Volkstänze für jeden Monat

Helene Schulthess hat 12 Tänze im Stil schweizerischer Volksmusik für zwei Querflöten und Klavier geschrieben. Zusätzliche Farben gewinnen die Stücke durch Haikus von Stefan Blankertz.

Ausschnitt aus dem Heftcover

Bereits 2019 veröffentlichte Helene Schulthess 26 Schweizer Volkstänze aus 26 Kantonen aus der Sammlung der Musikwissenschaftlerin Hanny Christen, die zwischen 1940 und 1960 durch die Schweiz reiste, um Melodien aufzunehmen oder zu transkribieren, und arrangierte diese für zwei Querflöten und Klavier (Rezension). 12 Volkstänze im schweizerischen Stil ist nun ein von Schulthess selbst komponierter Kammermusikzyklus für dieselbe Besetzung, der sich an charakteristischen Merkmalen der Schweizer Volksmusik orientiert.

Im Mittelpunkt stehen klar definierte volkstümliche Melodielinien, die rhythmisch auf typische Tanzmotive zurückgreifen, an traditionelle Formen wie den Ländler oder einfache Dreiertakte erinnernd. Jeder der zwölf Sätze ist einem Monat zugeordnet, so entsteht ein musikalischer Jahreszyklus. Jedem Satz geht ein Haiku von Stefan Blankertz voraus, das die jeweilige Atmosphäre in einer prägnanten, sprachlich reduzierten Form widerspiegelt. Auf diese Weise entsteht ein Wechselspiel zwischen dem Klang der sich abwechselnden Querflöten und dem Wort, das den Zyklus als geschlossene und zugleich interpretationsoffene Einheit erscheinen lässt.

Monat für Monat

Der Januar, betitelt mit «Allegro», beginnt beispielsweise in Moll und geht dann in Dur über; er wird mit dem Haiku «winter ohne schnee haben mäuse kater hinterher» gepaart. Der April, ein pulsierendes Allegro mit schnellen Achtel-Triolen, lässt an eine Tarantella denken. Der Mai zeichnet sich durch eine jodelartige Melodie in der Oberstimme aus und ist in drei Teile in klassischer Liedform gegliedert, übersichtlich mit Symbolen wie A und A‘ gekennzeichnet.

Das Klavier fungiert in erster Linie als harmonisches und rhythmisches Fundament, erweitert jedoch zeitweise das musikalische Geschehen durch eigenständige Figurationen und klangliche Verdichtungen. Der Juni ähnelt stilistisch dem Scherzo aus Mendelssohns Sommernachtstraum in g-Moll, erinnert in den ersten beiden Takten an das Original und trägt treffend den Titel: «mit sommer nacht hellwach schlafen ohne dünkel».

Mit solchen Sprach-Musik-Kombinationen bieten diese Tänze eine interessante Abwechslung für das in der Volksmusik eher selten vertretene Flötenrepertoire. Sie eignen sich gut für fortgeschrittene Spielerinnen und Spieler.

Helene Schulthess: 12 Volkstänze im schweizerischen Stil für zwei Querflöten und Klavier, mit Haikus von Stefan Blankertz, Fr. 30.00 + Porto, Selbstverlag, helene-schulthess.ch (Bezugsquelle und alle Tänze zum Anhören)

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