Fabio Baechtold über seinen Wechsel von BeJazz zur FONDATION SUISA
Fabio Baechtold über seinen Wechsel von BeJazz zur FONDATION SUISASeit dem 1. Juli 2026 ist Fabio Baechtold Direktor der FONDATION SUISA. Zuvor prägte er während 25 Jahren die Berner Konzert- und Festivalorganisation BeJazz.
Fabio Baechtold leitet seit dem 1. Juli 2026 die FONDATION SUISA. Er übernimmt die Aufgabe von Urs Schnell, der nach 18-jähriger Tätigkeit als Direktor per Ende September in den Ruhestand getreten ist.
Zuvor arbeitete Fabio Baechtold 25 Jahre für BeJazz, seit 2007 als Geschäftsleiter und Programmverantwortlicher. Von 2017 bis 2026 war er für Suisse Diagonales Jazz tätig und gehörte zudem acht Jahre der Musikkommission der Stadt Bern an, die er später präsidierte. Er lebt und arbeitet in Bern und Lausanne.
Im Gespräch erzählt Fabio Baechtold, was ihn an der neuen Aufgabe reizt, was er aus seiner bisherigen Arbeit mitnimmt – und warum er der Schweizer Musikszene auch in Zukunft treu bleiben wird.
Fabio Baechtold, Sie wechseln vom Veranstalten in die Förderung. Wie verändert sich damit Ihr Blick auf die Schweizer Musikszene?
Bei BeJazz ging es darum, Konzerte und Festivals möglich zu machen – vom Programm bis zum Publikum vor Ort. Bei der FONDATION SUISA schaue ich nun stärker auf die Bedingungen dahinter: Was brauchen Musikschaffende, damit ihre Projekte entstehen und ihr Publikum finden können? Dieser Perspektivwechsel interessiert mich.
Sie beschreiben die FONDATION SUISA als Institution in der richtigen Grösse. Was bedeutet das für Sie konkret?
Bei BeJazz lief viel bei mir zusammen. Ich hatte grosse Verantwortung und fühlte mich zeitweise wie eine «One-Man-Show». Bei der FONDATION SUISA ist das anders: Ich führe ein Team und kann Verantwortung stärker teilen. Gleichzeitig ist die Stiftung überschaubar genug, dass ich den Bezug zur konkreten Arbeit und zu den Menschen hinter den Projekten nicht verliere.
Was möchten Sie aus Ihrer bisherigen Arbeit in die neue Rolle mitnehmen?
Bei BeJazz war für mich vor allem die Zusammenarbeit wichtig: mit dem Team, den Musikschaffenden und dem Verein. Das Gefühl, zusammen etwas zu erreichen, entschädigte auch für viel Arbeit und Stress. Den respektvollen Umgang, das Vertrauen und die offene Kommunikation möchte ich in die neue Aufgabe mitnehmen.
Welche anderen Möglichkeiten und Karriereschritte haben Sie nach Ihrer Zeit bei BeJazz für sich in Erwägung gezogen?
Nach 25 Jahren am gleichen Ort kann man sich schon fragen, ob man nicht grundsätzlich etwas anderes machen möchte. Das habe ich durchaus getan. Ich dachte kurz daran, ins Ausland zu gehen oder mich selbstständig zu machen. Im Bewerbungsprozess wurde mir aber klar: Musik ist für mich mehr als ein Berufsfeld, sie ist mein Zuhause. Ganz aus dieser Welt wegzugehen, war deshalb gar nie eine wirkliche Option. Gleichzeitig wollte ich mich wieder herausfordern und meinen Blick erweitern. Bei der FONDATION SUISA bleibe ich der Musikszene verbunden, arbeite aber aus einer neuen Perspektive: nicht mehr für das Programm eines einzelnen Veranstalters, sondern für die Möglichkeiten unterschiedlicher Musikschaffender.
Wo sehen Sie derzeit die grössten Herausforderungen für Musikschaffende in der Schweiz?
Eine grosse Herausforderung ist die Sichtbarkeit: Musik zu veröffentlichen, ist heute einfacher geworden, aber die Musik zu einem Publikum zu bringen, ist für viele Musikschaffende schwieriger denn je. Gerade auf internationalen Streamingplattformen stellt sich die Frage, wie Schweizer Musik überhaupt sichtbar werden und bleiben kann. Und wenn Clubs und Radios zunehmend unter Druck geraten, fallen weitere essenzielle Möglichkeiten der Verbreitung weg. Dazu kommt die wirtschaftliche Situation. Viele Musikschaffende arbeiten projektbezogen, kombinieren verschiedene Jobs und haben unregelmässige Einkommen. Gute Musik zu machen, bedeutet noch lange nicht, davon auch leben zu können.
Wie möchten Sie diesen Herausforderungen in Ihrer neuen Rolle begegnen?
Die FONDATION SUISA erprobt seit einiger Zeit neue Formen der Förderung, um auf Veränderungen in der Branche zu reagieren. Die langjährigen Mitarbeitenden der Geschäftsstelle bringen Detailkenntnisse jener Genres und Bereiche mit, in denen ich mich bisher weniger bewegt habe. Darauf kann ich aufbauen und gemeinsam mit dem Stiftungsrat die nötigen Stellschrauben drehen, damit unsere Förderung auch künftig Wirkung entfaltet.
Die strukturellen Probleme der Branche kann unsere Stiftung nicht allein lösen. Aber sie kann Musikschaffenden Türen öffnen und ihnen ein Stück weit den Rücken freihalten – damit sie ihre Ideen umsetzen und den Sprung in neue Märkte schaffen können.
