{"id":73970,"date":"2026-06-15T10:47:57","date_gmt":"2026-06-15T08:47:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.musikzeitung.ch\/?p=73970"},"modified":"2026-06-15T14:25:48","modified_gmt":"2026-06-15T12:25:48","slug":"barockmusik-aus-der-schweiz-durchaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.musikzeitung.ch\/it\/service\/2026\/06\/barockmusik-aus-der-schweiz-durchaus","title":{"rendered":"Musica barocca dalla Svizzera? Assolutamente s\u00ec!"},"content":{"rendered":"\n\n<figure id=\"attachment_73971\" aria-describedby=\"caption-attachment-73971\" style=\"width: 2362px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-73971 size-full\" src=\"https:\/\/www.musikzeitung.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Gletle_web.jpg\" alt=\"\" width=\"2362\" height=\"1417\" srcset=\"https:\/\/www.musikzeitung.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Gletle_web.jpg 1400w, https:\/\/www.musikzeitung.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Gletle_web-300x180.jpg 300w, https:\/\/www.musikzeitung.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Gletle_web-1024x614.jpg 1024w, https:\/\/www.musikzeitung.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Gletle_web-768x461.jpg 768w, https:\/\/www.musikzeitung.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Gletle_web-1536x921.jpg 1536w, https:\/\/www.musikzeitung.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Gletle_web-2048x1229.jpg 2048w, https:\/\/www.musikzeitung.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Gletle_web-18x12.jpg 18w, https:\/\/www.musikzeitung.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Gletle_web-292x175.jpg 292w, https:\/\/www.musikzeitung.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Gletle_web-583x350.jpg 583w, https:\/\/www.musikzeitung.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Gletle_web-1334x800.jpg 1334w, https:\/\/www.musikzeitung.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Gletle_web-920x552.jpg 920w\" sizes=\"auto, (max-width: 2362px) 100vw, 2362px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-73971\" class=\"wp-caption-text\">Ausschnitt aus dem Titelblatt von Johann Melchior Gletles Op. 4, \u00abMusica genialis latino-germanica\u00bb (Augsburg, 1675). Exemplar der Zentralbibliothek Z\u00fcrich.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Eidgenossenschaft ist kaum als Herkunftsland barocker Komponisten bekannt. Es lag weniger an mangelndem musikalischem Talent, dass sich hierzulande kaum Tonsch\u00f6pfer hervortaten, als an den gesellschaftlichen und institutionellen Rahmenbedingungen. Insbesondere f\u00fcr verheiratete katholische Musiker bestanden in der fr\u00fchneuzeitlichen Eidgenossenschaft nur wenige \u00c4mter, die eine dauerhafte kompositorische T\u00e4tigkeit erm\u00f6glichten. Der in Bremgarten\/AG geborene Johann Melchior Gletle (1626\u20131683), dessen Geburtstag sich Anfang Juli zum 400. Mal j\u00e4hrt, verliess deshalb seine Heimat und machte im bayerisch-schw\u00e4bischen Augsburg als Domkapellmeister Karriere.<\/p>\n<p>\u00dcber Gletles Ausbildungsjahre wissen wir erstaunlich wenig. Gesichert ist lediglich, dass er 1641 die Jesuitenschule in Freiburg\/FR besuchte. Im August 1651 wurde er als Organist am Augsburger Dom angestellt. Kurz darauf heiratete er Katharina Streitlin, mit der er 16 Kinder hatte. Bereits im April 1654 wurde er als erster Nichtgeistlicher zum Domkapellmeister ernannt. Daf\u00fcr erhielt er einen Chorrock, um bei Prozessionen wie die Kleriker aufzutreten. Beide \u00c4mter versah er bis zu seinem Tod Anfang September 1683.<\/p>\n<h3><strong>Zwischen Bremgarten und Augsburg <\/strong><\/h3>\n<p>Gletle verbrachte insgesamt 32 Jahre mit seiner Familie in Augsburg und publizierte dort acht Musikdrucke, von denen sieben erhalten sind. Auf s\u00e4mtlichen Titelbl\u00e4ttern erscheint er als Bremgarter B\u00fcrger und Augsburger Domkapellmeister (\u00abBremgartensi. Ecclesiae Cathedralis Augustanae Capellae magistro\u00bb). Bis zu seinem Tod liess er sich allj\u00e4hrlich im B\u00fcrgerregister von Bremgarten eintragen. Weshalb, bleibt bislang ungekl\u00e4rt. Diesen und weiteren Fragen zu Gletle und seinem Umfeld widmet sich eine Tagung der Universit\u00e4t Genf vom 21. bis 23. August 2026 in Muri\/AG. Parallel dazu erklingen im Rahmen der Konzertreihe <a href=\"https:\/\/www.murikultur.ch\/veranstaltungen-detail\/1227755824\/programm-musik-in-der-klosterkirche\/-\/-\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00abMusik in der Klosterkirche\u00bb<\/a> Werke Gletles und seines musikalischen Umfelds.<\/p>\n<p>Der Augsburger Dom er\u00f6ffnete dem katholischen Laien berufliche M\u00f6glichkeiten, die ihm in der Eidgenossenschaft weitgehend verschlossen geblieben w\u00e4ren: Die Kapellmeisterstellen in eidgen\u00f6ssischen Kl\u00f6stern wurden in der Regel mit Konventualen besetzt und setzten einen Ordenseintritt voraus. Als verheirateter Familienvater kamen f\u00fcr Gletle faktisch nahezu ausschliesslich Kathedral- und Stiftskirchen als Arbeitgeber infrage.<\/p>\n<p>Welches Ansehen er zu Lebzeiten genoss, zeigt ein Urteil des Musiktheoretikers S\u00e9bastien de Brossard (1655\u20131730). Unter den Komponisten des deutschen Sprachraums sch\u00e4tzte dieser besonders Johann Melchior Gletle und Samuel Capricornus (1628\u20131665). \u00dcber Gletle schrieb er: \u00abSeine Musik ist ausgewogen und regelm\u00e4ssig aufgebaut, zugleich aber \u2013 wenn es n\u00f6tig ist \u2013 gl\u00e4nzend und leicht. Sie ist kunstvoll, ausdrucksstark, anmutig und vor allem den jeweiligen Orten, Zeiten und dem eigentlichen Sinn der Worte hervorragend angepasst [\u00dcbersetzung des Autors].\u00bb<\/p>\n<p>F\u00fcr einen heute weitgehend vergessenen Komponisten ist dies ein bemerkenswertes Urteil. Im Vorfeld seines 400. Geburtstags wurden daher weitere Werke aus seinem bislang nur bruchst\u00fcckhaft erschlossenen \u0152uvre transkribiert \u2013 sowohl f\u00fcr Auff\u00fchrungen als auch zur kritischen Einordnung seines Schaffens. Die Vorbereitungen zu Tagung und Jubil\u00e4um haben zudem die weite zeitgen\u00f6ssische Rezeption seiner Musik sichtbar gemacht: im mitteleurop\u00e4ischen Raum (Mitteldeutschland, Elsass, Schweiz, \u00d6sterreich, S\u00fcdtirol), in Zentraleuropa und Skandinavien sowie bis in die Jesuitenreduktionen S\u00fcdamerikas.<\/p>\n<p>Ein Bremgarter B\u00fcrger, der in Augsburg Karriere machte und dessen Musik bereits um 1700 bis nach S\u00fcdamerika rezipiert wurde: Johann Melchior Gletle geh\u00f6rt zu den faszinierenden, noch immer zu wenig bekannten Figuren der Musikgeschichte der Alten Eidgenossenschaft \u2013 mit globaler Reichweite.<\/p>\n<p><em>Weiterer Artikel zum Thema: <a href=\"https:\/\/www.musikzeitung.ch\/basis\/smg\/2026\/06\/johann-melchior-gletle-1626-1683-tagung-und-konzerte-zum-400-geburtstag\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.musikzeitung.ch\/basis\/smg\/2026\/06\/johann-melchior-gletle-1626-1683-tagung-und-konzerte-zum-400-geburtstag<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Johann Melchior Gletle nacque 400 anni fa a Bremgarten, nel cantone di Argovia. 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