Vorgeschichte

Die Pfarrkirche Ingenbohl wurde 1658 bis 1661 gebaut und mit der Renovation 1927 vergrössert. Foto: ks

Am 25. November 2015 hatte die Pfarreiversammlung der römisch-katholischen Kirchgemeinde Ingenbohl-Brunnen (SZ) ohne Gegenstimme beschlossen, die bald 60-jährige Cäcilia-Orgel durch eine neue Metzler-Orgel zu ersetzen.

Was sollte mit der 1958 von der Cäcilia (A. Frey) AG gebauten dreimanualigen Orgel geschehen? Das Instrument mit 37 Registern und Rückpositiv war mehrfach revidiert worden, zuletzt 2003 durch die Firma Orgelbau Erni, Stans. Es war zwar noch spielbar, wurde jedoch den Brandschutz- und Elektrikvorschriften nicht mehr gerecht.

Der hauptamtliche Kirchenmusiker und Organist der Pfarrkirche Ingenbohl, Stefan Albrecht, hier an der «alten» Orgel am «alten» Standort, hat das ganze Orgelbauprojekt begleitet und dokumentiert. Foto: ts

Dank der Osteuropahilfe – das internationale Hilfswerk «Triumph des Herzens» sammelt neben Gebrauchsgegenständen ausdrücklich auch Musikinstrumente – konnte die Ingenbohler Orgel nach Litauen vermittelt werden. In der Pfarrkirche «Mariä Empfängnis» in Siauliai hatte man bis dahin mit einem Instrument auskommen müssen, das der Grösse des Raums nicht gerecht wurde.

Die Pfarrkirche in Siauliai wurde 2009 eingeweiht. Zuvor dienten eine Fabrikhalle und später leer stehende Räumlichkeiten der Kinderklinik als Kirche. Foto: ts

Demontage in Ingenbohl

Nachdem sie das Instrument im Januar 2017 inspiziert hatten, bauten der litauische Orgelbauer Aloyzas Lizdenis und sein Team die Orgel in Ingenbohl Ende April 2017 innerhalb von 10 Tagen komplett ab.

Abbau des Gehäuses, rechts Aloyzas Lizdenis. Foto: as
Abbau des Rückpositivs. Foto: as
Freilegen des doppelten Bodens unter dem Spieltisch. Foto: as

Anschliessend baute die Metzler Orgelbau AG, Dietikon, das neue, zweimanualige Instrument mit 32 Registern in den Ingenbohler Kirchenraum ein. Diese Orgel wurde am 10. September 2017 eingeweiht.

Neue Metzler-Orgel in Ingenbohl ohne Rückpositiv. Foto: ks

Wiederaufbau in Siauliai

In der Zwischenzeit wurde das alte Instrument nach Siauliai transportiert und für den Einbau in die Pfarrkirche «Mariä Empfängnis» vorbereitet. Stefan Albrecht reiste im Sommer 2017 selbst nach Siauliai. Zu diesem Zeitpunkt waren Teile der alten Ingenbohler Orgel noch verpackt.

Eingepackte Orgelteile in der Pfarrkirche von Siauliai. Foto: as

In den folgenden Monaten bauten Aloyzas Lizdenis und sein Team die weitgereisten Einzelteile am neuen Bestimmungsort auf.

Die Einbauarbeiten wurden in der zweiten Jahreshälfte 2017 aufgenommen. Foto: ts
Das Gehäuse ist bald wieder erkennbar. Foto: ts

Der Wiederaufbau in Siauliai wurde mit der Kollaudation am 13. Mai 2018 abgeschlossen.

Das neue «alte» Instrument in Siauliai mit Blumenschmuck an der Orgelweihe. Foto: ts

Bilder zur Orgelweihe in der Pfarrkirche «Mariä Empfängnis» von Siauliai

http://siauliuvyskupija.lt/vargonu-sventinimas-siauliu-svc-m-marijos-nekaltojo-prasidejimo-baznycioje

Die Kosten für Abbau, Transport und Wiederaufbau beliefen sich auf rund 25’000 Schweizer Franken. Die Osteuropahilfe hatte die Gesamtprojektleitung inne und konnte die Ausgaben mit Spendengeldern decken.

www.osteuropahilfe.ch

In den letzten zwanzig Jahren hat die Osteuropahilfe drei Orgelprojekte realisiert. Neben dem oben beschriebenen waren es:

2004/2005 – Orgel des Basler Münsters -> kath. Kathedrale in Moskau https://www.osteuropahilfe.ch/laender/russland/oekumenische-arbeit/eine-orgel-fuer-moskau
Dieses Projekt wird auch im Artikel «Königinnen auf Wanderschaft»von Jürg Erni kurz erwähnt (Schweizer Musikzeitung 11/2018, S. 10/11)

2016/2017 – Orgel der Institutskapelle von Menzingen -> kath Kirche in Resita (Rumänien)