Zum Thema Karriere 
Nicole Johänntgen

Nicole Johänntgen

Interview: SMZ, 03.09.2013

Alter: 31
Berufsbezeichnung: Musikerin
Werdegang: Klavier- und Saxofon-Ausbildung an der Musikschule, Jazz-Studium Saxofon
heutige Position: Musikerin, Musiklehrerin, Radiomoderatorin, Initiantin SOFIA (Support Of Female Improvising Artists)

Was verbinden Sie in der Musik mit dem Begriff «Karriere»?
Ich verbinde damit, dass man viele gute Konzerte gibt und daneben auch noch aktiv bleibt in der Kulturszene und sich engagiert.

Sind Sie ein Einsteiger, Aufsteiger, Umsteiger, Aussteiger?
Alles zusammen und zur gleichen Zeit.

Welche Erwartungen haben/hatten Sie an Ihre Karriere?
Schritt für Schritt mehr Konzerte zu spielen, Netzwerk-Aufbau und immer schön die Angel in der Hand zu behalten.

Welchen Stellenwert hat die berufliche Karriere in Ihrem Leben?
Wenn man schöne Konzerte spielt, dann ist das wie eine Rakete. Und ich fliege gern darin. Je mehr ich spiele, desto mehr flieg ich. Was man gerne macht, will man umso mehr. Karriere klingt nach Druck. Das ist es nicht. Aber ich arbeite dafür, mehr spielen zu können. Mich «hängenlassen» kann ich nicht. Das «Steh-auf-Männchen» ist mein Freund.

Wie weit ist eine Karriere machbar, ein Ziel erreichbar? Haben Sie positive oder negative Erfahrungen?
Zuerst muss man das Ziel kennen und dann kann man es ansteuern mit Hilfe von anderen. Auf diesem Weg stolpert man auch mal über Steine. Gehört dazu und man lernt daraus.

Wie ist das Verhältnis von Planung und Arbeit gegenüber Zufall, Glück und Unglück?
Aus meiner Erfahrung kann die Planung manchmal Wochen und Monate dauern und der Zufall machts plötzlich unverhofft möglich. Unfassbar.

Gab es einen markanten/unerwarteten Karrieresprung oder auch Karriereknick und was löste er aus?
Es gab 2009 einen Sprung. Während eines Konzertes bin ich mit der Rakete nach oben gestiegen und das war so markant, wie ich es vorher noch nie erlebte. Und dieses Gefühl wollte ich immer und immer wieder und heute auch noch spüren. Die logische Schlussfolgerung war, dass ich den Telefonhörer in die Hand nahm und mich beworben habe bei Konzertveranstaltern.
Auf nette und charmante Art «bohren», bis das Ziel erreicht ist, das Netzwerk aufbauen: Das dauert und erfordert Ausdauer.

Wie schätzen Sie Brüche in Ihrer Karriere und/oder in der Karriere anderer ein?
Ich sehe keine Brüche. Ich sehe nur Weiterentwicklung. Und es wird immer wieder Leute geben, die gewisse Veränderungen nicht gut finden. Man selbst steht da aber ganz anders dar. Es ist ein Ausprobieren auf allen Ebenen. Ich sehe keine Brüche in anderen Karrieren. Es gibt eine musikalische Weiterentwicklung bei Musikern, und als Zuhörer mag man sie oder eben auch nicht.

Was war Ihrer Karriere besonders förderlich, was besonders schädlich?
Schädlich war nichts. Ich hatte während meines Studiums die Möglichkeit, an internationale Treffen von jungen Jazzmusikern zu reisen, in der USA, Finnland und Dänemark. Das war grossartig und hat meine Tätigkeit und mein Denken geprägt.

Empfinden Sie Ihre Karriere (bisher) als gelungen?
Ich kann mich mit dem Wort Karriere nicht recht anfreunden. Fragen Sie mich das in 30 Jahren wieder. Aus dem jetzigen Stand hat sich seit letztem Jahr sehr viel ergeben. Alles, was in meinem Kopf ist, muss raus. Ich stecke in der Tatendrang-Zeit und geniesse es. Ich spiele sehr viel und lerne immer wieder neue Leute kennen. Das ist wirklich fantastisch. Ich bin sehr zufrieden. Aber: I always go on!

Muss man als Musiker stärker an seiner Karriere arbeiten als in einem anderen Beruf?
Ich kenne mich in anderen Berufen nicht aus. Man muss einfach am Ball bleiben. Augen und Ohren offen halten und neue Begegnungen zulassen und annehmen.

Können Musikerkarrieren «von aussen» (von Lehrern, Agenten, Medien) gemacht werden?
Es gibt nichts, was noch nicht da war!
 


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