Viele Schweizer Musiker sind erwerbslos – warum eigentlich?

Gemäss einer neuen Erhebung befinden sich viele Musikerinnen und Musiker ein Jahr nach Studienabschluss in einer schwierigen Lage. Derweil haben Musikschulen oft Mühe, offene Stellen zu besetzen.

Als Strassenmusiker müssen sich nur wenige verdingen, doch Probleme auf dem Arbeitsmarkt sind recht häufig. Foto: georgesheldon / depositphotos.com

Musizieren ist erfüllend, aber nicht unbedingt einträglich. Letzteres geht aus Zahlen hervor, die das Bundesamt für Statistik (BfS) Ende August publizierte. Die BfS-Erhebung beleuchtet die berufliche Situation von Hochschulabsolventinnen und -absolventen des Abschlussjahrgangs 2024 ein Jahr nach dem Ende des Studiums. Unter allen Fachrichtungen weist dabei die Sparte «Musik, Theater und andere Künste» mit 10,8 Prozent die höchste Erwerbslosenquote auf, zumindest auf Stufe FH-Bachelor. Auf Stufe FH-Master sieht es nicht viel besser aus, wenngleich hier mit 8,2 Prozent «nur» der zweithöchste Wert erreicht wird (hinter der Sparte Design).

Ändert sich das Bild, wenn man alleine die Musikberufe betrachtet, also losgelöst vom Bereich Theater und andere Künste? Die BfS-Publikation enthält hierzu keine separaten Zahlen; das Amt hat sie jedoch auf Anfrage der Schweizer Musikzeitung errechnet. Demnach beträgt die Erwerbslosenquote für Musikberufe bei Bachelors 5,4 und bei Master-Berufen 9,0 Prozent. Die Zahlen seien aufgrund breiter Vertrauensintervalle mit Vorsicht zu betrachten, gibt das BfS zu bedenken.

Insgesamt jedenfalls scheint die Lage für die Musikerinnen und Musiker schwieriger zu sein als für den Durchschnitt aller Fachholschulabsolventen. Dort liegen die Quoten bei 4,9 (Bachelor) respektive 6,2 Prozent (Master).

Oft gesucht: Klavierlehrer auf dem Land

Die BfS-Befunde sind insofern erklärungsbedürftig, als es an offenen Stellen für Musiklehrinnen und -lehrer eigentlich nicht mangelt. In Medienberichten der letzten Jahre war gar von Wartelisten für musikbegeisterte Kinder die Rede, da mancherorts Lehrkräfte fehlten. «Vor allem für ländliche Musikschulen ist es schwierig, insbesondere in begehrten Fächern wie Klavier und Gitarre», sagt Philippe Krüttli, Präsident des Verbands Musikschulen Schweiz (VMS).

Die Gründe dafür sind komplex. Oft fehlt es nicht an Bewerbungen, sondern an der nötigen Qualifikation: «Viele Kandidierende stammen aus ursprünglich aus dem Ausland und beherrschen die Landessprachen zu wenig», sagt Krüttli. Hinzu komme, dass junge Musiker gerne zunächst den schwierigen Weg einer Konzertkarriere anpeilten und an den Hochschulen die entsprechenden Ausbildungsgänge wählten. Krüttli sieht aber auch die eigene Branche in der Pflicht: Musik zu unterrichten, müsse als Beruf insgesamt attraktiver werden – sei es beim Zeitfenster, bei der Jobsicherheit oder bei den Pensen.

Tatsächlich sind manche Musikschulen schon von sich aus initiativ geworden. «In Graubünden arbeiten wir unter den Musikschulen gut zusammen», sagt Urban Derungs, Leiter der Musikschule Chur. So habe man sich erfolgreich koordiniert, um Lehrkräften von selten gewählten Instrumenten ein in der Summe attraktives Pensum anbieten zu können.

«Lebenslanges Lernen» soll einfacher werden

Valentin Gloor, der die Konferenz Musikhochschulen Schweiz (KMHS) präsidiert, sieht in einem laufenden gemeinsamen Projekt von VMS und KMHS «zielführende Handlungsansätze». Das «lebenslange Lernen», sagt Gloor, müsse «vereinfacht werden für spätere Zusatzqualifikationen». Aber auch ausgebildete Musikerinnen und Musiker, die sich erst in einer späteren Phase für den pädagogischen Weg entschieden, «benötigen Möglichkeiten via Nachqualifikationen». Beide Themen sowie eine Verbesserung der Praktika-Situationen würden gegenwärtig in einer Kooperation der beiden Verbände bearbeitet. Was die Sprachkompetenzen der ausländischen Studierenden betrifft, weist Gloor darauf hin, dass man kürzlich zusammen mit dem VMS Mindeststandards für die Kenntnisse der Landessprachen definiert habe.

Fest steht, dass die anstehenden Pensionierungswellen das Fachkräfteproblem in den kommenden Jahren eher verschärfen dürften. Oder wenn man es positiv formulieren will: Für Musikerinnen und Musiker auf Stellensuche wird der Arbeitsmarkt tendenziell attraktiver.

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