Oboe und Fagott im Mittelpunkt
Über 300 Musikerinnen und Musiker haben sich um die Teilnahme an The Muri Competition beworben: Vom 9. bis 19. April messen sich zum fünften Mal junge Oboistinnen und Fagottisten aus aller Welt in den Räumlichkeiten des Klosters, darunter zwei regionale Jungtalente. In der Jury sitzen Spitzenmusiker und Professoren aus zehn Ländern.
Es gibt Wettbewerbe für Klavier, für Geige, für Gesang – Dutzende davon weltweit. Für Oboe und Fagott hingegen gibt es praktisch keinen. Ausser in Muri. Seit 2013 findet hier alle drei Jahre The Muri Competition statt, der weltweit einzige internationale Wettbewerb, der sich gleichzeitig auf diese beiden Instrumente spezialisiert hat. Die Qualifikation von Hunderten von Bewerbern läuft anonym ab – die Vorjury hört jede eingereichte Aufnahme, ohne zu wissen, wer spielt, und entscheidet, wer zu den je rund 50 Teilnehmenden pro Instrument gehört und anreisen darf.
Ins Leben gerufen haben ihn drei Musiker: der Murianer Oboist Renato Bizzotto, der Fagottist Matthias Rácz und der Oboist Martin Frutiger – die beiden Letzteren sind Solisten im Tonhalle-Orchester Zürich und Professoren an der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK. Die Oboe-Jury wird auch 2026 von Martin Frutiger präsidiert. Neben ihm urteilen unter anderem Francesco Di Rosa aus Italien, Simon Fuchs – Solo-Oboist der Tonhalle Zürich – sowie der frühere Muri-Gewinner Kyeong Ham aus Südkorea. Die Fagott-Jury leitet Matthias Rácz, Solofagottist der Tonhalle Zürich. Ihm zur Seite stehen unter anderem der renommierte italienische Fagottist Sergio Azzolini, die Engländerin Rachel Gough und die Amerikanerin Whitney Crocket – insgesamt Juroren aus zehn Nationen.
Karriere-Sprungbrett
Dass Heinz Holliger, Dirigent, Komponist und einer der berühmtesten Oboisten der Musikgeschichte, persönlich nach Muri kommt und im Patronat ist, gibt dem Wettbewerb zusätzliches Gewicht. Holliger kürt die beste Interpretation der zeitgenössischen Pflichtstücke und verleiht dafür den nach ihm benannten Heinz-Holliger-Preis. Am Samstag, 18. April, hält er zudem einen öffentlichen Meisterkurs für die Halbfinalisten ab.

The Muri Competition ist mehr als ein Wettkampf. Wer hier gewinnt, dem öffnen sich Türen. Enrico Bassi gewann 2023 im jugendlichen Alter von 21 Jahren den ersten Preis in der Klasse Fagott – heute ist er Solo-Fagottist des NDR-Elbphilharmonie-Orchesters in Hamburg. Der Fagottist Andrea Cellacchi gewann 2016 und ist inzwischen Erster Fagottist des Royal Concertgebouw Orchestra in Amsterdam und unterrichtet als Professor am Konservatorium der italienischen Schweiz in Lugano. Den Gewinnerinnen und Gewinnern winken Stipendien, Auftrittsmöglichkeiten, Sonderpreise und ein Preisgeld von je 15’000 Franken für den ersten Platz. Aber eigentlich gewinnen alle Teilnehmenden an diesem Anlass, der neben dem hohen musikalischen Anspruch ja auch die Jugendförderung zum Ziel hat. In Muri können die jungen Musikerinnen und Musiker ihr Netzwerk erweitern; ihnen werden Türen geöffnet und sie knüpfen neue (berufliche und private) Beziehungen.
Verbindende Wirkung
Dabei geht es bei The Muri Competition nicht nur darum, die allerbesten von den Besten zu trennen: Vielmehr soll die Musik und die Leidenschaft für die beiden Instrumente neue Verbindungen schaffen. Unter den Musikern, aber auch über ihre Kreise hinaus.
So finden sich im Patronatskomitee auch Personen, die das Eifern nach Bestleistungen aus anderer Perspektive kennen. Die Nati-Fussballerin Alayah Pilgrim oder die Handball-Nationalspielerin Daphne Gautschi, nicht nur gebürtige Murianerin, sondern selbst Oboistin, die einst vom künstlerischen Leiter Renato Bizzotto unterrichtet worden ist. Eine ungewöhnliche Verbindung zwischen Spitzensport und klassischer Musik.
Als weiteres verbindendes Element dient die Unterbringung. Die Teilnehmenden werden nämlich nicht in Hotels untergebracht. Sie leben vielmehr während der rund zwei Wochen mehrheitlich bei freiwilligen Gastfamilien in Muri und Umgebung. Das dürfte nicht nur bei allen Teilnehmenden für bleibende Eindrücke oder sogar lebenslange Freundschaften sorgen, sondern auch bei den Gastgebern. Zudem wird damit das Budget entlastet und die Schwelle für eine Teilnahme, in der für weit her gereiste junge Profimusiker nicht gerade kostengünstigen Schweiz senkt. Sie bezahlen nämlich neben einem Startgeld für den Wettbewerb auch die Reisekosten selbst.
Auch das Publikum bekommt Gelegenheit, hautnah zu erleben, wie Profimusiker sich messen: Alle Vorspiele der ersten drei Runden sind öffentlich und kostenlos – wer erfahren will, wie schwierig nicht nur die Arbeit der Teilnehmenden, sondern auch der Jury ist, kann sich als «Mitglied der Jury ausser Konkurrenz» versuchen.
Der Wettbewerb erstreckt sich über zehn Tage mit vier Runden. Die erste Runde läuft vom 10. bis 12. April im Refektorium und im Pflegidach. Im Halbfinal und im Finale am 17. und 19. April begleitet das argovia philharmonic unter Georg Köhler die Solistinnen und Solisten. Nur das Finale am Sonntagabend kostet 50.00 Franken Eintritt.

