Wechselt Ilona Schmiel von Zürich nach Berlin?
Die Intendantin der Zürcher Tonhalle soll vor einem Jobwechsel zum renommiertesten Orchester der Welt stehen. Die Situation bei den Berliner Philharmonikern ist allerdings kompliziert.

Im August 2028 wird einer der prestigeträchtigsten Jobs der Musikwelt frei: Andrea Zietschmann, Intendantin der Berliner Philharmoniker, lässt auf diesen Zeitpunkt hin ihren Vertrag auslaufen. Wie nun bekannt wird, gibt es für ihre Nachfolge offenbar eine Kronfavoritin: Ilona Schmiel, die seit 12 Jahren die Tonhalle-Gesellschaft Zürich leitet. Entsprechende Gerüchte hätten sich verdichtet, schreibt diese Woche das Portal backstageclassical.com.
Als weiteren möglichen Kandidaten nennt das Portal Olaf Manninger, derzeit Medienvorstand der Philharmoniker. Wie aus informierten Kreisen verlautet, ist Schmiel jedoch in der aussichtsreichsten Position.
Was sagt die Tonhalle-Intendantin selber dazu? Auf Nachfrage der Schweizer Musikzeitung lässt Schmiel über eine Sprecherin folgenden Satz ausrichten: «Dass sie zu den Berliner Philharmonikern wechseln wird, ist ein Gerücht der Medien.»
Der Zeitpunkt für einen Wechsel scheint günstig
Das ist zumindest kein Dementi, und Fakt ist auch: Der Zeitpunkt für eine Neuorientierung scheint günstig. Schmiels derzeitiger Vertrag in Zürich läuft, genau wie jener von Chefdirigent Paavo Järvi, über fünf Jahre bis 2029. Die letzte Verlängerung wurde 2022 beschlossen, die nächste wäre gemäss diesem Rhythmus 2027 fällig. Die bevorstehenden Monate würden sich demnach anbieten, um einen Wechsel in die Wege zu leiten. Hinzu kommt, dass sich Schmiel ihrer bisherigen starken Stellung in Zürich künftig nicht mehr unbedingt sicher sein könnte. Grund dafür sind die roten Zahlen der Tonhalle in den letzten Jahren. Wie es heisst, stehen deswegen die Strukturen, die der Intendantin viel Macht geben, auf dem Prüfstand.
In Berlin ist die Situation allerdings ebenfalls kompliziert. Die Philharmonie soll ab 2032 aufwendig saniert werden. Nötig wird damit ein Ersatzspielort, im Gespräch ist insbesondere der ehemalige Flughafen Tempelhof. Bevor allerdings keine verbindlichen Beschlüsse vorliegen, dürfte sich wohl auch keine neue Intendanz verpflichten lassen. Einen gewissen Unsicherheitsfaktor stellen auch die schwierigen Koalitionsverhandlungen für eine neue Regierung in der deutschen Hauptstadt dar.
Ein überaus selbstbewusstes Orchester
Die Berliner Philharmoniker gelten überdies als ausgesprochen selbstbewusster Klangkörper. Institutionell haben sie sich so viel Mitsprache in allen künstlerischen und administrativen Belangen gesichert, dass es den Handlungsspielraum des Managements zwangsläufig eingrenzt: Gegen den Willen der Orchestermitglieder kann die Intendantin kaum etwas unternehmen.
Überaus prestigeträchtig ist der Job natürlich trotzdem – vergleichbar wohl nur einer anderen Position, für die derzeit ebenfalls eine neue Besetzung gesucht wird: die Gewandhausdirektion in Leipzig. Dass Ilona Schmiel auch auf den Chefposten in Leipzig aspirieren könnte, scheint allerdings ausgeschlossen. Federführend beim dortigen Auswahlverfahren ist nämlich der Unternehmensberater Peter Gartiser. Und dieser wiederum ist auch: Lebenspartner von Ilona Schmiel.
