In memoriam Bernhard Billeter 26.7.1936 – 4.8.2026
Der SMPV trauert um sein langjähriges Mitglied Bernhard Billeter, der sich um die Musik, die Musikpädagogik, die Musikforschung und auch um den SMPV sehr verdient gemacht hat.
Bernhard Billeter wuchs als jüngstes von drei Geschwistern bei seinem Vater, der Rechtsanwalt war und seiner Mutter, die in Geschichte und Philosophie promoviert hatte, in Zürich auf. In der Familie wurde viel diskutiert und musiziert, und damit wurde der Grundstein gelegt für Bernhards Wissbegier und sein ganz natürliches Verlangen nach Bildung und für seine Liebe zur Musik. Man erzählt sich, er habe, sobald er auf Zehenspitzen die Klaviertasten erreichen konnte, die Töne ausprobiert und die Tastenkombinationen gedrückt, deren Klänge ihm gefielen. In seiner Schwester Ruth, die später Flöte studierte, hat er seine erste Kammermusikpartnerin gefunden, und Kammermusik blieb ihm lebenslang eine Herzensangelegenheit.
Nach seiner Matura (Typus A) 1955 studierte er am Konservatorium Zürich Klavier und an der Uni Zürich Musikwissenschaft, Philosophie und Theologie. Weitere Studien führten ihn nach Wien, wo er bei Anton Heiller Orgel und bei Grete Hinterhauser Klavier studierte. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz gab er viele Solorezitals als Organist und als Pianist.
Als Organist war er an verschiedenen Kirchen tätig und wurde schliesslich an die Predigerkirche berufen. Dort führte er in über vierzig Rezitals sämtliche Werke für Tasteninstrumente von Johann Sebastian Bach auf. In dieser Zeit begann er auch damit, sein über 800-seitiges Buch «Bachs Klavier- und Orgelmusik» zu verfassen, das 2011 im Amadeus Verlag, Winterthur erschienen ist. In diesem Werk konnte er seine Erfahrung als Interpret, sein Wissen als Musikwissenschaftler und die Ergebnisse seiner Forschungen einbringen und somit gleichsam Praxis und Wissenschaft verbinden, was das Werk zu einem sehr besonderen macht.
Auch mit Frank Martin befasste er sich immer wieder. So erschien 1999 im Schott Verlag sein Buch «Frank Martin. Werdegang und Musiksprache seiner Werke», und seine Dissertation hiess «Die Harmonik bei Frank Martin. Untersuchungen zur Analyse neuerer Musik». Die Doktorurkunde musste dann allerdings seine Frau Verena für ihn entgegennehmen, weil er da schon mit dem Zürcher Klavierquintett auf Tournee durch Mittel- und Südamerika war. In seinen letzten Konzerten, die er im Alter von 88 Jahren in Amsterdam und Zürich gab, spielte er ebenfalls Werke von Frank Martin.
Er arbeitete auch immer wieder als Herausgeber von Noteneditionen von u.a. Paul Hindemith, Othmar Schoeck, Joseph Rheinberger und Joachim Raff, zu dessen 200-Jahre-Jubiläum er 2022 sogar noch das Duo für Violine und Klavier g-moll WoO 55 herausgab und es auch zur Uraufführung brachte.
Mens sana in corpore sano: Seine Familie erzählt, er habe auch gerne Klettertouren mit seinen drei Kindern unternommen und kurz vor seiner Pensionierung habe er sich wieder einer Skitourengruppe angeschlossen, der er 25 Jahre die Treue hielt.
Vielleicht war dieser sportliche Ausgleich dafür verantwortlich, dass es ihm vergönnt war, bis ins hohe Alter so aktiv zu bleiben.
Das Unterrichten war Bernhard Billeter besonders wichtig. So unterrichtete er von 1969 bis 1981 Klavier an der Berufsausbildungsklasse des Konservatoriums Luzern, und bis zu seiner Pensionierung 2001 war er Dozent für die Fächer Orgel, Hammerflügel, Clavichord und Aufführungspraxis an der Musikhochschule Zürich. Zudem war er als Musikwissenschaftler Lehrbeauftragter an der Universität Zürich.
Von 1984 bis 1997 war er Chefredaktor der «Schweizerischen musikpädagogischen Blätter» und dann bis 2010 Mitglied der Redaktionskommission der Schweizer Musikzeitung.
Er setzte sich sehr dafür ein, dass auch Erwachsenen ein Musikstudium zugänglich gemacht wurde, und so engagierte er sich stark im SMPV und arbeitete als Mitglied des Zentralvorstands von 1994 bis 2005 intensiv an der Weiterentwicklung der verbandseigenen Berufsausbildung. Man konnte ihn später, als diese Ausbildung zuerst von der SAMP und dann von der Kalaidos Musikhochschule angeboten wurde, oft an den Musiktagen antreffen, wo er den Studierenden interessiert zuhörte, von ihnen zwar gute Leistungen forderte, sie aber auch immer ermutigte und ihnen wertvolle Ratschläge gab. Zur Unterstützung der jungen Musikhochschule spielte er auch immer wieder Benefizkonzerte in unterschiedlichen Kammermusikformationen und immer in hoher Qualität.
Er war sich auch nicht zu schade, nach seiner Zeit im Zentralvorstand dem SMPV als Delegierter der Sektion Zürich zu dienen, und nicht selten gelang es ihm da, wenn die Emotionen bei einem strittigen Geschäft hochkochten, die Delegierten zur Ordnung zu rufen und die Diskussion wieder in sachliche Bahnen zu lenken.
Nach einem Unfall beim Besteigen eines Trams erholte er sich nicht mehr und musste aus dem Haus mit seinen vielen Instrumenten in ein Pflegeheim ziehen. Schrittweise musste er Abschied nehmen von allem, was ihm wichtig war, bis er am 4. August 2026 umgeben von seiner Familie starb.
Lieber Bernhard, ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie wir bei unseren Vorstandssitzungen des «Förderkreises der privaten musikalischen Berufsausbildung in der Schweiz», den wir gegründet hatten, um dem privaten Musikstudium noch eine Chance zu geben, nachdem sich der SMPV-Zentralvorstand schweren Herzens eingestehen musste, dass das SMPV-Studium keine Zukunft hat, von deinem Wissen und Deiner Erfahrung profitiert haben. Ich vergesse aber auch nicht, wie du dich jeweils über den offerierten Brunch gefreut hast und wie du gestrahlt hast, wenn du für die Heimreise etwas Selbstgebackenes mitnehmen durftest. Auf deine letzte Reise nun geben wir dir als Proviant selbstgedachte gute Gedanken mit und das Versprechen, dich und deine unglaublich wichtige Arbeit für die Musik, die Musikpädagogik und nicht zuletzt den SMPV nicht zu vergessen.
Bernhard Billeter: das Bild wurde nach seinem letzten Konzert 2024 in Zürich aufgenommen.
©️ Familie Billeter

