{"id":42236,"date":"2017-03-28T00:00:00","date_gmt":"2017-03-27T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.musikzeitung.ch\/allgemein\/2017\/03\/hypnotische-loesungen-fuer-musiker"},"modified":"2023-02-28T15:40:07","modified_gmt":"2023-02-28T14:40:07","slug":"hypnotische-loesungen-fuer-musiker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.musikzeitung.ch\/it\/smz\/2017\/03\/hypnotische-loesungen-fuer-musiker","title":{"rendered":"Soluzioni ipnotiche per musicisti"},"content":{"rendered":"\n\n<p><img decoding=\"async\" class=\"size-full\" src=\"https:\/\/www.musikzeitung.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/hyp3.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<div class=\"main-content article clearfix\">\n<div class=\"media picture\"><\/div>\n<p><strong>Eignet sich Hypnose f\u00fcr Musiker? Anhand zweier Problemfelder \u2013 Lampenfieber und motorische Komplikationen \u2013 werden erfolgreich erprobte hypnotische und hypnop\u00e4dagogische L\u00f6sungswege vor dem Hintergrund des aktuellen Wissensstandes skizziert.<\/strong><\/p>\n<div class=\"text-section\">\n<p>Hypnoseerfahrene Psychologen (<strong>1<\/strong> &#8211; <em>Red.: Anmerkungen jeweils am Ende des Textabschnitts<\/em>) und \u00c4rzte wundern sich nicht \u00fcber einen Befund, der w\u00e4hrend der letzten Jahre an den weltweit gr\u00f6ssten Fachkongressen zur Hypnose \u2013 etwa in Bremen oder Paris \u2013 immer wieder herausgestellt wurde: Trancef\u00f6rdernde <strong>(2)<\/strong> Umst\u00e4nde erleichtern die Nutzung hypnotischer Verfahren und Effekte. Das gilt selbst f\u00fcr <em>unangenehme<\/em> Formen von Trance, sogenannte \u00abProblemtrancen\u00bb: So schildern viele Zahn\u00e4rzte, die zur Angstreduktion oder An\u00e4sthesie mit Hypnose arbeiten, wie sehr die \u00e4ngstlich-erwartungsvolle Aufmerksamkeit des Patienten vor dem zahn\u00e4rztlichen Eingriff das \u00dcberleiten in eine gew\u00fcnschte Hypnose erleichtert. Auch eignen sich solche Situationen, in denen also von selbst tranceartige Zust\u00e4nde auftreten, als Rahmen und Ausl\u00f6ser posthypnotischer <strong>(3)<\/strong> Reaktionen. Wie bedeutend und zielf\u00fchrend die Effekte dabei sind, h\u00e4ngt nicht nur von der Hypnosef\u00e4higkeit des Klienten, sondern auch von der kompetenten, hoch flexiblen Durchf\u00fchrung der Hypnose ab, unter Ber\u00fccksichtigung der pers\u00f6nlichen und situativen Gegebenheiten. Das neuerdings inflation\u00e4re Angebot scheinbarer Hypnoseanwendungen, die oft im blossen Hersagen oder gar Vorlesen von Standardtexten bestehen, verschleiert dabei die eindr\u00fccklichen M\u00f6glichkeiten fachkundig durchgef\u00fchrter Hypnose.<\/p>\n<p>Dass gerade Musiker sowohl mit unangenehmen, wie auch mit befl\u00fcgelnden Trancezust\u00e4nden vertraut sind, liegt auf der Hand \u2013 nicht nur aufgrund des Absorbiertseins durch die Auftrittssituation und den Abruf ausgedehnter Erinnerungssequenzen, die eine Art \u00abhypnomorphes Geschehen\u00bb darstellen, sondern auch durch die Versenkung in die Musik. Betrachten wir einmal den letzten Fall in einer Art Stimmungsbild: Wir sitzen im Konzertsaal. Die Klavierkl\u00e4nge von der B\u00fchne hatten uns, die Zuh\u00f6rer, schon gleich am Anfang auf ber\u00fcckende Weise gefesselt und unsere ganze Aufmerksamkeit in Anspruch genommen. Wir werden zauberhafte Wege eines grossen Werks entlanggef\u00fchrt. Die Pfade scheinen sich allm\u00e4hlich in entlegene Gefilde zu verlieren, bis wir inne werden, dass selbst die Seiten- und Umwege uns mehr und mehr entf\u00fchren, zu entr\u00fcckten H\u00f6hen hinauf. Man sp\u00fcrt es jetzt auch, wie der Musiker dort gleichsam Atem sch\u00f6pft und sich weit \u00fcber das Land erhebt, um die Fl\u00fcgel freier ausbreiten zu k\u00f6nnen zum unbeirrbaren Flug, den Abendstern wie ein fernes Leuchtfeuer im Blick. Und irgendwie versteht das versunkene Publikum den K\u00fcnstler auf der B\u00fchne \u2013 versteht auch dieses Zwiefache: Selber das zu gestalten, was ihn tr\u00e4gt. Kraft in die Musik zu geben, die doch von der Musik herkommt. Das Publikum nimmt wahr, wie dort am Fl\u00fcgel das Tun und das Geschehenlassen kaum mehr zu unterscheiden sind, w\u00e4hrend zugleich, so wie jetzt auch im Saal, alles \u00c4ussere zur\u00fccktritt.<\/p>\n<p>Nun w\u00fcrde man zwar weder beim Pianisten noch bei seinem Publikum von einem eigentlichen hypnotischen Vorgang oder Zustand sprechen wollen. Das w\u00e4re auch nicht zutreffend und \u00fcberdies vermessen \u2013 schon deshalb, weil die Musik mit tiefster, allem Denken und Reden ewig unerreichbarer Wahrheit zu tun hat und sich jeder Reduktion auf irgendein Anderes entzieht. Aber dennoch zeigen die Besonderheiten des Geschehens und Erlebens in Hypnose <em>manche<\/em> damit verwandten Z\u00fcge. Das l\u00e4sst uns dann auch verstehen, dass ein grosser Musiker wie Rachmaninow, in schwerer Krise, so sehr von der Hypnose profitieren konnte, dass er sein nach der Behandlung geschriebenes 2. Klavierkonzert seinem Hypnosearzt, Nikolai Dahl, gewidmet hat. Welche verwandten Z\u00fcge also sind gemeint? Etwa diese: Tief in einer Betrachtung oder Wahrnehmung versunken zu sein, von dieser fasziniert, bewegt zu ver\u00e4nderter Aufmerksamkeit, die sich letztlich mehr nach innen richtet, wobei anderes zur\u00fccktritt, bei ver\u00e4nderter Zeit- und K\u00f6rperwahrnehmung, wandelnd in einem Grenzbezirk zwischen Tun und Geschehenlassen: Das w\u00e4re eine durchaus typische Beschreibung der Erfahrung in Hypnose. In der Hypnose freilich ist dann oft \u2013 nicht immer \u2013 die Wachheit reduziert: Im Verlauf einer mitteltiefen, also normalen klinischen Hypnose, treten h\u00e4ufig l\u00e4ngere Phasen auf, w\u00e4hrend derer man sich wie kurz vor dem Einschlafen f\u00fchlt, in einer Art von tr\u00e4umerischem oder tagtr\u00e4umerischem Zustand, wo man eher in Bildern denkt, oft auch nicht mehr genau zuh\u00f6rt und doch wahrnimmt, dass z. B. angek\u00fcndigte k\u00f6rperliche Reaktionen wie automatisch auftreten. Man beobachtet dann, dass bei einem selber etwas abl\u00e4uft, was auf bewusst kontrollierendes Mitwirken nicht angewiesen ist.<\/p>\n<p>Was ist der Nutzen solcher hypnotischer Erfahrungen? Nun, man kann damit besonders wirksam Erlebens- und Verhaltensweisen sowie vegetative und muskul\u00e4re Reaktionen ver\u00e4ndern. In Hypnose gelingt es leichter als im hellen Wachzustand, eingeschliffene, immer gleiche Muster des Denkens, des F\u00fchlens, der Wahrnehmung oder des Verhaltens zumindest versuchsweise liegenzulassen, um sich Neuem zuzuwenden. Dabei ist die Suggestibilit\u00e4t (besonders im Rahmen erw\u00fcnschter und nat\u00fcrlicher Reaktionen) erh\u00f6ht, und der Zugang zu Gef\u00fchlen \u2013 und \u00fcber diese auch zum episodischen Ged\u00e4chtnis \u2013 erleichtert. Der \u00abstille Beobachter\u00bb im Hintergrund bleibt dabei immer pr\u00e4sent und stets in der Lage, den Zustand zu beenden. Das ist eine wichtige und durch verschiedene empirische Untersuchungen belegte Tatsache: Man kann also niemanden in Hypnose zu Handlungen bewegen, die er nicht auch im Wachzustand akzeptieren k\u00f6nnte. Bringt ein Showhypnotiseur jemanden dazu, wie ein Hund auf allen Vieren zu gehen oder den grauhaarigen Herren in der ersten Reihe am Schlips zu ziehen usw., dann hat der Proband \u2013 nachweislich \u2013 sehr wohl realisiert, was er tut und h\u00e4tte es auch unterlassen k\u00f6nnen. In diesem Fall ist es aber so, dass er ja ein sozial \u2013 n\u00e4mlich vom Hypnotiseur wie auch vom Publikum \u2013 erw\u00fcnschtes Verhalten zeigt, welches zudem \u00abdurch den hypnotischen Zustand\u00bb als entschuldigt gilt und f\u00fcr das er hinterher Applaus erntet. Man darf also derlei Bef\u00fcrchtungen ohne weiteres beiseitelegen, wenn man sich anschickt, Hypnose als ein Instrument zur Bew\u00e4ltigung berechtigter Anliegen zu nutzen.<br \/>\nWir wollen uns nun im Folgenden zwei Themenkreisen zuwenden, die f\u00fcr Musiker von besonderer Bedeutung sind: Lampenfieber und motorische Komplikationen.\n<\/p><\/div>\n<div>\n<blockquote class=\"text-section\">\n<h4>Anmerkungen 1 bis 3<\/h4>\n<p><strong>1<\/strong> Es wird hier die k\u00fcrzere, m\u00e4nnliche Form verwendet, obgleich nat\u00fcrlich von Frauen und M\u00e4nnern gleichermassen die Rede ist. Damit \u2013 wie auch mittels dieser Anmerkungen \u2013 soll zur sprachlichen Gl\u00e4ttung des Textes beigetragen werden.<\/p>\n<p><strong>2<\/strong> Mit \u00abTrance\u00bb sind Zust\u00e4nde ver\u00e4nderten Bewusstseins gemeint, z. B. eingeengte oder erweiterte Aufmerksamkeit, Ver\u00e4nderung der K\u00f6rper- und Zeitwahrnehmung, gr\u00f6ssere N\u00e4he zu Gef\u00fchlen usw.<\/p>\n<p><strong>3<\/strong> Das sind erw\u00fcnschte Reaktionen, die in der Hypnose vorbereitet bzw. angelegt werden, damit sie im beabsichtigten Zusammenhang dann von selber auftreten.<\/p><\/blockquote>\n<\/div>\n<div>\n<h3 class=\"\">Lampenfieber<\/h3>\n<\/div>\n<div class=\"text-section\">\n<p>Erinnern wir uns zun\u00e4chst der eingangs ge\u00e4usserten Feststellung, dass trancef\u00f6rdernde Bedingungen die Nutzung der Hypnose erleichtern. Wir hatten am Beispiel einer befeuernden und erhebenden \u00abTrance\u00bb \u2013 im grossartigen Konzert \u2013 einige mit hypnotischer Trance verwandte Z\u00fcge herausgearbeitet, um diesen Sachverhalt vor Augen zu f\u00fchren. Wenden wir uns nun aber einer ganz anderen, eher der erw\u00e4hnten zahn\u00e4rztlichen Problemtrance verwandten, musikertypischen Situation zu: dem Auftritt. Auch da finden wir \u2013 selbst im h\u00e4ufigen Fall eher leichter, anspornender, befeuernder Formen von Lampenfieber \u2013 die Absorption der Aufmerksamkeit durch die Situation, das Zur\u00fccktreten von anderen Wahrnehmungen, das ver\u00e4nderte K\u00f6rper- und Zeitgef\u00fchl und ein Erleben, dass Dinge ablaufen, die wir nicht kontrollieren. Gerade Letzteres f\u00e4llt dann bei st\u00e4rker ausgepr\u00e4gtem Lampenfieber oder gar eigentlicher Auftrittsangst (vgl. zu dieser etwas k\u00fcnstlichen Unterscheidung: Spahn et al., 2011, S. 150) besonders auf: Herzklopfen bis zum Hals, kalte und nasse H\u00e4nde, weiche Knie, eingeschr\u00e4nktes Gesichtsfeld, trockener Mund, flache Atmung, Anspannung \u2013 also die verschiedenen k\u00f6rperlichen Korrelate der Angst, wobei zudem die F\u00e4higkeit zur willentlichen Konzentration, oft auch das Selbstvertrauen herabgesetzt ist und der Ged\u00e4chtniszugriff gest\u00f6rt sein kann. Wir wollen hier vorerst nur dieses festhalten: Die Symptomatik, die sich zumindest in dieser schweren Form sehr leistungsmindernd auswirken kann, illustriert geradezu beispielhaft, was wir weiter oben als Problemtrance bezeichnet hatten. Und gerade diese \u2013 zun\u00e4chst st\u00f6rende \u2013 Gegebenheit kann nun der Nutzung hypnotischer Effekte dienlich sein, wie alsbald deutlich werden soll.<\/p>\n<p>Voraussetzung f\u00fcr erfolgreiche Auftritte jeder Art (nicht nur musikalische) ist nat\u00fcrlich stets die Beherrschung des vorzutragenden Programms. Aber bereits w\u00e4hrend dessen Erarbeitung k\u00f6nnen Massnahmen getroffen werden, welche einerseits die bevorstehende Auftrittssituation entsch\u00e4rfen und andererseits das, was nicht entsch\u00e4rft werden kann, zielf\u00fchrend \u00abumnutzen\u00bb. Den hypnosegest\u00fctzten Interventionen muss in einem ersten Gespr\u00e4ch \u2013 bei einem mit Hypnose arbeitenden Arzt oder Psychologen \u2013 eine eingehende Er\u00f6rterung vorausgehen: der individuellen Probleme, der bisherigen Auftrittserfahrungen, der Ressourcen, der \u00dcbepraxis sowie biografischer Gegebenheiten. Erst dann kann sich das Vorgehen z. B. den folgenden M\u00f6glichkeiten zuwenden, die zwar nicht immer alle zur Anwendung kommen m\u00fcssen, aber doch als Facetten eines sehr wirksamen Gesamtkonzepts gelten d\u00fcrfen:<\/p>\n<p>A)<br \/>\nIn der Hypnose l\u00e4sst sich zun\u00e4chst ein dem (unangenehmen) Stresserleben auf der B\u00fchne entgegengesetzter, angenehmer Zustand herstellen, der gleichwohl in Richtung der erforderlichen Agilit\u00e4t, Pr\u00e4senz und Flexibilit\u00e4t modelliert werden kann. Zu diesem angst- und stressfreien, aber dennoch agilen Zustand soll nun in einem weiteren Schritt die Vorstellung der B\u00fchne und des Publikums hinzugenommen werden, bei stets wiederholter \u00dcberpr\u00fcfung und Wiederherstellung des \u2013 k\u00f6rperlich und geistig \u2013 gew\u00fcnschten Erlebens. Dadurch wird eine assoziative Neuorientierung erreicht: An Stelle der bisherigen Verbindung B\u00fchnensituation\u2013Lampenfieber, wird die Verbindung mit dem gew\u00fcnschten, gel\u00f6sten Erleben etabliert. Der Zielzustand wird hier also nicht durch Habituation (Gew\u00f6hnung) erreicht, sondern in der Als-ob-Realit\u00e4t der Trance in die Stresssituation hineingetragen, die dadurch neutralisiert bzw. \u00abumerlebt\u00bb wird. Obgleich nun dieses Vorgehen durch gelegentliche Wiederholung zuhause \u2013 mittels einfacher Selbsthypnoseverfahren \u2013 vertieft und gefestigt werden kann, so ist dennoch einem wichtigen Umstand Rechnung zu tragen: der Tatsache n\u00e4mlich, dass ein zumindest ansatzweises Auftreten nerv\u00f6ser Symptome zu Beginn des tats\u00e4chlichen Auftritts meist nicht verhindert werden kann (ausser bei Klienten, die besonders stark auf Hypnose und direkte Suggestionen reagieren). Leichtfertiges \u2013 und damit eben: falsch verstandenes \u2013 \u00abpositives Denken\u00bb ist hier fast immer kontraproduktiv. Man muss sich auf die nerv\u00f6sen Symptome <em>einstellen<\/em> und keinesfalls diese jeweils unmittelbare Manifestation des Lampenfiebers schon an der Wurzel verbieten wollen. Andernfalls begibt man sich bereits wieder in jenen ber\u00fcchtigten Angstkreis hinein, der schon bisher f\u00fcr die Symptomatik verantwortlich war: Nerv\u00f6se K\u00f6rpersymptome \u2013\u2013\u2013&gt; aha, es hat also doch nichts gen\u00fctzt \u2013\u2013&gt; \u00e4ngstliche Erwartung weiterer dysfunktionaler Reaktionen -\u2013\u2013&gt; Verst\u00e4rkung der Symptome \u2013\u2013&gt;Zunahme der Fehler und Ged\u00e4chtnisausf\u00e4lle -\u2013\u2013&gt; usw. usf. Es muss also darauf abgezielt werden, die Ernstfallsituation auch dann erfolgreich zu bew\u00e4ltigen, wenn Zeichen des Lampenfiebers schon da sind! Wie dies geschehen soll, beschreiben die Punkte B) und C).<\/p>\n<p>B)<br \/>\nNur mit geb\u00fchrender Umsicht und vorbereitend auf den anschliessenden Punkt C: Angst bzw. Stress sollen vor imaginiertem Publikum in der Als-ob-Realit\u00e4t der Trance erlebt werden, bei gelingendem Spiel \u2013 also Gelingen <em>im Stresszustand<\/em>. Dieses Vorgehen zielt somit darauf ab, unter Stress und Angst gut handlungsf\u00e4hig zu bleiben.<\/p>\n<p>C)<br \/>\nHypnotische Prozeduren zur Gef\u00fchlstransformation: Verwandlung von belastenden, l\u00e4hmenden in befl\u00fcgelnde, belebende, souver\u00e4n-gel\u00f6ste Gef\u00fchle \u2013 sozusagen vom Lampenfieber hin zum olympischen Feuer. Ist dies in Hypnose hinreichend etabliert, so dienen die beim Auftritt gesp\u00fcrten Zeichen des Lampenfiebers, also der beginnenden \u00abProblemtrance\u00bb, als Anker und Einstieg in die hypnotisch einge\u00fcbte Gef\u00fchlstransformation. Anders ausgedr\u00fcckt: Bleibt die Problemtrance auf der B\u00fchne aus, so brauchen wir auch nichts zu transformieren. Tritt aber eine Problemtrance (hier in Form des Lampenfiebers) auf, so wird damit der in Hypnose an diesen Problemzustand gekn\u00fcpfte gel\u00f6ste Zielzustand aktiviert. Das ist im \u00dcbrigen durchaus nichts Unnat\u00fcrliches: Es ist ja im Grunde derselbe Vorgang, den viele erfolgreiche Musiker seit Jahrhunderten auf der B\u00fchne erlebt haben. Solche Umnutzung und Umformung des Problemerlebens erleichtert dann auch die erforderliche R\u00fcckorientierung der Aufmerksamkeit auf die Musik.<br \/>\nBesonders bei A) und C) werden auch eigentliche Entspannungssuggestionen eine Rolle spielen. Sie sollten aber mit der n\u00f6tigen Umsicht gestaltet werden, da der Auftritt ja einen leistungsorientierten Rahmen darstellt: Da hat man sich nicht in tiefste, entspannte Ruhe hineinzubegeben, sondern den Entspannungsaspekt haupts\u00e4chlich auf muskul\u00e4re Gel\u00f6stheit und freie Pr\u00e4senz zu beziehen, die dann auch in der an und f\u00fcr sich hochwachen und konzentrierten Situation zur Verf\u00fcgung stehen kann.<\/p>\n<p>D)<br \/>\nRessourcenorientierte (und somit wahrheitsgem\u00e4sse) Korrektur von Selbstabwertung und \u00fcberstarken Selbstzweifeln. Geeignete pers\u00f6nliche Ressourcenerfahrungen k\u00f6nnen in Hypnose meist wesentlich leichter gefunden und aktiviert werden (Bongartz &amp; Bongartz, 2000, S. 232). Diesbez\u00fcglich ist es zudem auch wichtig, sich auf die Identit\u00e4t als Musiker zu besinnen, der \u00fcber alle m\u00f6gliche Unzul\u00e4nglichkeit hinweg jederzeit mit dem hehren, zutiefst sinnhaften Geschehen der Musik zu tun hat, die \u2013 als ein innerliches Anliegen \u2013 ein Teil seiner Pers\u00f6nlichkeit ist. Hilfreich ist dabei durchaus, sich zu erinnern an Ereignisse, wo ber\u00fchmte Musiker sogar noch aus dem Abgrund falscher T\u00f6ne umso ergreifender die Gr\u00f6sse der Musik erstehen liessen. Klavierspieler m\u00f6gen hier etwa an Cortot denken.<\/p>\n<p>E)<br \/>\nImmer werden auch direkte Suggestionen in Hypnose \u2013 dass alles Gelernte zur Verf\u00fcgung steht, dass man ruhig, klar, konzentriert ist usf. \u2013 gegeben, wobei wiederum die Symptome der Problemtrance als Anker genutzt werden k\u00f6nnen, diese Sicherheit p\u00fcnktlich auf der B\u00fchne herzustellen. Dies z. B. so, dass der Beginn oder Anstieg der Symptome beim Betreten der B\u00fchne als Anker dient. Der Betreffende merkt dann, wie das in Hypnose angelegte Zielempfinden beim \u00dcberqueren der B\u00fchne auftritt.<\/p>\n<p>F)<br \/>\nNutzung von Selbsthypnose zur weiteren Etablierung des bisher Geschilderten, aber auch zur habituellen muskul\u00e4ren Lockerung und Verbesserung der K\u00f6rperbewusstheit \u2013 selbst <em>w\u00e4hrend des Spielens<\/em> (sowohl zu Hause, als auch beim Auftritt).\n<\/div>\n<div>\n<blockquote class=\"text-section\"><p><strong>Lampenfieber: Facetten hypnotischer Intervention<\/strong><br \/>\nNach Kl\u00e4rung der individuellen Gegebenheiten (Vorgespr\u00e4ch):<\/p>\n<ul>\n<li>Assoziative Neuorientierung betr. B\u00fchnensituation<\/li>\n<li>Handlungsf\u00e4higkeit unter Stress erh\u00f6hen<\/li>\n<li>Gef\u00fchlstransformation (mit Ankerung betr. Auftritt)<\/li>\n<li>Ressourcenorientierte Korrektur von Selbstzweifeln<\/li>\n<li>Direkte Suggestionen in Hypnose<\/li>\n<li>Selbsthypnoseverfahren zur selbst\u00e4ndigen Weiterarbeit<\/li>\n<\/ul>\n<\/blockquote>\n<\/div>\n<div class=\"text-section\">\n<p>Mit welchem Zeitaufwand ist insgesamt zu rechnen? Wenn wir von Blitzerfolgen bei besonders geeigneten Probanden absehen, die erst Tage vor dem Auftritt in der Praxis erscheinen, und nach einer einzigen klassischen Hypnosesitzung \u2013 mit direkten Suggestionen \u2013 pl\u00f6tzlich problemfrei die B\u00fchne betreten (der Autor hat einschl\u00e4gige Erfahrung damit), dann l\u00e4sst sich etwa folgendes sagen: Oft wird man mit 4 bis 6 Sitzungen im Abstand von z. B. je einer Woche auskommen, sofern nicht ausgiebigere Arbeit mit der Vergangenheit, etwa aufgrund unbewusster Konflikte, angezeigt ist. In jedem Fall sollte zudem eine Nachbesprechung nach dem Auftritt erfolgen \u2013 auch, um die geeigneten Trainingselemente f\u00fcr die selbst\u00e4ndige Weiterarbeit mittels Selbsthypnose zu vereinbaren.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<h3 class=\"\">Motorische Komplikationen<\/h3>\n<\/div>\n<div class=\"text-section\">\n<p>Die Betrachtung des Extremen, Entgleisten und Problematischen erleichtert die Erkenntnis grundlegender Mechanismen, geeigneter Modellvorstellungen und L\u00f6sungswege: Das ist eine Tatsache, die sich nicht nur dem Autor w\u00e4hrend jahrelanger klinischer und Lehrt\u00e4tigkeit als Psychologe in der Psychiatrie immer wieder aufgedr\u00e4ngt hat \u2013 das lehrt auch die Geschichte aller natur- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen. Vergleichbares erweist sich uns auch im folgenden Problembereich.<br \/>\nMusiker kennen verschiedenste Beeintr\u00e4chtigungen auf dem motorischen Feld, die immer wieder instrumentalp\u00e4dagogische, manchmal gar \u00e4rztliche <strong>(4)<\/strong> Aufmerksamkeit beanspruchen. Viele dieser Beeintr\u00e4chtigungen haben mit Verspannungen, manche dann auch mit offenkundigen Problemen der Bewegungssteuerung zu tun. Ein eindr\u00fcckliches und zunehmend pr\u00e4sentes Thema ist dabei die \u00abMusikerdystonie\u00bb, die eine t\u00e4tigkeitsabh\u00e4ngige fokale Dystonie darstellt \u2013 also eine St\u00f6rung, die sich in unerw\u00fcnschten, gewissermassen fehlgeleiteten Muskelkontraktionen \u00e4ussert.<br \/>\nEs soll hier nun keineswegs versucht werden, einen fl\u00e4chendeckenden Abriss der Thematik oder eine systematische \u00dcbersicht aktueller empirischer Studien zu geben. Vielmehr sollen aufgrund entsprechender Erfahrungen zus\u00e4tzliche und aussichtsreiche Wege der Intervention aufgezeigt werden, einhergehend mit einigen, auch kritischen, Anmerkungen zur Interpretation der bis anhin bekannten Befunde. Dies scheint umso eher gerechtfertigt, als die Forschung von einem hinreichenden klinischen und theoretischen Verst\u00e4ndnis noch immer weit entfernt ist, was sich auch in den bisher ausgesprochen begrenzten Behandlungserfolgen niederschl\u00e4gt.<\/p>\n<p>Etwa 1% aller Berufsmusiker leiden im Laufe ihres Lebens irgendwann unter Musikerdystonie, zumindest in Deutschland (Spahn et al., 2011, S. 206). Grunds\u00e4tzlich sind Musiker aller Instrumentengattungen betroffen. Dennoch wird sich die Darstellung hier auf die besonders h\u00e4ufige Handdystonie bei Pianisten beschr\u00e4nken. Zumindest die grundlegenden Gesichtspunkte sind indessen analog auf andere Instrumente sowie die Stimme anwendbar. Die auch von aussen gut sichtbare Symptomatik besteht bei Pianisten haupts\u00e4chlich in Fehlbewegungen \u2013 meistens der Finger der rechten Hand \u2013 am Instrument, welche den beabsichtigten Bewegungsablauf empfindlich st\u00f6ren. Dabei geht es um Bewegungsabl\u00e4ufe, die zuvor in hohem Tempo und fliessend beherrscht wurden, etwa das Skalenspiel. Bemerkenswert ist, dass diese Fehlbewegungen t\u00e4tigkeits- und kontextabh\u00e4ngig sind, weshalb auch von \u00abfocal task-specific dystonia\u00bb (Frucht, 2015) gesprochen wird: So sind sehr oft in der Luft, auf der Tischplatte oder (seltener) gar auf einem einfachen Keyboard (ohne regelrechte Klaviermechanik) die korrekten Bewegungen ohne Weiteres m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Betrachten wir ein Beispiel: Da haben wir also einen Klavierstudenten in einem h\u00f6heren Semester vor uns, der bisher durchaus \u00fcberzeugende pianistische F\u00e4higkeiten erkennen liess \u2013 sowohl in musikalischer wie auch in technischer Hinsicht. Eines Tages klagt er \u00fcber Schwierigkeiten beim Skalenspiel: Der Zeigefinger der rechten Hand w\u00fcrde sich beim Daumenuntersatz unwillk\u00fcrlich einrollen, oder manchmal trete eine pl\u00f6tzliche Streckung des Mittelfingers auf. Es wird dem vorerst noch etwas sorglosen Lehrer bald klar, dass die Symptome nicht zu leugnen sind, sich zudem nicht bessern oder nur ganz vor\u00fcbergehend. Dann wird es schlimmer, und Lehrer wie Kommilitonen schreiben das zum Teil \u00e4usseren Stressfaktoren zu, was der Student aber zumindest im Grunds\u00e4tzlichen bezweifelt \u2013 und zwar zu Recht, wie die neueste Forschung zeigt (Ioannou et al., 2016). Es werden technische \u00dcbungen empfohlen, und Ans\u00e4tze eines Vermeidungsverhaltens stellen sich ein: Es wird auf eher akkordische, jedenfalls skalenarme St\u00fccke ausgewichen, die trotz zunehmender Tendenz zu unfreiem, verkrampftem Spiel besser gemeistert werden. Die Schwierigkeiten breiten sich indessen auf andere technische Figuren aus. Dann wird \u00e4rztliche Hilfe in Anspruch genommen, wobei \u00fcbrigens die neurologische Untersuchung keinen pathologischen Befund ergibt. Nach erfolglosen Versuchen mit Physiotherapie, Alexandertechnik und weiteren alternativmedizinischen Verfahren erfolgt dann ein Wechsel zu einem anderen, hervorragenden Lehrer und b\u00fchnengewohnten Pianisten sowie eine l\u00e4ngerdauernde psychoanalytische Intervention. Trotzdem wird allm\u00e4hlich \u2013 zum Erstaunen des ganzen Umfelds am Konservatorium \u2013 die Fortsetzung des Studiums fraglich. Zuletzt wird es dann abgebrochen.\n<\/p><\/div>\n<div>\n<blockquote class=\"text-section\">\n<h4>Anmerkung 4<\/h4>\n<p>An dieser Stelle ist eine Warnung angebracht vor dem Versuch einer Suspension des Instrumentalp\u00e4dagogischen durch das im engeren Sinne Therapeutische: Gerade die hier diskutierten Auff\u00e4lligkeiten und Hemmnisse lassen sich \u2013 wie sich noch zeigen wird \u2013 als h\u00f6hergradige Auspr\u00e4gungen bzw. Fortsetzungen von Ph\u00e4nomenen verstehen, die zun\u00e4chst durchaus den Lehrer etwas angehen (siehe auch die im Text dargestellte Kontinuumsthese). Der Instrumentallehrer begegnet ja als erster den Auff\u00e4lligkeiten und wird feststellen, ob diese noch auf dem Feld der zu bearbeitenden spieltechnischen Probleme angesiedelt sind oder ob sich hier etwas verselbst\u00e4ndigt hat, mithin krankheitswertig sein k\u00f6nnte, und dann \u00e4rztliche Aufmerksamkeit erfordert. Ob nun pr\u00e4ventiv oder therapeutisch argumentiert wird: Nicht jedes spieltechnische Problem ist ein Fall f\u00fcr den Arzt. Aber jedes derartige Problem bleibt immer auch eine instrumentalp\u00e4dagogische Aufgabe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p><\/blockquote>\n<\/div>\n<div class=\"text-section\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_42518\" aria-describedby=\"caption-attachment-42518\" style=\"width: 1319px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-42518\" src=\"https:\/\/www.musikzeitung.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/hyp1.jpg\" alt=\"\" width=\"1319\" height=\"990\" srcset=\"https:\/\/www.musikzeitung.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/hyp1.jpg 1319w, https:\/\/www.musikzeitung.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/hyp1-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.musikzeitung.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/hyp1-1024x769.jpg 1024w, https:\/\/www.musikzeitung.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/hyp1-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.musikzeitung.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/hyp1-233x175.jpg 233w, https:\/\/www.musikzeitung.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/hyp1-466x350.jpg 466w, https:\/\/www.musikzeitung.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/hyp1-1066x800.jpg 1066w, https:\/\/www.musikzeitung.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/hyp1-920x691.jpg 920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1319px) 100vw, 1319px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-42518\" class=\"wp-caption-text\">Erl\u00e4uterungen zur fokalen Dystonie: Flexion des Zeigefingers beim Daumenuntersatz. Foto: zVg<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_42519\" aria-describedby=\"caption-attachment-42519\" style=\"width: 1319px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-42519 size-full\" src=\"https:\/\/www.musikzeitung.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/hyp2.jpg\" alt=\"\" width=\"1319\" height=\"990\" srcset=\"https:\/\/www.musikzeitung.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/hyp2.jpg 1319w, https:\/\/www.musikzeitung.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/hyp2-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.musikzeitung.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/hyp2-1024x769.jpg 1024w, https:\/\/www.musikzeitung.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/hyp2-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.musikzeitung.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/hyp2-233x175.jpg 233w, https:\/\/www.musikzeitung.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/hyp2-466x350.jpg 466w, https:\/\/www.musikzeitung.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/hyp2-1066x800.jpg 1066w, https:\/\/www.musikzeitung.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/hyp2-920x691.jpg 920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1319px) 100vw, 1319px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-42519\" class=\"wp-caption-text\">&#8230; und kompensatorische Streckung des Mittelfingers. Foto: zVg<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u00c4hnliche Erscheinungen sind, wie gesagt, auch bei Spielern anderer Instrumente zu beobachten. Die Befunde der nun schon jahrzehntelangen Forschung sind uneinheitlich und unklar und die angeordneten Therapien zeigen schwankende, im Ganzen unbefriedigende Ergebnisse. Was hat die Forschung \u2013 in K\u00fcrze \u2013 zur Thematik zu sagen?<br \/>\nUntersuchungen haben gezeigt, dass Spieler mit besonders hohem \u00dcbepensum h\u00e4ufiger dystone Symptome entwickeln (Rozanski et al., 2015), lassen aber eine einleuchtende Erkl\u00e4rung f\u00fcr diesen Umstand vermissen. Neurowissenschaftliche Studien haben einiges zu den neuronalen Korrelaten der Problematik zu berichten. Man spricht unter anderem von einem Inhibitionsdefizit (Pandey, 2015): Die muskul\u00e4ren Gegenspieler (Antagonisten) des aktuell zu bewegenden Fingers werden zu wenig gehemmt, so dass der Finger gleichzeitig gebeugt und gestreckt wird, was zu Versteifung f\u00fchrt. Mittels bildgebender Verfahren findet man eine \u00dcberlappung bzw. Verschmelzung der motorischen Areale z. B. der benachbarten Finger (Spahn et al., 2011, S. 208; Paulig et al., 2014). Das Areal in der motorischen Hirnrinde, welches den Zeigefinger steuert, bedient jetzt z. T. auch den Mittelfinger und so weiter. In therapeutischer Hinsicht hat man festgestellt, dass durch Anziehen d\u00fcnner Latexhandschuhe das Problem \u2013 aber meist nur vor\u00fcbergehend \u2013 gelindert werden kann: Das ist der sogenannte \u00absensory trick\u00bb (Paulig et al., 2014). Auch die sehr pr\u00e4zise, gezielt in manche Muskeln vorgenommene Injektion von Botox erbringt solche tempor\u00e4ren Verbesserungen und ist heute die Hauptst\u00fctze (Pandey, 2015) der Standardtherapie, die sich zudem verschiedener p\u00e4dagogischer Retrainingverfahren bedient. Aber selbst bei jahrelangem Retraining ist die Prognose ausgesprochen schlecht (Spahn et al., 2011, S. 214). Spielpausen oder auch Akupunktur, Physio- und Elektrotherapie, Massagen oder Psychotherapie haben sich auf lange Sicht als wirkungslos erwiesen (S. 213).<\/p>\n<p>Betrachten wir nun das Ganze einmal aus klavierp\u00e4dagogischer Perspektive. Der legend\u00e4re Pianist und Klavierp\u00e4dagoge Josef Hofmann (1876\u20131957), langj\u00e4hriger Direktor des Elite-Konservatoriums Curtis-Institute of Music und Lehrer Shura Cherkasskys, befand sich in ebenso erlauchter wie zahlreicher Gesellschaft, wenn er predigte: \u00abLangsames \u00dcben ist der einzige Weg zu gel\u00e4ufigem Spiel.\u00bb Derselbe Hofmann nun beschreibt in seinem vorz\u00fcglichen Buch <em>Piano Playing<\/em> (Hofmann, 1920) eindr\u00fccklich, zu welch schwerwiegenden Symptomen zu schnelles \u00dcben f\u00fchren kann: l\u00e4hmungsartige Erscheinungen, Blockierungen von Fingern,oder motorische Reaktionen von Fingern, die sich aktuell gar nicht bewegen sollen usw. Er erkl\u00e4rt das Zustandekommen, nat\u00fcrlich damals noch ohne neurowissenschaftlichen Jargon, etwa folgendermassen: Bei raschen Wiederholungen komplizierter Figuren w\u00fcrden kleine Fehler, Ausrutscher und Unsauberkeiten unserer Aufmerksamkeit entgehen, das tonale Bild in unserer Vorstellung verwischen und bei fortgesetzter Praxis dieses schnellen Repetierens zu \u00abunbestimmten Nervenkontakten\u00bb (S. 38 f.) f\u00fchren, wodurch zunehmend unklar werde, welcher Finger sich bewegen solle. Und das Problem sei durchaus nicht in den Fingern, sondern ausschliesslich im Geist lokalisiert \u2013 in einer \u00abVerwirrung des mentalen Konzepts\u00bb (S. 39). Wenn wir aus heutiger Sicht nun fragen wollten, wie sich diese Verunkl\u00e4rung der Fingerzuordnung im Gehirn abbilden k\u00f6nnte, so d\u00fcrfte sich auch dem neurowissenschaftlichen Laien die Erinnerung an die oben erw\u00e4hnte \u00dcberlappung der motorischen Areale im Gehirn aufdr\u00e4ngen. Diese Verschmelzung oder \u00dcberlappung der motorischen Areale w\u00e4re dann als ein Sediment der angeh\u00e4uften Unsauberkeiten beim \u00dcben verstehbar \u2013 ein Ergebnis also von ung\u00fcnstigen Lernprozessen. Jemandem, der eingehende Erfahrungen mit fokalen Dystonien der Hand hat, k\u00f6nnte es einfallen, mit Blick auf eine elektroakustische Entsprechung, von einer \u00abVerminderung des Fremdspannungsabstands\u00bb, in klavierp\u00e4dagogischer Hinsicht aber von einer \u00ab(wieder-) erworbenen Abh\u00e4ngigkeit der Finger\u00bb zu sprechen. Das altber\u00fchmte spieltechnische Anliegen einer m\u00f6glichst weitgehenden Unabh\u00e4ngigkeit der Finger n\u00e4mlich meint ja nichts anderes, als dies: dass beabsichtigte Fingerbewegungen m\u00f6glichst wenig muskul\u00e4re Auswirkungen auf andere Finger haben sollen. Man k\u00f6nnte \u2013 wiederum elektroakustisch formuliert \u2013 sagen, dass ein gr\u00f6sstm\u00f6glicher Unterschied zwischen Nutzsignal und St\u00f6rsignal (Rauschen sowie impulsartige Einstreuungen) <strong>(5)<\/strong> angestrebt wird. Und eben dieser Unterschied wird durch die erw\u00e4hnte ung\u00fcnstige \u00dcbepraxis verkleinert: \u00abRauschen\u00bb (ungerichtete Bewegungen, Verspannungen) und zunehmende \u00abimpulsartige Einstreuungen\u00bb (Fehlbewegungen) in den Signalweg werden beim allzu h\u00e4ufigen schnellen Spielen in Kauf genommen, bis daraus eine gewohnheitsm\u00e4ssige sensomotorische <strong>(6)<\/strong> Fehlhaltung oder \u00abFehlneigung\u00bb \u2013 also eine sch\u00e4dliche Wahrnehmungs- und Verhaltensdisposition \u2013 geworden ist, welche nun alle weiteren Aktionen am Instrument infiltriert und dadurch auch weiterhin geradezu einge\u00fcbt wird. Zwar k\u00f6nnen dann Massnahmen, die eine Ver\u00e4nderung der propriozeptiven Wahrnehmung beim Spielen bewirken \u2013 z. B. sensory trick und Botox-Injektionen (letztere zus\u00e4tzlich mit Entlastung der Endstrecke durch Entspannung: eine Art \u00abRauschunterdr\u00fcckung\u00bb) \u2013 eine tempor\u00e4re Verbesserung bringen: Man erinnere sich an die Kontextabh\u00e4ngigkeit <strong>(7) <\/strong>der Symptome. Aber zugleich wird so das eigentliche Problem (das ja im Kopf, nicht in den Fingern lokalisiert ist) der sensomotorischen Fehlneigung maskiert und dadurch der sorglosen Fortsetzung der ung\u00fcnstigen Gewohnheit Vorschub geleistet: Es wird n\u00e4mlich vor\u00fcbergehend die Toleranz des Spielapparats gegen\u00fcber der sensomotorischen Fehlneigung erh\u00f6ht. Er vertr\u00e4gt also jetzt etwas mehr Unachtsamkeit und Nachl\u00e4ssigkeit, bis man das an h\u00f6r- und sichtbaren Symptomen merkt. Der Spieler glaubt dann, er sei auf dem Wege der Besserung, und wird weiterhin zu schnell und kin\u00e4sthetisch unachtsam weiterpraktizieren, bis dann auch diese trickreiche Reserve ausgesch\u00f6pft ist. Dieses Verhalten ist nur allzu verst\u00e4ndlich: Der Verzweifelte sp\u00fcrt Erleichterung, denkt \u00abaha, endlich geht\u2019s wieder\u00bb \u2013 und spielt drauflos wie ehedem. <strong>(8)<\/strong><\/p>\n<p>Wenn wir nun fragen, welche M\u00f6glichkeiten uns die Anwendung von Hypnose zur Bew\u00e4ltigung fokal-dystoner Probleme er\u00f6ffnet, so sollten wir vorerst noch einmal vor Augen bringen, was denn korrigiert werden soll. <em>Korrigiert werden soll die (kontextabh\u00e4ngige, task-spezifische) Verminderung des \u00abFremdspannungsabstands\u00bb, die eben einer erworbenen Abh\u00e4ngigkeit der Finger entspricht. Dies bedeutet zugleich eine Korrektur der ung\u00fcnstigen Wahrnehmungs- und Verhaltensdisposition, also der sensomotorischen Fehlneigung.<\/em> Daraus folgt auch, dass grundlegende instrumentalp\u00e4dagogische und -didaktische Gesichtspunkte zur Optimierung und Entwicklung der Spieltechnik \u2013 in Richtung einer zunehmenden Unabh\u00e4ngigkeit der Finger n\u00e4mlich \u2013 auf demselben Kontinuum angeordnet sind, wie die Behebung dystoner Symptome.\u00a0Wenn wir nun also den Signal-Rausch-Abstand vergr\u00f6ssern und somit die Unabh\u00e4ngigkeit der Finger f\u00f6rdern wollen, m\u00fcssen wir zun\u00e4chst die Hindernisse betrachten, die dem im Wege stehen. Im Wege steht all dies, was Wahrnehmung und Korrektur der Fehlspannungen und -bewegungen erschwert: Tempo, und kin\u00e4sthetische Unachtsamkeit. Nun er\u00f6ffnet aber die Hypnose M\u00f6glichkeiten ver\u00e4nderter, z. B. gesteigerter, K\u00f6rperbewusstheit, die auch posthypnotisch genutzt werden k\u00f6nnen, wobei wiederum das Setzen von Ankern und die Anwendung selbsthypnotischer Verfahren n\u00fctzlich sind. Dadurch k\u00f6nnen feinere Spannungen und Bewegungen rechtzeitig &#8211; im Entstehen &#8211; wahrgenommen, und dann unterlassen bzw. korrigiert werden. Das gelingt nur im langsamen Spiel &#8211; besonders im langsamen, fortlaufend achtsam korrigierenden Wiederholen dystonietr\u00e4chtiger Figuren. Die M\u00f6glichkeit besonders lebhafter Vorstellung in allen Sinnesbereichen in Hypnose kann genutzt werden zum st\u00f6rungsfreien, korrekten Durchexerzieren in der Als-ob-Realit\u00e4t der Trance, wodurch die nachfolgende Arbeit am Instrument vorbereitet und erleichtert wird. Beim Spiel empfiehlt es sich, auf gr\u00f6sstm\u00f6gliche Flexibilit\u00e4t (&#8222;Gummifinger&#8220;, variable Kraft etc.) und besonnenes Anschlagen zu achten, bei weitestm\u00f6glichem Loslassen\/Entspannen der \u00fcbrigen Muskeln. Solches Vorgehen f\u00f6rdert einerseits die Kontrolle des anschlagenden Fingers (Nutzsignal), und reduziert gleichzeitig das St\u00f6rsignal. Dabei k\u00f6nnen auch, bei wiederholt angeschlagener Taste, andere Finger auf Freiheit der Bewegung (mittels Leerbewegungen) getestet, und so in ihrer Gel\u00f6stheit gef\u00f6rdert werden, wobei gleichzeitig &#8211; also w\u00e4hrend des Spielens &#8211; die Spannung der \u00fcbrigen Muskeln durch Anwendung einer selbsthypnotischen Rapidentspannungstechnik reduziert werden kann. G\u00fcnstig ist es bei all diesen \u00dcbungen, die Dynamik etwa um <em>mf<\/em> anzuordnen &#8211; sich also meist zwischen <em>p<\/em> und <em>f<\/em> zu bewegen: Zu grosse Kraft verhindert die Wahrnehmung feiner St\u00f6rsignale; bei sehr geringer Kraft hingegen ist der Unterschied, also der Abstand zur &#8222;Fremdspannung&#8220;, zwangsl\u00e4ufig sehr klein. Dennoch soll man auch diese Extremwerte gelegentlich mit einbeziehen. Entscheidend ist dabei immer das langsame Spiel und die wachsame Ber\u00fccksichtigung der sensorischen R\u00fcckmeldung &#8211; mechanisches Durchspielen oder Wiederholen ohne solche kin\u00e4sthetisch-achtsame, fortlaufende Korrektur ist kontraproduktiv! Bez\u00fcglich der erforderlichen Langsamkeit soll man keine panische, aber eine konsequente Haltung einnehmen. Es sind nicht allein abstrakte Finger\u00fcbungen, sondern gerade auch umgrenzte Passagen herauszugreifen, die bisher besonders von dystonen Symptomen betroffen waren, um diese dann geduldig und m\u00f6glichst gr\u00fcndlich von allen dystonen Beimengungen zu reinigen &#8211; das d\u00fcrfen auch technisch schwierige Stellen sein. Beharrlichkeit ist unumg\u00e4nglich. Anders, als bei der Auftrittsangst, ist insgesamt mit Dutzenden von Sitzungen zu rechnen. Man wird zuhause grosse Selbstbeherrschung brauchen, um geduldig an der Vergr\u00f6sserung des Signal-Rausch-Abstands zu arbeiten, und nicht in den Kardinalfehler zu verfallen, jeweils &#8222;auszuprobieren, ob&#8217;s wieder geht&#8220; &#8211; die Versuchung ist immens. Solange das gest\u00f6rte Gleichgewicht der Dystonie (denn das ist durchaus, leider, eine Form von Gleichgewicht!) noch dominiert, muss jede unn\u00f6tige Aktivierung entsprechender Wahrnehmungs- und Reaktionsmuster unterbleiben &#8211; das entscheidet \u00fcber Erfolg und Misserfolg. Das bedeutet unter anderem auch, dass man einige Monate lang nicht auftreten darf.<\/p>\n<p>Bedenken \u00fcbrigens, man w\u00fcrde sich auf den oben skizzierten L\u00f6sungswegen im Vielen verlieren, und sozusagen dauernd das Bewusstsein aufrechterhalten m\u00fcssen, wie man die Schn\u00fcrsenkel bindet, sind unangebracht. So, wie die einmal etablierten dystonen Reaktionen nur deshalb immer wieder auftreten, weil die urspr\u00fcnglich <em>vielen<\/em> <em>einzelnen<\/em> Fehlsteuerungen sich durch Gewohnheit zu einer sensomotorischen Fehlhaltung <em>vereinigt<\/em> haben, die dann dazu neigt, sich selbst in der Spielpraxis aufrechtzuerhalten: Gerade so kann die kin\u00e4sthetisch achtsame Korrektur an vielen Einzelbeispielen und -\u00fcbungen sich durch Gewohnheit wieder zur &#8211; \u00f6konomischeren, also naturn\u00e4heren, und dadurch eigentlich ver\u00e4nderungsresistenteren &#8211; gesunden Disposition vereinigen. Diese \u00f6konomische, gesunde Haltung, ist eine wesentliche Basis jedes hervorragenden Instrumentalspiels. So kann es also ohne weiteres sein, dass man durch die geschilderten Massnahmen letztlich mehr erreicht, als nur den R\u00fcckbau des Problems: einen Zugang n\u00e4mlich zu einer optimierten Spieltechnik und einem sich selbst erhaltenden, neuen Gleichgewicht, das sich durchaus auch wieder gegen\u00fcber <em>gelegentlichem<\/em> Forcieren und Vorausgaben (etwa beim Auftritt) als robust erweist. Man merkt es dann wieder, dass die Natur ja sehr wohl zur heilsamen Selbstorganisation neigt: Es f\u00e4llt ihr im Grunde schwerer, in das gest\u00f6rte Gleichgewicht der fokalen Dystonie zu verfallen, als sich im wiedererlangten gesunden Gleichgewicht zu erhalten.<\/p>\n<p><strong>Anmerkungen 5 bis 8\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><sup><strong>5<\/strong> <\/sup>Es erscheint durchaus naheliegend, allgemeine Verspannungen und ungerichtete Muskelaktivit\u00e4ten als eine Art &#8222;Rauschen&#8220;, die auffallenden dystonen Fingerbewegungen als &#8222;impulsartige Einstreuungen&#8220; zu verstehen. Beides zusammen entspr\u00e4che dann &#8211; auf dem Feld der Elektroakustik &#8211; etwa dem &#8222;St\u00f6rsignal&#8220; bzw. der &#8222;Fremdspannung&#8220;.<\/p>\n<p><strong><sup>6 <\/sup><\/strong>Motorische Aktionen &#8211; etwa jene am Instrument &#8211; werden kontrolliert, beeinflusst, ver\u00e4ndert durch die blitzschnelle Ber\u00fccksichtigung pausenloser R\u00fcckmeldungen sensorischer Art: visueller, akustischer, taktiler und insbesondere propriozeptiver. Letztere sind solche, welche die Wahrnehmung der Lage, der Kraft bzw. der Muskelspannung, sowie die kin\u00e4sthetische Wahrnehmung im engeren Sinne (also jene der Bewegung) betreffen. Aufgrund dieses engen Zusammenwirkens spricht man folgerichtig von sensomotorischen Vorg\u00e4ngen.<\/p>\n<p><strong><sup>7<\/sup> <\/strong>Die Kontextabh\u00e4ngigkeit von motorischen Aktionen k\u00f6nnen wir uns in ganz allt\u00e4glichem Zusammenhang verdeutlichen: Wer kennt nicht die merkw\u00fcrdige, pl\u00f6tzliche Hemmung des Gehapparates beim Betreten einer stillstehenden Rolltreppe? Die Umgebungsreize versetzen uns hier offenbar in einen anderen Rahmen, mit anderen Erwartungen und anderen Reaktionsmustern. Bewegt sich hingegen die Rolltreppe ganz normal, oder betreten wir eine normale Treppe, so tritt diese seltsame Hemmung nicht auf.<\/p>\n<p><strong><sup>8<\/sup> <\/strong>Der schon erw\u00e4hnte Zusammenhang \u00fcbrigens zwischen dem \u00dcbpensum und dem Auftreten fokaler Dystonien (Rozanski et al., 2015) bedarf m. E. einer dringenden Erl\u00e4uterung: Ob und wie sehr ein gr\u00f6sseres \u00dcbpensum dystonief\u00f6rderlich ist, h\u00e4ngt vom Grad der sensomotorischen Fehlneigung (als einer sogenannten Moderatorvariablen) beim \u00dcben ab! Der von der Forschung gefundene Zusammenhang ist kein direkter, sondern ein indirekter: Es ist unbezweifelbar, dass langdauerndes &#8211; und vor allem: zu schnelles! &#8211; \u00dcben die kin\u00e4sthetische Unachtsamkeit, und somit das \u00dcbersehen von Verspannungen und kleinen motorischen Fehlhandlungen, f\u00f6rdert. Dadurch wird eine ung\u00fcnstige Neigung etabliert, und zudem eine grunds\u00e4tzliche Verspannung gef\u00f6rdert, wobei letztere ihrerseits die bewusste Wahrnehmung feiner sensorischer (v. a. kin\u00e4sthetischer) St\u00f6rsignale erschwert. Es ist ja nicht so, dass bei zu schnellem Spielen lediglich eine Sedimentation der unvermeidlichen Unsauberkeiten oder Fehlbewegungen stattfindet: Das w\u00fcrde einfach dazu f\u00fchren, dass immer mehr unn\u00f6tige Anschlagsbewegungen gemacht werden. Nein: Es ist ja ein sowohl auditives, wie auch ein visuelles und taktiles, halbbewusstes Wahrnehmen der Fehler da, begleitet von fortlaufenden Korrekturversuchen und Korrekturen irrt\u00fcmlicher Korrekturen &#8211; ein f\u00e4lschlich gestoppter Finger muss (gegen seinen noch aktiven Gegenspieler) verst\u00e4rkt bet\u00e4tigt, ein anderer dagegen zur\u00fcckgerufen werden etc. Durch die \u00dcberlagerung von Aktionen und Gegenkr\u00e4ften ist einerseits eine Erh\u00f6hung der Verkrampfungsbereitschaft &#8211; wohl auch \u00fcberhaupt des durchschnittlichen Tonus der Muskulatur &#8211; zu erwarten, als eine Art Sediment derartiger Praxis. Andererseits wird das zahllos wiederholte agonistisch-antagonistische Zusammenwirken (beugen-strecken) gleichsam einge\u00fcbt &#8211; also habituell, und folglich im entsprechenden Zusammenhang automatisch ausgel\u00f6st, was zu immer h\u00e4ufigeren Fehlaktionen der Finger f\u00fchrt. Sobald eine solche ung\u00fcnstige Neigung einmal etabliert ist, <em>dann<\/em> wird nat\u00fcrlich die exzessive Anwendung derselben &#8211; also ein hohes \u00dcbpensum &#8211; die motorischen St\u00f6rungen verst\u00e4rken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Hans Ph. Pletscher<\/strong><\/h3>\n<p>&#8230; ist lic. phil. Psychologe, als solcher seit 9 Jahren an der Psychiatrischen Universit\u00e4tsklinik Z\u00fcrich (derzeit mit Lehrauftrag) sowie in eigener Praxis t\u00e4tig, hat nach dem Klavier- und Gesangsstudium (Lehrdiplom) als dipl. Musiklehrer SMPV \u00fcber viele Jahre beide F\u00e4cher unterrichtet, ist zertifiziertes Mitglied \u00e4rztlich-psychologischer Hypnosegesellschaften (DGH, ISH) mit langj\u00e4hriger Hypnoseerfahrung, Mitglied der Schweizerischen Gesellschaft f\u00fcr Musik-Medizin (SMM) und Kolumnist bei den Schaffhauser Nachrichten.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"text-section\">\n<div class=\"main-content article clearfix\">\n<div class=\"text-section\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"text-section\">\n<h3><strong>Bibliographische Angaben<\/strong><\/h3>\n<p>Frucht, S. J. (2015). Evaluating the musician with dystonia of the upper limb: a practical approach with video demonstration. <em>Journal of Clinical Movement Disorders <\/em>[Online]. Available: https:\/\/clinicalmovementdisorders.biomedcentral.com\/articles\/10.1186\/s40734-015-0026-3<\/p>\n<p>Hofmann, Josef (1976). <em>Piano Playing.<\/em> New York: Dover. (Original erschienen 1920)<\/p>\n<p>Ionnau, C. I., Furuya, S. &amp; Altenm\u00fcller, E. (2016). The impact of stress on motor performance in skilled musicians suffering from focal dystonia: Physiological and psychological characteristics. <em>Neuropsychologia, 85, <\/em>226-236.<\/p>\n<p>J\u00e4ncke, L. (2004). Hand und Hirn bei Pianisten und Streichern. In Schweizerische Gesellschaft f\u00fcr Musik-Medizin (Hrsg.), <em>SMM Symposium 23.10.2004: Die H\u00e4nde des Musikers <\/em>(S. 33-40). Farnern: SMM.<\/p>\n<p>Pandey, S. (2015). A practical approach to management of focal hand dystonia. <em>Annals of Indian Academy of Neurology, 18(2), <\/em>146-153.<\/p>\n<p>Paulig, J., Jabusch, H.-C., Grossbach, M., Boullet, L. &amp; Altenm\u00fcller, E. (2014). Sensory trick phenomenon improves motor control in pianists with dystonia: prognostic value of glove-effect. <em>Frontiers in Psychology<\/em> [Online].\u00a0Available: https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC4172087\/<\/p>\n<p>Rozanski, V. E., Rehfuess, E., B\u00f6tzel, K. &amp; Nowak, D. (2015). Task-specific dystonia in professional musicians. <em>Deutsches \u00c4rzteblatt International, 112, <\/em>871-877.<\/p>\n<p>Spahn, C., Richter, B. und Altenm\u00fcller, E. (2011). <em>Musikermedizin: Diagnostik, Therapie und Pr\u00e4vention von musikerspezifischen Erkrankungen. <\/em>Stuttgart: Schattauer.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"text-section\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>L'ipnosi \u00e8 adatta ai musicisti? 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