Mazurken des 21. Jahrhunderts

Thomas Fortmann hat drei Stücke dieser traditionsreichen Gattung geschrieben, die viel Spielfreude verbreiten, aber auch dunkle Klänge hören lassen.

Thomas Fortmann. Foto: zVg

Thomas Fortmann ist ein sehr ungewöhnlicher Komponist und ungewöhnlich ist auch sein Werdegang. Geboren 1951 im Kanton Bern als Sohn der Sopranistin Greta Saar und des Unternehmers Rudolf Fortmann schrieb er schon mit 17 einen ersten Pop/Rock-Hit, der in vielen Ländern veröffentlicht wurde. In den folgenden Jahren erschienen über 100 Titel bei verschiedenen internationalen Labels. Er komponierte auch die Musik zum Musical Tell!, in dem Udo Lindenberg die Hauptrolle spielte. Offenbar verspürte er danach Lust, sich neu zu erfinden. Mit 26 Jahren wendete er sich jedenfalls dem Studium der klassischen Musik zu und verfasste dann in lockerer Folge vor allem Kammermusik, aber auch zwei Sinfonien, ein Oratorium, Lieder und mehrere Bühnenwerke.

Von beschwingt bis tief dunkel

Eine seiner jüngsten Kompositionen sind die Drei Mazurkas‚ die kürzlich in der Edition Kunzelmann erschienen sind. Die erste mit der polnischen Überschrift Mazurek dla Anny ist ein lebhaftes Stück, in dem sich viel Spielfreude breitmacht und das etwa wie eine freitonale Weiterentwicklung der Mazurken von Karol Szymanowski klingt. In der Mazurek dla Arii‚ dem zweiten Stück des Triptychons, wechseln sich meditative Passagen mit leicht beschwingten ab. Insgesamt dominiert eine lyrische Note. Auffallend sind hier die zum Teil extrem tiefen Lagen im Pianissimo, die das Klavier wie ein Raunen aus einer verborgenen Unterwelt klingen lassen. Die dritte Mazurka, Mazurek dla Arianki, führt uns zunächst zurück in die Spielfreude der ersten. Im Verlauf tauchen aber auch wieder die dunklen Farben auf und führen zu einem überraschend klar tonalen Höhepunkt (Allargando). Auf den letzten Seiten werden auch die beiden anderen Mazurken zum Teil ganz wörtlich zitiert. Eindrücklich der Schluss, der im zartesten Pianissimo verhaucht!

Die drei Stücke liegen recht gut in den Fingern. Nur im letzten finden sich einige virtuosere Passagen. Gewöhnungsbedürftig ist nicht die Harmonik, sondern manchmal die Art und Weise, wie Fortmann Akkorde notiert. So zum Beispiel in der dritten Mazurka bei Takt 23: Das ist ganz offensichtlich ein reiner As-Dur-Akkord. Wozu das «gis» im Bass? Ich bin sicher, Thomas Fortmann hätte eine originelle Antwort darauf …

Die Drei Mazurkas wurden übrigens von der Auftraggeberin Anna Kijanowska auf CD eingespielt (21st Mazurkas, Dux Recording Producers), dies mit Brillanz und viel Einfühlungsvermögen.

Thomas Fortmann: Drei Mazurkas, MS-2631, Fr. 24.00, Müller & Schade/Edition Kunzelmann, Adliswil

Das könnte Sie auch interessieren