Raff-Porträt aus dem Jahr 1850 entdeckt

Das Lachner Raff-Archiv hat in Berlin ein Skizzenbuch mit originalen Künstlerbildern erworben. Darunter befinden sich auch Bleistiftzeichnungen, die den damals 28-jährigen Komponisten sowie seinen Schwiegervater Eduard Genast zeigen.

Eine seltene Anschaffung konnte dieser Tage das Raff-Archiv in Lachen tätigen. Dank guter Beziehungen hat es im Auktionshaus Bassenge in Berlin ein Buch von 1850 mit acht Original-Bleistiftzeichnungen des ungarischen Malers und Bildhauers Carl Dosnyai, der von 1848-1850 in Weimar lebte, erworben. Unter den Porträtierten befindet sich auch Joachim Raff. Die Zeichnung gilt als bisher erstes bekanntes Porträt des damals 28-jährigen Lachner Komponisten.

Franz Liszt, der langjährige Mentor von Raff war bekannt für seine grosszügige Förderung junger Künstler. Aus Dankbarkeit widmete Dosnyai «Seinem edlen Wohltäter Herrn Doctor Franz Liszt» diese Porträtzeichnungen. Alle acht ganzseitigen Darstellungen zeigen wichtige Künstler des Weimarer Hoftheaters und der Hofkapelle. Gleichzeitig waren sie gute Bekannte von Franz Liszt, der damals die Künstlerkolonie der «Neu-Weimaraner» anführte.

Für die Joachim-Raff-Gesellschaft besonders bedeutsam ist, dass sich darunter auch das Bild von Raffs Schwiegervaters, des Regisseurs und Hofschauspielers Eduard Genast (1797-1866), der noch unter Johann Wolfgang von Goethe am Hof von Herzog Alexander diente, befindet. Auch die übrigen Porträtierten waren mit Joachim Raff bekannt oder gar befreundet. So der aufkommende Star unter den Violinisten Joseph Joachim, der später auch mit Johannes Brahms eng befreundet war. Ähnlich wie bei Joachim Raffs Darstellung gilt auch diese Zeichnung als das erste bekannte Kunstwerk dieses nachher so erfolgreichen Geigers. Zudem sind der berühmte damalige Bariton Hans Feodor von Milde (1821-1899), der Cellist und Komponist Bernhard Cossmann (1822-1910) oder der Pianist, Organist und Komponist Alexander Winterberg (1834-1914) unter den Porträtierten. Bernhard Cossmann hob in Weimar während des silbernen Zeitalters in den 1850er-Jahren verschiedene Kammermusikwerke von Raff aus der Taufe.

Dass das Raff-Archiv nun das früheste bekannte Porträtbild des damals 28-jährigen Joachim Raff in seinen Sammlungen besitzt, darf als kleine Sensation gewertet werden. Raff vermied es so gut es ging, sich bei Malern oder Fotografen zur Schau zu stellen. Darum gibt es leider nur wenige Aufnahmen und Bilder von ihm. Und diejenigen, die bestehen, zeigen ihn immer wieder mit dem gleichen Motiv, einmal als Zeichnung, Fotografie, Stich oder sonstigen Druckverfahren aus seiner erfolgreichsten Schaffensperiode, den 1870er-Jahren.

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Carl Dosnyai (1813-1850), Porträt Joachim Raffs, Bleistiftzeichnung aus dem Skizzenbuch, 22.5 x 18 cm

Wie die Abbildung zeigt, erscheint der junge Raff 1850, als er eben bei Liszt in Weimar seine Assistenzzeit begann, erstaunlicherweise als äusserst lockerer, selbstbewusster, beinahe dandyhafter junger Künstler mit offenem Jackett und Hemd und einer Zigarre in der Hand. Nur fünf Jahre vorher hatte Raff sich als junger Lehrer aus Rapperswil und damit aus der Schweiz verabschiedet. In allen späteren Darstellungen sieht man Raff als ernsten, gesetzten, strengen, vielleicht sogar besorgten und nachdenklichen älteren Herrn.

Der immer wieder als Gelehrter eingeschätzte Raff verfasste als Einziger der Porträtierten am 29. Oktober 1850 eine persönliche und hochinteressante Widmung an Franz Liszt: «Wenn die Selbstironie den Humor eines Menschen bekundet, so wird man mir nachsagen müssen, dass ich ihre bittersten Forderungen nicht zurückgewiesen habe».

Die Originalzeichnungen samt Widmung von Joachim Raff an Franz Liszt können ab sofort im Raff-Archiv zu den bekannten Öffnungszeiten an Samstagen oder auf Voranmeldung im Archiv besichtigt werden.

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