Top 2: Die Gitarre
Giuseppe Mennuti ist Gitarrist und Gitarrenlehrer an der Musikschule Biel und an der Musikschule Berner Jura. Er hat in Italien, Spanien und der Schweiz studiert und widmet sich hauptsächlich der zeitgenössischen Musik.
Giuseppe, warum ist die Gitarre so beliebt?
Sie ist ein sehr zugängliches Instrument. Man kann sie sofort in die Hand nehmen und mit der rechten Hand Töne auf den Saiten erzeugen. Wenn das Klavier noch beliebter ist, dann vielleicht, weil man dort zwei, drei Töne gleichzeitig spielen und so einen Akkord bilden kann – das ist auf der Gitarre schwieriger. Ausserdem sind Gitarren nicht teuer; gute Instrumente gibt es schon für vierzig, fünfzig Franken.
Warum hast du dich für die Gitarre entschieden?
Ich bin in einem kleinen Dorf in Italien aufgewachsen, wo es kaum Möglichkeiten gab, Musikunterricht zu nehmen. Es gab keine Berufsmusiker. Ein Arbeiter bei Fiat spielte Gitarre, und da wir zu Hause eine hatten, fing ich damit an. Mein Vater spielte Bassgitarre, aber er hatte nicht viel Zeit, er leitete einen kleinen Supermarkt. Da mir die Musik sofort sehr gefiel, ging ich später ins Nachbardorf, wo ich Unterricht nehmen konnte.
Was hat dich bewogen, dich für eine professionelle Laufbahn zu entscheiden?
Mit 12, 13 Jahren begann meine Leidenschaft für die Musik zu wachsen, und ich durfte schon sehr früh von bekannten Musikerinnen und Musikern zu lernen, die in der Umgebung lebten. Auch meine Kolleginnen und Kollegen machten Musik, und es gab viele Bands in der Region. Ich hatte wirklich Glück.
Heute konzentrierst du dich vor allem auf zeitgenössische Musik.
Genau. Ich spiele seit Jahren in Ensembles und habe vor Kurzem die künstlerische Leitung des Nouvel Ensemble Contemporain (NEC) in La Chaux-de-Fonds übernommen.
Bleibt dir neben dem Unterrichten noch viel Zeit für die Musik, für die künstlerische Tätigkeit?
Ich habe mich entschieden, höchstens zu 50 % zu unterrichten, sonst wird es mit all den anderen Aufgaben zu viel. Ich schaue, dass ich mindestens eineinhalb Stunden pro Tag üben kann. Wenn man viel zeitgenössische Musik spielt, muss man aufpassen, den klassischen Klang nicht zu verlieren, daran arbeite ich zurzeit viel. Ich spiele zum Beispiel gern Stücke des katalanischen Komponisten Miguel Llobet. Dazu kommen noch viele administrative Aufgaben und Arbeiten am Computer.
Was rätst du Schülerinnen und Schülern, die sich für die E-Gitarre interessieren? Ist es besser, mit der klassischen Gitarre anzufangen?
Auf der akustischen Gitarre sind die Abstände grösser, und auch der Einsatz der rechten Hand ist ganz anders. Man kann durchaus mit der E-Gitarre beginnen, sollte aber trotzdem Noten lesen lernen – das hilft sehr. Wenn sich jemand für ein bestimmtes Instrument interessiert, geht das auch: Es ist ein bisschen wie das Schlagzeug im Vergleich zum klassischen Schlagwerk.
Wie lange bleiben die Schülerinnen und Schüler nach deiner Erfahrung im Unterricht?
Das könnte ich nicht mit Sicherheit sagen, da ich erst seit ein paar Jahren unterrichte. Aber ich habe Schülerinnen und Schüler übernommen, die schon seit sechs, sieben Jahren an der Musikschule sind. Der geografische Aspekt ist sehr interessant. In manchen Regionen sind die Freizeitangebote in den Dörfern begrenzt: Vielleicht gibt es eine Sportart und zwei oder drei Instrumente an der Musikschule, die je nach Wochentag wechseln. Wer nur an einem einzigen Tag Zeit hat, lernt das Instrument, das an diesem Tag möglich ist.
Wie motivierst du deine Schülerinnen und Schüler?
Wenn ich merke, dass die Motivation nachlässt, frage ich sie, was sie gern machen würden und welche Musik sie gern hören, und mache ihnen dann kleine Arrangements, zum Beispiel von Pop-/Rock-Stücken. Sie freuen sich immer, wenn sie merken, dass sie auf ihrer Gitarre die Musik spielen können, die sie mögen. Als Lehrperson ist es wichtig, flexibel zu sein.
Spielst du im Unterricht auch zeitgenössische Musik?
Auf jeden Fall. Es gibt Schülerinnen und Schüler, die sich sehr dafür interessieren; ganz allgemein sind Kinder und Jugendliche wie Schwämme, sie nehmen alles auf. Manchmal möchten Eltern allerdings auch wissen, warum ihr Kind nicht mehr Beatles spielt (lacht). Es braucht viel Einfühlungsvermögen, um zu verstehen, was die Schülerinnen und Schüler begeistern kann, und um sie entsprechend zu fördern.

