{"id":8978,"date":"2017-11-17T00:00:00","date_gmt":"2017-11-16T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.musikzeitung.ch\/allgemein\/music-as-expression\/"},"modified":"2025-08-07T15:03:56","modified_gmt":"2025-08-07T13:03:56","slug":"music-as-expression","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.musikzeitung.ch\/it\/berichte\/2017\/11\/music-as-expression","title":{"rendered":"\"La musica come espressione\""},"content":{"rendered":"\n\n<figure style=\"width: 554px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.musikzeitung.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/bhkb2.jpg\" alt=\"\" width=\"554\" height=\"413\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Beethoven in seinem Arbeitszimmer. Bild: Carl Schloesser, 1823?<\/figcaption><\/figure>\n<div class=\"text-section\">\n<p>\u00abRund um Beethoven\u00bb bewegte sich das Berner Symposium vom 13. bis zum 16. September 2017. Dabei bildeten nicht nur der etablierte Forschungsschwerpunkt Interpretation an der Hochschule der K\u00fcnste Bern (HKB), sondern insbesondere drei aktuelle, vom Schweizerischen Nationalfonds unterst\u00fctzte Projekte Anlass und Rahmen f\u00fcr das viert\u00e4gige Forum: W\u00e4hrend im Projekt \u00abVom Vortrag zur Interpretation\u00bb die Wandlung der Interpretationspraxis am Beispiel der Solo-Klavierwerke Beethovens untersucht wird, stehen bei \u00abAnnotated Scores\u00bb die mit Notizen versehenen Dirigierpartituren und Orchestermaterialien jener Werke im Fokus, die f\u00fcr Richard Wagner in seiner Perspektive auf den Dirigenten wichtig waren. Ein drittes Forschungsprojekt, \u00abVerk\u00f6rperte Traditionen romantischer Musikpraxis\u00bb, setzt sich mit instruktiven Notenausgaben des 19. Jahrhunderts in ihrer Beschreibung musikpraktischer Details auseinander und versucht diese mittels der \u00abEmbodiment\u00bb-Methode in die Gegenwart zu transferieren. Basierend auf diesem thematisch weitangelegten Feld standen Beethovens Werke und ihre interpretatorische Umsetzung zwar immer wieder im Mittelpunkt, zugleich wurden grunds\u00e4tzliche Begrifflichkeiten und Methoden gekl\u00e4rt sowie Aspekte der Bearbeitung als Interpretation, organologische Fragen und nicht zuletzt musiktheatralische Elementen betrachtet. Insgesamt f\u00fcnfundvierzig Vortr\u00e4ge bildeten so ein aufschlussreiches Ganzes \u2013 erg\u00e4nzt von Concert Lectures und filmischen Dokumentationen, welche sich hervorragend in das Programm einf\u00fcgten und zugleich dar\u00fcber hinauswiesen.<\/p>\n<p>\u00abDie wahre Reproduktion ist die R\u00f6ntgenfotografie des Werkes. Ihre Aufgabe ist es, alle Relationen, Momente des Zusammenhangs, Kontrasts, der Konstruktion, die unter der Oberfl\u00e4che des sinnlichen Klanges verborgen liegen, sichtbar zu machen \u2013 und zwar verm\u00f6ge der Artikulation eben der sinnlichen Erscheinung.\u00bb \u2013 Mit diesen Worten Theodor W. Adornos begr\u00fcsste Thomas Gartmann, Leiter der Forschungsabteilung der HKB sowie der Berner Graduate School of the Arts die Musikwissenschaftler, die Musiker und Zuh\u00f6rer im Konzertsaal der Hochschule.\n<\/p><\/div>\n<div>\n<h3 class=\"\">Interpretation und Tradition<\/h3>\n<\/div>\n<div class=\"text-section\">\n<p>Ganz im Zeichen der Klaviermusik des 19. Jahrhunderts stand sodann die Folge der ersten f\u00fcnf Vortr\u00e4ge \u2013 gemeinsam mit der Frage: \u00abWas heisst Interpretation, was kann Interpretation leisten?\u00bb Dass sich Interpretation nicht nur im Spannungsfeld zwischen Notentext und Auff\u00fchrung bewegt, sondern auch \u00abkreatives\u00bb Auff\u00fchren von Musik vom reinen Interpretieren unterschieden werden sollte, zeigte John Rink (Cambridge) u. a. anhand von notationsspezifischen Eigenheiten bei Chopins Klavierwerken. Denn trotz dieser hochspezifischen, ja zum Teil idiosynkratischen Notationsweise sollte der Chopin-Interpret, so Rink, seinen eigenen Einfallsreichtum nicht zu kurz kommen lassen \u2013 nur so k\u00e4men interessante, aber auch fragliche und damit diskussionsw\u00fcrdige Interpretationen zustande. Dem musikalischen Ausdruck jenseits des Notentextes widmeten sich auch die beiden folgenden Pr\u00e4sentationen von Carolina Estrada Bascunana (Tokio) und Manuel B\u00e4rtsch (Bern). Sowohl im Falle der Sch\u00fclerschaft Enrique Granados\u2018 als auch bei verschiedenen Interpretationen von Beethovens op. 111 erwies sich quellenkritische Arbeit mit verschiedenen Editionen, p\u00e4dagogischen Handleitungen und Aufzeichnungssystemen wie den Welte-Klavierrollen als unabdingbar, um dem individuellen Interpreten nahe zu kommen und seine Spielweise in eine eventuelle Tradition stellen zu k\u00f6nnen. Beiden Vortr\u00e4gen gemeinsam war die kritische Perspektive auf den \u00abheiligen Interpreten, welcher sich in einem auratischen, metaphysischen Kontext bewege\u00bb (B\u00e4rtsch) \u2013 eine Auffassung, die revidiert werden solle. W\u00e4hrend sich Georges Starobinski (Basel) u. a. ebenfalls der letzten Sonate op. 111 widmete und sich in einer feinen und detaillierten Darstellung mit der Vortragsbezeichnung \u00absemplice\u00bb bei Beethoven auseinandersetzte, standen bei Kai K\u00f6pp (Bern) die methodischen Ans\u00e4tze zur Interpretationsforschung im Zentrum. Die vielf\u00e4ltigen Quellengattungen (user interfaces aus der Organologie, Instruktionen, Tondokumente und Bewegte Bilder), die in den unterschiedlichen Forschungsprojekten der HKB untersucht wurden, boten hierbei reiches Anschauungsmaterial f\u00fcr eine Verortung der Historischen Interpretationsforschung zwischen historischer und systematischer Musikwissenschaft.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<h3 class=\"\">Wende zur Moderne<\/h3>\n<\/div>\n<div class=\"text-section\">\n<p>Den Schritt ins 20. Jahrhundert wagte L\u00e1szl\u00f3 Stach\u00f3 (Budapest), indem er Aufnahmen von in der Liszt-Tradition stehenden Pianisten wie Eugen d\u2019Albert, B\u00e9la Bart\u00f3k und Ern\u0151 Dohn\u00e1nyi mit solchen von Igor Strawinsky verglich und ihre Interpretationen zwischen sprachgebundener und eher metrisch-strukturalistischer Herangehensweise positionierte. Dass Igor Strawinsky dieser objektiven, gerade f\u00fcr die Zeit zwischen den Kriegen charakteristischen Musizierhaltung am ehesten entsprach, liess sich den Tondokumenten deutlich entnehmen. Stach\u00f3 beliess seine Ausf\u00fchrungen jedoch nicht bei blosser Analyse der Interpretationen, er zog zudem die Verbindung von der beobachteten modernistischen \u00c4sthetik zur \u00abMusik als einem r\u00e4umlich ausgedehnten Gegenstand\u00bb: Dem Interpreten obliege es, zwischen Zeit und Raum zu vermitteln und sich f\u00fcr ein weit oder enger strukturiertes Spiel zu entscheiden. Nach einem weiteren Beitrag, welcher die Musik Anton Weberns aus der Sicht von Tempogestaltung und Intonationsfragen beleuchtete, durfte man der Concert Lecture Robert Levins (Boston) als einem der H\u00f6hepunkte des Symposiums beiwohnen. Unter dem Titel \u00abWende zur Moderne. Beethoven als Vollstrecker C. Ph. E. Bachs\u00bb zeigte sich der weltbekannte Pianist und Musikwissenschaftler in musikalischem wie sprachlichem Vortrag eloquent, intensiv und unmittelbar. Ausgehend von der Auff\u00fchrung einiger Klavier-Fantasien von Carl Philipp Emanuel Bach demonstrierte er deren Einfluss auf Komponisten wie Haydn, Mozart und Beethoven. Allein die von Levin gelebte Synthese aus Praxis und Reflexion war hierbei h\u00f6chst eindr\u00fccklich. Ganz w\u00f6rtlich nahm der K\u00fcnstler aber die \u00abWende zur Moderne\u00bb, als er sich, explizit an die jungen Teilnehmer und Zuh\u00f6rer gewandt, f\u00fcr ein Engagement im Bereich der Neuen Musik aussprach. Denn sich als Interpret f\u00fcr die Auff\u00fchrung von neuem Repertoire einzusetzen, bedeute, an der Musikgeschichtsschreibung Anteil zu nehmen.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<h3 class=\"\">Notation und Auff\u00fchrung<\/h3>\n<\/div>\n<div class=\"text-section\">\n<p>Sich den komplexen Beziehungen zwischen Werk, Komponist und Interpret zu n\u00e4hern, insbesondere wenn die Werkentstehung Jahrzehnte zur\u00fcckliegt, bedarf selbstverst\u00e4ndlich gewissenhafter methodischer Arbeit. So stand auch am zweiten Tag des Symposiums vorerst die Vielfalt dieser Methoden im Mittelpunkt. Clive Brown (Leeds) thematisierte die Kluft zwischen einer praxisorientierten Forschung und dem professionellen Musizieren: Viele der heutigen kommerziellen Tonaufnahmen w\u00fcrden von wenig Verst\u00e4ndnis f\u00fcr das Verh\u00e4ltnis zwischen Notation und Auff\u00fchrung zeugen, wie dieses im 18. und 19. Jahrhundert von Komponist und Interpret gesehen wurde. Ausgehend von einem seiner Spezialgebiete, Interpretationsforschung im Bereich der Streichinstrumente, zeigte Brown, wie er sich die \u00dcberbr\u00fcckung dieser Kluft mittels historisch informierter Editionen sowie Vermittlung historischer Spieltechniken vorstellte. Wie informativ dabei ein Vergleich zwischen einer \u00fcberlieferten Tonaufnahme und der Edition des eingespielten Werkes sein kann, demonstrierte auch Neal Peres da Costa (Sydney) \u2013 ausgiebig \u2013 am Klavier innerhalb seines Vortrages. Seine Methode des Nachahmens historischer Klangdokumente vermochte gerade improvisatorische Elemente und rhythmische Freiheiten deutlich zu machen, die Teil von Carl Reineckes oder Jan Ladislav Dusseks Spiel waren \u2013 freilich, ohne dass damals etwas davon im Notentext zu lesen gewesen w\u00e4re. Erneut um die wissenschaftliche und \u00e4sthetische Bedeutung von Klavierrollen ging es in der Pr\u00e4sentation von Sebastian Bausch (Bern), allerdings unter dem speziellen Gesichtspunkt der Oral History, der Befragung von Spezialisten im Bereich der Reproduktionsklaviere und deren angemessener Regulierung. Abgerundet wurde dieses grosse Kapitel durch einen Vortrag von Olivier Senn, welcher eine neue Methode der computergest\u00fctzten Messung von Agogik vorstellte \u2013 und sich damit mit einem feinen interpretatorischen Detail auseinandersetzte, das jedoch epochen- und stil\u00fcbergeifend relevant war und ist. Wie sich eine Tempoverlaufskurve aus musikalisch expressiver Zeitgestaltung ableiten l\u00e4sst, demonstrierte er am Beispiel von Debussys Aufnahme der <em>Danseuses de Delphes<\/em> aus dem Jahr 1912.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<h3 class=\"\">Sprechende Bearbeitungen<\/h3>\n<\/div>\n<div class=\"text-section\">\n<p>\u00abIch habe eine einzige Sonate von mir in ein Quartett f\u00fcr Geigeninstrumente verwandelt [\u2026], und ich weiss gewiss, das macht mir nicht so leicht ein andrer nach.\u00bb Mit Beethovens eigenen Worten wurde der Block \u00abBearbeitung als Interpretation\u00bb eingeleitet. Thomas Gartmann widmete Beethovens eigener Quartettbearbeitung seiner Klaviersonate op. 14 Nr. 1 eine detaillierte Analyse von Stimmf\u00fchrung, Dynamik und Artikulation und wies auf den wissenschaftlichen Wert dieser Bearbeitung hin. Auf ein zentrales, aber bis jetzt wenig erforschtes Verbreitungsmedium des 18. bis 20. Jahrhunderts machte Michael Lehner (Bern) aufmerksam. Die Kulturtechnik des Partiturspiels wurde als eine \u00abInterpretation durch Reduktion\u00bb untersucht, insbesondere anhand der Einspielungen, die Gustav Mahler und Richard Strauss von ihren eigenen Orchesterwerken vornahmen. Welche R\u00fcckschl\u00fcsse k\u00f6nnen aus Phrasierung, Tempogestaltung und Rhythmik im Hinblick auf die Orchesterversion gezogen werden?<\/p>\n<p>Hieran schloss sich hervorragend die Concert Lecture von Ivo Haag und Adrienne So\u00f3s (Luzern) an: Wie die Klavierausz\u00fcge waren auch die vierh\u00e4ndigen Bearbeitungen von Orchesterwerken ein probates Mittel, die eigenen Kompositionen publik zu machen. Das Klavierduo stellte an diesem Nachmittag die Arrangements von Brahms\u2018 Sinfonien in den Mittelpunkt von auff\u00fchrungspraktischen Fragen. Nachdem an diesem Abend das Forum f\u00fcr den forschungsinteressierten Nachwuchs in kleinen Pr\u00e4sentationen zu verschiedensten Themen ge\u00f6ffnet wurde, hielt man gar einen kleinen Meisterkurs ab: Die Spezialisten der Interpretationsforschung nahmen sich des Cellisten David Eggert (Bern) und der Pianistin Gili Loftus (Montr\u00e9al) an, welche \u2013 selbstverst\u00e4ndlich bei einem Beethoven-Symposium \u2013 Werke des Komponisten spielten, jedoch im Spiegel der Zeit um Clara Schumann und der damals herrschenden Auff\u00fchrungspraxis.<\/p>\n<p>Am thematischen Randbereich und doch viel n\u00e4her an unserer Zeit befand sich der dritte Tag des Symposiums. Die Referenten um Leo Dick (Bern) pr\u00e4sentierten die Ergebnisse ihrer Forschungen im musiktheatralischen, choreografisch-t\u00e4nzerischen und literaturwissenschaftlichen Bereich. Der daraus entstehende Perspektivwechsel auf Werk und Person Beethovens erwies sich dabei als genauso spannend und informativ wie der \u00fcbergeordnete Begriff der \u00abMise en sc\u00e8ne als Interpretation\u00bb in ihrer verschiedenartigen und transdisziplin\u00e4ren Ausformung.\n<\/p><\/div>\n<div>\n<h3 class=\"\">Die Rolle der Instrumente<\/h3>\n<\/div>\n<div class=\"text-section\">\n<p>Verschiedene Experten auf dem Gebiet der Organologie, der Instrumentenkunde, f\u00fchrten die Teilnehmer wieder zur\u00fcck in Beethovens Zeit und zu den Errungenschaften des damaligen Klavierbaus. Einen \u00dcberblick \u00fcber die Bautraditionen in den Zentren Wien, Paris und London lieferte hierbei Giovanni Paolo Di Stefano (Amsterdam). Ein nicht direkt mit Beethoven assoziiertes Instrument, die Orgel, brachte Stefano Molardi (Lugano) ins Spiel. Den fr\u00fchen, organistischen Ausbildungsjahren des Komponisten sp\u00fcrte er durch Analysen sp\u00e4terer Werke nach \u2013 die pianistische Imitation beispielsweise des Fauxbourdon oder der Imitatio Tremula Organi stellen laut Molardi wichtige Indizien dar. Auf ein instrumentenbauliches und zugleich musikalisches Detail verwies Martin Skamletz (Bern): In den Jahren nach 1800 erweiterte sich der urspr\u00fcnglich f\u00fcnf Oktaven fassende Umfang der Klaviere, was sich nat\u00fcrlich auf die Disposition der komponierten Werke auswirkte. Diese gegenseitige Relation illustrierte Skamletz mit einer Vielzahl an Notenbeispielen und stellte sie in den Kontext des Zeitgeschehens. Ebenfalls differenzierte Quellenarbeit leistete Patrick J\u00fcdt (Bern) im Kontext des Streichquartetts op. 18\/6. In einem anschaulichen Vortrag, in welchem die vier jungen Musiker des Quatuor Ernest genauso wie die Zuh\u00f6rerschaft an die Hand genommen wurden, erarbeitete er Dynamik und Intensit\u00e4t beethovenscher Sforzati im Scherzo aus op. 18\/6. \u00abMitspracherecht\u00bb erhielten dabei Musiktheoretiker des 18. und 19. Jahrhunderts in ihren \u00c4usserungen zu metrischem und melodischem Akzent.<\/p>\n<p>Schreibprozesse und Ergebnisse der Verschriftlichung wurden am letzten Tag, dem 16. September, behandelt. Federica Rovelli (Bonn) berichtete von den Hindernissen, welche die Edition beethovenscher Skizzenb\u00fccher beeinflussen k\u00f6nnen: Neben dem meist fragmentarischen Zustand der Skizzen ist es vordergr\u00fcndig die Zeitlichkeit des Schreibens, die Chronologie des Schreibprozesses, welche in einer einfachen Transkription nicht darzustellen sei; sehr wohl kann Geschriebenes dargestellt werden, nicht jedoch das Schreiben selbst. In Auseinandersetzung mit diesem Problem stellte Rovelli eine im Beethoven-Haus in Bonn verwendete Software vor, die verschiedene Schreibschichten eines Faksimiles offenlegt. Durch die Transparenz und visuelle Erfassbarkeit wird dieses grafische Programm von einem internationalen Kreis f\u00fcr wissenschaftliche Zwecke zu nutzen sein.\n<\/p><\/div>\n<div>\n<h3 class=\"\">Auff\u00fchrungspraxis und Werktreue<\/h3>\n<\/div>\n<div class=\"text-section\">\n<p>Einmal nicht im Dienste der Textkritik, sondern zur Nachzeichnung einer auff\u00fchrungspraktischen Entwicklungsgeschichte standen bei Johannes Gebauer (Bern) editionsphilologische Untersuchungen. In detailgenauer Arbeit verglich er unterschiedliche Ausgaben u. a. der <em>Capricen<\/em> von Pierre Rode, deren Eigenheiten, Zus\u00e4tze und \u00c4nderungen nicht nur Hinweise auf bestimmte Spieltraditionen geben, sondern uns auch den Herausgebern der jeweiligen Editionen n\u00e4herbringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Berner Forschungsprojekt \u00abAnnotated Scores\u00bb, Richard Wagners Perspektive auf Eigenheiten in Werken seiner Zeit, bestimmte die letzten Pr\u00e4sentationen des Symposiums. Chris Walton (Bern) beleuchtete Wagners Auff\u00fchrung von Beethovens Neunter Sinfonie im Jahr 1846 und die zahlreichen \u00c4nderungsvorschl\u00e4ge, die von ihm gemacht wurden. Dass, wie aktuellsten Forschungen in Bern zeigen, Wagner diesen eigenen \u00c4nderungen selbst nicht zur G\u00e4nze umsetzte, hinderte viele sp\u00e4tere Dirigenten nicht daran, Wagners Angaben als Massstab zu sehen. Ein ganz vergleichbares Ph\u00e4nomen in der Beethoven-Rezeption behandelte Lena-Lisa W\u00fcstend\u00f6rfer (Basel): 1904 f\u00fchrte Gustav Mahler <em>Fidelio<\/em>, die einzige vollendete Oper Beethovens auf \u2013 in einer von ihm umgestalteten Version, welche vom Wiener Publikum auch dann noch als die wahre gesehen wurde, als Felix Weingartner die Nachfolge Mahlers antrat und sich f\u00fcr mehr Werktreue bei <em>Fidelio<\/em> einsetzte.<\/p>\n<p>Einen runden Abschluss erfuhr das viert\u00e4gige Symposium durch Roger Allen (Oxford), der \u00fcber Wagners Interpretation von Beethovens Klaviersonate op. 101 referierte. Den ersten Satz dieser Sonate charakterisierte Wagner als ein perfektes Beispiel f\u00fcr den von ihm gepr\u00e4gten Ausdruck der \u00abUnendlichen Melodie\u00bb, auch im Hinblick auf die fehlenden stark kadenzierenden Einschnitte. Betont spekulativ zog Allen Querverbindungen von Beethovens Werk zu Wagners Vorspiel zu <em>Tristan und Isolde<\/em> und deckte vergleichend m\u00f6gliche kompositorische Einfl\u00fcsse aus der Klaviersonate auf. Auch den Bogen zu den vergangenen Tagen spannte Allen, wenn er Wagner zu Beethoven zitierte: Jener habe in dieser Sonate \u00abdem ureigensten Wesen der Musik\u00bb nachgesp\u00fcrt. In Allens eigenen Worten: Es gehe, auch w\u00e4hrend des Berner Symposiums, um \u00abMusic as expression\u00bb, um Musik in ihrem Verm\u00f6gen, auszudr\u00fccken und Eindruck zu hinterlassen.\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Un simposio presso l'Universit\u00e0 delle Arti di Berna ha fornito una panoramica sull'attuale ricerca interpretativa. 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