Hip-Hop profitiert, Klassik verliert

Wie sollten Einnahmen aus dem Musikstreaming verteilt werden? Gezahlt wird nach dem aktuellen Modell auch für Musik, die nicht gehört wird. Eine neue Studie der Uni Hamburg und der Kühne Logistics University hat diesen Effekt nun berechnet.

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Aktuell wird das Geld, das Streamingdienste wie Spotify über Nutzungsgebühren oder Werbung einnehmen, mit dem sogenannten Pro-Rata-Modell an die Rechteinhaberinnen und -inhaber verteilt. Das bedeutet, dass alle Einnahmen zusammengefasst und auf der Grundlage des Anteils an den gesamten Abrufen einem Künstler bzw. einer Künstlerin zugewiesen werden. Das führt dazu, dass Nutzerinnen und Nutzer auch für Musik zahlen könnten, die sie nicht hören.

«Da der Anteil an den Gesamtstreams für die gezahlten Gelder verantwortlich ist, profitieren vor allem Genres mit kurzen Songs, die von einem Segment von Nutzenden mit langer Hördauer und wenig Budget gehört werden», erklärt dazu Studienleiter Michel Clement von der Fakultät für Betriebswirtschaft der Universität Hamburg.

Im Fokus der Studie, die in Kooperation der Universität Hamburg und der Kühne Logistics University durchgeführt wurde, stand vor allem der Vergleich des Pro-Rata-Modells mit einem alternativen, nutzerzentrierten Modell (user-centric). Hier werden die Einnahmen jedes Nutzers beziehungsweise jeder Nutzerin den Künstlerinnen und Künstlern zugewiesen, die er oder sie in einem bestimmten Monat gehört hat – also auf der Grundlage der individuellen Nutzung.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werteten dafür Daten aus einer Online-Panel-Befragung unter der deutschen Bevölkerung aus. Sie umfasste unter anderem individuelle Angaben zur Nutzungsdauer von Streamingdiensten, zu den gegebenenfalls gezahlten Abo-Kosten sowie zu den gehörten Genres. Die Daten wurden mit den verfügbaren Informationen der Streamingdienste, zum Beispiel zu den meistgehörten Künstlerinnen und Künstlern sowie deren erfolgreichsten Songs, verknüpft.

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