(Mehr) Gespräche mit Blomstedt

Die Neuauflage von «Mission Musik» ist um ein Gespräch mit dem Dirigenten erweitert, das im Verlaufe des letzten Jahres stattgefunden hat.

Herbert Blomstedt. Foto: J. M. Pietsch

Aufschlussreich wird es sein, um das breite musikalische Spektrum des schwedischen Dirigenten Herbert Blomstedt kennenzulernen, wenn man seine Aufnahme von Ingvar Lidholms Poesis hört und gleich auch diejenige von Anton Bruckners vierter Sinfonie und Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe. Der heute 98-jährige Dirigent, der so gar nichts von einem Pultstar an sich hat, aber weltweit von den grossen Orchestern geliebt und deshalb immer wieder engagiert wird, vermag diese mit seiner liebenswürdigen Korrektheit, seiner Selbstdisziplin und der Verantwortung dem Werk gegenüber zu Höchstleistungen zu führen.

Gesprächsthemen

Mission Musik heisst das Buch mit neun Gesprächen der Musikkritikerin Julia Spinola mit Blomstedt. Das letzte, im Mai letzten Jahres in Leipzig geführt, ergab ein umfangreiches Zusatzkapitel für diese dritte Auflage.

Ganz unterschiedliche Bereiche und Situationen werden beleuchtet, speziell auch jene der beiden deutschen Orchester, die er als Chef geführt hat, die Staatskapelle Dresden  1975–1985 und das Gewandhausorchester Leipzig 1998–2005. Selbstverständlich werden die Position des Dirigenten diskutiert und innerbetriebliche Probleme der Orchester; Blomstedt hat ja in seinem langen Leben auch Chefposten in Oslo, Kopenhagen und San Francisco bekleidet. Höchst interessant war sein Beharren auf der alten deutschen Orchesteraufstellung, aber auch sein Herangehen an Werke der Neuen Musik und seine Zuwendung zum Publikum mit kurzen Erläuterungen. Kein Imponiergehabe, sondern ein intensives Bemühen, die Einsichten des Fachmanns verständlich weiterzugeben.

Repertoireschwerpunkte

Dem fragenden Gegenüber gelingt es immer wieder, eindringliche Antworten zur Motivation seiner weltweiten Aktivitäten zu erhalten, während die private Seite seines Lebens völlig ohne Voyeurismus offengelegt wird. Sein Einsatz für die nordische Musik, besonders für Carl Nielsen, Franz Berwald und Carl-Wilhelm Stenhammar, der innige Bezug zur Musik von Johann Sebastian Bach und der späte Zugang zu Anton Bruckner und Richard Strauss belegen die Spezialitäten seines Repertoires. Die neun Sinfonien von Bruckner hat er zweimal mit dem Gewandhausorchester Leipzig realisiert, 2005 bis 2012 und 2023. Die umfangreiche Diskografie im Anhang spiegelt wider, dass der über Neunzigjährige auch noch seine dritte Gesamtaufnahme der Beethoven-Sinfonien sowie einige Sinfonien von Brahms, Stenhammar und Voříšek eingespielt hat.

Herbert Blomstedt: Mission Musik – Gespräche mit Julia Spinola, 199 S., € 26.00, dritte, erweiterte Auflage, Henschel/Bärenreiter, Leipzig/Kassel 2025, ISBN 978-3-7618-2417-7 (Bärenreiter)

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