Classical:next 2026: Die Zukunft der Kunstmusik gestalten

Die diesjährige Ausgabe des weltgrössten Fachtreffens für klassische und zeitgenössische Musik fand in Budapest statt. Die Schweizer Beteilung war marginal.

Ilsang-Ensemble aus Südkorea. Foto: Christoph Mangler/Classical:Next 2026

Kurz vor einem richtungsweisenden Wahlsonntag versammelten sich in Ungarns Hauptstadt rund 900 Kulturschaffende aus 49 Ländern zum 13. Branchentreffen Classical:next. Vom 8. bis 11. April fanden unter dem Motto «Shaping the future of art music» an zentralen Kulturorten – Millenáris, Liszt-Akademie, Budapester Musikzentrum und Haus der ungarischen Musik  – Konferenz, Showcase-Festival und Fachmesse statt, mitveranstaltet von Hangvetö und den Bartók Spring International Arts Weeks.

In der Liszt-Akademie eröffnete Direktorin Fabienne Krause einen Abend, der ausschliesslich ungarischen Komponisten gewidmet war, von Liszt bis Péter Eötvös. Im Beisein des soeben hundertjährig gewordenen György Kurtág zeigte u.a. Pianistin Ildikó Rozsonits, dass klassische Moderne einen Saal zum Vibrieren bringen kann. Bereits am Mittag hatte Dirigent und Komponist Iván Fischer mit seiner Eröffnungsansprache den inhaltlichen Rahmen gesetzt: Das Konzertritual sei in der heutigen Form nicht nachhaltig, gesucht sei eine Neuausrichtung hin zum Publikum und zur Wahrhaftigkeit auf der Bühne.

 Wie erreicht man das zerstreute Publikum?

Die Konferenzthemen reichten von neuen Musiktechnologien und Gender Representation bis zu Lohnmodellen und Nachhaltigkeit. Besonders lebhaft: die Debatte um den Musikjournalismus. «Who decides what matters?», fragte Moderatorin Olivia Brown (London). Die Einstellung des britischen Classical Music Magazine stand neben dem Erfolg von Bachtrack mit rund zwei Millionen Abonnentinnen und Abonnenten. Content-Creatorin und Flötistin Cinci Baglyas plädierte für «Behind-the-Scene»-Inhalte als Mittel gegen Zugangshemmnisse; Martin Andris (Elbphilharmonie) berichtete von einem «Creator in Residence» – Ergebnis offen. Ob KI dem Musikbusiness neue Zuhörende zuführt, blieb ungewiss. Konkretere Vorschläge für verschiedene Publikumssegmente stellte Anna Tiszolczi vom Budapest Festival Orchestra vor: Neben «Kakao-Konzerten» für Kinder sei das Format «Midnight Music» ein Treffer, Lounge-Konzerte für Jugendliche, ausdrücklich ohne Eltern. Toks Dada (Southbank Centre) und Linda Begbie (Manchester Collective) ermunterten zu mehr Risiko: «When we do different things, different people will come.»

Prämierte Technologien im Dienst der Musik

Drei Projekte wurden mit dem Innovation Award 2026 ausgezeichnet, Schwerpunkt neue Technologien: SOAVE (Stage Orchestra Audio Video Experience, Italien) ermöglicht per Virtual Reality das Eintauchen in ein Sinfoniekonzert aus verschiedenen Orchesterperspektiven. Das Borealis Festival (Norwegen) gestaltet mit technologischen Hilfsmitteln neue körperliche Hörerfahrungen jenseits konventioneller Konzertformate. Playing With Fire: An Immersive Odyssey (Frankreich) lädt als Mixed-Reality-Konzert mit Yuja Wang – realisiert von Vive Arts und der Philharmonie de Paris – zu einer intimen virtuellen Begegnung mit der Pianistin ein.

Hoffen auf breitere Schweizer Beteiligung

Als einziger Schweizer Beitrag unter 69 Künstlerinnen und Künstlern aus 15 Ländern überzeugte das Crossover-Projekt «Charles River» des Basler Schlagzeugers Florian Arbenz mit einem Programm rund um Lieder von Charles Ives. Die Sängerinnen Anna Juniki und Immy Churchill brachten mit dem Kontrast von klassischem und Jazzgesang melancholische Poesie auf die Bühne; das achtköpfige Ensemble füllte den Saal des Budapester Musikzentrums mühelos.

Immerhin knüpften einige Schweizer Anbieter auf der Messe neue Kontakte. 2027 bietet sich eine Chance für mehr Präsenz: Im Rahmen des polnischen Kulturhauptstadtprogramms findet Classical:next vom 11. bis 14. Mai 2027 in Katowice statt, einer Unesco-Musikstadt mit lebendiger Orchesterlandschaft. Schweizer Musikexport, bitte vormerken!

Infos: classicalnext.com

 

 

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