Ein langes Engagement zugunsten der Musiker*innen

Nach vielen Jahren engagierter Tätigkeit tritt Beat Santschi in den wohlverdienten Ruhestand.

Als ehemaliger Zentralpräsident und Zentralsekretär hat er den SMV entscheidend mitgeprägt und sich mit grossem Engagement für die Interessen der Musikerinnen und Musiker in der Schweiz eingesetzt. Besonders am Herzen lagen ihm die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, eine starke Interessenvertretung sowie der Dialog mit Politik, Institutionen und Partnerorganisationen. Mit seiner ruhigen, verbindlichen Art und seiner grossen Erfahrung hat er den Verband nachhaltig geprägt. Für seinen langjährigen Einsatz danken wir Beat Santschi herzlich und wünschen ihm für den neuen Lebensabschnitt alles Gute.

Kurze Biographie

Beat Santschi hat Gitarre und Klavier, Archäologie und Kulturanthropologie, Dirigieren und Kulturmanagement an der Universität Zürich, der Jazzschule Luzern, dem Guitar Institute of Technology in Los Angeles und dem ZHAW Zentrum für Kulturmanagement studiert. Neben seiner Tätigkeit als Gitarrist und Kulturmanager hat er sich sehr für die Belange der Musiker*innen eingesetzt, nicht nur in den Gremien des SMV (Mitglied des Zentralvorstands ab 1998, Zentralpräsident des SMV von 2009 bis 2020, anschliessend von 2020 bis 2026 Zentralsekretär), sondern auch als Vizepräsident der Internationalen Musiker-Föderation (FIM), Präsident der Schweizer Koalition für die kulturelle Vielfalt und Vizepräsident der Internationalen Föderation der Koalitionen für kulturelle Vielfalt (IFCCD) sowie als Vorstandsmitglied der Swissperform und der Schweizerischen Interpretengenossenschaft SIG. 2020 hatte David Schneebeli, der ihm als Co-Präsident nachfolgte, eine Würdigung verfasst, aus der wir den folgenden Ausschnitt zitieren: „Beat widmete sich allen Arbeitsbereichen des Verbandes mit der gleichen Energie, war kompetenter Ansprechpartner für das einzelne Mitglied ebenso wie für Sektionsvorstände oder Exponenten anderer Verbände und Behörden. Grosse Bedeutung erblickte Beat im Zusammenwirken der Berufsverbände auf nationaler und internationaler Ebene.“

Interview

Die Antworten auf unsere Fragen wurden schriftlich erteilt.

– Was behältst Du von Deinen Jahren im SMV im Dienste der Musiker*innen in Erinnerung?

Die Begegnung mit sehr vielen tollen Menschen aus vielen verschiedenen Ländern und Kulturen und auch mit ein paar weniger tollen, das gemeinsame Engagement für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Musikbereich.

Die nie dagewesene Extremsituation während der Pandemie, als den Musikerinnen und Musikern faktisch ein Arbeitsverbot auferlegt wurde, was insbesondere die Freischaffenden sehr hart getroffen und uns im SMV sehr gefordert hat. Die Dankbarkeit für unsere Nothilfe, aber auch die endlosen Diskussionen mit einigen Mitgliedern über die Covid-Impfung bzw. die Zertifikatspflicht, der Infektionscluster im OSR. Die sehr intensive Zusammenarbeit über alle Kultursparten hinweg und mit den Bundesbehörden bis hinauf zu Bundesrat Berset im Rahmen der Taskforce Culture.

Wichtige Meilensteine wie die Kampagne gegen die Dumpinglöhne bei der Aida-Produktion in Pfäffikon ZH 2013, das hundertjährige Jubiläum des SMV 2014 – wo es uns u.a. gelang, ein grosses Orchester aus SMV-Mitgliedern aus der gesamten Schweiz für das Jubiläumskonzert im Opernhaus Zürich auf die Bühne zu bringen, wobei alle solidarisch unentgeltlich spielten, auch der Dirigent Mario Venzago –, die aufgrund von Widerstand in den eigenen Reihen gescheiterten Fusionsverhandlungen mit den anderen Berufsmusikerverbänden 2017 – woraus Sonart entstand –, die Integration der SMV-Tarifordnungen ins neue Orchesterfördermodell in Basel oder die sehr aufwändigen erfolgreichen Arbeiten für die Organisation des FIM-Kongresses bei der ILO in Genf und für das Projekt «Tarifampel» im letzten Jahr.

– Welche Entwicklungen hast Du im Lauf der Jahre im Vorstand, als Präsident und als Zentralsekretär festgestellt?

Als ich in den 90er Jahren begann, mich im SMV zu engagieren, kam mir der Verband ziemlich altbacken vor. Gleichzeitig aber war es für die Musikerinnen und Musiker selbstverständlich, Mitglied zu sein, ohne dauernd zu fragen, welche Vorteile die Mitgliedschaft dem Einzelnen brachte. Mit der Individualisierung und Entsolidarisierung der Gesellschaft in den Jahrzehnten seither rückten die persönlichen Vorteile und Dienstleistungen für viele (potenzielle) Mitglieder in den Vordergrund, manchmal mit sehr partikulären Interessen. Hier musste oft gegengesteuert werden, um das grosse Ganze nicht aus den Augen zu verlieren.

Gleichzeitig stiegen die Anforderungen an die Verbandsarbeit durch zunehmende Erwartungen von aussen wie von innen, was eine gewisse Professionalisierung auch der Verbandsführung erforderte. Glücklicherweise gelang es uns aber auch, im Rahmen der KuOr-Verbandsförderung des BAK zusätzliche Ressourcen zu generieren.

– Welches sind Deiner Meinung nach die Herausforderungen, die die Musiker*innen erwarten, heute und in der Zukunft?

Ein nachhaltiges Einkommen mit Musikaufnahmen zu erzielen, ist heutzutage für die meisten Musikerinnen und Musiker keine valable Option mehr, spätestens, seit sich die Streaming-Plattformen bei den Konsumenten als primäre Quelle durchgesetzt haben, ohne dass die Frage der Entschädigung derjenigen, die die Musik machen, ernsthaft angegangen wurde. Jetzt kommt Musikproduktion aus generativer KI dazu, die nur möglich ist durch das Training der Modelle mit bestehenden Aufnahmen von Menschen. Auch diese Plattformen nehmen den Urhebern und Interpreten alles und geben nichts zurück, ohne dass die Politik ernsthaft einschreiten würde.

Somit bleibt nur die Live-Performance, das Konzert, die Aufführung. Die Herausforderung ist nun, dafür angemessene Gagen zu bekommen, die zum Leben reichen. Dazu braucht es in den meisten Fällen eine entsprechend ausgestattete Kulturförderung und somit politischen Willen. Es ist damit zu rechnen, dass wir Politikerinnen und Politiker sehen werden, die der Ansicht sind, dass z.B. bei den Subventionen für das eine oder andere Sinfonieorchester gespart werden könnte, da heutzutage doch jeder mit ein paar Klicks zum Musiker werden könne, wenn er KI-Plattformen nutzt. Im Popmusikbereich gibt es ja auch bereits Hologramm-Bands, die auch in der Schweiz Säle füllen, obwohl kein einziger Mensch auf der Bühne steht. Hier allerdings bin ich doch zuversichtlicher: Ich glaube, dass Menschen noch eine lange Zeit eine besondere Freude an menschlicher Live-Musik haben und auch bereit sein werden, dafür zu bezahlen.

– Wie wichtig findest Du die internationale Zusammenarbeit für die Musiker*innengewerkschaften?

Die internationale Zusammenarbeit und Solidarität der Musikergewerkschaften ist gerade in diesen Zeiten des Anti-Multilateralismus auf der politischen Bühne absolut unentbehrlich. Ich wage zu behaupten, dass der SMV in einigen Fällen weitaus konstruktivere und zukunftsgerichtetere Beziehungen z.B. zu den europäischen und amerikanischen Kolleginnen und Kollegen unterhält als Bundesrat und Parlament. So setzen wir uns z.B. gemeinsam, auch im Rahmen der internationalen Organisationen, z.B. der WIPO, für Regulierungen der generativen KI zugunsten der Urheber und Interpreten ein, was unsere Regierungen wenig zu interessieren scheint.

Glücklicherweise kann der SMV in der Fédération Internationale des Musiciens (FIM) weiterhin eine prägende Rolle spielen.

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