Mehr als ein barocker Kleinmeister

Die Biografie von Beate Sorg lässt die Zeitumstände und den Alltag von Christoph Graupner lebendig werden.

Gedenktafel für Christoph Graupner in Kirchberg (Sachsen). Foto: Wikimedia Commons / Michael Wolf

In den 1730er-Jahren begann der Darmstädter Hofkapellmeister Christoph Graupner (1683–1760) ein merkwürdiges Unternehmen: eine Konstruktion in kanonartiger Form mit 5626 Veränderungen, die sich durch minime Verschiebungen ergaben. Wie lange wird er daran getüftelt haben? Mit einer gewissen Obsession. Ein Computer würde das heute in Kürze erledigen. Welchen Nutzen er daraus zog, kann auch die Graupner-erfahrene Biografin Beate Sorg nicht eruieren. Aber es zeigt uns den Komponisten als jemanden, der über den Alltagskram hinaus experimentierte, etwas, das auch in seinen richtigen Kompositionen immer wieder hervortritt.

Es lohnt sich, genauer hinzusehen. Die in Mainz tätige Musikwissenschaftlerin folgt in ihrer Biografie dem Weg Graupners, der aus Sachsen stammte und nach einigen Wanderjahren über Jahrzehnte beim Landgrafen von Hessen-Darmstadt angestellt war. Wie alle Musiker damals hatte er mit den Launen (und der Verschwendung) seines Dienstherrn zu kämpfen. Er schuf an die 1500 Kantaten, mehrere Opern, aber auch Instrumentalwerke.

Beate Sorg beleuchtet die Zeitumstände und den Alltag des Musikers, und das durchaus mit all seinen Widrigkeiten. Sie stellt seine Weggefährten und Kollegen vor, diskutiert auf wohltuend unakademische Weise die Quellen und charakterisiert einige Werkgruppen, etwa die zahlreichen Kompositionen für Chalumeau, und andere Besonderheiten der Instrumentation. So lokal beschränkt das alles wirken mag, so ist es doch lebendig geschildert. Bloss wünschte man sich zuweilen, dass sie mit einer Nadel tiefer ins musikalische Œuvre hineingestochen hätte. So bleibt sie uns letztlich die Erklärung schuldig, was an Graupners Musik uns heute noch begeistern könnte.

Beate Sorg: Christoph Graupner, Biographie eines Hofkapellmeisters, 265 S., € 39.00, Georg Olms, Münster 2025, ISBN 978-3-487-17157-9

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