Martins Angelegenheit mit Gott
Die A-cappella-Messe für Doppelchor von Frank Martin ist in einer fundierten und praxistauglichen Ausgabe erschienen.

Frank Martin ist einer der wichtigsten Schweizer Komponisten. Als Sohn eines calvinistischen Pfarrers in Genf wurde er früh geprägt von den Passionen Bachs, den Liedern Schumanns und César Francks Modalharmonik. Unter dem Einfluss Debussys, Strawinskys und Schönbergs löste er sich von der funktionalen Tonalität und entwickelte seine eigene Klangsprache, die sich durch Singbarkeit und Transparenz auszeichnet.
Seine Messe für Doppelchor beinhaltet viele dieser Einflüsse und ist eines der beliebtesten A-cappella-Werke des 20. Jahrhunderts. Sie entstand in den Jahren 1922 (Rom) und 1926 (Zürich). Martins Manuskripte aus den 1920er-Jahren (heute in der Paul-Sacher-Stiftung Basel) verschwanden danach für 40 Jahre in der Schublade. Sie waren, wie er selbst betonte, nie für eine Veröffentlichung bestimmt, sondern «eine Angelegenheit zwischen Gott und mir».
Vom deutschen Komponisten Michael Ostrzyga wurde beim Bärenreiter-Verlag eine vorbildliche Urtextausgabe herausgegeben. Sie nimmt eine Neubewertung zur Entstehung und Aufführungsgeschichte der Messe vor und berücksichtigt erstmals sämtliche Quellen, darunter eine bislang unbekannte Radio-Aufnahme von 1970 unter Anwesenheit des Komponisten. Auf solch eine wissenschaftlich fundierte und gleichzeitig praxistaugliche Ausgabe hat man schon lange gewartet. Sehr zu empfehlen!
Frank Martin: Messe pour double Chœur a cappella, hg. von Michael Ostrzyga, Partitur, BA 11315, € 16.50, Bärenreiter, Kassel
