Agentenfilm für Orchester

Eine Partitur zeigt die Qualität von Bernard Herrmanns Filmmusik zu «North by Northwest» bis ins Detail.

Viel zu selten gelangen Filmscores in den Druck. Dabei sind derartige Partituren äusserst hilfreich, um Details der vielfach akustisch in den Hintergrund gerückten Komposition jenseits von frei zusammengestellten «Suiten» zu studieren. Dies ist vor allem dann lohnend, wenn sich die Musik als suggestiv und eigenständig erweist. So etwa die von Bernard Herrmann (1911–1975) komponierte zu Alfred Hitchcocks genialem, mit feiner Ironie gespicktem Agenten-Thriller North by Northwest (1959).

Bereits die ersten Takte sind prägend: Ein Fandango-Rhythmus in den Pauken (doppeltaktig als 6/8 lesbar), beantwortet durch eine synkopierte Wechselnote in den tiefen Streichern (doppeltaktig als 3/4). Beschrieben wird so in der Ouvertüre das Pulsieren der Grossstadt, später die wilde Fahrt auf einer Küstenstrasse. Leitmotivisch ziehen sich Rhythmen, Themen, harmonische Wendungen und Klangfarben durch den ganzen Film – und vereinheitlichen somit die nahezu ununterbrochene Folge dramatischer Szenen, deren Auslöser im Film vorgeblich auf den 24. November 1958 datiert wird durch die Einblendung einer Ausgabe von The Evening Star vom Folgetag (übrigens, wenn auch grafisch verändert, mit einer authentischen Schlagzeile). Ganz ohne Musik (und über eine atemraubende Strecke auch ohne Sprache) kommt die legendäre Szene im Maisfeld aus.

Die gedruckte Partitur umfasst auch all jene Nummern, die im Film (aus guten Gründen) nicht berücksichtigt oder gekürzt wurden. Eine beschreibende Analyse auf zwanzig Seiten macht den Notentext auch für Filmliebhaber verständlich. Wünschenswert wäre eine Fortsetzung mit weiteren legendären Herrmann-Vertonungen etwa von Vertigo oder Psycho.

Bernard Herrmann: North by Northwest (1959), Partitur, Omni 50791, XX+211 S., € 79.00, Omni Music Publishing/Schott, Los Angeles/Mainz 2022, ISBN 978-1-73450-791-1

 

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