Schostakowitschs dritte Ehefrau

Die Journalistin Elena Yakovich hat Gespräche mit Irina Antonowna geführt, die Ereignisse aus dem letzten Lebensabschnitt des Komponisten in einem differenzierten Licht zeigen.

Komponist Dmitri Schostakowitsch mit seiner um 28 Jahre jüngeren Ehefrau Irina. Foto: zVg

Dieser schmale Band weckt das Interesse am letzten Abschnitt von Schostakowitschs Leben, der wohl am spärlichsten dokumentiert ist. Seine dritte Gattin, Irina Antonowna, 28 Jahre jünger als er, hat die letzten 13 Jahre seines Lebens begleitet. Sie ist noch heute, mit 91 Jahren, mit seinem Nachlass beschäftigt. Deshalb lohnt es sich, diese von der russischen Journalistin Elena Yakovich im Jahr 2021 geführten Gespräche mit ihr zu lesen, die auch die Vorgeschichte in wenigen Abschnitten berührt.

Irina war drei Jahre alt, als ihr Vater von Stalins Schergen verhaftet und zu acht Jahre Gefängnis verurteilt wurde; im gleichen Jahr starb ihre Mutter. Eindrücklich sind ihre Schilderungen der Kinderzeit im blockierten Leningrad, das mehr als zwei Jahre lang belagert war. Dass sie als siebenjähriges Waisenkind in das Haus kam, in dem der Komponist Schostakowitsch wohnte, war ein merkwürdiger Zufall, der sich duplizierte, als sie zwanzig Jahre später als Literaturredaktorin beim Verlag Sowjetischer Komponisten Librettotexte redigierte und an Sitzungen teilnahm, wo Schostakowitsch auch anwesend war. Dann erhielt sie den Auftrag, den Text zu dessen Operette Moskau, Tscherjomuschki (op. 105, 1958) zu redigieren und allenfalls zu korrigieren.

Unromantische Heirat

Wie es 1962 zur Heirat kam, erzählt Irina zurückhaltend, ohne Romantisierung. Für sie war es eine realistische, unpoetisch fachorientierte Annäherung, deren emotionale Seite ihr erst nach und nach bewusst wurde. Sie erlebte mit ihm einige Uraufführungen und damit auch die Schwierigkeiten bei der 13. Sinfonie Babi Jar. Denn das «Tauwetter», die Zeit von Chruschtschows Entstalinisierungswelle, war am Verebben. Die Jahre bis zu Schostakowitschs Tod standen erneut unter stalinähnlicher Repression. Irina war ihm nun eine geduldige Hilfe in seinem durch Herzinfarkte und Stürze beeinträchtigten Alltag, der dennoch mit öffentlichen Ämtern, Reisen und Auftritten belastet war.

Manche Ereignisse, die man aus der Fachliteratur kennt, erhalten durch ihre Aussagen notwendige Präzisierungen – etwa die gefälschte Unterschrift unter den offenen Brief der Gegner Sacharows. Sie stellt sich aber nie in den Vordergrund und setzt sich seit Dmitris Tod 1975 intensiv für die Ordnung des Nachlasses und für die Schaffung einer Gesamtausgabe seiner Werke ein.

Elena Yakovich: Zu Zweit. Irina Antonowna Schostakowitsch – Mein Leben mit Dmitri Schostakowitsch, 120 S., € 20.00, Jaron, Berlin 2025, ISBN 978-3-89773-185-1

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