMZ

Die Printausgabe der Schweizer Musikzeitung erscheint 9 mal jährlich (Doppelnummern Januar/Februar, Juli/August und September/Oktober). Hier können Sie ein Abonnement bestellen: Abonnieren

Aktuelle Anzeigen

Stellenanzeigen

Hier werden Sie zu den aktuellen Stellenangeboten weitergeleitet. Weitere Inserate finden Sie in der Printausgabe.

Kauf/Verkauf

Hier werden Sie zu den aktuellen Angeboten weitergeleitet. Weitere Inserate finden Sie in der Printausgabe.

Kurse und Veranstaltungen

Hier werden Sie zu den aktuellen Angeboten weitergeleitet. Weitere Anzeigen finden Sie in der Printausgabe oder im Kurskalender.

Konzertagenda

Hier werden Sie zu den aktuellen Veranstaltungen weitergeleitet.

Tagungen / Symposien

Hier werden Sie zu aktuellen Tagungen und Symposien weitergeleitet.

Wettbewerbe

Hier finden Sie Links zu Wettbewerben.

Zur Geschichte der Schweizer Musikzeitung

1998 fusionierten sechs Verbandsorgane zur Schweizer Musikzeitung

Musikzeitschriften gibt es in der Schweiz seit dem 19. Jahrhundert; sie stehen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Chorgesang. Nach einer Periode der Zersplitterung entstand 1998 aus der Fusion von sechs Verbandsorganen die Schweizer Musikzeitung.

2008 feierte die Schweizer Musikzeitung ihr 10-jähriges Bestehen. Dies war der Anlass, einen Blick auf ihre lange Vorgeschichte zu werfen. Siehe Artikel Vom Sängerblatt zur SMZ in: SMZ 1/2008, S. 5 ff.

Im Januar 2013 wurde die Schweizer Musikzeitung neu gestaltet und inhaltlich erweitert. Relaunch

Wir danken der Fondation Suisa, der Schweizerischen Interpretenstiftung, der Stiftung Phonoproduzierende und der Pro Helvetia für die Unterstützung dieses Neuauftritts.

Am 28. November 2014 beschloss die ausserordentliche Delegiertenversammlung des Vereins Schweizer Musikzeitung, die NZZ Fachmedien AG ab 1. Januar 2015 als Verlegerin und Herausgeberin der Schweizer Musikzeitung einzusetzen und den Verein Schweizer Musikzeitung zu liquidieren. Siehe Nachricht.

Seit dem 1. Januar 2020 gehört die Schweizer Musikzeitung zur CH Regionalmedien AG.

Per 1. Oktober 2020 wird die Schweizer Musikzeitung von der Galledia AG übernommen. Siehe Mitteilung der CH Media.