Guter Musikunterricht – ein Essay

Was können Schülerinnen und Schüler, deren Eltern, und die Institution der Musikschulen zum Gelingen eines guten Musikunterrichts beitragen?

Beginnen wir mit den Eltern:
Schon Zoltan Kodaly hat festgestellt, dass die Musikerziehung 9 Monate vor der Geburt der Mutter beginnt.
Aber auch Mütter, die nicht in den Genuss pränataler musikalischer Förderung gekommen sind, können die Kette durchbrechen. Wichtig ist, dass Eltern, Grosseltern und weitere zugewandte Orte viel mit den Kindern singen und musizieren. Somit ist neben den frühmusikalischen Angeboten der Musikschulen wichtig, dass auch zu Hause viel musiziert wird. Dies muss nicht auf einem hohen Niveau stattfinden, schon die rhythmischen Spiele mit Löffel und Gabel können viel bewirken.

Und natürlich singen, singen, singen. Das müssen nicht komponierte Lieder sein. Weshalb nicht einfach Wortspielereien spontan singen statt sprechen?
Kleine Kinder bewegen sich grundsätzlich gern und singen auch spontan dazu. Man muss sie nur machen lassen und auf tolerante Nachbarn hoffen.

Wenn die Kinder dann grösser werden, stellt sich heraus, dass die wenigsten Kinder überall hochbegabt sind, und dass die Eltern zusammen mit dem Kind entscheiden müssen, auf welchem Gebiet das Kind speziell gefördert werden soll. Dies soll den Neigungen und Fähigkeiten des Kindes entsprechen. Schwierig, aber nicht unmöglich wird es, wenn sowohl Musik als auch Sport gefördert werden sollen, weil beide Gebiete nur mit einem hohen Einsatz wirklich erfolgreich gepflegt werden können. Hier sind ein gutes Zeitmanagement und das Setzen von Prioritäten gefordert. Bis heute gilt eher die These, dass eine Förderung auf möglichst vielen Gebieten erstrebenswert sei. Die meisten Kinder sind jedoch mit solchen Herausforderungen sehr überlastet. Daneben muss dann häufig die Beschäftigung mit elektronischen Medien auch noch zwei bis drei Stunden täglich in Anspruch nehmen können. Wen wundert’s, dass die Kinderpsychologen derart ausgebucht sind?

Wenn es dann so weit ist, dass ein Kind ein Instrument lernt, ist es äusserst wichtig, dass seine Umgebung die musikalische Tätigkeit lobt und dazu motiviert, sich in dieser Tätigkeit immer mehr zu verbessern. Die Sportvereine haben dies schon längstens begriffen und bieten mehrmals wöchentliche Trainings an. Von den Eltern wird selbstverständlich  erwartet, dass diese voll und ganz hinter der Tätigkeit ihrer Sprösslinge stehen. Wenn die Musikschulen den Blick in Richtung Sportvereine erweitern, leuchtet es absolut ein, dass eine 30-minütige Lektion Einzelunterricht pro Woche nirgends hinreicht. Möglichst individuelle Lösungen sind dann gefragt. Der einen Schülerin motiviert es, wenn sie in einem Ensemble mitspielen kann; ein guter Klavierschüler würde je nachdem besser mit einer zweiten oder gar dritten wöchentlichen Klavierlektion unterstützt. Wobei nicht zu vergessen ist, dass die Ziele des Trainings im Sportverein in der Musik meistens besser mit gezieltem Üben zu Hause erreicht werden können, falls tatsächlich geübt wird. Dabei ist es wichtig, dass täglich gesetzte Ziele (inklusive Zeitrahmen) sowohl beim Üben als auch bei den schulischen Hausaufgaben erreicht werden. Die schulfreie Zeit sollte möglichst oft geplant werden. Dabei sollen auch Fenster mit Nichtstun oder Spielen im Freien ihren Platz finden.

Da die Fünftagewoche an der Schule meist streng getaktet ist, und auch diverse Freizeitaktivitäten ihren Platz haben sollten, macht es sicher Sinn, die Wochenenden nicht auch noch vollzustopfen.

Zurück zur musikalischen Betätigung: Über den Nutzen des Lehrplans 21 kann gestritten werden. Einer der Schwerpunkte dieses Bildungsplans besteht jedoch darin, dass die Schülerinnen und Schüler (SuS) sich nicht primär Wissen aneignen, sondern dass sie Kompetenzen entwickeln. Übertragen auf die Musik heisst dies, dass die SuS sich als Experten auf dem Gebiet der Musik entwickeln. Das heisst, sie lernen nicht ein Stück einigermassen zu spielen, sondern sie lernen – am idealsten aus geführter Selbsterkenntnis – weshalb sie das erarbeitete Stück genau auf diese Weise spielen. Dies hilft der intrinsischen Motivation, ihre musikalischen Fähigkeiten zu erweitern. Dass die Lehrperson mit eigentlichen Korrekturen dabei eher zurückhaltend sein sollte, versteht sich von selbst. Vielmehr sollte diskutiert werden, weshalb eine Stelle so besser tönen könnte als auf die andere Weise.

Mit wachsendem Fortschritt auf dem Instrument soll den SuS seitens der Musikschulen, aber auch der erziehungsberechtigten (und verpflichteten!) Personen die Möglichkeit zu diversen Auftritten verschaffen werden. Der Eintritt in ein Orchester oder eine Blasmusik ist von grossem Vorteil.

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