Cartoonhafte Texte, punkige Beats

Taranja Wu legt mit «All messed up» ihr zweites Solo-Album vor. Es ist wuchtiger und dringlicher als der Erstling.

Taranja Wu. Bild: PD

«You hit me in the face / now I look like a disgrace», berichtet eine rechtens erboste Taranja Wu zum Anfang ihres zu gleichen Teilen aufwühlenden wie vergnüglichen zweiten Solo-Albums All messed up. Aber keine Angst, schon der keinerlei Widerstand duldende Electro-Beat signalisiert, dass die aus punkigem Blut, Fleisch und Witz geschaffene Baslerin sich einen Schlag ins Gesicht nicht gefallen lässt. Bald schon verspricht sie, dem/der Anderen die Augen auskratzen, die Tür an den Kopf zu knallen und ihn/sie so richtig heftig am Bett festzuzurren. Dass sie zu sowas Handfestem durchaus im Stande wäre, nimmt man ihr sofort ab – und schwingt dazu umso freudiger das Tanzbein. Wus cartoonhafte, auf metaphorischer Ebene indes höchst potenten Texte sind mit pfundig-punkigen Beats und Melodien versehen, die auf die zutiefst schmutzigen Klänge der New Yorker Synthi-Pioniere Suicide zurückgehen. Wu legt aber auch Vertrautheit mit dem Electro-Pop von Dead Or Alive oder der skandinavischen Düsterkeit von The Knife an den Tag.

Taranja Wu ist keine Unbekannte: Bis zu seinem viel zu frühen Tod im Januar 2020 musizierte sie an der Seite des Ex-Aeronauten Olifr M. Guz unter dem Namen Naked in English Class. Im Vergleich zum filigraner arrangierten Solo-Debut ist All messed up wuchtiger, dringlicher und konsequenter auf Dynamik getrimmt. Wus Talent, knackige Slogans mit ebenso knackigen Ohrwürmern zu paaren, führt zu Glanzmomenten wie: «We’re a happy family / put the knife down» oder «I’m messed up ‘cause you’re messed up / you’re messed up ‘cause she’s messed up…». Und am allerbesten: «I don’t want to be cute, but I do want you to remember me».

Taranja Wu: All Messed Up. Flight 13 Records

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