Ein Jugendorchester im Einklang

Der Film «Unisono» porträtiert das Jugend-Sinfonieorchester Aargau. Wer ihn sieht, möchte nachher gerne selbst dazugehören.

Die Cellogruppe des Jugend-Sinfonieorchesters Aargau bei der Probe: Szene aus «Unisono». Foto: zVg

Da ist die angehende Berufsflötistin, die bereits von Wien, Berlin und Paris («Dort sind die Götter!») träumt. Die junge Violinistin, die als Laienmusikerin mit ihrem «megatollen Hobby» glücklich ist. Der Gymnasiast, der vielleicht Geige, vielleicht Komposition studieren will, «etwas mit Musik» jedenfalls. Im Jugend–Sinfonieorchester Aargau sind solche Unterschiede nicht von Belang, wie der neue Film von Georges Gachot eindrücklich zeigt. Unisono – Von der Liebe zur Musik heisst die anderthalbstündige Dokumentation, die Gachot im Sommer 2020 realisierte. Eine Woche lang begleitete der heute 63-jährige Regisseur, der in jüngeren Jahren Berühmtheiten wie Martha Argerich und Beat Richner porträtierte, den Workshop des Orchesters in Boswil.

Vom ersten Moment an fesseln die Professionalität und Ernsthaftigkeit, mit der die jungen Musikerinnen und Musiker ans Werk gehen. Sie und ihre begeisterten Statements zur Musik und zur Arbeit im Orchester sind es, die Gachot über die gesamte erste Hälfte des Films in den Mittelpunkt stellt. Selbst der Dirigent und künstlerische Leiter Hugo Bollschweiler wirkt da mit seinen zurückhaltenden Auftritten wie ein Primus inter Pares.

Und plötzlich kommt der charismatische Solist

Die zweite Hälfte des Films bringt insofern einen Bruch, als hier der Solist Iiro Rantala auf den Plan tritt: eine charismatische Künstlerpersönlichkeit mit immensem pianistischem Können und durchaus provokanten Ansichten (Bachs Goldberg-Variationen? Alle improvisiert und vom Komponisten «netterweise» für uns aufgeschrieben). Rantalas jazzgeprägte Kompositionen bildeten einen Teil des anspruchsvollen Programms, welches das Orchester in jenem Sommer erarbeitete. Die Improvisationseinlagen Rantalas im spontanen Duett mit Freiwilligen aus dem Orchester gehören zu den eindrücklichsten Momenten des Films.

Dieser wiederum verzichtet weitestgehend auf «private» Szenen aus der jugendlichen Lagergemeinschaft. Zwischenmenschliche Spannungen, wie sie in einem solchen Setting immerhin denkbar wären, sind ebenfalls kein Thema: Alles wirkt buchstäblich im Einklang, Unisono – Von der Liebe zur Musik nimmt seinen Titel durchaus ernst. Mit dem Resultat für den Zuschauer, dass man das Jugend–Sinfonieorchester Aargau gerne live hören möchte. Aber auch, dass man, fast eher noch, selbst gerne dazugehören würde.

Unisono – Von der Liebe zur Musik. Georges Gachot, Regie. Verleih Gachot-Films. Ab 27. August 2026 im Kino.

Das könnte Sie auch interessieren