Das Musikleben braucht Freiheit und Vielfalt

Abschluss-Statement der Tagung der Musikräte Deutschlands, Österreichs und der Schweiz in Leipzig

Am 5. und 6. Oktober 2026 trafen sich die Spitzen der nationalen Musikräte von Deutschland, Österreich und der Schweiz (D-A-CH) zum 20. Mal zu ihrer jährlichen Klausurtagung, um länderübergreifende Themen der Musikpolitik zu diskutieren. Als Gast nahm auch der Europäische Musikrat am Austausch teil. Turnusgemäß fand das Treffen dieses Mal in Deutschland statt, auf Einladung der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig.

In ihrem Abschluss-Statement machen die drei Musikräte deutlich:

Investitionen ins Musikleben sind Investitionen in die Zukunft. Politik und Gesellschaft sind daher aufgerufen, gemeinsam die Rahmenbedingungen für das Musikleben zu sichern und weiterzuentwickeln – und so eine gute musikalische Bildungslandschaft, eine starke Musikwirtschaft und eine lebendige Vielfalt der Musikpraxen zu fördern.

Musik braucht Freiheit
In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Kunstfreiheit in der Verfassung garantiert. Sie ist keine Frage politischer Zustimmung: Die Kunstfreiheit ist ein Grundrecht, und damit Grundlage jeder Förderpolitik. Freie Kunst macht Positionen über Worte unmittelbar hinaus erfahrbar, gerade in der Musik. Sie trainiert im wörtlichen Sinne das Zuhören – in der Auseinandersetzung miteinander und auch in der Freiheit, anders zu denken, Vielfalt zuzulassen und Neues zu wagen.

Musik braucht verbindliche Rahmenbedingungen für den digitalen Markt
Die Kreativwirtschaft ist ein Wachstumsmotor und Innovationfaktor in Europa, ihre Entwicklung hängt von dem Schutz geistigen Eigentums und dessen Durchsetzung ab. Hier besteht hoher Handlungsbedarf auf nationaler und europäischer Ebene.

Für Künstliche Intelligenz werden klare Rahmenbedingungen benötigt, die künstlerische Freiheit und unternehmerisches Handeln zugleich ermöglichen. Es braucht eine angemessene Beteiligung von Rechteinhaber:innen an der Wertschöpfung sowie faire, transparente und durchsetzbare Verfahren. Im Bereich des Streamings ist die Einführung von gemeinsamen Vergütungsregeln in Deutschland ein wichtiger Schritt und ein Signal für mehr Fairness.

Musik braucht Öffentlich-rechtlichen Rundfunk
Der Öffentlich-rechtliche Rundfunk spielt eine zentrale Rolle für die Sicht- und Hörbarkeit von Musik. Sein Auftrag ist es, die reiche Kulturelle Vielfalt unserer Länder zu repräsentieren. Deshalb unterstützen wir Reform- und Wandlungsprozesse, die den ÖRR in seiner Bedeutung für die Demokratie stärken und eine ausreichende Finanzierung vorsehen.

Musik braucht Wertschätzung und Förderung
Sie stärkt die Gesellschaft in vielfältiger Weise und wirkt nachweislich gesundheitsfördernd. Dies muss sich auch in Zeiten knapper Ressourcen in angemessenen öffentlichen Förderungen des Musikbereichs widerspiegeln.

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KI-Musik ist angekommen – aber nicht überall willkommen

Eine repräsentative Studie aus Deutschland zeigt: KI-generierte Musik gehört für viele Menschen bereits zum Alltag. Gleichzeitig verlangt eine deutliche Mehrheit eine klare Kennzeichnung und eine Vergütung der Musikschaffenden. Auch wenn die Untersuchung in Deutschland durchgeführt wurde, dürften ihre zentralen Ergebnisse in weiten Teilen auf die Schweiz übertragbar sein.

Vier von zehn Menschen in Deutschland haben bereits bewusst Musik gehört, die von künstlicher Intelligenz erzeugt wurde. Bei den 16- bis 29-Jährigen sind es 63 Prozent. Das zeigt der zweite «Musikmonitor Deutschland» des Deutschen Musikinformationszentrums (miz).

Unter jenen Befragten, die bereits KI-generierte Musik gehört haben, gehen die Einschätzungen auseinander: 48 Prozent gefiel sie gut oder sehr gut, rund ein Drittel bewertete sie als weniger oder gar nicht gut. Gleichzeitig glauben nur 28 Prozent der Gesamtbevölkerung, dass künstliche Intelligenz ebenso gute oder bessere Musik hervorbringen könne als ein Mensch.

Für die repräsentative Studie führte das Institut für Demoskopie Allensbach im Juli 2026 insgesamt 1040 persönliche Interviews mit Menschen ab 16 Jahren durch.

Menschliche Urheberschaft bleibt wichtig
Für 56 Prozent der Befragten ist es wichtig, dass die Musik, die sie hören, von einem Menschen geschaffen wurde. 41 Prozent sagen zudem, Musik könne sie nur berühren, wenn sie wüssten, dass ein Mensch dahinterstehe.

Gleichzeitig bezweifelt die Mehrheit, dass sich die Herkunft eines Musikstücks zuverlässig erkennen lässt. 51 Prozent halten die Unterscheidung zwischen menschlich und künstlich erzeugter Musik für schwierig, weitere 15 Prozent sogar für unmöglich.

Wie KI in der Musik beurteilt wird, hängt stark von ihrem Einsatz ab. Grosse Zustimmung findet sie dort, wo sie als Werkzeug dient: 74 Prozent akzeptieren ihren Einsatz bei der Restaurierung alter oder beschädigter Aufnahmen. 47 Prozent befürworten KI bei der Bearbeitung von Musik, 42 Prozent als Unterstützung bei der Entwicklung von Melodien.

Deutlich geringer fällt die Zustimmung aus, sobald KI menschliche Kreativität ersetzt. Nur 15 Prozent finden es in Ordnung, wenn Musikstücke ohne menschliche Beteiligung komponiert werden. Vollständig künstliche Gesangsstimmen akzeptieren 16 Prozent, die Nachahmung der Stimme einer bestimmten Musikerin oder eines bestimmten Musikers lediglich zehn Prozent.

Auch beim Abspielen KI-generierter Musik zeigen sich klare Grenzen: In Computerspielen, Werbung oder Videoclips wird sie mehrheitlich akzeptiert. Bei Streamingdiensten sind es noch 22 Prozent, im Radio 15 Prozent und bei Livekonzerten vier Prozent.

Klare Forderung nach Regeln
Zwei Drittel der Befragten sprechen sich dafür aus, KI-generierte Musik eindeutig zu kennzeichnen. 58 Prozent verlangen zudem, dass Musikerinnen, Musiker sowie Komponistinnen und Komponisten vergütet werden, wenn ihre Werke zum Training von KI-Modellen verwendet werden. Ebenso viele sehen in künstlicher Intelligenz eine Bedrohung für die berufliche Existenz von Musikschaffenden.

Die Studie zeigt damit keine pauschale Ablehnung künstlicher Intelligenz. Akzeptiert wird sie vor allem als unterstützendes Werkzeug. Die Zustimmung sinkt deutlich, wenn sie menschliche Kreativität ersetzt, Stimmen imitiert oder ihre Verwendung nicht erkennbar ist. Kennzeichnung, Vergütung und der Schutz menschlicher Urheberschaft dürften deshalb auch in der Schweiz zu den zentralen musikpolitischen Fragen der kommenden Jahre gehören.

Hier ist die ganze Studie verfügbar: Musik und Künstliche Intelligenz – Musikmonitor Deutschland

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Radio Swiss Pop, Classic und Jazz werden verkauft

Die SRG verkauft ihre drei Swiss Satellite Radios an zwei private Unternehmen. Radio Swiss Pop geht an CH Media, Radio Swiss Classic und Radio Swiss Jazz werden von der Digris AG übernommen. Der bisherige Programmcharakter und ein Anteil von mindestens 50 Prozent Schweizer Musik sind für zwei Jahre zugesichert.

Die drei Musiksender Radio Swiss Pop, Radio Swiss Classic und Radio Swiss Jazz erhalten neue Eigentümerinnen. Wie die SRG am 17. September bekannt gab, übernimmt CH Media Radio Swiss Pop ab Januar 2027. Radio Swiss Classic und Radio Swiss Jazz werden ab Juli 2027 von der Digris AG weitergeführt. Der Verwaltungsrat der SRG hat dem Verkauf am 16. September zugestimmt. Über den Verkaufspreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Die Veräusserung erfolgt im Rahmen des Transformationsprojekts «Enavant», mit dem sich die SRG unter veränderten finanziellen Rahmenbedingungen neu aufstellt. Dazu gehört auch eine Überprüfung ihrer Angebotsstrategie. Nach Einschätzung der SRG können die drei reinen Musiksender ebenso von privaten Medienunternehmen betrieben werden; sie gehörten nicht zum Auftrag gemäss SRG-Konzession.

Schweizer Musikanteil bleibt vorerst bestehen

Die neuen Eigentümerinnen haben sich verpflichtet, die bisherige musikalische und inhaltliche Ausrichtung der Sender während mindestens zwei Jahren beizubehalten. Die Programme sollen weiterhin ohne Moderation und mit zurückhaltenden Werbeanteilen ausgestrahlt werden. Auch der Anteil Schweizer Musik von mindestens 50 Prozent bleibt während dieser Zeit bestehen.

Gesichert ist zudem die weitere Verbreitung über DAB+, Streaming- und Drittplattformen sowie über Kabelnetze. Nach Ablauf der zweijährigen Frist können CH Media und Digris jedoch selbstständig über die Programmgestaltung, Verbreitung und Vermarktung der Sender entscheiden.

CH Media gehört zu den grössten privaten Medienhäusern der Schweiz und betreibt bereits mehrere Radioangebote. Die Digris AG ist insbesondere als Betreiberin von DAB+-Netzen tätig und führt seit 2011 auch das nicht kommerzielle Radio «open broadcast».

Offene Fragen nach Ablauf der Übergangsfrist

Die SRG betont, dass sie sich auch nach dem Verkauf weiterhin im Rahmen der «Charta der Schweizer Musik» für Schweizer Musik und Schweizer Künstlerinnen und Künstler engagieren werde. Für die drei verkauften Sender endet die verbindliche Zusicherung eines Schweizer Musikanteils von mindestens 50 Prozent allerdings nach zwei Jahren.

Damit wird es zu einer wichtigen Aufgabe des Schweizer Musikrats, SONART, SMV, orchester.ch und weiteren Verbänden, die Umsetzung der vereinbarten Vorgaben aufmerksam zu begleiten. Ebenso wird darauf hinzuwirken sein, dass der hohe Anteil Schweizer Musik nach Ablauf der zweijährigen Verpflichtung nicht reduziert, sondern möglichst dauerhaft gesichert wird. Gerade für Schweizer Musikerinnen und Musiker sind reichweitenstarke Radioprogramme, die einheimisches Schaffen konsequent berücksichtigen, ein bedeutendes Schaufenster.

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EUROVOX 2026 in Luzern: Ein Fest des gemeinsamen Lernens und Singens

Rund 250 Gesangspädagoginnen und -pädagogen, Forschende, Kunstschaffende und Studierende aus zahlreichen Ländern trafen sich am EUROVOX-Kongress 2026 in Luzern. Unter dem Leitmotiv «enCHanting Lucerne» stand der fachliche Austausch über das Singen, das Lehren und die Zukunft der Gesangspädagogik im Zentrum.

Ein Schwerpunkt des Kongresses lag auf dem «Shared Teachership»: dem gemeinsamen Lehren und Lernen sowie dem Austausch von Wissen, Erfahrungen und unterschiedlichen pädagogischen Perspektiven. Fünf Keynotes, mehr als fünfzig Workshops und Masterclasses sowie Konzerte boten Gelegenheit, aktuelle Fragestellungen zu vertiefen und unterschiedliche Ansätze aus Praxis, Forschung und Ausbildung kennenzulernen.

Der Campus der Hochschule Luzern – Musik wurde während des Kongresses zum internationalen Treffpunkt der Gesangswelt. Neben dem offiziellen Programm spielten dabei auch die persönlichen Begegnungen eine wichtige Rolle. Teilnehmende verschiedener Generationen und Fachrichtungen knüpften neue Kontakte, diskutierten gemeinsame Fragestellungen und stiessen internationale Kooperationen an.

EUROVOX 2026 zeigte damit auch, wie stark die Gesangspädagogik vom Austausch über institutionelle und nationale Grenzen hinweg lebt. Viele Teilnehmende nahmen neue Anregungen für ihre eigene Unterrichts- und Berufspraxis mit – und zugleich neue Kontakte innerhalb eines europäischen Netzwerks, das Gesang, Forschung und Pädagogik miteinander verbindet.

Mit seinem vielfältigen Programm und den zahlreichen Begegnungen setzte der Kongress in Luzern Impulse, die über die Veranstaltung hinausreichen und den internationalen Austausch in der Gesangspädagogik weiterführen dürften.

Eurovox Luzern
Eurovox 2026, Luzern (Bild: zVg)

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Musik ist Arbeit – und Arbeit braucht faire Rahmenbedingungen

Wie fair sind die Arbeitsbedingungen im Schweizer Musikleben? Dieser Frage widmete sich die jüngste Mittagsveranstaltung der Parlamentarischen Gruppe Musik (PGM) im Bundeshaus. Unter der Leitung von Ueli Schmezer, Nationalrat, Musiker und Co-Präsident der PGM, kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verbänden, Kulturförderung und Musikpraxis zusammen, um über soziale Absicherung, Mindestgagen und Berufsrisiken von Musikerinnen und Musikern zu sprechen.

Die Beiträge machten deutlich: Die Diskussion über faire Honorare ist längst nicht mehr nur eine kulturpolitische Debatte. Sie berührt zentrale Fragen der Arbeitsmarkt-, Sozial- und Wirtschaftspolitik. Professionelles Musikschaffen ist Arbeit – und Arbeit braucht verlässliche Rahmenbedingungen.

Michael Kaufmann, Präsident von SONART, zeigte auf, wie sich die Honorarempfehlungen des Verbandes zu einem wichtigen Instrument für faire Verhandlungen entwickelt haben. Gleichzeitig bleibt die Kluft zwischen Anspruch und Realität gross: Viele professionelle Musikschaffende arbeiten nach wie vor unter prekären Bedingungen, während soziale Absicherung und Altersvorsorge lückenhaft bleiben.

Dass faire Honorare nicht ohne eine faire Finanzierung zu haben sind, machte Diego Dahinden von PETZI deutlich. Clubs und Festivals stehen zunehmend unter wirtschaftlichem Druck. Höhere Standards ohne zusätzliche Mittel würden die Prekarität nicht beseitigen, sondern lediglich innerhalb des Systems verlagern. Das Problem sei weniger eine mangelnde Nachfrage nach Live-Musik als vielmehr eine strukturelle Finanzierungslücke.

Franziska Burkhardt, Kulturbeauftragte der Stadt Bern, stellte die Erfahrungen aus zwei Jahren Förderpraxis mit Honorarrichtlinien vor. Das Berner Modell zeigt, dass die Verknüpfung von Fördergeldern mit fairen Honoraren funktionieren kann – vorausgesetzt, Politik und öffentliche Hand stellen die dafür notwendigen Ressourcen bereit und begleiten den Wandel aktiv.

Besonders eindrücklich war der Beitrag von Muriel Noble, Zentral-Co-Präsidentin des Schweizerischen Musikerverbands SMV. Sie beleuchtete die oft übersehenen Folgen von Krankheit, Schwangerschaft oder Erwerbsausfällen für freischaffende Musikerinnen und Musiker. Gerade für intermittierend tätige Frauen kann der Wunsch nach einer Familie mit erheblichen finanziellen und beruflichen Risiken verbunden sein. Noble plädierte dafür, soziale Sicherheit nicht als Nebenschauplatz, sondern als zentrale Voraussetzung für ein nachhaltiges Musikleben zu verstehen.

Ein interaktives Stimmungsbild unter den Teilnehmenden bestätigte diese Einschätzung. Die grössten Hebel für bessere Rahmenbedingungen wurden in einer stärkeren Kulturförderung sowie in einer verbesserten sozialen Absicherung der Musikschaffenden gesehen. Ebenfalls breite Zustimmung fanden die Verknüpfung öffentlicher Fördergelder mit fairen Honoraren sowie die Orientierung an verbindlichen Mindestgagen.

Die Veranstaltung machte deutlich, dass faire Arbeitsbedingungen im Musikleben kein Spezialanliegen einer einzelnen Branche sind. Sie betreffen die Zukunft eines kulturellen Ökosystems, das für die Schweiz von gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und identitätsstiftender Bedeutung ist. Wer Qualität und Vielfalt im Musikland Schweiz erhalten will, muss sich auch mit den Bedingungen auseinandersetzen, unter denen diese Musik entsteht.

Die Parlamentarische Gruppe Musik will diesen Dialog zwischen Politik und Musikleben weiterführen. Die nächste Mittagsveranstaltung findet am 16. September 2026 statt. Die Referate und weiterführenden Unterlagen zur Veranstaltung sind auf der Website des Schweizer Musikrats abrufbar.

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