Neu entdeckte Romanze
Erst 2022 wurde die Romanze für Violine und Klavier von Bohuslav Martinů im Nachlass gefunden.

Boris Lipnitzki, der französische Fotograf mit ukrainisch-jüdischen Wurzeln (1887–1971), porträtierte viele berühmte Musiker, befreundete sich mit ihnen und erbat sich Kompositionen für seine Vorliebe: Violine und Klavier. So entstand 1930 auch die Romanze von Bohuslav Martinů. Der Nachlass Lipnitzkis wurde nach seinem Tod der jüdischen Nationalbibliothek in Jerusalem übergeben, wo die Romanze erst 2022 wiederentdeckt wurde.
Das harmonisch faszinierende Dreiminutenstück im Stil des reifen Martinů mit Anspielungen von B-Dur über e-Moll und H-Dur steigert sich ruhig schreitend zu einem Höhepunkt mit raschen Aufstiegen der Violine. Dort trägt das Klavier mit mächtigen Viertel-Akkorden zur ausdrucksstarken Dichte bei. Der Schluss klingt synkopisch in B-Dur aus.
Bohuslav Martinů: Romanze für Violine und Klavier H 186bis, hg. von Natálie Krátká, BA 11581, € 10.50, Bärenreiter, Kassel

