Gaudenz verlängert in Jena

Der Schweizer Dirigent Simon Gaudenz hat seinen Vertrag als Generalmusikdirektor der Stadt Jena um zwei Jahre bis Ende Saison 2025/2026 verlängert.

Simon Gaudenz. Foto: Lucia Hunziker

Nach ersten Stationen als Chefdirigent das Collegium Musicum Basel, sowie zuvor als Gründungsmitglied und Künstlerischer Leiter der camerata variabile basel, wurde Simon Gaudenz 2010 zum Ersten Gastdirigenten des Odense Symphony Orchestra ernannt. 2012 folgte die Berufung zum Chefdirigenten des Kammerorchesters Hamburger Camerata, mit dem er regelmässig in der Elbphilharmonie Hamburg auftritt und auch weiterhin als Gastdirigent verbunden ist.

Vor über achtzig Jahren als Städti­sches Sinfonie­orchester Jena gegründet, erhielt die Jenaer Phil­har­monie 1969 ihren heutigen Namen. Unter dem damaligen Chef­diri­genten Günter Blumhagen (1967-1980) wurden die Musiker­stellen auf 85 erhöht. Als General­musi­kdirek­toren folgten Christian Ehwald (1981-1988), Andreas S. Weiser (1990-1998), Andrey Boreyko (1998-2004), Nicholas Milton (2004-2011) und Marc Tardue (2011-2017), bevor mit der Spielzeit 2018.2019 Simon Gaudenz die Leitung des Orchesters übernahm.

Wie Chöre unter der Pandemie leiden

Ein verheerendes Bild zu den Auswirkungen der Pandemie auf die Chormusik im deutschsprachigen Raum zeichnete letztes Jahr eine Studie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU). Die Befragung ist diesen Frühling wiederholt worden.

Foto: JaCrispy/depositphotos.com

Wie die Auswertung zeige, habe sich die Situation hinsichtlich Mitgliederzahlen und Finanzen zwar etwas stabilisiert, aber auch dieser Teil der Musikkultur leide gewissermassen an Long-Covid, schreibt die Uni. Jeder fünfte Chor probe nach wie vor nicht. Im Nachwuchsbereich sei zudem häufig ein Wiederaufbau von Ensembles nötig, die in Folge der Pandemie keine Kinder und Jugendlichen hätten werben können.

Auch im Frühjahr 2022 waren unter den Befragten knapp ein Viertel der sonst aktiven Chormitglieder nicht aktiv, das ist dieselbe Grössenordnung wie 2021 und bedeutet, dass die meisten Chöre ihre ursprüngliche Mitgliederzahl noch nicht wieder erreicht haben. Die Prognose für die Mitgliederzahlen nach der Pandemie falle 2022 etwas optimistischer aus als ein Jahr zuvor, auch wenn ein Anteil von acht Prozent der Chöre verbleibe, die mit einem dauerhaften und deutlichen Mitgliederverlust rechnen.

Originalartikel:
https://www.ku.de/news/mit-zaghafter-stimme-welche-folgen-die-pandemie-weiterhin-fuer-die-chormusik-hat

Vertragsverlängerungen in der Tonhalle

Die Zürcher Tonhalle-Gesellschaft verlängert die im Juli 2024 auslaufenden Verträge
von Music Director Paavo Järvi und Intendantin Ilona Schmiel für fünf Jahre bis Juli
2029.

Paavo Järvi, Ilona Schmiel. Foto: Joseph Khakshouri

Seit seinem Antritt als Music Director zu Beginn der Saison 2019/20 hat Paavo Järvi das Ziel verfolgt, das Orchester international zu positionieren. Zahlreiche CD-Einspielungen in dieser kurzen und von Corona geprägten Zeit verdeutlichten dies, schreibt die Tonhalle-Gesellschaft. Ebenso wurde unter seinen ersten Jahren vermehrt auch in Tonbild-Aufnahmen und Streamings von Konzerten investiert.

Das neu eingeführte Format der Residencies wird weitergeführt und ausgebaut. Die Conductor’s Academy wird weiterhin jährlich stattfinden. Gleichermassen will Järvi weiterhin in Formate für eine neue Generation von Musikliebhabern investieren.

Ilona Schmiel möchte die Tonhalle Zürich weiterhin für die jüngere Generation öffnen.

Luzerner Kulturförderer tritt zurück

Nach acht Jahren als Kulturbeauftragter des Kantons Luizern tritt Stefan Sägesser im März 2023 zurück. Seine Stelle wird im Rahmen der Umstrukturierung der Dienststelle Hochschulbildung und Kultur neu ausgeschrieben.

Stefan Sägesser. Foto: zVg

Sägesser ist seit Mai 2015 Leiter der Kulturförderung des Kantons Luzern. Er hat laut der Mitteilung des Kantons insbesondere den Aufbau und die Etablierung der regionalen Kulturförderung in den vergangenen acht Jahren vorangetrieben, in Kooperation mit den Partnerorganisationen im Kulturbereich.

Die Einführung und Weiterentwicklung der selektiven Produktions- und Werkförderung fällt auch in seine Amtszeit. Ein weiterer Schwerpunkt legte Sägesser auf die Stärkung der Zentralschweizer Zusammenarbeit in den Bereichen Theater, Tanz, Musik und Film sowie die Förderung der entsprechenden Vernetzungs- und Vermittlungsstellen. Nebst zahlreichen Projekten standen in den letzten knapp drei Jahren die Massnahmen wie die Ausfallentschädigung zur Bewältigung der Corona-Pandemie stark im Fokus seiner Aktivitäten.

Ab kommendem Frühling wird sich Stefan Sägesser nach einer kurzen Auszeit neuen Projekten widmen und sich damit beruflich neu orientieren. Seine Stelle wird im Rahmen der Neustrukturierung der bisherigen Dienststelle Hochschulbildung und Kultur DHK zu einer eigenen Dienststelle Kultur ausgeschrieben.

Kammerorchester Genf verpflichtet Merlin

Das Orchestre de Chambre de Genève hat Raphaël Merlin, den Cellisten des Quatuor Ebène, zum künstlerischen und musikalischen Leiter ernannt. Er folgt in dem Amt mit Beginn der Saison 2023/24 auf Arie van Beek.

Raphaël Merlin (bild: zVg)

Merlin begann seine musikalische Ausbildung am Konservatorium von Clermont und in Paris bei Igor Kiritchenko, Xavier Gagnepain und Philippe Müller (Cello), Hortense Cartier-Bresson (Kammermusik) und Janos Komives (Dirigieren). Seit 2002 ist er Cellist des  Quatuor Ebène. 2014 gründete er überdies das Ensemble Les Forces majeures.

Das OCG arbeitet zudem künftig mit zwei Künstlern zusammen, die im Rahmen der Konzertsaison des Orchesters auftreten werden. Es ist dies zum einen die junge Dirigentin Holly Hyun Choe, die bereits in ganz Europa und den USA gastierte, zum andern möchte das Ensemble seine Verbindung zu Gábor Takács-Nagy, einem langjährigen Freund des Orchesters, stärken.

Barras leitet Walliser Kulturförderung

Der Walliser Staatsrat hat Magali Barras zur Leiterin der Sektion Kulturförderung (SKF) ernannt. sie folgt in dem Amt auf Hélène Joye-Cagnard.

Magali Barras. Foto: zVg

Magali Barras wird ihr Amt laut der Mitteilung des Kantons am 1. April 2023 antreten. Die aus Sitten stammende Magali Barras, die an der Universität Lausanne ein Lizentiat in Französisch, Englisch und Archäologie erworben hat und seit 2003 als professionelle Journalistin tätig ist, übte ihren Beruf zunächst bei der Edipresse-Gruppe aus, bevor sie 2008 ins Wallis zurückkehrte und in der Redaktion von Canal9 | Kanal9 arbeitete.

Als Kulturverantwortliche des Regionalfernsehens verfüge Magali Barras über «ausgezeichnete Kenntnisse der Walliser Kulturszene und ein sehr breites Netzwerk, das sie unter anderem durch Reisen durch den Kanton für die Kulturmagazine L’agenda und Tandem während den letzten Jahren aufgebaut hat», so der Kanton weiter.

Finnische Chormusik

In den Liedern op. 18 und op. 65. vertonte Sibelius Naturbilder und Liebesromanzen für gemischten Chor a cappella.

Finnische Chormusik
Sibelius-Denkmal in Helsinki. Foto: twabian/depositphotos.com

Der sowjetisch-finnische Winterkrieg von 1939 ähnelt in vielerlei Hinsicht dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine; und Finnland ist damit wieder stärker in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt. Besonders vor den beiden schrecklichen Weltkriegen war in Skandinavien Chorgesang Ausdruck politischer, liberal-nationaler Emanzipation. Der Komponist Jean Sibelius ist bis heute für Finnland die alles überstrahlende Identifikationsfigur, ähnlich wie Edvard Grieg für Norwegen. Und die Singende Revolution von 1989 im Baltikum zeigt, dass auch die Kraft der Lieder durchaus relevant sein kann.

Der Verlag Breitkopf & Härtel hat nun in seiner Serie Chorbibliothek zwei vorbildliche Urtext-Einzelausgaben aus der Gesamtausgabe von Jean Sibelius‘ Werken veröffentlicht: die frühen Vier Lieder aus op. 18 und die Zwei Lieder op. 65, jeweils für gemischten Chor a cappella. Die relativ kurzen Stücke zeichnen wunderbare Naturbilder und Liebesromanzen. Wegen ihres moderaten Schwierigkeitsgrades und aufgrund der Tatsache, dass die Schrift der finnischen Sprache fast phonetisch ist, sind sie sehr empfehlenswert für Laienchöre. Neben ausführlichen Vorworten gibt es zusätzlich singbare deutsche Übersetzungen. Eine echte Bereicherung.

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Jean Sibelius: Vier Lieder für gemischten Chor a cappella aus op. 18, hg. von Sakari Ylivuori, Chorpartitur, ChB 5372, € 7.50, Breitkopf & Härtel, Wiesbaden

id.: Zwei Lieder op. 65, ChB 5373, € 8.70

Spielpraktische Erörterungen

Eine Auseinandersetzung mit aufführungspraktischen Fragen ist auch für das 19. Jahrhundert nötig. In seiner Dissertation hat Burkhard Wind Mendelssohns Orgelwerke unter diesem Gesichtspunkt betrachtet.

Spielpraktische Erörterungen
Ausschnitt aus dem Buchcover

In seiner Besprechung von Band 7 der Studien zur Orgelmusik (SMZ 3/2020) hatte der Rezensent bedauert, dass der 2018 im Butz-Verlag erschienene Band zum Orgelwerk Felix Mendelssohns (hg. von Birger Petersen und Michael Heinemann) trotz einer Fülle an analytischen und historischen Informationen nur wenig auf explizit spielpraktische Fragen der Interpretation eingeht. Das vorliegende Buch (es handelt sich um eine Doktorarbeit, vorgelegt an der Musikhochschule Frankfurt) scheint nun erfreulicherweise eine Art «Komplementarität» dazu zu schaffen. Unter Verwendung umfassender Quellentexte aus dem historischen Umfeld des Komponisten beleuchtet der Verfasser Burkhard Wind die wesentlichen aufführungspraktischen Aspekte der Orgelmusik Mendelssohns (und darüber hinaus ganz generell der Musik der deutschen Frühromantik), d. h. Fragen zur Fingersetzung, Pedalspieltechnik, Artikulation, Phrasierung und Interpunktion, Akzentuierung, Ornamentik und Tempo. Einzig Mendelssohns instrumentale Vorlieben und seine Registrierpraxis werden vom Autor – unter Verweis auf bereits existierende Arbeiten – nicht weiter ausgeführt. Die Fülle des Materials zeugt von einer akribischen Sichtung der vorhandenen Primärquellen, in erster Linie deutsche Orgelschulen aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts (oft für die Lehrerausbildung an Seminarien geschrieben und daher relativ grundlegend), Klavierschulen sowie musikästhetische Schriften aus der Zeit Mendelssohns und seiner Lehrer. Dazu kommt eine gründliche Auseinandersetzung mit zahlreichen Sekundärquellen rund um Mendelssohns Orgelmusik bis in die jüngste Zeit, die im einleitenden «Literaturbericht» knapp dargestellt und dann in den einzelnen Kapiteln teilweise noch eingehender – teilweise auch kritisch – kommentiert werden.

Fazit: eine wichtige und grundlegende Arbeit, die auf eindrückliche Weise zeigt, dass eine vertiefte Auseinandersetzung mit aufführungspraktischen Fragen auch bezüglich der Musik des 19. Jahrhunderts nötig geworden ist, da unsere Zeit durchaus nicht mehr in einer ungebrochenen «Traditionslinie» zur Epoche Mendelssohns steht.

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Burkhard Wind: Zur Aufführung der Orgelwerke Felix Mendelssohn Bartholdys, 280 S., € 48.00, Georg Olms, Hildeshe

Robert Walser vertont

Roman Brotbeck erzählt und analysiert auf immer wieder neue Weise, wie Walsers Dichtung von 1912 bis 2021 in Musik gebracht wurde.

Gern wüsste man, wie wohl der Wanderer Schoeck die Texte des Spaziergängers Walser, seines Zeitgenossen, vertont hätte. Aber offenbar haben sie einander nicht wahrgenommen, so wie überhaupt die Nicht-Rezeption mancher Schweizer Kunst inhärent scheint. Die intensive Rezeption Walsers durch die Musiker beginnt ohnehin erst lange nach seinem Tod – wenngleich es Ausnahmen gibt. Und von ihnen erzählt Roman Brotbeck in den ersten Kapiteln seines dicken Buchs: Wie 1912 ein vergessener Berliner Komponist und Kritiker (James Simon) bereits zwei Gedichte vertonte. Wie ein in Biel wirkender Chorleiter (Wilhelm Arbenz) mit drei Liedern zu einem anderen Tonfall fand. Wie ein in die Schweiz immigrierter Komponist (Wladimir Vogel) Walser-Texte missverständlich zum Künstlerdrama umformte. Erst mit Urs Peter Schneider beginnt eine kontinuierliche und höchst fruchtbare Walser-Beschäftigung, die sich in diesem Fall über ein halbes Jahrhundert hinzieht und einen eigentlichen, äusserst facettenreichen Kosmos entstehen lässt.

Es sind Rezeptionsgeschichten, die Brotbeck hier auf fundierte Weise erzählt. Er analysiert, aber nicht erbsenzählend. Vielmehr lässt er die Details sprechen und arbeitet die Kontexte heraus. Freilich reicht das kaum aus, um die schier exponentiell wachsende Zahl der Walser-Vertonungen zu fassen. Deshalb variiert Brotbeck die Darstellung auf erfinderische Weise, so dass man sich ob der Aufzählung nicht müde liest, sondern neugierig weiterfährt. Einzelne Kapitel sind zum Beispiel Heinz Holliger, dem prominentesten Vertoner, gewidmet sowie dem Greco-Franzosen Georges Aperghis, der sich in seiner Berner Zeit mit Walser, Paul Klee und Adolf Wölfli auseinandersetzte. Je ein Kapitel beschäftigt sich mit Opern nach Walser-Romanen sowie weiteren Dramatisierungen. Dann wiederum greift Brotbeck ein einzelnes Gedicht heraus, das kurze «Beiseit», und stellt es in 21 Vertonungen vor. Und so weiter. Den Schlusspunkt setzen unaufgeführte/unausgeführte Projekte von Johannes Fritsch und Hans Zender.

Dahinter steht – sonst würde es langweilig und man würde dieses Buch nur noch als Nachschlagewerk benutzen – ein ungemeiner Reichtum an Analysemethoden, die auf rein musikalischer Ebene zugreifen, aber auch die Beziehungen zum Wort erhellen, die Dramatisierungen mit ihren Hintergründen beleuchten und schliesslich auch Walser selber einschliessen. Der Dichter als «sein eigener Komponist»: Diesem Thema ist das Eingangskapitel gewidmet. Lautfolgen, polyfone Konstellationen, vertrackte Rhythmen finden sich in den Texten, sie zeigen Walser als äusserst bewussten, hinhörenden Gestalter – trotz der scheinbar beiläufigen Leichtigkeit, die seine Texte immer wieder haben.

Die Publikation, die vom Nationalfonds unterstützt wurde, ist also ein Kompendium, um das niemand herumkommt, der in Zukunft über Walser-Vertonungen forscht. Abgeschlossen kann sie naturgemäss nicht sein, denn weiterhin wird Walser vertont, und vielleicht gibt es auch noch Entdeckungen in der Vergangenheit zu machen. Kurz vor der Drucklegung erhielt Brotbeck den Hinweis auf ein Lied, das der Illustrator und Amateurkomponist Marcus Brehmer einst sogar in Berlin den Brüdern Karl und Robert Walser vorspielte und vorsang, was, wie er schreibt, «eine wunderbar sublime, ganz unirdische Gemeinsamkeits-Stimmung bewirkte». Das Lied scheint verschollen, aber wir können uns seine Wirkung aufs Schönste ausmalen.

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Roman Brotbeck: Töne und Schälle. Robert Walser-Vertonungen 1912 bis 2021, 660 S., € 79.00, Brill Fink, Paderborn 2022, ISBN 978-3-7705-6686-0, Open Access

Foto oben: Wikimedia commons

Einfach, aber nicht simpel

Sven Birchs Stücke für die Mittelstufe ergänzen in ihrer Verschiedenheit und tänzerischen Grundhaltung das Unterrichtsmaterial.

Die bei Breitkopf & Härtel in der Reihe Pädagogik erschienenen Eleven Easy Pieces vereinen einen bunten Strauss von ansprechenden Klavierstücken für die Mittelstufe. Dem dänischen Pianisten und Dirigenten Sven Birch (*1960) gelingt es, Stücke zu schreiben, die bei aller Einfachheit nicht simpel sind und verschiedene musikalische und pianistische Ansprüche miteinander verquicken. So bieten die Stücke eine stilistische Vielfalt von Boogie und Blues über Tango bis Techno. Auch liedhaft-poetische Stücke fehlen nicht.

Ich erachte diese Sammlung als eine ideale Ergänzung zum «klassischen» Unterrichtsmaterial. Die klaren Hinweise zu Artikulation und Dynamik wie auch der sparsame Fingersatz helfen mit, dem Spiel ein klares Profil zu geben und das tänzerische Grundgefühl auf den Punkt zu bringen. Mich überzeugen die rhythmischen Feinheiten und die sich bietenden Möglichkeiten, im Unterricht diverse pianistische Aspekte exemplarisch zu beleuchten. So betrachtet sind die Stücke eine ideale Bereicherung für die Arbeit an der Klangkultur auf dieser Stufe.

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Sven Birch: 11 Easy Pieces für Klavier, ED 9378, € 16.50, Breitkopf & Härtel, Wiesbaden

Eine Bearbeitung, eine Neukomposition

Die «Italienische Serenade» von Hugo Wolf und Daniel Schnyders «Ritus» für Streichorchester.

Hugo Wolf ist vor allem als Liederkomponist berühmt. Eines seiner wenigen Instrumentalwerke ist das Streichquartett Italienische Serenade, im Jahr 1887 in zwei Tagen vollendet, das er später für kleines Orchester mit Holzbläsern und Hörnern bearbeitet hat. Diese funkelnde Tarantella ist ein brillantes, schwieriges Achtminutenstück mit raffinierten Übergängen zu den Rondoteilen und einem emotionalen Cellorezitativ. Der Herausgeber Bruno Borralhinho ergänzt die Streichquartettfassung für Streichorchester mit einer Kontrabassstimme, die bei heiklen und hohen Cellopassagen pausiert.

Der 1961 geborene, in New York lebende Schweizer-Saxofonist und Komponist Daniel Schnyder hat mit Ritus ein mittelschweres Streichorchesterstück in e-Moll geschrieben. Eine immer wiederkehrende, an ein irisches Volkslied erinnernde Melodie, ertönt in allen Stimmen und auch in schnellen Variationen, begleitet von Gegenstimmen mit spannenden Rhythmen und ungewöhnlichen Tonproduktionen. Im «Tempestoso» werden die Celli und Kontrabässe chromatisch gefordert. Nach mehreren Piano-Anläufen steigert sich das Stück zu einem rassigen Fortissimo-Schluss. Auf der Website von Kunzelmann kann man das Werk anhören.

Das Orchestermaterial für beide Werke ist ausleihbar.

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Hugo Wolf: Italienische Serenade, für Streichorchester bearb. von Bruno Borralhinho, Partitur, OCT-10357, Fr. 19.30, Edition Kunzelmann, Adliswil

 

Daniel Schnyder: Ritus für Streichorchester, Partitur, OCT-10348, Fr. 31.20

Anspruchsvolle Bearbeitung bekannter Melodien

Jennifer Seubel hat Tschaikowskys «Nussknacker-Suite» als reizvollen Dialog für zwei Querflöten bearbeitet.

Der Nussknacker ist das letzte und auch erfolgreichste Werk des russischen Komponisten Peter Tschaikowsky. Basierend auf der Erzählung Nussknacker und Mäusekönig von E. T. A. Hoffmann geniesst das Werk auch heute noch grosse Popularität und wird vor allem in der Vorweihnachtszeit regelmässig aufgeführt. Die vorliegende Bearbeitung der Flötistin Jennifer Seubel verwendet als Grundlage die Nussknacker-Suite, in welcher der Komponist die bekanntesten Stücke zusammengefasst hat.

Das Arrangement für zwei Flöten zeichnet sich durch gekonnte Aufteilung des thematischen Geschehens auf beide Stimmen aus, was reizvolle Dialoge entstehen lässt, wie es bereits in der Ouvertüre und im Marsch zu hören ist.

Da die Flöte schon in den Orchesterstimmen eine führende Rolle einnimmt, war es zum Beispiel beim Tanz der Rohrflöten möglich, wie die Herausgeberin schreibt, «einige Takte direkt aus dem Original zu übernehmen». Stimmungsvoll klingt der Tanz der Zuckerfee, wo beide Flöten das Celesta-Solo spielen und sich deren Kadenz aufteilen. Der schnelle Tanz Trepak wird in den Randteilen in Terzen und Sexten geführt und erreicht so eine grosse Kompaktheit und Intensität. Auch die Bläsersoli der anderen Tänze eignen sich gut für zwei Flöten, so konnte auch das bekannte Flötensolo aus dem Chinesischen Tanz gut in ein Duett integriert werden. Im Blumenwalzer bleiben die bekannten Anfangsmotive von Horn und Klarinette in der ersten Flötenstimme, während die Begleitung der Streicher weitgehend als zweite Stimme übertragen worden ist.

In beinahe allen Sätzen ist ein gewisses technisches Können gefragt, beispielsweise in den Sechzehntel-Läufen. Auch der ganze Tonumfang der Flöte vom c‘ bis h“‘ (bei einer Ad-libitum-Oktavierungsstelle bis c““) kommt im Duo-Arrangement vor, was mit der Orientierung an der Originalpartitur zusammenhängt. Die Nussknacker-Suite für zwei Flöten ist eine gelungene und anspruchsvolle Bearbeitung der bekannten, eingängigen Melodien, die sich für fortgeschrittene Spieler eignet und bei der es sich lohnt, wie Jennifer Seubel im Vorwort schreibt, «die Herausforderungen anzunehmen».

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Pjotr Iljitsch Tschaikowsky: Nussknacker-Suite,für zwei Querflöten arr. von Jennifer Seubel, Spielpartitur, BA 10951, € 19.50, Bärenreiter, Kassel

Holzblock Holzblock Beckenglocke Holzblock …

Die Drumset-Schule von Michael H. Lang setzt auf den Rhythmus von Wörtern, um rhythmische Figuren zu lernen.

«Endlich eine Drumset-Schule für Anfänger, die sich von den zahlreichen anderen Schulen unterscheidet!» – Statt dem langweiligen Üben zweitaktiger Patterns und endlosen Erklärungen mit langen Textpassagen wird im Lehrgang von Michael H. Lang viel Spielmaterial mit einem klaren Aufbau geliefert. Mit 107 Übungen und Spielstücken sowie 14 Soli in verschiedenen Schwierigkeitsstufen verbindet der Autor auf über 140 Seiten das Lernen, Üben und Musizieren in methodisch sinnvoller Weise.

Rhythmische Bausteine erlernen funktioniert mit Wörtern, die die Schüler schon kennen, einfacher und schneller. Dafür hat der Autor zum Einstieg 6 Grundfiguren und passende Namen ausgewählt, die nach und nach eingeführt werden, ohne dass es lange Erklärungen braucht. Im Schlagzeugbereich sind Kuhglocke, Glockenspiel, Beckenglocke und Holzblock ohnehin gebräuchliche, verständliche Wörter; als Gegenstände sind sie greifbar und im Unterrichtsraum aufzufinden. Diese Wörter tragen eine eigene Rhythmik in sich, und wenn sie dann während dem Spiel mitgesprochen werden, stimmen die gespielten Figuren automatisch.

«Unsere Schüler sind neugierig, sie wollen lernen, sie wollen spielen, sie wollen Spass. Und der Spass kommt nur durchs Spielen. Sie haben Spass, weil sie was können. Deshalb sollten wir uns nicht scheuen, den Kindern viel beizubringen», schreibt Michael H. Lang.

Warum sollen also die Kinder z. B. mit 1e+e 2e+e 3e+e 4e+e geplagt werden, was sehr abstrakt ist und am Anfang überhaupt keine Rolle spielt? Die Schüler brauchen nur wenige, dafür aber einfach verständliche Grundlagen, um spielen zu können, und keine abstrakten und komplizierten Redewendungen. Die Kinder erlernen die von Michael H. Lang vorgegebenen Grundrhythmen schnell, und das gleich ab der ersten Lektion und auf allen Instrumenten, die das Schlagzeug hergibt. Denn sie wollen am liebsten von Anfang an auf dem gesamten Drumset spielen. Beherrschen sie diese Grundrhythmen, läuft alles andere viel leichter.

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Michael H. Lang: Drumset-Schule, veränderte Neuauflage, GN 114590, € 26.80, Musikeigenverlag Michael H. Lang 2022, www.michaelhlang.de

Die Seligpreisungen als monumentales Werk

César Francks «Les Béatitudes» liegen erstmals in einer wissenschaftlichen Urtext-Ausgabe vor.

César Franck gilt heute hauptsächlich als Vater der französisch-romantischen Orgel-Sinfonik und Inspirator seiner Schüler Widor, Vierne, Tournemire und auch Debussy. Besonders seine Orgelwerke und die Sinfonie d-Moll erfreuen sich heute noch grosser Beliebtheit. Seine Opern, Lieder, Messen und Oratorien führen aber eher ein Schattendasein. Umso verdienstvoller ist es, dass der Carus-Verlag Stuttgart pünktlich zum 200. Geburtstag des Komponisten sein 1879 entstandenes chorsinfonisches Hauptwerk Les Béatitudes erstmals in einer wissenschaftlichen Urtext-Edition veröffentlicht.

Das monumentale, gut zweistündige Werk in französischer Sprache vertont die Seligpreisungen aus der Bergpredigt Jesu, ist zwischen geistlicher Oper und Oratorium einzuordnen und besticht durch den kontrastreichen Wechsel von volksliedhaften, lyrischen, dramatischen und hymnischen Episoden. Einige Sätze entstanden bereits 1870 während der Belagerung von Paris im Deutsch-Französischen Krieg. Nach einem Prolog werden den Christusworten «Selig sind …» in den acht Sätzen jeweils antithetisch-kommentierend irdische oder himmlische Chöre vorangestellt.

Die Orchesterbesetzung ist zeitgemäss französisch opulent und erfordert einen zahlen- und stimmenmässig gut besetzten Chor. Trotz der acht Solopartien, die sich teilweise durch eine geschickte Rollenteilung reduzieren lassen wie im Vorwort vorgeschlagen, ist der Choranteil recht gross und nicht allzu schwer. Ein dankbares und lohnendes Werk für Oratorienchöre.

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César Franck: Les Béatitudes op. 25, Oratorium für Soli, Chor und Orchester, hg. von Hans Christoph Becker-Foss und Thomas Ohlendorf; Partitur CV 10.393/00, € 119.00; Klavierauszug CV 10.393/30, € 29.95; Carus, Stuttgart

Briefe erzählen Stefi Geyers Leben

Helga Váradi und Dominik Sackmann haben hier nicht nur erstmals den gesamten Briefwechsel mit Béla Bartók veröffentlicht, sondern zeichnen das ganze Leben der berühmten Geigerin nach.

Dieses gewichtige Buch gibt intime Aufschlüsse zur Biografie der 1956 verstorbenen Violinvirtuosin Stefi Geyer, Schülerin von Jenő Hubay. Als Wunderkind spielte sie schon im Alter von 10 Jahren in Budapest ein Bériot-Konzert, 12-jährig Spohrs Konzert In Form einer Gesangsszene und schon bald ein grosses Repertoire in ganz Europa, z. B. mit 20 das Brahms-Konzert in Berlin. Als 19-Jährige führte sie 1907/08 mit dem 26-jährigen Béla Bartók einen intensiven Briefwechsel. Bartók war damals mit der Sammlung von Volksliedern beschäftigt. Er bewunderte Stefis Können. und ihr Interesse an seiner Arbeit schmeichelte ihm. Sie diskutierten sich widersprechend über den Glauben an Gott, verschiedene Formen von Freundschaft und immer wieder über ihre Arbeiten. Bartók schrieb für Stefi ein stilistisch neuartiges Violinkonzert, von dessen Leitmotiv d-fis-a-cis immer die Rede ist als unausgesprochener Liebeserklärung. Das Manuskript des Konzertes erhielt sie von Bartók geschenkt, behielt es ungespielt und übergab es auf dem Sterbebett Paul Sacher. Es wurde 1958 durch Hansheinz Schneeberger in Basel uraufgeführt.

Kurz nach dem Ende der unglücklichen Liebe heiratete Bartók Marta Ziegler und Stefi den Wiener E. O. S. Jung, der aber 1918 der Spanischen Grippe erlag. Ihre Bekanntschaft mit dem Zürcher Pianisten, Komponisten und Konzertorganisator Walter Schulthess führte 1920 zur Heirat. Zürich wurde zu einem Zentrum des internationalen Konzertlebens. So ergab sich eine erneute Annäherung an Bartók, die ab 1928 bis zu Bartóks Tod 1945 in einem neuerlichen Briefwechsel greifbar wurde. Darin wirkt der Umgang der zwei Ehepaare (Bartók war seit 1923 mit seiner Schülerin Ditta Pásztory verheiratet) bald sehr familiär dank gemeinsamer Ferien und später immer stärker umsorgend. Neben ihrer intensiven Lehrtätigkeit in Zürich, der Betreuung ihrer 1921 geborenen Tochter Rosmarin, ihrem Wirken als Konzertmeisterin des Zürcher Collegium Musicum, Mitwirkung an den Luzerner Festwochen und weltweiten Konzerten kümmerte sich Stefi Geyer fürsorglich um ihre unter sowjetischer Verwaltung leidenden Verwandten in Ungarn; davon zeugen die Briefe aus den Jahren 1925 bis 1956. Aus 21 Briefen von Jenő Hubay erahnt man seine fortdauernde Unterstützung für Stefi.

Das Buch liest sich spannend wie ein Briefroman. Wertvoll ergänzt sind die Briefe durch einen fotografischen Lebenslauf, mehrere einführende Texte der Herausgebenden Dominik Sackmann und Helga Váradi und den Mitarbeitenden László Vikárius und Kornel Zipernowsky. Verdienstvoll ist das aufwendig zusammengestellte chronologische Verzeichnis aller Konzerte und gespielten Werke Stefi Geyers.

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Stefi Geyer. Materialien zu ihrer Biografie, hg. von Helga Váradi und Dominik Sackmann, Zürcher Musikstudien Band 11, 522 S., Fr. 103.00, Peter Lang, Bern u. a. 2021, ISBN 978-3-0343-3769-4 (Print)

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