Raritäten für Clara

Die Pianistin Kathrin Schmidlin hat Stücke zusammengetragen, die Clara Schumann gewidmet wurden. Das bringt Komponistinnen und Komponisten ans Licht, die kaum mehr bekannt sind.

Kathrin Schmidlin. Foto: Daniele Caminiti

Clara Schumann geniesst zu Recht den Ruf einer überragenden Musikerin des 19. Jahrhunderts. Ihr Ruhm überstrahlte selbst denjenigen ihres Mannes Robert. Als Virtuosin, Komponistin und Pädagogin prägte sie eine ganze Epoche. Ihr nicht allzu grosses kompositorisches Œuvre wird seit einigen Jahren vermehrt aufgeführt. Das Opernhaus Zürich gestaltet derzeit einen ganzen Ballettabend nach dem Leben der Ausnahmekünstlerin. Um die dreissig Komponisten widmeten ihr Klavierwerke, von denen sie allerdings nur ganz wenige in ihr Repertoire aufnahm.

Die Schweizer Pianistin Kathrin Schmidlin setzt sich mit ihrer bei Claves erschienenen Doppel-CD Clara Schumann gewidmet für Werke von zehn Komponisten und einer Komponistin ein, von denen die meisten nie im Konzertsaal zu hören sind. Bei der Werkauswahl wurde sie von Walter Labhart beraten. Schmidlin studierte in Zürich, Nürnberg und Basel bei Karl-Andreas Kolly, Wolfgang Manz und Tobias Schabenberger. Ihre bisherigen CDs waren Werken von Komponistinnen gewidmet und wurden sehr positiv rezensiert.

Von Bargiel bis Smetana

Die vorliegende Aufnahme bietet einen ausserordentlich interessanten Querschnitt durch die Klaviermusik der romantischen Epoche. Unter den Komponisten gibt es mit Alexander Dreyschock und Stephen Heller berühmte Klaviervirtuosen, mit Felix Mendelssohn Bartholdy und Vinzenz Lachner angesehene Dirigenten, mit Woldemar Bargiel, dem Stiefbruder von Clara Schumann, und Johann Peter Emilius Hartmann bedeutende Hochschullehrer und mit Eduard Bernsdorf einen der wichtigsten Musikschriftsteller.

All ihren Werken ist eine grosse Vertrautheit mit dem Klavier anzuhören. Natürlich gilt das gleiche für Johannes Brahms, von dem eine auch von zahlreichen anderen Komponisten für verscheidene Besetzungen bearbeitete Gavotte von Christoph Willibald Gluck zu hören ist, und für Robert Schumann, dessen sogenannte Geistervariationen, kurz vor seinem Tod entstanden, ein sehr eigenartiges Stück sind, das sich nicht unbedingt beim ersten Hören erschliesst. Elisabeth von Herzogenbergs Allegro appassionato wurde nach ihrem Tod von ihrem Mann Clara Schumann gewidmet. Bedřich Smetanas 4 Skizzen beweisen, dass seine Klaviermusik zu Unrecht vergessen ist. Daneben sind vor allem auch die Stücke von Bargiel und Bernsdorf, letztere als Ersteinspielung, sehr hörenswert.

Kathrin Schmidlin spielt mit Leidenschaft und grossem technischem Können. Besonders die virtuosen Stücke begeistern. Leider ist der Klavierklang sehr direkt, wie aus zu grosser Nähe aufgenommen, selbst Pedalgeräusche sind zu hören. Neben ihrer künstlerischen Qualität ist die engagierte Einspielung auch aufgrund ihres Repertoirewerts zu empfehlen.

Clara Schumann gewidmet. Werke von Bargiel, Lachner, Dreyschock, Heller, R. Schumann, E. von Herzogenberg, Brahms, Hartmann, Mendelssohn, Bernsdorf, Smetana. Kathrin Schmidlin, piano. Claves Records 3122/23

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