Musik ist Arbeit – und Arbeit braucht faire Rahmenbedingungen
Wie fair sind die Arbeitsbedingungen im Schweizer Musikleben? Dieser Frage widmete sich die jüngste Mittagsveranstaltung der Parlamentarischen Gruppe Musik (PGM) im Bundeshaus. Unter der Leitung von Ueli Schmezer, Nationalrat, Musiker und Co-Präsident der PGM, kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verbänden, Kulturförderung und Musikpraxis zusammen, um über soziale Absicherung, Mindestgagen und Berufsrisiken von Musikerinnen und Musikern zu sprechen.
Die Beiträge machten deutlich: Die Diskussion über faire Honorare ist längst nicht mehr nur eine kulturpolitische Debatte. Sie berührt zentrale Fragen der Arbeitsmarkt-, Sozial- und Wirtschaftspolitik. Professionelles Musikschaffen ist Arbeit – und Arbeit braucht verlässliche Rahmenbedingungen.
Michael Kaufmann, Präsident von SONART, zeigte auf, wie sich die Honorarempfehlungen des Verbandes zu einem wichtigen Instrument für faire Verhandlungen entwickelt haben. Gleichzeitig bleibt die Kluft zwischen Anspruch und Realität gross: Viele professionelle Musikschaffende arbeiten nach wie vor unter prekären Bedingungen, während soziale Absicherung und Altersvorsorge lückenhaft bleiben.
Dass faire Honorare nicht ohne eine faire Finanzierung zu haben sind, machte Diego Dahinden von PETZI deutlich. Clubs und Festivals stehen zunehmend unter wirtschaftlichem Druck. Höhere Standards ohne zusätzliche Mittel würden die Prekarität nicht beseitigen, sondern lediglich innerhalb des Systems verlagern. Das Problem sei weniger eine mangelnde Nachfrage nach Live-Musik als vielmehr eine strukturelle Finanzierungslücke.
Franziska Burkhardt, Kulturbeauftragte der Stadt Bern, stellte die Erfahrungen aus zwei Jahren Förderpraxis mit Honorarrichtlinien vor. Das Berner Modell zeigt, dass die Verknüpfung von Fördergeldern mit fairen Honoraren funktionieren kann – vorausgesetzt, Politik und öffentliche Hand stellen die dafür notwendigen Ressourcen bereit und begleiten den Wandel aktiv.
Besonders eindrücklich war der Beitrag von Muriel Noble, Zentral-Co-Präsidentin des Schweizerischen Musikerverbands SMV. Sie beleuchtete die oft übersehenen Folgen von Krankheit, Schwangerschaft oder Erwerbsausfällen für freischaffende Musikerinnen und Musiker. Gerade für intermittierend tätige Frauen kann der Wunsch nach einer Familie mit erheblichen finanziellen und beruflichen Risiken verbunden sein. Noble plädierte dafür, soziale Sicherheit nicht als Nebenschauplatz, sondern als zentrale Voraussetzung für ein nachhaltiges Musikleben zu verstehen.
Ein interaktives Stimmungsbild unter den Teilnehmenden bestätigte diese Einschätzung. Die grössten Hebel für bessere Rahmenbedingungen wurden in einer stärkeren Kulturförderung sowie in einer verbesserten sozialen Absicherung der Musikschaffenden gesehen. Ebenfalls breite Zustimmung fanden die Verknüpfung öffentlicher Fördergelder mit fairen Honoraren sowie die Orientierung an verbindlichen Mindestgagen.
Die Veranstaltung machte deutlich, dass faire Arbeitsbedingungen im Musikleben kein Spezialanliegen einer einzelnen Branche sind. Sie betreffen die Zukunft eines kulturellen Ökosystems, das für die Schweiz von gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und identitätsstiftender Bedeutung ist. Wer Qualität und Vielfalt im Musikland Schweiz erhalten will, muss sich auch mit den Bedingungen auseinandersetzen, unter denen diese Musik entsteht.
Die Parlamentarische Gruppe Musik will diesen Dialog zwischen Politik und Musikleben weiterführen. Die nächste Mittagsveranstaltung findet am 16. September 2026 statt. Die Referate und weiterführenden Unterlagen zur Veranstaltung sind auf der Website des Schweizer Musikrats abrufbar.
