Guter Musikunterricht – Kapitel 3
Zum Abschluss unserer Serie über guten Musikunterricht wollen wir der Frage nachgehen, welchen Beitrag Musikschulleitungen zur Qualität von Musikunterricht beisteuern können, und wie die Politik für sie ein günstiges Umfeld schaffen kann.
Die ideale Musikschulleitung unterstützt die angestellten Musiklehrpersonen in ihrer täglichen Arbeit, kommuniziert transparent, wenn sie zusätzliche Arbeit zu vergeben hat und sorgt dafür, dass die Lehpersonen die Pensenvergabe nachvollziehen können. Sie spürt, wenn sich jemand benachteiligt fühlt und sucht dann das Gespräch mit der betreffenden Lehrperson.
Der Musikschulleitung ist bewusst, dass die meisten Lehrpersonen keine existenzsichernde Anstellung an ihrer Schule haben, dass sie also mehrere Stellen annehmen müssen, sei es auch als Musiklehrperson, als Musiker*in oder in einem ganz anderen Fachgebiet. Sie versteht also, dass die Lehrperson nicht immer für alle schulischen Aufgaben ausserhalb des eigentlichen Unterrichts zur Verfügung stehen kann, weil das sonst Terminkollisionen mit Verpflichtungen für die anderen Arbeitsstellen geben kann. Sie berücksichtigt dabei, dass jemand mit einem sehr kleinen Pensum nicht gleich viele zusätzliche Aufgaben (Sitzungen, Instrumente vorstellen, Konvent, Elterngespräche) übernehmen kann, wie jemand mit einem grossen Pensum.
Die Musikschulleitung sorgt für angenehme Unterrichtsräume mit Tageslicht und gestimmtem Klavier in der Musikschule aber auch in externen Unterrichtsräumen wie Zimmern in der Volksschule und überhaupt für eine angepasste Infrastruktur.
Sie ermöglicht verschiedene Formen von Schülerauftritten, schafft die Grundlage für Ensembleunterricht und Ensembleauftritte, wobei sie möglichst viele Schüler*innenkonzerte besucht. Ihre Rückmeldungen sind wohlwollend und konstruktiv, damit die Lehrperson die so verpackte Kritik auch annehmen kann, weil sie sich grundsätzlich wertgeschätzt fühlt.
Die Musikschulleitung denkt strategisch, ist ideenreich im Schaffen von neuen zusätzlichen Unterrichtsgefässen, und sie nimmt auch kreative Ideen der Lehrpersonen auf und prüft, ob diese umsetzbar sind. Besonders für den Erwachsenenunterricht sorgt sie für flexible Abo-Angebote, die zusätzliche Schüler*innen anziehen könnten.
Die Musikschulleitung ist gut vernetzt und versucht die Arbeitssituation ihrer Angestellten in Zusammenarbeit mit den Musikschulverbänden zu verbessern, indem sie sich dafür einsetzt, dass Musikunterricht auch zu normalen Schulzeiten möglich wird und dass bei der Planung von neuen Schulmodellen auch daran gedacht wird, dass es zeitlich und örtlich Raum für Musikunterricht geben muss. Überhaupt setzt sie sich in der Politik dafür ein, dass Musikunterricht nicht als unwichtiges Hobby sondern als wichtiger Bestandteil einer umfassenden Ausbildung verstanden wird.
Für die Schaffung gesetzlicher Grundlagen für genügend hohe Subventionen für ein möglichst breites Unterrichtsangebot spannt sie mit anderen Musikschulen, mit Musikschulverbänden und mit Berufsverbänden für Musikpädagog*innen zusammen.
Politik
Damit sind wir bei der Politik angelangt und bei der Frage, wie sie guten Musikunterricht unterstützen kann: Politiker*innen, die Musikunterricht fördern, verstehen, dass ein günstiges Umfeld für Musikunterricht nicht günstig zu haben ist. Sie widerstehen der Verlockung, die finanziellen Mittel für den Musikunterricht zu kürzen, weil sie wissen, dass verschiedenste Studien ergeben haben, dass Musikunterricht für die Gehirnentwicklung äusserst förderlich ist, selbst dann, wenn die ersten Versuche auf einem Instrument noch schief tönen. Sie verstehen, dass Musikunterricht deshalb eine wichtige Investition in die Zukunft ist. Und sie erkennen, dass Kinder und Jugendliche, die musikalisch ausgebildet werden, später eher einem Musikverein oder einem Chor beitreten, also Vereinen, die später das kommunale Kulturleben bereichern. Sie stellen also ein vernünftiges Budget für Musikunterricht zur Verfügung, und sie setzen sich in der Bildungspolitik auch dafür ein, dass beim Planen des obligatorischen Schulunterrichts nicht vergessen wird, Raum für Musikunterricht zu schaffen. In der Hochschulpolitik setzen sie sich dafür ein, dass genügend Musiklehrpersonen in allen Fächern Klassik und Pop/Jazz ausgebildet werden, und sie stellen die finanziellen Mittel für diese Studiengänge zur Verfügung.
