Türen öffnen – Inklusion ist mehr als eine Haltung!

«Inklusion» gehört heute zum festen Vokabular kulturpolitischer Programme. Kaum eine Strategie zur kulturellen Bildung kommt ohne den Begriff aus. Er steht für ein wichtiges Versprechen: dass kulturelle Teilhabe allen Menschen offenstehen soll – unabhängig von Alter, Herkunft, Lebenssituation oder körperlichen und kognitiven Voraussetzungen.

Gerade in der musikalischen Bildung hat dieses Anliegen besonderes Gewicht. Musik ermöglicht Ausdruck, stärkt Selbstwirksamkeit und schafft Räume für Begegnung und gemeinschaftliches Erleben. Sie eröffnet Menschen die Möglichkeit, ihre musikalischen Fähigkeiten zu entdecken und zu entfalten – oft jenseits sprachlicher, sozialer oder kultureller Grenzen.Die Schweiz verfügt über eine aussergewöhnlich vielfältige Landschaft musikalischer ­Bildung: Musikschulen, Ensembles, Amateurvereine, professionelle Institutionen und freie Initia­tiven tragen gemeinsam dazu bei, dass Musik in allen Regionen des Landes gelebt und weitergegeben wird. Diese Vielfalt bietet zugleich grosses Potenzial für inklusive Formen des Lernens und Musizierens.

Inklusion bedeutet dabei mehr als ein einzelnes Projekt oder ein spezielles Angebot. Sie ist keine sonderpädagogische Zusatzaufgabe, sondern ein integraler Bestandteil qualitätsvoller Musikpädagogik – im Einzelunterricht ebenso wie im Ensemble. Ziel ist eine selbstverständliche und erfüllende Teilhabe am Musikleben: im Unterricht, im gemeinsamen Musizieren und auf der Bühne.

Damit dies gelingt, braucht es Dialog, Austausch und die Bereitschaft, Erfahrungen sichtbar zu machen. In der Schweiz zeigen bereits zahl­reiche Initiativen, wie musikalische Bildung so ­gestaltet werden kann, dass Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen gemeinsam lernen und musizieren.

Der Schweizer Musikrat setzt sich dafür ein, diesem Anliegen mehr Gewicht und Sichtbarkeit zu geben – im Austausch mit Musikschulen, Verbänden, Institutionen und der Kulturpolitik. Nicht als kurzfristige Initiative, sondern als Teil einer langfristigen Entwicklung hin zu einem Musik­leben, das seine Vielfalt als Stärke versteht.

Edith Pia Stocker
… ist SMR Co-Leiterin Bereich Bildung / Forschung / Wissenschaft

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