Fundierte Vorworte im Alleingang
Jean-François Monnard hat seine Ravel-Ausgaben jeweils mit fundierten Einleitungen versehen. Sie sind nun gesammelt und separat erschienen.

Eine Regel besagt, dass gerade bei Gesamtausgaben das Vorwort mitunter interessanter ist als so manches Werk. Das setzt allerdings voraus, dass nicht nur die zugrunde liegenden Editionsprinzipien referiert werden, sondern je nach Möglichkeit auch weitere biografische, aufführungspraktische, gattungs- und rezeptionsgeschichtliche Kontexte erschlossen werden. Wer schon einmal entsprechende Bände in einer Bibliothek in die Hand genommen hat, weiss um die verborgenen Schätze auf den ersten Seiten. Doch auch bei den für die musikalische Praxis bestimmten Urtext-Ausgaben ist es selbstverständlich geworden, substanziell zu den veröffentlichten Werken zu schreiben.
Neu ist, diese Vorworte auch gesondert herauszugeben. Der Verlag Breitkopf & Härtel betritt damit gewissermassen Neuland – hier mit den Einleitungen von Jean-François Monnard zu seinen Ravel-Ausgaben, die zwischen 2007 und 2023 erschienen sind. Da den Editionen immer auch ausführliche Berichte über die Revisionen beigegeben sind, lassen sich die Vorworte auch ohne die Partituren mit Gewinn als überaus fundierte und viele Dokumente einbeziehende Werkeinführungen lesen, die man so weder in einem Konzertführer alter Lesart noch bei Wikipedia etc. findet. Eine respektable Unternehmung für das vergangene Ravel-Jahr (und darüber hinaus), mit der in diesem Jahr auch Monnard selbst zu seinem 85. Geburtstag geehrt wird.
Die Dreisprachigkeit der Ausgaben findet ihren Niederschlag in drei separat publizierten Heften (D / E / F). Ob dieses schöne Beispiel Schule machen wird?
Jean-François Monnard: Hinter den Noten, Texte zu Breitkopfs Ravel-Editionen, deutsch, 104 S., € 19.90, Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 2025, ISBN 978-3-7651-0514-2

