Experimentelle Flötenstudien
In den beiden Bänden seiner «Flute Expedition» bringt Gergely Ittzés den Spielenden erweitere Spieltechniken und ungewöhnliche Kläge näher. Er schlägt aber auch eine Brücke zum traditionellen Repertoire.

The Flute Expedition des ungarischen Flötisten Gergely Ittzés enthält eine Sammlung zeitgenössischer Etüden, die dazu dienen, das Instrument mit Neugierde zu erkunden. Besonderes Augenmerk wird auf Klänge und Spieltechniken gelegt, die zwar nicht zum klassischen Flötenspiel gehören, aber dennoch Teil des gesamten Klangspektrums sind. Mit 42 einfallsreichen Miniatur-Studien in zwei Bänden bietet Ittzés eine schrittweise Einführung in Techniken wie Multiphonics, spezielle Atemeffekte, Glissandi, Mikrotonalität und ungewöhnliche Klangfarben, die die Grenzen des Möglichen dieses Instruments erweitern. Jedes Stück enthält in einer ausführlichen Legende detaillierte Erklärungen sowie Notationshinweise.
Ittzés konzipierte The Flute Expedition als Brücke zwischen traditioneller Flötentechnik und modernem/experimentellem Spiel. Wie er im Vorwort anmerkt, erlangen Spielerinnen und Spieler dank dieses Ansatzes zudem Kenntnisse, von denen sie – direkt oder indirekt – auch bei der Aufführung traditioneller Werke profitieren werden. Anstatt «normale» und «erweiterte» Klänge getrennt zu behandeln, präsentiert das Werk sie als Teil einer einheitlichen musikalischen Sprache.
«Ungewöhnlich viele Griffe»
Der erste Band stellt neue Spieltechniken vor und enthält beispielsweise No. 2 Oberton-Präludium und No. 5 Ohrenbrecher, die zwischen Obertönen über demselben oder unterschiedlichen Grundtönen wechseln. No. 24 Elegie in C basiert ebenfalls auf Obertönen, denjenigen über dem tiefen C, und verwendet ausschlieslich Intervalle, die innerhalb der harmonischen Struktur liegen. In No. 7 Klopfen-Zupfen kommen verschiedene Klappen- und Pizzicato-Effekte zum Einsatz. Eine interessante Kombination ist No. 10 Gregors Choral, wo Stimme und «Pseudo-Multiphonics» in Oktaven verwendet werden, um polyfone Linien zu erzeugen, die an gregorianische Gesänge erinnern. No. 28 Tremor ist Klangfarben-Trillern gewidmet und nutzt mikrotonale Triller und Flatterzunge, während No. 29 Kiemenl die Technik der Zirkularatmung einführt.
Der Autor empfiehlt den Spielenden nachdrücklich, erst dann mit dem zweiten Band zu beginnen, wenn sie den ersten Band durchgearbeitet haben, da nicht alle Erläuterungen wiederholt werden. Für den zweiten Band sind eine Querflöte mit offenen Löchern und ein B-Fussstück erforderlich. Ittzés verwendet, wie er selbst schreibt, «ungewöhnlich viele Griffe» und mehrere Griffnotationen: Zusätzlich zur numerischen Fingersatznotation setzt er auch die akustische Griffnotation und die grafische Fingersatznotation ein. Die beiden Bände eignen sich für fortgeschrittene Flötisten sowie für Komponistinnen, um die klanglichen Möglichkeiten des Instruments zu erforschen.
Gergely Ittzes, The Flute Expedition, 42 imaginative Studien auf Entdeckungsreise nach erweiterten Techniken und ungewöhnlichen Klängen auf der Flöte; Vol. 1, Nr. 1–21, ED 23693; Vol. 2, Nr. 22–42, ED 23843; je € 29.00, Schott, Mainz

