Das Glück, gemeinsam zu klingen

Wenn in Biel während vier Tagen über 25 000 Musikantinnen und Musikanten aus der ganzen Schweiz zusammenkommen, wenn Marschmusik durch die Strassen zieht, Registerproben neben Foodständen stattfinden und Menschen aller Generationen gemeinsam musizieren, dann wird spürbar: Blasmusik ist weit mehr als ein Wettbewerb.

Das Eidgenössisches Musikfest 2026 war vor allem auch ein grosses Fest der Begegnung. Vereine aus Bergdörfern, Agglomerationen und Städten trafen aufeinander. Junge Musizierende spielten neben Menschen, die seit Jahrzehnten Teil «ihrer» Musikgesellschaft sind. Unterschiedliche Sprachen, Regionen und Generationen fanden im gemeinsamen Klang eine Selbstverständlichkeit, die man gesellschaftlich oft lange suchen muss. Vielleicht liegt genau darin ein besonderes Glück.Denn wer Teil eines lokalen Blasorchesters oder Musikvereins ist, erlebt etwas, das in einer zunehmend individualisierten Gesellschaft nicht mehr selbstverständlich ist: Verbindlichkeit, Gemeinschaft und das Gefühl, gemeinsam etwas zu tragen.Man probt nicht nur zusammen. Man organisiert Feste, reist gemeinsam ans Eidgenössische, begleitet Dorfanlässe, gestaltet öffentliche Räume und wird Teil eines sozialen Netzes, das weit über die Musik hinausgeht. Viele Freundschaften, manche Beziehungen und unzählige Erinnerungen entstehen genau dort: zwischen Notenständern, Vereinsreisen und Konzertabenden.

Dieses Glück ist nicht spektakulär, es entsteht langsam, Woche für Woche und Probe für Probe. Vielleicht wird gerade deshalb seine gesellschaftliche Bedeutung manchmal unterschätzt.

Die Schweizer Blasmusiktradition gehört zu den grossen kulturellen Netzwerken unseres Landes. Hunderte Vereine ermöglichen musikalische Bildung, kulturelle Teilhabe und generationenübergreifende Begegnung, getragen von ehrenamtlichem Engagement und einer beeindruckenden lokalen Verwurzelung.

Das Eidgenössische Musikfest machte diese Realität sichtbar. Für einige Tage wurde Biel zum klingenden Zentrum einer Schweiz, die sich nicht primär über politische Debatten oder Unterschiede definiert, sondern über gemeinsames Tun. Und vielleicht erinnert uns genau das daran, was kulturelles Leben im Kern ausmacht: nicht Perfektion allein, sondern Zugehörigkeit.

Oder einfacher gesagt: das Glück, gemeinsam zu klingen.

Glück, Gemeinschaft und Musik: Ausgelassene Stimmung auf der Esplanade in Biel während des Eidgenössischen Musikfests 2026. Foto: Roger Stöckli, rsfilm.ch
Der Klang gemeinsamer Hingabe: Präzision und Konzentration an der Marschparade des Eidgenössischen Musikfests 2026.

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