Ausgabe 1/2026 – Focus «Kulturerbe»

Foto: Holger Jacob

Inhaltsverzeichnis

Focus

Nur was mich berührt, ist ein Erbe
Adriano, Graziella Contratto, Myriam Schleiss und Urs Schnell diskutieren unter der Leitung von Michael Eidenbenz über das musikalische Kulturerbe der Schweiz.

Kulturerbe erkennen, erhalten und fördern
Was ist auf der «Liste der lebendigen Traditionen» aufgeführt und wozu?

Weltkulturerbe – und jetzt?
Welcher Prozess führte zur Aufnahme des Schweizer Jodels auf die «Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit» der Unesco und was folgt nun daraus?

«Die Idee des Schweizer Jodels ist ein Mythos»
Der Zürcher Musikethnologe Dieter Ringli ordnet ein, was gerade in der Jodelszene des Landes passiert.

Die Nationalphonothek zwischen Vergangenheit und Zukunft
Deutsche Übersetzung des italienischen Originaltextes

(kursiv = Zusammenfassung in Deutsch des französischen Originalartikels)

Critiques

Neuerscheinungen Bücher, Tonträger, Webseiten, Noten, Filme

Echo 

Der Platz in der gedruckten Ausgabe reicht längst nicht für alle Texte, deshalb werden sie hier aufgelistet und auf die entsprechenden Online-Artikel verlinkt. Diese sind grösstenteils schon vor Erscheinen der gedruckten Ausgabe publiziert worden.

Die Avantgarde und Wotans Rat
Das Lucerne Festival zeigt mit «Forward» neue musikalische Tendenzen.

Sinfonische Jamsession
Im Repertoire Orchestra spielen Amateure und Musikstudierende einen Abend lang zusammen mit Profis beliebte Werke der klassischen Konzertliteratur.

Diriger un orchestre à vent en vrai
Les Swiss Conducting Days proposent six jours de masterclasses et de concerts pour les futurs chefs et cheffes d’orchestre à vent.

Offener Brief im Hinblick auf die Abstimmung zur «Halbierungsinitiative» im März 2026
130 Unterzeichnende

Klassik total
Carte blanche von Jürg Erni

Basis

Artikel und Nachrichten aus den Musikverbänden

Konferenz Musikhochschulen Schweiz (KMHS) / Conférence des Hautes Ecoles de Musique Suisse (CHEMS)

Schweizer Musikrat (SMR) / Conseil Suisse de la Musique (CSM)

Swissmedmusica (SMM) / Association suisse de Médecine de la Musique (SMM)

Schweizerische Musikforschende Gesellschaft (SMG) / Société Suisse de Musicologie (SSM)

Schweizerischer Musikerverband (SMV) / Union Suisse des Artistes Musiciens (USDAM)

Schweizerischer Musikpädagogischer Verband (SMPV) / Société Suisse de Pédagogie Musicale (SSPM)

SONART – Musikschaffende Schweiz

Stiftung Schweizerischer Jugendmusikwettbewerb (SJMW)

Arosa Kultur

SUISA – Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik

Verband Musikschulen Schweiz (VMS) / Association Suisse des Écoles de Musique (ASEM)

 

Knochiges Erbe
Rätsel von Pia Schwab

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Die Nationalphonothek zwischen Vergangenheit und Zukunft

1987 in Lugano gegründet und heute Teil der Nationalbibliothek sammelt, bewahrt und erschliesst die Phonothek das klingende Kulturerbe der Schweiz. Sie kümmert sich um die Gesamtheit der öffentlichen und privaten Aufnahmen mit dokumentarischem oder identitätsstiftendem Wert für das Land: Musik, Stimmen, Interviews, Werbung oder Klanglandschaften.

Die phonographischen Zylinder von Thomas Edison, 1878 patentiert, erlaubten als erste Tonträger die Wiedergabe der Klänge. Foto: Nationalphonothek

Es ist eine Geste aus der Kindheit, und je nach romantischer Veranlagung hören wir auch später nicht damit auf. Halten Sie sich nicht auch manchmal eine dieser Muscheln ans Ohr, die auf dem Büchergestell liegen? «Hör das Meer», sagte man uns, als wir klein waren, denn es ist ja bekannt: Muscheln haben die magische Fähigkeit, den Klang ihrer Umgebung aufzusaugen und für immer zu bewahren. Später lernt man (wenn man will), dass sie nur kleine, unvollkommene Resonanzkörper für die Umgebungsgeräusche sind, eben auch für unser Blut, das durch die Ohren pulsiert. Aber der Wunsch, an dieses kleine Meer zu glauben, bleibt bestehen. Vermutlich entspricht er dem grossen Begehren unserer Spezies, sich anzueignen, was sie umgibt, und zwar in der ungreifbarsten und flüchtigsten Form, der Welt der Klänge.

Schallwellen, die alles Hörbare ausmachen, breiten sich aus und verlieren sich schliesslich. Die Idee, eine Folge von Musiknoten oder Worten identisch zu wiederholen, erweist sich als Chimäre. Musiker und Schauspielerinnen erfahren das immer wieder. Um diesen Kontrollverlust zu mildern, hat der Mensch die Technik des Schreibens erfunden. Verba volant, scripta manent: eine geniale Abhilfe für den ständigen Energieverlust in der Welt der Klänge. Schreiben ist eine Verschlüsselung, die nicht auf Bewahrung abzielt, sondern auf Wiederholbarkeit des Gemeinten, wobei sie sich auf die Vorstellungskraft des menschlichen Gehirns stützt.

Aber was ist mit dem wahren Klang, dem wahren Objekt? Die Kastraten des barocken Roms übten vor hallenden Wänden, um ein flüchtiges Echo ihrer Stimme zu erhaschen, und erst 1857 patentierte Éduard Léon Scott de Martinville den Phonautographen, eine Art Oszillometer, mit dem er Schallwellen auf geschwärzten Gläsern aufzeichnen konnte. Aufzeichnen, aber noch nicht wiedergeben. Erst 2008 gelang es, seine Phonautogramme hörbar zu machen: ein Fragment aus Au Clair de la Lune, einige Verse von Tasso und andere kleine Experimente.

1878 patentierte Edison seinen Phonographen, bei dem die Schwingungen von einer Nadel auf einen folienüberzogenen Zylinder geritzt wurden und der nun auch das Umgekehrte möglich machte: die Rille wieder «zu lesen», das Aufgenommene wieder zu hören. Berliner verwendete 1888 anstelle von Zylindern Schallplatten, die sich für die Massenproduktion und die Vermarktung besser eigneten. Im 20. Jahrhundert erfolgte dann der Übergang zu elektrischen Aufnahmen auf Magnetbändern und schliesslich zu rein digitalen Aufzeichnungen und zur endgültigen Entmaterialisierung des Tonträgers: Die Musik wanderte ins Internet. Mit unserem Smartphone können wir heute stundenlang Tonaufnahmen machen und wiedergeben sowie online auf fast die gesamte Musik der Welt zugreifen.

Eine Bibliothek der Töne

Um schriftliche Dokumente zu bewahren und der Bevölkerung zur Verfügung zu stellen, gibt es Bibliotheken. Und für Töne? Wenn man Klänge festhalten kann, stellt sich auch die Frage, was mit den Trägern dieser klingenden Erinnerungen einer Gesellschaft geschehen soll.

Schon Ende des 19. Jahrhunderts, wenige Jahre nach Edisons Erfindung, wurde eifrig aufgenommen. Einige europäische Institutionen erkannten früh, dass es wichtig war, dieses Erbe ebenso zu konservieren wie schriftliche Zeugnisse. So entstand 1899 das Phonogrammarchiv Wien und 1900 dasjenige von Berlin. In der Schweiz sammelte die Nationalbibliothek seit Beginn des letzten Jahrhunderts auch einige Tondokumente. In den Sechzigerjahren wurde aber der Ruf nach einer spezialisierten Institution laut. 1984 stellte die Gemeinde Lugano Räumlichkeiten und Mittel zur Verfügung, worauf man 1987 die Stiftung Nationalphonothek gründen konnte. 2016 wurde sie eine Sektion der Nationalbibliothek. Nach Anfängen im Studio Foce, zog die Phonothek im Jahr 2000 ins Centro San Carlo. 2031 wird sie in die Città della Musica umziehen, ein futuristisches Projekt, das in den Lokalitäten von Radio RSI in Besso verschiedene Partner aus dem Musikbereich zusammenführt.

Das Aufnehmen hat sich entmaterialisiert und in der digitalen Welt angesiedelt. Foto: Nationalphonothek

Der Auftrag der Nationalphonothek leitet sich aus dem Bundesgesetz über die Schweizerische Nationalbibliothek ab: das akustische Kulturerbe sammeln, erschliessen, erhalten, zugänglich und bekannt machen. Die Tonträger, man nennt sie Helvetica, denn sie haben zwingend einen Bezug zur Schweiz, werden in fünf Bereiche eingeteilt, vier musikalische – Klassik, Jazz, Rock & Pop, Folk – und einen nicht musikalischen, in dem Stimmen, Hörbücher, Hörspiele, Interviews, aber auch Naturgeräusche und Klanglandschaften zusammengefasst sind.

«Unsere ältesten Stücke sind Wachszylinder mit klassischer und Operettenmusik aus der Sammlung einer Privatperson in Chiasso», erklärt Günther Giovannoni, seit 2019 Direktor der Phonothek. «Was Musikaufnahmen anbetrifft, besteht in der Schweiz keine Pflicht, ein Belegexemplar bei uns einzureichen. Daher sind wir seit vierzig Jahren daran, mit Unterstützung der Suisa, weiterer Verwertungsgesellschaften und in Zusammenarbeit mit dem Radio und anderen Partnern den Sammel-Rückstand aufzuholen. Für gestreamte Inhalte hat das Parlament ein Gesetz über die Einreichung von digitalen Pflichtbelegen ab 2027 verabschiedet: eine gigantische Menge an Material, aus dem wir auswählen müssen. Wir sind nur verpflichtet zu konservieren, was als wichtig erachtet wird, eine anspruchsvolle Auswahl, an der Verantwortliche verschiedener Bereiche beteiligt sind.»

Das klingende Kulturgut eines Landes

Beim flüchtigen Scrollen in den sozialen Medien könnte man sich fragen, was es denn so Wichtiges zu erhalten gebe in all dem oft sehr kommerziellen Lärm. «Es ist nicht an uns zu urteilen», unterbricht Giovannoni, «kommerzieller oder künstlerischer Wert sind nicht unsere einzigen Auswahlkriterien. Wir haben beispielsweise eine Abteilung, die sich um Werbung kümmert. Das könnte man unter gewissen Gesichtspunkten für weniger gehaltvoll oder lehrreich halten, ist aber historisch und soziologisch äusserst wichtig, insbesondere für Fachleute. Die entscheidende Frage ist diejenige nach der Nachhaltigkeit: Ist es sinnvoll, so viel Material aufzubewahren? Wie hoch sind die Kosten, ökologisch und finanziell? Unsere Richtlinien erlauben uns, nicht alles zu nehmen, um nicht überlastet zu werden. So lesen wir beispielsweise auch unter neuen künstlerischen Produktionen aus: Wir lassen sie eine Weile ruhen, bevor wir sie in unseren Bestand aufnehmen.»

Eine exponentiell wachsende Menge an Material macht eine Auswahl unumgänglich. «Wir sind nicht verpflichtet, alles zu haben, aber alles, was als wichtig erachtet wird.»
Foto: Nationalphonothek

Dazu braucht es eine klare Vision, was das klingende Kulturgut unseres Landes sein soll. «Unser Selbstverständnis wird zu einem Teil von erinnerten Klängen bestimmt», erklärt Giovannoni. «Die Schweiz ist klein, aber äusserst vielfältig, was Sprachen, Kulturen und Besonderheiten angeht. Der Archivar hat die Aufgabe, dieses Klanggedächtnis für die nächsten Generationen zu erhalten. Wir schützen Vergangenes für die Zukunft.»

Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang der Bereich Sprache und Geräusche, vermutlich der reichhaltigste der Phonothek. Während es ausdrückliche Absicht war, eine grosse Zahl von Glockengeläuten landauf, landab zu dokumentieren, sind die eingefangenen Klanglandschaften manchmal ein Nebenprodukt anderer Aufnahmen. Sie bieten uns über Jahrzehnte hinweg tönende Chroniken gewisser Räume: eines ländlichen Marktes, eines städtischen Platzes. «Die Klänge ändern sich wie unser Alltag», sagt Giovannoni, «nehmen Sie das Knirschen eines Gletschers, das sich mit der Zeit verändert und bald gar nicht mehr existieren wird. Oder prosaischer: Die Gemeinde Lugano hat uns die Aufzeichnungen der Gemeinderatssitzungen der letzten 60 Jahre übergeben. Man kann also die Entwicklung des politischen Diskurses verfolgen, linguistisch, soziologisch … »

Unter den Musikdokumenten führen uns einige durch die Geschichte des Landes, beispielsweise der Nachlass von Hanny Christen: «Fünfzig Tonbänder, die Anfang der 90er-Jahre zufällig entdeckt wurden. Sie bewahren einen Teil der ‹alten und reinen› traditionellen Schweizer Musik und haben unsere Sichtweise revolutioniert», erklärt Andrea Sassen, Leiterin der Abteilung für Volksmusik. «Oder denken Sie an den K-Sound-Bestand von Kiko Berta, der einige der wichtigsten Alben der 90er-Jahre aufgenommen hat, darunter Perlen, die nie in den Handel gekommen sind», fügt Yari Copt, der Verantwortliche für die Abteilung Rock, an.

«Aber es ist auch interessant, auf die Gegenwart zu schauen», fährt er fort. «Heute ist eine Generation von Schweizer Künstlern und Künstlerinnen mit einer klaren Vision und einer hohen Produktionsqualität am Werk. Und für alle, die sich mit dem musikalischen Erbe beschäftigen, ist das ein starkes Signal: Die Phonothek ist nicht nur ein Archiv für Vergangenes, sondern ein lebendiger Ort, der die Gegenwart dokumentiert und das klangliche Erbe von morgen aufbaut. Diese Produktionen heute zu bewahren, ermöglicht es in Zukunft, genau sagen zu können, was sich in diesem Moment in der Schweizer Musik abgespielt hat.»

In die Zukunft gerichtet

Hier wird also bewahrt, aber erstaunlicherweise auch kreiert, als wolle man den Blick darauf lenken, was es für die Zukunft zu verewigen gilt: Auf dem Youtube-Kanal der Phonothek feiert Bruno Spoerri seinen 90. Geburtstag, indem er das Publikum mit einem wunderbaren Livestream begeistert, meisterhaft von Lara Persia im Studio Lemura aufgenommen. «Das ist das erste einer Reihe von Konzerten, die wir dank einer ausserordentlichen Spende ausrichten konnten», erklärt Giovannoni. «Eine Art Schaufenster: Wir unterstreichen den Wert unserer Archive, indem wir denjenigen eine Bühne bieten, die zum klingenden schweizerischen Kulturerbe beigetragen haben. Eine Hommage an diese Menschen, die so viel gegeben haben.»

Auch hier kommt das Konzept des Vermächtnisses zum Ausdruck, der Ausrichtung auf die Zukunft. Das führt uns zurück zu den technischen Herausforderungen, wie sie die Speichermedien stellen: ein zentrales Thema für die Konservierungsaufgabe der Phonothek. «Wir sind eng an die Technologie gebunden. In erster Linie bezüglich der Langlebigkeit der Trägermedien. Schellack- oder Vinylplatten beispielsweise sind robust. Ihre Inhalte können wir auch in hundert Jahren noch hören, wenn sie professionell gelagert werden. Tonbänder verlieren dagegen langsam ihre Informationen; ‹selbstgebrannte› CDs haben eine durchschnittliche Lebensdauer von fünf Jahren. Ebenso altern die Abspielgeräte und unterliegen der historischen Entwicklung.

Ein Beispiel sind die DAT-Cassetten von Sony, die während 20 Jahren hergestellt wurden. 2007 hat der Konzern die Produktion eingestellt, die Lizenzen aber behalten. Im Moment haben wir noch einen Vorrat an Tonköpfen, aber wenn sie aufgebraucht sind, stehen wir vor einem gravierenden Problem. Daraus ergeben sich unsere Prioritäten in Sachen Digitalisierung und Konservierung. Es ist eine stetige technische Herausforderung, das Material greifbar zu machen: Wir wollen ein Ort sein, an dem Nutzerinnen und Nutzern Anregungen sowie Gelegenheiten geboten werden, Neues zu entdecken.»

Visual Audio ist ein Leuchtturmprogramm der Phonothek: ein Digitalisierungsverfahren, bei dem der Inhalt einer beschädigten Platte gerettet wird, indem sie analog fotografiert und das Bild eingescannt wird. Foto: Nationalphonothek

Dieser Wille zeigt sich in zukunftsgerichteten technologischen Projekten wie beispielsweise den Forschungen, um weiterhin DAT-Tonträger lesen zu können, oder Leuchtturmprogrammen wie Visual Audio, einem Digitalisierungsverfahren, das es möglich macht, den klingenden Inhalt einer beschädigten Platte zu retten, indem sie analog fotografiert und das Bild eingescannt wird.

Ein Bildungsangebot mit Führungen, Workshops, Vorträgen und Schulbesuchen richtet sich an ein breites Publikum. Äusserst wichtig ist der Phonothek auch die Sensibilisierung der Jüngsten auf das Hören und auf Klänge. «Junge Menschen hören Musik, aber über ihr Mobiltelefon in oft dramatisch schlechter Qualität», klagt Giovannoni. «Wir müssen ihnen bewusstes Hören beibringen, auch im Hinblick auf mögliche Schädigungen durch Überlastung. Ihnen soll bewusst werden, dass Klangqualität ein wichtiger Faktor ist beim Musikhören und dass Zeitpunkt, Medium und Format die Wahrnehmung beeinflussen können. Viele Jugendliche wissen gar nicht, dass es andere Wege gibt, als Musik übers Handy zu hören, und sie haben keine Ahnung von den Qualitätsunterschieden. Man muss es ihnen beibringen, und das ist möglich, indem man ihnen den technischen Fortschritt und die unterschiedlichen Klangqualitäten im Verlaufe der Geschichte der Tonträger vorführt.»

Warum die Schweizer Musik Nein zur SRG-Halbierungsinitiative sagt

An den Solothurner Filmtagen, dem wichtigsten Treffpunkt des Schweizer Films, wurde am 25. Januar nicht nur über Kino gesprochen. Vertreterinnen und Vertreter der gesamten Kulturszene – von Film über Musik bis zur Darstellenden Kunst – traten gemeinsam vor die Medien, um ein klares Zeichen zu setzen: Nein zur SRG-Halbierungsinitiative «200 Franken sind genug».

Für die Musik ist diese Abstimmung von zentraler Bedeutung. Denn die SRG ist nicht einfach ein weiterer Medienanbieter, sondern die wichtigste mediale Bühne für Schweizer Musik – für Profis ebenso wie für die breite Amateur- und Nachwuchsszene.

Musik erreicht die Schweiz – über die SRG

Musik gehört in der Schweiz zum Alltag. Rund 20 Prozent der Bevölkerung singen, weitere 20 Prozent spielen ein Instrument, fast 15 Prozent tanzen regelmässig. Und fast alle hören Musik. Entscheidend ist dabei der Kanal: Über 80 Prozent der Bevölkerung konsumieren Musik über Radio und Fernsehen.

Genau hier kommt die SRG ins Spiel. Sie sendet jährlich über 42’000 Stunden Schweizer Musik, produziert rund 1’000 Stunden Livemusik und erreicht mit einem durchschnittlichen Schweizer Musikanteil von rund 40 Prozent ein Publikum, das kein privater Anbieter und keine Streamingplattform in dieser Breite erreicht.

Diese Präsenz ist kein Zufall, sondern kulturpolitischer Auftrag – und sie ist die Grundlage für Sichtbarkeit, Einkommen und Nachwuchsförderung.

Sichtbarkeit entscheidet über Nachwuchs

Yvonne Glur, Co-Leiterin des Bereichs Amateurmusik beim Schweizer Musikrat und Präsidentin von accordeon.ch, bringt es auf den Punkt: «Für den Nachwuchs der Amateurmusik ist Sichtbarkeit entscheidend. Junge Menschen engagieren sich dann, wenn sie erleben, dass ihr Können und ihre Leidenschaft wahrgenommen, wertgeschätzt und gezeigt werden.»

Ob Blasmusik, Chöre, Volksmusik, Jazz oder zeitgenössische Formate: Viele Ensembles und Vereine existieren ausserhalb kommerzieller Logiken. Ohne eine nationale Bühne verschwinden sie rasch aus der öffentlichen Wahrnehmung – und damit aus dem kulturellen Alltag.

Vielfalt braucht Infrastruktur

Die Halbierungsinitiative würde der SRG einen grossen Teil ihrer finanziellen Mittel entziehen. Die Folgen wären absehbar: weniger Eigenproduktionen, weniger Übertragungen, weniger Berichterstattung. Günstige internationale Inhalte würden zunehmen, während Schweizer Musik und regionale Formate verdrängt würden.

Marc Trauffer, Mundart-Popsänger und Produzent, warnt: «Wir brauchen dringend eine starke SRG. Grosse TV-Unterhaltung ist im privaten Medienbereich viersprachig nicht finanzierbar – und genau das trägt einen wichtigen Teil zur Vielfalt unseres Landes bei.»

Was für Shows und Serien gilt, gilt genauso für Musikformate: Schweizer Inhalte sind aufwendig, regional verankert und selten massentauglich im rein kommerziellen Sinn. Genau deshalb braucht es eine starke öffentliche Infrastruktur.

Mehr als Musik: Kultur als verbindende Kraft

Die Medienkonferenz in Solothurn machte deutlich: Die SRG ist nicht nur für die Musik zentral, sondern für die gesamte Kultur. Filme, Serien, Konzertaufzeichnungen, Archive, Kulturjournalismus und digitale Plattformen wie Play Suisse schaffen eine gemeinsame Öffentlichkeit – über Sprachgrenzen hinweg.

Wird diese Infrastruktur geschwächt, verliert die Schweiz einen Teil ihrer kulturellen Klammer. Regionen, kleinere Sprachgemeinschaften und Nischenformate wären besonders betroffen.

Ein gemeinsames Nein der Kulturschaffenden

Die Kulturszene ist sich einig: Reformen, Kritik und Weiterentwicklung gehören dazu. Aber eine Halbierung ist keine Optimierung. Sie ist ein Kahlschlag – mit Folgen für Arbeitsplätze, Nachwuchs, Vielfalt und kulturellen Zusammenhalt.

Darum sagen Musikerinnen und Musiker gemeinsam mit Filmschaffenden, Autorinnen, Schauspielern und Kulturverbänden: Nein zur SRG-Halbierungsinitiative. Nein zum Abbau der medialen Bühne.

Video mit Patti Basler

 

Was passiert, wenn man Mani Matter neu hört – politisch zugespitzt und hochaktuell? Satirikerin und Kabarettistin Patti Basler hat zur Melodie von «I han es Zündhölzli azündt» einen eigenen Text gegen die SRG-Halbierungsinitiative geschrieben.

Mit Witz, Schärfe bringt sie auf den Punkt, worum es geht: um Kultur, Haltung – und darum, keine halben Sachen zu machen.

Die Schweizer Geigenbauschule überzeugte in Paris

Beim Concours international de lutherie 2026 wurde die Viola von Laura Gartmann und Thibault Jaberg prämiert.

v.l. Raphael Pidoux (Präsident der Jury), Thibault Jaberg und Laura Gartmann sowie die Schülerinnen und Schüler der Ecole nationale de Lutherie in Mirecourt. Foto: Schweizer Geigenbauschule

Nach erfolgreichen Teilnahmen in den Jahren 2022 und 2024 konnte die Brienzer  Schweizer Geigenbauschule auch beim diesjährigen dritten Concours international de lutherie vom 14. bis 18. Januar  in Paris überzeugen. Laura Gartmann und Thibault Jaberg, Lernende des vierten Lehrjahres, haben die in der Kategorie «Talents de demain» prämierte Bratsche gebaut. Sie wurde mit einer Bronzemedaille sowie dem Spezialpreis der Jury «Coup de Cœur» für besondere handwerkliche Exzellenz ausgezeichnet. Der erste und zweite Platz des Wettbewerbs gingen an die französische École nationale de Lutherie in Mirecourt.

Der Concours international de lutherie zählt zu den renommiertesten Wettbewerben im internationalen Geigenbau. In der Kategorie «Talents de demain» werden Geigenbauerinnen und Geigenbauer in Ausbildung nach strengsten handwerklichen, gestalterischen und klanglichen Kriterien bewertet. Der Erhalt des Jury-Spezialpreises unterstreiche, schreibt die Schweizer Geigenbauschule, die hohe Qualität und Eigenständigkeit der Ausbildung im internationalen Vergleich, bestätige den nachhaltigen Ausbildungsansatz der Schule und stärke ihre internationale Sichtbarkeit.

An der diesjährigen Ausgabe nahmen 9 Schulen mit 15 Instrumenten teil. Eine internationale Fachjury beurteilte in den beiden Kategorien «Talents d’aujourd’hui» und «Talents de demain» insgesamt 75 Bratschen aus 22 Ländern.

«Forêt d’altos»: Alle Instrumente, die in den beiden Wettbewerbskategorien «Talents d’aujourd’hui» und «Talents de demain» eingereicht und begutachtet wurden. Foto: Schweizer Geigenbauschule

Vitale Shakuhachi-Praxis in der Schweiz

Die Shakuhachi-Gesellschaft Schweiz feierte 2025 ihren 20. Geburtstag. An verschiedenen Workshops und Veranstaltungen konnten Mitglieder und Interessierte die vielfältigen Aspekte des Spiels auf der japanischen Bambusflöte kennenlernen und vertiefen.

Workshop mit Yokota Sensei in Kriens, Juni 2024. Foto: Shakuhachi Gesellschaft Schweiz

Die Shakuhachi-Gesellschaft Schweiz steht allen Shakuhachispielern und -spielerinnen der Schweiz offen, unabhängig von der Tradition, der sie angehören. Sie ist eine Sektion der Zenkoku Chikuyusha, der grössten Shakuhachigesellschaft in Japan, mit der der Verein in enger Verbindung steht.

Gründer der Shakuhachi-Gesellschaft Schweiz ist Andreas Fuyû Gutzwiller. Nach dem Studium der Shakuhachi bei Araki Kodô V und Kawase Junsuke III an der Wesleyan University und in Japan erhielt er 1976 die Lehrer-Lizenz für die Weitergabe der Tradition von Kawase Junsuke III. 1980 begann er, die Musik der Shakuhachi an der Musik-Akademie Basel zu unterrichten. Fünf seiner Schülerinnen und Schüler haben die Lizenz der Zenkoku Chikuyusha in Tokyo erhalten. Es sind dies: Ueli Fuyûru Derendinger, Jürg Fuyûzui Zurmühle, Wolfgang Fuyûgen Hessler, Andrea Fuyûan Hofer und Ursula fuyûzi Schmidiger. Damit begann der Unterricht der Shakuhachi neben Basel auch in Zürich, Luzern und Bern.

Inzwischen gibt es zwei Spielerinnen in der dritten Generation, die die Lizenz der Zenkoku Chikuyusha in Tokyo erhalten haben: Maria Rosaria Marigen Visco, Schülerin von Wolfgang Fuyûgen Hessler, und Isabel Unjakuryûgen Lerchmüller, Schülerin von Ueli Fuyûru Derendinger. Damit geht die Tradition in der nächsten Generation weiter.

Das Vereinsleben der Chikuyusha umfasst verschiedene Anlässe und Aktivitäten wie Fukizome, das erste gemeinsame Spielen im neuen Jahr, das jährliche Lehrerkonzert, regelmässiges gemeinsames Spielen und Robuki.

Die Praxis des Spielens der Shakuhachi geht weiter, die Shakuhachi-Gesellschaft Schweiz freut sich auf die nächsten 20 Jahre.

 

Theodor Fröhlichs erste Weihnachtsmusik

Seit ihrer Uraufführung zu Lebzeiten des Aargauer Komponisten lag die frühere seiner «Weihnacht-Cantaten» im Archiv. Unter der Leitung von Luiz Alves da Silva erlebte sie nun ihre zweite, erweiterte Aufführung.

Bild: zVg/froehlich-gesellschaft.com

Der Frühromantiker Friedrich Theodor Fröhlich (1803–1836)  wird auch als «Schweizer Schubert» bezeichnet. Wie dieser hat er das Klavierlied bevorzugt, darunter auch umfangreiche Liederzyklen, virtuose Klavier- und Kammermusik. Die hohe musikalische Begabung des in Brugg geborenen Lehrerssohn wurde früh erkannt und gefördert. Dank eines Stipendiums des Kantons Aargau konnte er in Berlin Musik studieren.

Die dortige rege Musikszene inspirierte den Schweizer. Er erlebte mit, wie der 20-jährige Mendelssohn Bartholdy 1829 mit der Berliner Singakademie Bachs Matthäuspassion aufführte. Doch er selbst konnte als Komponist in der Grossstadt nicht wirklich Fuss fassen, er kehrte etwas frustriert nach Hause zurück.

Seinen ersten Berlin-Aufenthalt (1823/24), damals noch als Jurastudent, hatte Fröhlich krankheitshalber unterbrechen müssen. Er wohnte wieder in Brugg, als er 1825 diese Weihnacht-Cantate, wie er sie nannte, komponierte und dort wahrscheinlich auch aufführte. Die Aufführung am 29. November 2025 mit Luis Alves da Silva und seinem Vokalensembles Ton an Ton ist demnach die zweite – nach genau 200 Jahren. Entdeckt hat da Silva die Kantate in Fröhlichs Nachlass, der in der Universitätsbibliothek Basel liegt.

Einfacher, weniger exaltiert und doch anspruchsvoll

Das Original dieser Weihnacht-Cantate ist für eine abendfüllende Aufführung zu kurz. So hat da Silva die Partitur nicht nur auf Computer übertragen, er hat sie auch mit sechs weiteren Nummern aus Fröhlichs Feder ergänzt. Es handelt sich um zwei weihnachtliche Klavierlieder, das Terzett Die heiligen drei Könige und um zwei Chorsätze aus Fröhlichs späterer Weihnacht-Cantate von 1830.

Diese zweite Kantate wurde 2023 in der Kirche Brugg aufgeführt. Michael Kreis interpretierte sie mit dem Vokalensemble Cantemus. Sie ist im Vergleich zur wiederentdeckten früheren nicht nur deutlich ausufernder, sie ist auch ein formales Kuriosum. (Anm. Red. siehe Rezension SMZ 12/2021, S. 22). Darüber hinaus ist sie für eine Weihnachtskantate ungewohnt dramatisch.

Die frühere Kantate ist schlichter und in der Besetzung weniger exaltiert. Man erkennt bereits die sprudelnde Fantasie des 23-Jährigen, seine innige Musikalität und die Vorliebe für den fugierten Satz. Die Ansprüche an den Chor sind hoch. Das Vokalensemble Ton an Ton vermochte in Windisch die extrem weiten Lagen intonationssicher zu meistern. Und es wusste den freudigen Gestus dieser Musik ansprechend zu vermitteln.

Altmodische Sprache, heitere Musik

Besonders auffällig in Fröhlichs Chorwerken ist die Klavierbegleitung. Dieser Part ist immer technisch fordernd und hochvirtuos – Fröhlich war eben auch ein brillanter Pianist. Im Konzert in Windisch begleitete der Pianist Daniel Schnurrenberger mit engagierter Hingabe, technisch souverän und ausdrucksstark.

Die drei Solopartien hat da Silva mit lauter Männerstimmen besetzt, die höchste Partie sang der Altus Jonathan Kionke. Einleuchtend war dies vor allem im eingefügten Terzett Die heiligen drei Könige (Nr. 4) auf einen humorvollen Text von Johann Wolfgang von Goethe. Die drei Sänger – neben Kionke auch der Tenor Rafael Oliveira und der Bassbariton Guilherme Roberto – gaben diese «scheinheiligen» Könige mit charmantem Augenzwinkern.

Goethes Text stach auch deshalb hervor, weil der eigentliche Kantatentext von Fröhlichs Bruder Abraham Emanuel (1796–1865) stammt. Dieser war Theologe und Altphilologe. Als ihm, dem rebellischen Freigeist, das Pfarramt in Brugg verwehrt wurde, übernahm er ein Lehramt an der Kantonsschule Aarau. Er schrieb viele, vor allem vaterländische Gedichte, aber auch bitterböse Fabeln. Sein Stil wirkt auch in dieser Kantate eher altmodisch. Dies tat Theodor Fröhlichs freudiger Weihnachtsmusik jedoch keinen Abbruch, das Publikum war begeistert.

Neue Dozierende Schlagzeug in Luzern

Seit dem Herbstsemester 2025 unterrichten Iwan Jenny und Daniel Higler an der Hochschule Luzern – Musik Schlagzeug mit Schwerpunkt Orchester.

Iwan Jenny (links) und Daniel Higler. Fotos: zVg/HSLU – Musik

Die Hochschule Luzern schreibt über die neuen Dozierenden:

Iwan Jenny, geboren 1979, aus Escholzmatt-Marbach LU, ist ein vielseitig interessierter Schlagzeuger. Neben seiner Orchesteranstellung pflegt er eine rege, freischaffende Konzerttätigkeit in unterschiedlichen Formationen. Er studierte an der Hochschule Luzern – Musik bei Erwin Bucher. Beide Master-Studiengänge Musikpädagogik und Orchester schloss er mit dem Höchstprädikat ab. Es folgte ein weiteres Schlagzeugstudium bei Franz Lang an der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen in Deutschland. Durch den Gesamtsieg am Schweizerischen Schlagzeugwettbewerb 2002 erhielt er ein Stipendium für einen Studienaufenthalt am Drummers Collective in New York. Von 2008 bis 2012 war Iwan Jenny Schlagzeuger im Musikkollegium Winterthur, seit 2012 amtiert er als Solo-Pauker im Luzerner Sinfonieorchester. Ausserdem ist er festes Mitglied des Swiss National Orchestra, des 21st Century Orchestra sowie des Swiss Brass Consort und spielt als Gast in diversen Schweizer Barockorchestern. Iwan Jenny wurde mehrfach als Preisträger von Wettbewerben ausgezeichnet (u.a. Friedl Wald-Stiftung Basel, Axelle und Max Koch-Kulturstiftung Luzern).

Daniel Higler, geboren 1992, aus Villingen-Schwenningen, ist Schlagzeuger und Pauker, der sowohl im klassischen Konzertsaal als auch auf der Konzertbühne zu Hause ist. Nach dem Bachelorstudium an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart und dem Masterstudium an der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen spezialisierte er sich auf das Orchesterspiel. Erste wichtige Erfahrungen sammelte er in Akademien und Praktika bei Klangkörpern wie dem SWR Symphonieorchester und den Stuttgarter Philharmonikern. Es folgten Engagements u. a. beim Frankfurter Opern- und Museumsorchester. Seit 2023 ist Daniel Higler Solo-Pauker und Schlagzeuger beim Theater Orchester Biel Solothurn. Neben seiner Tätigkeit im Orchester pflegt er eine grosse stilistische Bandbreite: So war er unter anderem als Solist mit der Jungen Deutschen Philharmonie zu hören oder brachte er zusammen mit dem SWR Vokalensemble zeitgenössische Werke zur Uraufführung. Auch abseits des klassischen Repertoires war Daniel Higler aktiv, etwa als Drumset-Spieler auf Tourneen mit dem Liedermacher Konstantin Wecker.

Offener Brief im Hinblick auf die Abstimmung zur «Halbierungsinitiative» im März 2026

130 Personen insbesondere aus dem Bereich der Musik haben einen offenen Brief im Hinblick auf die Abstimmung zur «Halbierungsinitiative» im März 2026 unterschrieben.

Zürich, im Dezember 2025

Sehr geehrte Musikerinnen, Musiker, Kulturschaffende, Nutzerinnen und Nutzer der Angebote der SRG
Sehr geehrte Frau Susanne Wille

Im März 2026 werden wir über die Halbierungsinitiative abstimmen. Wir können nicht früh genug in Stellung gehen, um uns gegen diesen Angriff auf unsere öffentlich-rechtliche Sendeanstalt zu wehren. Die SRG ist unter anderem der unabhängigen Information, der Repräsentation der Vielfalt der Kulturen in unserem Land, dem Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit und der Ver­öffentlichung der Anliegen von Minderheiten verpflichtet. Sie kommt in allen Landesteilen und Landessprachen ihrer Aufgabe nach. In Erfüllung ihres Auftrages ist sie für unser Land im Hinblick auf die Aufrechterhaltung demo­kra­tischer Verhältnisse und die Stärkung des Zusammengehörigkeits­gefühls unverzichtbar. Keine kommerziell ausgerichtete und von Partikularinteressen gesteuerte private Sendeanstalt kann auch nur in Ansätzen der genannten Aufgabenstellung gerecht werden. Wir sind aufgerufen, in der kommenden Zeit in Gesprächen und anlässlich allfälliger öffentlicher Auftritte unsere Solidarität mit der SRG kundzutun und für eine Ablehnung der erwähnten Initiative zu sorgen.

Diese Verpflichtung ist bindend, ungeachtet dessen, dass in aller Schärfe gegen Massnahmen, die in der Chefetage der SRG in den letzten Monaten beschlossen wurden, protestiert werden muss. Die Strategie der Rechtspopulisten, die auf die Aushöhlung der demokratischen Verhältnisse abzielt, beinhaltet unter anderem Angriffe auf unabhängige Medien und die Freiheit der Wissenschaften und der Künste. Die Streichung von Formaten beispielsweise in den Fachbereichen Literatur und Wissen­schaft und zuletzt im Bereich Musik – «Musik unserer Zeit» – bedeutet ein vorauseilendes Entgegen­kommen den genannten rechtsradikalen Tendenzen gegenüber und eine Abkehr von zentralen Punkten, die im Pflichtenheft des Service Public verzeichnet sind.

Die grossen Kulturverbände der Schweiz haben bislang von einer öffentlich wirksamen Stellung­nahme zu diesen Streichungen Abstand genommen – vermutlich in der Absicht, den Abstimmungs­kampf gegen die Halbierungsinitiative nicht durch Kritik an der SRG zu schwächen. Dezidiertes Einstehen für eine weitere ausreichende Finanzierung der SRG und Kritik an Entscheiden der Chef­etage gehören aber im Hinblick auf die aktuelle Lage und zukünftige Entwicklungen zusammen. Die SRG verdient unsere Unterstützung um ihrer Alleinstellungsmerkmale willen. Ihre gegenwärtige Strategie der Anpassung an das Marktgängige bedeutet eine Missachtung des Auftrags, der eine ausreichende Finanzierung durch die Öffentlichkeit erst rechtfertigt. Als Strategie des Managements im Abstimmungskampf wären beispielsweise statt der Tilgung von Sendungen wie «Wissenschafts­magazin» und «Musik unserer Zeit» die dezidierte Fortsetzung des Dialoges zwischen Wissenschaft und Gesellschaft und die sorgfältige Pflege profunder journalistischer Arbeit im kulturellen Sektor angesagt.

Die Marktforschung mag die Zuhörerinnen und Zuhörer der musikalisch-literarischen Feuilletons von Espace deux als Quantité négligeable betrachten, ebenso wie die eingeschworenen Fans des «Klassik­telefon» oder das treue Auditorium des «Echo der Zeit» – um beim Beispiel der Radio­sendungen zu bleiben. Im Hinblick auf die kommende Abstimmung soll nicht vergessen werden, dass dieses Stammpublikum bereit ist, mobilisierend für die SRG einzustehen.

Die SRG muss auf Widerstand statt Anpassung setzen, auf ihre Einzigartigkeit – wenn sie nicht ihr eigenes Grab schaufeln will. Sie muss sich dringend daran erinnern, welche Kernbereiche ihres Auftrags sie be­schützen muss und wer in der Zivilgesellschaft ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter, ihre Verbündeten im Kampf gegen die Halbierungsinitiative sind.

Die Unterzeichnenden in alphabetischer Reihenfolge

Heinrich Aerni, Ingrid Alexandre, Dieter Ammann

Ulrike Andersen, Monika Baer, Nik Bärtsch

Werner Bärtschi, André Baltensperger, Philip Bartels

Felix Baumann, Peter Baur, André Bellmont

Elisabeth Berger, Marino Bernasconi, Ramon Bischoff

William Blank, Dominik Blum, Bettina Boller

Hugo Bollschweiler, Thüring Bräm, Esther de Bros

Albin Brun, Catriona Bühler, Christiane Bult

Peggy Chew, Jessie Cox, Flurin Cuonz

Reto Cuonz, Therese Cuonz-Räz, Jürg Dähler

Claudio Danuser, Daniela Dolci, Mariana Doughty

Alfred Felder, Adrian Frey, Daniel Fueter

Thomas Gartmann, Bettina Ginsberg, Roger Girod

Katharina Gohl, Anna-Katharina Graf, Kathrin Graf

Ivo Haag, Jonas C. Haefeli, Viviane Hasler

Edu Haubensak, Doris Hauser, Fritz Hauser

Ruedi Häusermann, Hanna Helfenstein, Horst Hildebrandt

Christian Hilz, Jeannine Hirzel, Beat Hofstetter

Christoph Homberger, Raphael Immoos, Markus Jans

Mischa Kaeser, Eriko Kagawa, Vera Kappeler

Christoph Keller, Max E. Keller, Simone Keller

Burkhard Kinzler, Michael Kleiser, Christian Kobi

Canan Kocaay, Tamriko Kordzaia, Niklaus Kost

Herbert Kramis, Hanspeter Kriesi, Anne-May Krüger

Jojo Kunz, Annette Labusch, Matías Lanz

Leslie Leon, Heinrich Mätzener, Delia Mayer

Thomas Meyer, Roland Moser, Moritz Müllenbach

Marie-Louise Müller Choquard, Martin Neukom, Lucas Niggli

Anne-Catherine de Perrot, Stefka Perifanova, Peter Reidemeister

Felix Renggli, Nicola Romanò, Petra Ronner

Michel Roth, Johannes Rühl, Bettina Ruf

Edward Rushton, Nina Sahdeva, Claudine Saner

Urs Saner, Evangelos Sarafianos, Tobias Schabenberger

Sir András Schiff, Isabelle Schnöller, Oliver Schnyder

Muriel Schwarz, Meinrad Schweizer, Yuuko Shiokawa

Peter Siegwart, Rahel Sohn, Peter R. Solomon

Bruno Spoerri, Eleonor Stähli, Jacques Stähli

Urs Stäuble, Egidius Streiff, Monica Thommy

Germán Toro Pérez, Balz Trümpy, Saadet Türköz

Nina Ulli, Christoph Ullmann, Petra Vahle

Katharina Weber, Urs Weibel, Andreas Werner

Peter Wettstein, Maki Wiederkehr, Helena Winkelman

René Wohlhauser, Maria Wolff, Alfred Zimmerlin, Samuel Zünd

 

PDF-Download des Originalbriefs

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PS

«Wenn 100 000 Menschen James Last hören wollen und 1 Mensch Anton Webern, muss man nicht 100 000 Stunden James Last senden und 1 Stunde Webern, sondern 1 Stunde James Last und 1 Stunde Anton Webern. Da nämlich alle 100 000 gleichzeitig hören können, kommen alle 100 000 Last-Freunde auf ihre Rechnung und der Webern-Freund auch. Das ist Demokratie.»

Urs Frauchiger (1936–2023)
Cellist und Autor, betreute von 1970 bis 1977 die Musikabteilung im Studio Bern des Deutschschweizer Radios; 1992 bis 1997 leitete er die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia.

 

Bild: SMZ

Jodeln ist immaterielles Kulturerbe der Unesco

Die Unesco hat das Jodeln als emblematischen Gesang der Schweiz, der tief in der Bevölkerung verankert ist, in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

Der Jodel umfasst eine grosse Vielfalt künstlerischer Ausdrucksformen. Foto: BAK/Unesco-Dossier

Das Bundesamt für Kultur schreibt:

«An ihrer zwanzigsten Sitzung in Neu-Delhi (Indien) hat das Zwischenstaatliche Komitee der UNESCO für die Bewahrung des immateriellen Kulturerbes das Jodeln in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. In ihrer Entscheidung hebt die UNESCO die Qualität des eingereichten Dossiers und den soliden partizipativen Prozess hervor, der zur Kandidatur geführt hat.

Als charakteristische Gesangstechnik wechselt das Jodeln zwischen Brust- und Kopfstimme und verwendet bedeutungsfreie Silben, die oft mit lokalen Dialekten verbunden sind. Man unterscheidet zwischen dem Naturjodel, der aus Melodien ohne Text besteht, und dem Jodellied, das Strophen und gejodelte Refrains verbindet und häufig Natur- und Alltagserfahrungen thematisiert. Ob solistisch, in kleinen Gruppen oder in Chören – manchmal begleitet von Instrumenten wie dem Akkordeon – zeichnet sich der Jodel durch seinen reichen Klang und seine Präsenz an Konzerten, Festen und Wettbewerben aus, die oft mit dem Tragen regionaler Trachten verbunden sind.

Das Jodeln ist äusserst beliebt und wird in Familien, Vereinen, Musikschulen oder einfach unter Sängerinnen und Sängern weitergegeben. Über 12 000 Jodlerinnen und Jodler sind Mitglied einer der 711 Gruppen des Eidgenössischen Jodlerverbands, doch die Praxis wird auch ausserhalb von Vereinen und Chören gepflegt. Zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler lassen sich ebenfalls davon inspirieren, was die Lebendigkeit einer sich ständig weiterentwickelnden Tradition bestätigt.

Die im März 2024 eingereichte Kandidatur wurde vom Bundesamt für Kultur (BAK) unter Einbezug von Jodel-Expertinnen und -Experten sowie von einschlägigen Organisationen (s. Liste unten) koordiniert. Dieser kollaborative Prozess hat ermöglicht, die Herausforderungen zu identifizieren, die für die Weitergabe des Jodelns an künftige Generationen entscheidend sind: Nachwuchsförderung, nationale Koordination, Ausbildung, Dokumentation und Forschung. Dazu wurden gemeinsam Massnahmen definiert, unter anderem zur Stärkung der Zusammenarbeit, zur Entwicklung neuer Aus- und Weiterbildungsangebote, zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit sowie zur Unterstützung der Praktizierenden.»

Partnerorganisationen

Link zur Medienmitteilung beim Bundesamt für Kultur

Dissonanter Knopfgiesser und Klangflächen für Solvejg

Bekannter als Henrik Ibsens Theaterstück ist Edvard Griegs Schauspielmusik zu «Peer Gynt». Das Basler Orchester TriRhenum spielte sie im Wechsel mit Lukas Langlotz’ «Rounds», das ebenfalls dem «nordischen Faust» nachspürt.

Das ambitionierte Laienorchester TriRhenum spielt seit 1999 unter der Leitung von Julian Gibbons.                       Foto: Johann Frick

Das Sinfonieorchester TriRhenum fällt in der Basler Musiklandschaft durch seine oft originellen Programme mit eher selten gespielten Werken und Kompositionsaufträgen an Basler Komponisten auf. Oder durch besondere Konzertformate wie The Basel Night at the Proms. Gegründet wurde das ambitionierte Laienorchester mit Mitgliedern aus der Nordwestschweiz und Südbaden 1999 von dem aus England gebürtigen Dirigenten und Hornisten Julian Gibbons, der es bis heute leitet. Jährlich werden zwei Konzertprogramme erarbeitet. Das jüngste, aufgeführt in der Basler Martinskirche (mit Wiederholung in Reinach BL), war dem Thema «Peer Gynt» gewidmet. Es wurden aber nicht nur Ausschnitte aus Griegs Schauspielmusik op. 23 sowie die beiden Orchestersuiten op. 46 und op. 55 gespielt, sondern auch eine Uraufführung des 1971 geborenen Komponisten Lukas Langlotz: Rounds. Vier Tableaus zu «Peer Gynt». Langlotz ist in Basel kein Unbekannter, unterrichtet er doch an der Musikakademie Komposition, Musiktheorie, Gehörbildung und Partiturspiel. Studiert hat er unter anderem bei Rudolf Kelterborn und Betsy Jolas. Seine Werke haben oft einen religiösen Hintergrund oder beziehen sich auf historische Musik.

Die Konzertdramaturgie folgt dem Drama

Die Entscheidung, die Werke von Grieg und Langlotz nicht hintereinander, sondern ineinander verwoben aufzuführen, erwies sich als sehr gut. Die Sprecherin Dominique Gisler vertiefte das Verständnis mit eingeschobenen Zitaten aus dem Drama. Der Abend war eine hervorragende Motivation, sich mit Ibsens Werk über die Identitätssuche und -findung seines Helden zu beschäftigen. Peer Gynt, ein Reisender zwischen Traum und Realität, der Welt der Berggeister und der Welt des 19. Jahrhunderts, ist eigentlich eine durch und durch unsympathische Person ohne Empathie, ohne Respekt gegenüber Frauen, dafür mit grössenwahnsinnigen Weltherrschaftsfantasien. Als Kaufmann und Sklavenhändler in Afrika reich geworden, lügt er sich sein nutzloses Leben zurecht. Um alle seine Reichtümer betrogen, kehrt er als alter Mann nach Norwegen zurück. Der «Knopfgiesser», ein Todesengel oder Teufelsabgesandter, sagt ihm sein Ende voraus, gerettet wird er durch Solvejg, die ihr ganzes Leben in einer Hütte auf ihn gewartet hat und ihn liebt. Sie wird oft als Personifikation von Peers Seele interpretiert.

Ibsens Werk, gelegentlich als «nordischer Faust» bezeichnet, basiert zwar auf Feenmärchen, ist aber auch eine bitterböse Satire auf seine Zeit. Die lyrische und folkloristische Musik Griegs, der sich mit der Person von Peer Gynt überhaupt nicht identifizieren konnte, passt nicht besonders gut zum Drama, ist aber beim Konzertpublikum enorm beliebt. Für ein Amateurorchester wie das Sinfonieorchester TriRhenum, das von Julian Gibbons offensichtlich gut vorbereitet wurde, ist sie sehr dankbar. Man hörte einige herausragende solistische Leistungen (Viola, Oboe, Flöte, Klarinette) und eine sehr homogene Streichergruppe. Intonationstrübungen in den Bläsern fielen nicht allzu stark ins Gewicht.

Langlotz’ «Theatermusik»

Das Orcheste meisterte auch das neue Werk von Lukas Langlotz – in den Worten des Komponisten «Theatermusik ohne Bühne» – gut. Rounds verzichtet zwar auf ungewöhnliche Spieltechniken, ist aber durchaus zeitgenössische Musik, wenn auch nicht in ihrer avantgardistischsten Ausprägung. Der erste Teil, der Peer charakterisiert, könnte vielleicht auch vom späten Penderecki stammen, der zweite Satz, ein Scherzo in Rondoform, das einerseits die Trollwelt, aber auch die Atmosphäre im Irrenhaus in Kairo schildert, steht in der Tradition der Scherzos von Mahler oder Schostakowitsch, ohne aber deren Biss und grimmigen Humor zu besitzen. Die «Knopfgiesser»-Musik des dritten Teils – momentweise sehr dissonant – ist eindringlich, und der letzte Abschnitt, der Solvejg gewidmet ist, enthält schöne Klangflächen, aus denen der Pfingsthymnus Veni Creator Spiritus auftaucht. Er schliesst quasi mit einem Fragezeichen. Wie im Theaterstück bleibt das Ende offen. Das Publikum in der gut besuchten Kirche war begeistert.

Eingesandte Bücher

Die Musikbücher in den untenstehenden Listen sind auf der Redaktion eingegangen oder uns als Neuerscheinungen angezeigt worden.

Grafik: VisualGeneration/depositphotos.com

Eingegangene Musikbücher Juli–Dezember 2025

  • Michael Schwalb: Paul Sacher. Fortschritt durch Rückschau, 129 S., ca. € 20.00, Edition Text + Kritik, München 2025, ISBN 978-3-96707-923-4
  • Erik Hug: Die Geschichte der progressiven Musik. Ein Versuch auf 39 Stufen, 111 S., Fr. 33.00 (plus Porto/Verpackung), Selbstverlag, erikh@bluewin.ch
  • Roman Brotbeck: Heinz Holliger. Gespräche, Kommentare und Texte, 350 S., €36.99, Schott, Mainz, ISBN 978-3-7957-3399-5
  • Home is Where the Heart Strives, ed. by Philipp Rhensius, Janina Neustupny, Thomas Burkhalter, Hannes Liechti, and Vinzent Maria Preuss, 312 pages, € 29.00 (Print), Norient Books, Bern 2025, ISBN 9783952544464
  • Geschichte der musikalischen Interpretation im 19. und 20. Jahrhundert. Band 4: Personen – Stile – Konzepte, hg. von Heinz von Loesch, Rebecca Wolf und Thomas Ertelt, 712 Seiten, € 79.99, Bärenreiter / J.B. Metzler, Kassel / Stuttgart 2025, ISBN 978-3-7618-2081-1
  • Markus Meier: Geächtet, geliebt und geduldet. Die Orgel im nachreformatorischen Toggenburg, 400 S., Fr.48.00, Chronos, Zürich 2025, ISBN  978-3-0340-1796-1
    >>> Rezension von Tobias Willi
  • Ferruccio Busoni, Arnold Schönberg: Dialogo sulla musica moderna. Carteggio – Scritti di Busoni con annotazioni inedite di Schönberg, 520 p., € 36.00, Giometti & Antonello, Macerata 2025
  • Iso Camartin: «Nessun dorma – Niemand schlafe! Arien, Duette, Ensembles – 48 Oasen des Wohlklangs, 288 S., Fr. 32.00, Rüffer & Rub, Zürich 2025, ISBN 978-3-907351-38-3
  • Ereignis und Geschichte. Die Internationalen Ferienkurse für Neue Musik, Darmstadt 1962–1994, hg. von Susanne Heiter und Dörte Schmid, 560 S., € 48.00, Edition text+kritik, München 2025, ISBN 978-3-96707-010-1
  • Heike Plitt: Die Gitarre im psychotherapeutischen Raum, 140 S., € 22.00, Reichert, Wiesbaden 2025,  ISBN 9783752008869
  • Mateusz Borkowski: Zauberer der Geige. Henryk Wieniawski – Leben und Zeit, aus dem Polnischen von Peter Oliver Loew, 146 S., € 19-80. Harrassowitz, Wiesbaden, 2025, ISBN 978-3-447-12300-6
  • Klaus Wloemer: Josef Reinhart und die Musik. Die Rolle der Musik in seinem literarischen Werk, mit einem Verzeichnis der Vertonungen seiner Gedichte von 1897 bis zur Gegenwart, 954 S., Fr. 128.00, Schwabe, Basel 2025, ISBN 978-3-7965-5351-6
  • Giuliano Musio: Da ist ein Riss, Begleittext zu Beethovens «Egmont», 118 S., Fr. 17.00, Edition Taberna Kritika, Bern 2025, ISBN 978-3-905846-79-9
  • Kai Marius Schabram: Claudio Arrau, Universalist des Klaviers, 214 S., € 26.00, Solo Porträt, Edition Text + Kritik, München 2025, ISBN 978-3-96707-788-9
  • Rebekka Susanne Bräm: Das Theater mit dem Regietheater – die Oper braucht ihre Würde zurück! Gedanken aus dem Hotpot, 175 S., Fr. 39.90, Verlag BoD Books on Demand, Hamburg 2025, ISBN 978-3-7583-3640-9
  • The Techniques of E-Guitar Playing, hg. von Seth F. Josel and Michelle Lou, 303 S., € 69.00, Bärenreiter, Kassel 2025, ISBN 978-3-7618-2424-5
  • Norbert Schläbitz: »Form follows content« oder: Wider die Mainstreamforschung – für Forschungspluralismus in der Musikpädagogik, (= Studien zur Musikkultur, Band 12), 236 S., € 39.90, Waxmann,Münster 2025, ISBN 978-3-8188-0058-1, Open Access
  • Andreas Häberlin: A Music Transcription Method. Notating Recorded Music by Ear, 178 p., ca. € 39.00, Routledge, New York 2025, ISBN 9781032842547, Open Access
  • Akademisierung der Künste. Situierung, Episteme, Kodifizierung, hg. von David Hagen, Jan Lazardzig, Thekla Neuss, Angela Nikolai und Dörte Schmidt, ca. 340 S., ca. € 34.00, Edition Text+ Kritik, München, ISBN 978-3-68930-000-5
  • Reverberations of Empire? Opera in the Contexts of (De)Colonial and Postcolonial Thought, hg. von Lena van der Hoven und JBOM, (= Journal of Black Opera and Music Theatre, No 1 Nov. 2025), 208 p., Bern Open Publishing
  • Robert Oboussier. Beiträge zu einem verschwiegenen Opus / Contributions à propos d’un opus réduit au silence, hg. von Ramon Bischoff, 208 S., dt/frz, Fr. 45.00, Edition Clandestin, Biel 2025, ISBN 978-3-907262-72-6
  • Res Marty: Linien & Klang. Dokumente & Geschichten aus dem Joachim-Raff-Archiv, 234 S., Fr. 30.00, Joachim-Raff-Gesellschaft, Lachen 2025, ISBN 978-3-033-11783-9, Bezugsquelle: res.marty@bluewin.ch

Eingegangene Musikbücher Januar–Juni 2025

  • Jan Tamaru: Fach(v)erkennung. Stimmfachdiagnose im Gesangsunterricht, Mit einer Auswertung der Typenlehre nach C. G. Jung für die Gesangspädagogik, 192 S., € 39.90, Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 2023 ISBN 978-3-7651-0488-6
  • Ich bin ein Theatermensch. Udo Zimmermann – Erinnerungen und Dokumente, hg. von Saskia Zimmermann und Matthias Herrmann, 408 S., € 49.00, Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 2024 ISBN 978-3-7651-0513-5
  • Michael Wertmüller, Sonderband Musik-Konzepte XI/2024, hg. von Ulrich Tadday, 248 S., Edition Text + Kritik, München 2024, ISBN 978-3-96707-969-2
  • Kirstin Thielemann: Voll entspannt. Ruhe und Konzentration für Ihren Musikunterricht, 104 S., Online-Material, € 24.50, Schott, Mainz 2025, ISBN 978-3-7957-3315-5
    >>> Rezension von Torsten Möller
  • Philip Herschkowitz: Über Musik. Biografisches. Das musiktheoretische Werk. Das kompositorische Werk, hg. von Heidemarie T. Ambros, Alexei Lubimov, Elisabeth Leonskaja, Alexei Grots, 444 S., € 48.00, Hollizer, Wien 2024, ISBN 978-3-99094-139-3
  • Michaela Fridrich: Musik unvermittelt. Eine Utopie, 127 S., € 22.00, Edition Text + Kritik, München 2025, ISBN 978-3-96707-738-4
  • Jessie Cox: Sounds of Black Switzerland. Blackness, Music and Unthought Voices, 250 p., Duke University Press, Durham and London 2025, ISBN 978-1-4780-3143-7
  • Künstliche Intelligenz der Töne. Ethik und Ästhetik digitaler Musikkultur, hg. von Michael Schmidt, 120 S., Edition Text + Kritik, München 2025, ISBN 978-3-68930-030-2
    >>> Rezension von Wolfgang Böhler
  • Sigfried Schibli: Musikleben im Baselbiet, Bild-Geschichten BL Band 12, 121 S., Fr. 23.00, Verlag Baselland, Liestal 2025, ISBN 978-3-85673-706-1
  • Musiktherapeutische Impulse für die Musikpädagogik. Erweiterte Perspektiven, hg. von Karin Holzwarth, Dorothee von Moreau, Jonas Dietrich, Hans Bäßler, 186 Seiten, br., € 29.90, Waxmann, Münster 2024, ISBN 978-3-8309-4946-6
  • Leonard Bernsteins Poetik, hg. von Andreas Eichhorn und Paul R. Laird, 300 S., € 34.00, Edition Text + Kritik, München 2025, ISBN 978-3-96707-683-7
  • Melanie Unseld: Musik und Erinnerung. Ein Studienbuch, ca. 250 S., Rombach, ISBN 978-3-96821-886-8
    >>> Rezension von Torsten Möller
  • Sinne / Sinn. Zeitgenössische Musik dies- und jenseits von Hermeneutik und Analyse, hg. von Kathrin Kirschund Joe Reinke, 230 S., € 29.00, Georg Olms, Baden-Baden 2025, ISBN 978-3-487-17063-3
  • Schweizer Chorleben seit 1800 – Musik, Praxis und Kontexte; Vie chorale n Suisse depuis 1800 – Musique, pratiques et contextes, hg. von Caiti Hauck und Cristina Urchueguía. Bern Open Publishing, ISBN 978-3-03917-080-7, open access
  • Julien Cachemaille und Caiti Hauck: Drei Schweizer Chorsänger im 19. Jahrhundert, basierend auf den Forschungsprojekt CLEFNI – Das Chorleben in den Städten Bern und Freiburg im langen 19. Jahrhundert, Comic, erhältlich auf Deutsch oder Französisch, Editions de la Chaussette, Yvonand 2025, ISBN 978-2-940564-34-7, open access
  • Sean Prieske: Musik und Flucht. Musikalische Praktiken geflüchteter Menschen in Berlin, (= Musikethnologie im 21. Jahrhundert, Band 2), 395 S., € 99.00, Rombach, Baden-Baden 2025, ISBN 978-3-98858-096-2
  • Alfons Huber: Clavichordbau 1400–1800, 845 S., € 115.80, Praesens Verlag, Wien 2025, ISBN 9783706912518
  • Bruno Matti: Die Eisbären im Land der Schneefelsen, Fantasy-Roman mit Musik, die via QR-Codes abgespielt werden kann, Fr. 35.00, Selbstverlag, matelier.ch, ISBN 978-3-033-10915-5
  • Töne für die Seele, Musik in St. Galler Handschriften, hg. Stiftsbibliothek St. Gallen, 104 S., Fr. 25.00, Schwabe, Basel 2025, ISBN 978-3-7965-5344-8
  • Handbuch Musikanalyse. Pluralität und Methode, hg. von Ariane Jessulat, Oliver Schwab-Felisch, Jan Philipp Sprick und Christian Thorau, 766 S., € 129.99, Bärenreiter-Verlag / J.B. Metzler Kassel/Stuttgart 2025, ISBN 978-3-7618-2065-0
  • Musical Talent and its Promotion in Chinese and Western Worlds, ed. By Marc-Antoine Camp, Xavier Bouvier, Suse Petersen, Annatina Kull, 174 S., E-Book, kostenlos, Chronos, Zürich 2025, open access
  • Marina Schieke-Gordienko: Ferruccio Busoni, Pianist und Kosmopolit, Solo-Reihe, 171 S., € 24.00, Edition Text + Kritik, München 2025, ISBN 978-3-96707-909-8
  • Rollen und Funktionen von Musik in der digitalen Ära / Music’s Roles and Functions in the Digital Era, hg. von Corinna Herr, Wolfgang Fuhrmann, Veronika Keller, 402 S., € 99.00, Rombach, Baden-Baden 2025, ISBN 978-3-98858-007-8
  • Christiane Wiesenfeldt: Musik und Heimat, 286 S., € 39.99, Bärenreiter, Kassel 2025, ISBN 978-3-7618-2658-4

 

Eingegangene Musikbücher Juli–Dezember 2024

  • Anton Voigt: Alfred Cortot. Tastenpoet – Lehrer – Kulturakteur, Solo Porträts und Profile, 285 S., € 28.00, Edition Text+Kritik, München 2024, ISBN 978-3-96707-708-7
  • Köchel-Verzeichnis, Thematisches Verzeichnis der musikalischen Werke von Wolfgang Amadé Mozart, Neuausgabe 2024, bearbeitet von Neal Zaslaw, vorgelegt von Ulrich Leisinger unter Mitwirkung von Miriam Pfadt und Ioana Geanta, BV 300, CXXV + 1263 S., € 499.00, Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 2024
    >>> Rezension von Dominik Sackmann
  • Corinne Holtz: Welt im Werk. Klaus Huber (1924–2017), Biografie, 309 S., Fr. 54.00, Schwabe, Basel 2024, ISBN  978-3-7965-5148-2
  • Hanspeter Spörri: Steff Signer. Die musikalische Biografie, Ein Stück Schweizer Rock-, Pop- und Highmatt-Geschichte, 400 S., Appenzeller Verlag, Schwellbrunn 2024, ISBN 978-3-85882-888-0
    >>> Rezension von Hanspeter Künzler
  • Ernst Kurth / Guido Adler: Briefwechsel 1908-1936, hg. von Luitgard Schader, 205 S., € 22.80, Königshausen & Neumann, Würzburg 2024, ISBN 978-3-8260-7969-6
  • Barbara Busch und Barbara Metzger: 44 Warm-ups für den Instrumentalunterricht, (=üben & musizieren Praxis), 80 S., € 24.50, Schott, Mainz 2024, ISBN 978-3-7957-3172-4
  • Joachim Kühn und Michael Brüning: Der Kühnfaktor. Frei + unabhängig: no Limits im Jazz, 320 S., € 24.95, Alfred Music, Köln 2024, ISBN 978-3-947998-59-3
  • Briefwechsel Arnold Schönberg – Heinrich Jalowetz, hg. von Simon Obert, (=Veröffentlichungen der Paul-Sacher-Stiftung, Band 13; Briefwechsel der Wiener Schule, Band 7), 408 S., Schott, Mainz 2024, ISBN 978-3-7957-3341-4
  • Howard Griffiths: Barboza und der klingende Baum — eine musikalische Reise durch die Schweiz, Musik Fabian Künzli, gespielt vom Mozarteumorchester Salzburg; Erzähler Fernando Tiberini Illustrationen Andrea Peter, 52 S., Audio-Download, Fr. 29.80, GH 11817, Hug Musikverlage, Zürich 2024, ISBN 978-3-03807-145-7
  • Autoritätsbildung in der Musik, hg. von Bernd Brabec, Marc-Antoine Camp, Dorit Klebe, 280 S., Fr. 38.00, Chronos, Zürich 2024, ISBN 978-3-0340-1734-3
  • Astrid Knöchlein: Verzieren – wie Telemann! Georg Philipp Telemanns Methodische Sonaten und Trietti methodichi, hg. von Claire Genewein, Dorit Führer-Pawikovsky und Peter Schmid, 2 Bd., 57+145 S., Fr. 65.00, Schmid & Genewein, Zürich 2024, ISBN 978-3-033-05348-9
    >>> Rezension von Lukas Nussbaumer
  • Marko Simsa: Walzerschritt und Polkahit. Johann Strauss für Kinder, Bilderbuch mit Musik (CD oder Download), Illustrationen Silke Brix, 32 S., € 24.00, Jumbo, Hamburg, ISBN 978-3-8337-4800-4
  • Peter Benary. Komponist, Musikwissenschafter, Publizist und Dozent, hg. von Niccolò Raselli und Hans Niklas Kuhn, ca. 229 Seiten, ca. Fr. 46.00, Schwabe, Basel 2024, ISBN 978-3-7965-5109-3
    >> Rezension von Torsten Möller
  • Bernhard Suter: Gestaltungsprozesse im Musikunterricht anleiten. Eine Design-based-Research-Studie zur reflexionsgestützten Kompetenzentwicklung von berufseinsteigenden Primarlehrkräften, 334 S., Potsdamer Schriftenreihe zur Musikpädagogik, Bd. 10, Universitätsverlag Potsdam, 2024, ISBN 978-3-86956-567-5, open access
  • Luigi Nono. Zur Frage der Wende, Musik-Konzepte Nr. 206, hg. von Ulrich Tadday, 121S., € 28.00, Edition Text+Kritik, München 2024, ISBN 978-3-96707-966-1
  • Friedrich Chrysander. Musikwissenschaftler der ersten Stunde, hg. von Ivana Rentsch, Hamburg Yearbook of Musicology Band 4, 266 S., € 39.90, Waxmann, Münster 2024, ISBN 978-3-8309-4884-1
  • Wolfgang W. Müller: Musik der Engel. Eine Kulturgeschichte, 264 S., ca. Fr. 28.00, Schwabe, Basel 2024, ISBN 978-3-7965-5128-4
  • Joseph Joachim. Identities / Identitäten, (= Studien und Materialien zur Musikwissenschaft, Bd. 128), hg. von Katharina Uhde und Michael Uhde, 477 S., € 58.00, Georg Olms, Baden-Baden, ISBN 978-3-487-16425-0
  • Michel Roth: Aufs Spiel gesetzt. Eine spieltheoretische Untersuchung indeterminierter Musik, 524 S., Wolke, Hofheim 2024, ISBN 978-3-95593-152-0, open access
  • Julius Otto Grimm – ein Komponist und Dirigent des Brahms-Kreises, hg. von Anna Maria Plischka und Peter Schmitz, 704 S., € 69.90, Waxmann, Münster 2024, ISBN 978-3-8309-4759-2
  • Tania Salvador,aka La Rata: Give it to me! Im Graphic Novel-Stil illustrierter Essay, Gegengeschichte der populären Musik, die Künstlerinnen in den Mittelpunkt rückt, Übersetzung Petra Sparrer, 256 S., € 36.00, Laurence-King-Verlag, Berlin 2024, ISBN 978-3-96244-435-8
  • Daniel Martin Feige: Philosophie der Musik. Musikästhetik im Ausgang von Adorno, 216 S., € 24.00, Edition Text+Kritik, München 2024, ISBN 978-3-689-30028-9
    >>> Rezension von Lukas Nussbaumer
  • Music, Performance, Architecture. Sacred Spaces as Sound Spaces in the Early Modern Period, hg. von Tobias C. Weissmann und Klaus Pietschmann, 312 S., € 69.00, Georg Olms, Baden-Baden 2024, ISBN 978-3-487-16724-4
  • Meinolf Brüser: «Es ist alles Windhauch», Bach und das Geheimnis der «Kunst der Fuge», 177 S., € 39.99, Bärenreiter/J.B Metzler, Kassel/Stuttgart 2024, ISBN 978-3-7618-2654-6
  • Radio Cologne Sound. Das Studio für Elektronische Musik des WDR, hg. von Harry Vogt und Martina Seeber, 287 S., Deutsch/Englisch, ill., mit 5 CDs, € 39.00, Wolke, Hofheim 2024, ISBN 978-3-95593-259-6
    >>> Rezension von Thomas Meyer
  • Luiz Alves da Silva: Zwischen Zürich und Rio de Janeiro, Hausmusik in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, aus dem Portugiesischen von Daniel Schnurrenberger,(=Schweizer Beiträge zur Musikforschung, Band 28),  326 S., € 49.95, Bärenreiter, Kassel 2024, ISBN 978-3-7618-2616-4
  • Gemeinsam neu starten. Perspektiven für Musikvereine nach der Pandemie!?, hg. von Verena Bons, Johanna Borchert, Thade Buchborn, Wolfgang Lessing, (Schriften der Hochschule für Musik Freiburg), 160 S., € 44.00, Georg Olms, Baden-Baden, ISBN 978-3-487-17048-0
  • Nicole Johänntgen und Raffaella Ligi: Schmusebärs klangvolle Reise mit dem fliegenden Stuhl, 28 S., nicolejohaenntgen.com/
  • Michael von Hintzenstern: Klänge des Augenblicks – 44 Jahre Ensemble für intuitive Musik Weimar 1980–2024, 256 S., über 300 Abb., € 44.00, Weimar 2024, ISBN 978-3-00-078834-5, hintzenstern.eu
    >>> Rezension von Torsten Möller

 

Eingegangene Musikbücher Januar–Juni 2024

  • Jannis Mallouchos: Adolf Reichel (1816-1896). Politische, kulturhistorische, musiktheoretische und kompositorische Aspekte eines Musikerlebens, (=Wiener Veröffentlichungen zur Musikwissenschaft, Band 56), 650 S., Hollitzer, Wien 2023, ISBN 978-3-99094-084-6
    >>> Rezension von Max Sommerhalder
  • Studies in the Arts II, Künste, Design und Wissenschaft im Austausch, hg. von Thomas Gartmann, Cristina Urchueguia, Hannah Ambühl-Baur, 313 S., Transcript, Bielefeld 2024, ISBN 978-3-8376-6954-1, Open Access: transcript-verlag.de/media/pdf
  • Revue musicale de Suisse romande, Numéro spécial 75 ans, La musique à Genève au XVe siècle, Décembre 2023, avec CD: La contenance angloise. La chapelle des Ducs de Savoie, dir. Vincent Arlettaz, Revue musicale de Suisse romande RMSR 20232
  • Robert Craft et Igor Strawvinsy: Conversations avec Igor Stravinsky, 192 p., € 16.00, Editions Allia, Paris 2024, ISBN 979-10-304-1836-1
  • Mathias Gredig: Grandhotels, Risotto und Bomben, Geschichte der futuristischen Geräuschkunst, Fröhliche Wissenschaft 232, 173 S., € 15.00, Matthes & Seitz, Berlin 2024, ISBN 978-3-7518-3012-6
    >>> Rezension von Thomas Meyer
  • Rien de Reede: The School of Blavet, Flutist in Paris in the Second Half oft he Eighteenth Century, 144 p., Linos Edition, Amsterdam 2022, ISBN 978-90-9036371-4
  • Walter Fähndrich: Warum improvisieren wir?, 80 S., € 18.00, Wolke, Hofheim 2024, ISBN 978-3-95593-270-1
  • Text as Source and Material in Contemporary Music Theatre, ed. by Christa Brüstle, (=Studien zur Wertungsforschung 65), 304 p., € 33.50, Universal Edition, Wien 2023, ISBN 978-37024-7793-6
  • Peter Petersen: Arnold Schönbergs Streichquartett op. 7, Drei Wege zum Verständnis des Werks, 211 S., zahlr. Musikbeispiele, Georg Olms, Baden-Baden 2024 ISBN 978-3-487-16700-8
  • Kreative Missverständnisse oder universale Musikprinzipien? Hugo Riemann und der internationale Wissenstransfer, hg. von Stefan Keym in Verbindung mit Christoph Hust, (Studien und Materialien zur Musikwissenschaft, Bd. 131), 377 S., geb., € 99.00, Georg Olms, Baden-Baden 2024, ISBN 978-3-487-16680-3
  • Salonorchester in den Alpen, hg. von Mathias Gredig, Matthias Schmidt, Cordula Seger, 232 S., Fr. 38.00, Chronos, Zürich 2024, ISBN 978-3-0340-1733-6
    >>> Rezension von Lukas Nussbaumer
  • Stefan Braese: Cool. Jazz als Gegenkultur im westlichen Nachkriegsdeutschland. 442 S., € 42.00, Edition Text + Kritik, München 2024, ISBN 978-3-96707-915-9
  • Lothar Freiburg: Wunder der Musik. Von der Musik Europas aus 2000 Jahren, 354 S., € 44.80, Wissner, Augsburg 2024, ISBN 978-3-95786-3287-7
  • Ingo Bredenbach: Johann Sebastian Bachs Clavierunterricht. Bach als Lernender und Lehrender, 519 S., € 59.00, Bärenreiter, Kassel 2024, ISBN 978- 3-7618- 2617-1
    >>> Rezension von Dominik Sackmann
  • Handbuch der Oper. 16. aktualisierte und erweiterte Auflage, hg. von Rudolf Kloiber, Wulf Konold und Robert Maschka 1021 S., € 49.99, Bärenreiter/J.B. Metzler, Kassel/Heidelberg 2024, ISBN 978-3-7618-2644-7
  • Wolfgang Jansen: Musical – das Musiktheater der Gegenwart, (= Gesammelte Schriften zum Populären Musiktheater, Band 3), 286 S., € 39.90, Waxmann, Münster 2024, ISBN 978-3-8309-4757-8
  • Jutta Toelle: Mission durch Musik, Stimmen zu Musik und Klängen in der europäischen Missionierung Hispanoamerikas, Musik und Migration, Band 4,  172  Seiten,  € 34.90, Waxmann, Münster 204, ISBN 978-3-8309-4728-8
  • Komponisten im Gulag der Stalinzeit, hg. von Inna Klause, AndreasWaczkat, Stefan Weiss, 468 S., € 89.00, Georg Olms, Baden-Baden 2024, ISBN 978-3-487-16694-0
  • Lied und populäre Kultur / Song and Popular Culture, Weltmusik und ihre Kritik: Postkoloniale Zugänge zu globaler Musik, (= Jahrbuch des Zentrums für Populäre Kultur und Musik, 68. Jahrgang – 2023), hg. von Maria Fuchs, Johannes Müske, Knut Holtsträter, 258 S., € 39.90, Waxmann, Münster 2024, ISBN 978-3-8309-4889-6
  • Musik in den monotheistischen Religionen, Reflexionen zur ästhetischen Funktion sakraler Musik, hg. von Wolfgang Müller, Franc Wagner (=TeNOR. Text und Normativität 11), 240 S., Fr. 48.00, Schwabe, Basel 2024, ISBN 978-3-7965-5045-4

 

Eingegangene Musikbücher Juli–Dezember 2023

  • Sigfried Schibli: Erlebnis Orgel. Die schönsten Instrumente in und um Basel, 160 S., Fr. 44.80, Reinhardt, Basel 2023, ISBN 978-3-7245-2660-5
  • Alte Musik heute, Geschichte und Perspektiven der Historischen Aufführungspraxis, hg. von Richard Lorber, 414 S., € 39.99, Bärenreiter/Metzler, Kassel/Stuttgart 2023, ISBN 978-3-7618-2520-4
  • Le plus beau pays du monde ? Othmar Schoecks Umfeld in der Innerschweiz, Begleitbuch zum Othmar Schoeck Festival 202, hg. von Alvaro Schoeck und Chris Walton, 180 S., Fr. 20.00, Müsigricht, Steinen 2023, ISBN 978-3-9525658-2-7
    >>> Rezension von Daniel Willi
  • Corina Nastoll: Üben geht klar! Effizient und mit Freude üben, (= übern & musizieren spezial), 44 S., € 18.50, Schott, Mainz, ISBN 978-3-7957-3094-9
    >>> Rezension von Torsten Möller
  • «Du bist mir Kunst». Der Briefwechsel Alma Mahler – Walter Gropius 1910 bis 1914, hg. von Annemarie Jaeggi und Jörg Rothkamm, 784 S., € 49.00, Residenz, Wien 2023, ISBN 9783701735945
  • Ethel Smyth: Paukenschläge aus dem Paradies. Erinnerungen, aus dem Englischen von Heddi Feilhauer, 256 S., € 24.00, ebersbach & simon, Köln 2023, ISBN 978-3-86915-286-8
  • Rainer Schmusch: Hörsinn und «Ton». Ästhetische Anthropologie der Musik, nach Herder und Händel, (= Myosotis Bd. 8),  452 S., € 62.00, Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2023, ISBN 978-3-8253-4867-0
  • Musik und Migration. Ein Theorie- und Methodenhandbuch, hg. von Wolfgang Gratzer, Nils Grosch, Ulrike Präger, Susanne Scheiblhofer, (= Musik und Migration, Band 3), 746 S., br., € 69.90, Waxmann, Münster 2023, ISBN 978-3-8309-4630-4, Open Access, doi.org/10.31244/9783830996309
    >>> Rezension von Torsten Möller
  • Silke Kruse-Weber: Reflect! Ein Beobachtungs- und Reflexionstool für Instrumental- und Gesangslehrende, (= Grazer Schriften zur Instrumental- und Gesangspädagogik, Band 4), 88 Seiten, br., mit Kartenspiel, €34,90, Waxmann, Münster 2023,  ISBN 978-3-8309-4658-8
  • Silja Reidemeister: Zwischen zeitgenössischem Gestalten und historischem Interesse – der Komponist Rudolf Moser. Eine Spurensuche in Originaldokumenten, 227 S., Fr. 38.00, Schwabe, Basel 2023, ISBN 978-3-7965-4849-9
  • Markus Cslovjecsek: Schulmusik für alle? Zur Legitimation des Unterrichtsfachs Musik, 313 S., € 48.00, Transcript, Bielefeld 2023, ISBN 978-3-8376-6884-1, Open Access: transcript-verlag.de/shopMedia/openaccess/pdf/oa9783839468845.pdf
  • Eike Fess: Arnold Schönberg und die Komposition mit zwölf Tönen, 224 S., € 27.00, Edition Text+Kritik, München 2023, ISBN 978-3-96707-862-6
  • Milena Amann-Rauter: «Avec mon arme, la musique». Politisches Engagement exilierter Musikerinnen und Musiker im Kontext des Front Populaire, 504 S., € 48.00, Edition Text + Kritik, München 2023, ISBN 978-3-96707-887-9
  • Julia Wilke: Musik und Bewegung in pädagogischer Einzelarbeit. Videobasierte Analysen zu musik- und bewegungsbezogenen Koordinationsprozessen, 2023, (= Internationale Hochschulschriften, Band 707), 228 S. € 39.90 €,  Waxmann, Münster 2023, ISBN 978-3-8309-4720-2
  • Robert Gervasi: Ein Grenzlandschicksal, Leben und Werk des elsässischen Komponisten Leo Justinus Kauffmann (1901–1944), 588 S., € 119.00, Tectum, Baden-Baden 2023, ISBN 978-3-8288-4916-7
  • Nicole Jost-Rösch: Alban Berg – erzählender Komponist, komponierender Erzähler, 540 S., € 49.00, Edition Text + Kritik, München 2023, ISBN 978-3-96707-834-3
  • Werner Reinhart, Mäzen der Moderne, Musik-Konzepte, Sonderband XI/2023, hg. von Ulrich Tadday, 228 S., € 42.00, Edition Text+Kritik, München 2023, ISBN 978-3-96707-843-5
  • Dominik Susteck: Knochenpfeifen und Krachlatte. Hand-Joachim Hespos und die Orgelmusik ab 1962, Schriften zur Neuen Musik Bd. 3, 230 S., Are, Köln 2023, ISBN 978-3-3924522-90-2
  • Tobias Heyl: 75 Jahre G. Henle Verlag, 208 S.,€ 28.00, Hanser, München, ISBN 978-3-446-7847-9
  • Ute Elena Hamm: «Musik zum Lesen», Musikalisch-literarische Hybride, Werke von Erik Satie, John Cage, Dieter Schnebel und Ingeborg Bachmann, 649 S., geb., € 129.00, Rombach, Baden-Baden 2023, ISBN 978-3-96821-993-6

 

Eingegangene Musikbücher Januar–Juni 2023

  • Klaus Steffes-Holländer: Nicht nur an Tasten. Neue Spieltechniken für Klavier, 136 S., € 49.90, Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 2022, ISBN 978-3-7651-0486-2
  • Ulrich Menke: Das Methoden-Navi. Routenplaner zu einem erfolgreichen Instrumental- und Ensembleunterricht, üben & musizieren, 192 S., € 22.95 Schott, Mainz, ISBN 978-3-7957-3092-5
    >>> Rezension von Walter Amadeus Ammann
  • Tobias Bleek: Im Taumel der Zwanziger. 1923: Musik in einem Jahr der Extreme, 316 S., € 29.99, Bärenreiter/Metzler, Kassel/Berlin 2023, ISBN 978-3-7618-7245-1
  • Gaël Liardon (1973-2018): Anthologie d’un passionné, Orgelwerke, Generalbass, Chansons, Bibliothèque cantonale et universitaire, Lausanne 2023, ISBN 978-2-88888.152-0
  • Goldberg! Variationen zu Bach, hg. von Violeta Dinescu und Michael Heinemann, (= Bach nach Bach, Vol. 4), 384 S., € 69.80, Dohr, Köln 2022, ISBN 978-3-86846-171-8
  • Roberto Reale: Elemente der Klage in George Enescus Oper Œdipe, Archiv für osteuropäische Musik, 7, BIS-Verlag, Oldenburg 2022, ISBN 978-3-8142-2404-6
  • Myriam Marbe, hg. von Violeta Dinescu, Michael Heinemann, Roberto Reale, Archiv für osteuropäische Musik, 6, BIS-Verlag, Oldenburg 2022, ISBN 978-3-8142-2393-3
  • Reto Weber: Drummin’. Am Anfang war die Trommel – Erinnerungen, 280 S., Fr. 49.00, editione clandestin, Biel/Bienne 2023, ISBN 978-3-907262-41-2
  • Politics of Curatorship – Collective and Affective Interventions, edited by Monia Acciari & Philipp Rhensius, 288 p., € 34.00, Norient Books, Bern 2023, ISBN 978-3-9525444-4-0
  • Musik und Bewegung mit älteren Menschen. Einblick in die Rhythmikgeragogik, hg. von Monika Mayr, 220 S.,€ 24.95, Reichert, Wiesbaden, ISBN 9783752007145

 

 

KI erkennt Mozarts Gesichtszüge

Moderne Technologie bringt Licht in die Authentizität historischer Porträts. Biometrische Gesichtserkennung verrät, ob auf einem Mozart-Bild tatsächlich Mozart zu sehen ist.

Collage: Ueli Ganz

Um diesen Artikel zu schreiben, starte ich meinen Laptop. Bald blinken die beiden roten Kameraaugen und überprüfen meine Identität. Sie vergleichen ein hinterlegtes Bild von mir, mit dem, was sie gerade aufnehmen. Welche Brille ich auch aufhabe, ob ich vom Haarschneiden komme oder vom Rasieren eine Narbe im Gesicht habe, nichts verunsichert die biometrische Gesichtserkennung, nichts hindert sie, meine Identität zu erkennen.

Beim Hinterlegen des Originalbildes hatte diese Technologie die Distanzen zwischen etwa dreissig Punkten der Gesichtslandschaft ausgemessen. Dazu gehören die Schlüsselfaktoren wie der Abstand zwischen den Augen, jener zwischen der Stirne und dem Kinn, die Form der Wangenknochen sowie die Konturen der Lippen, Ohren und des Kinns. Danach wurden all diese Daten in eine mathematische Formel, einen numerischen Code, umgewandelt und gespeichert. Genau wie der Fingerabdruck ist der so entstandene «Gesichtsabdruck» jeder Person einmalig.

Wie hat Mozart ausgesehen?

Zahllos sind die Porträts dieses einzigartigen Genies: echte, unechte, zugeschriebene, verlorene und wiedergefundene, zweifelhafte und eindeutige, künstlerisch wertvolle und weniger wertvolle. Und immer wieder werden auch neue gefunden. Diese führen dann entweder zu gewaltigem Blätterrauschen in den Medien, oder aber sie werden kaum zur Kenntnis genommen.

Es gibt zwar eine Handvoll Porträts, über die in den Familienbriefen der Mozarts ausführlich geschrieben und von deren Ähnlichkeit mit dem Sohn oder Bruder berichtet wird. Wie aber hat Mozart (1756–1791) wirklich ausgesehen, welches ist der «echte» Mozart? Darüber ist unter den Musikgelehrten manch heftiger Streit entbrannt. Nun steht aber mit der biometrischen Gesichtserkennung eine Hilfe bereit, die geeignet scheint, die Auseinandersetzungen zu versachlichen.

Seit dem Beginn des neuen Jahrtausends hat die bereits 1980 in Japan erfundene Methode rasant an Fahrt aufgenommen und ist als eine der vielen KI-Funktionen aus dem heutigen Leben kaum mehr wegzudenken. Wenig verwunderlich, dass sie auch die moderne Musikwissenschaft zu beschäftigen begann, verhalten zwar und mit viel Skepsis. Zwei Beispiele sollen konkret aufzeigen, wie mit ihrer Hilfe die Echtheit mozartscher Porträts überprüft werden kann.

Ein neues «letztes» Bildnis

 

Bis 2002 befand sich in den Depotbeständen der Berliner Gemäldegalerie unter dem Titel Herr im grünen Rock ein Ölbild des Münchner Malers Georg Edlinger (1741–1819). Es entstand 1790, somit ein Jahr vor Mozarts Tod.1

Bereits 1995 glaubte man eine gewisse Ähnlichkeit mit dem sogenannten Bologna-Porträt von 1777 zu entdecken, das Leopold Mozart von seinem 21-jährigen Sohn erstellen liess und der Akademie in Bologna für deren Galerie übersandte (Collage oberste Reihe, 4. v. li.; unterste Reihe, 2. v. re.). Er lobte es als besonders treffend.

2006 unternahm Rainer Michaelis, der Chefkurator der Berliner Gemäldegalerie, zusammen mit dem in Schweden tätigen Neurobiologen Martin Braun den hochinteressanten Versuch, die beiden Bilder durch modernste biometrisch-statistische Methoden zu vergleichen. 2

Das erstaunliche Ergebnis war, dass das Edlinger-Porträt mit einer Wahrscheinlichkeit von 1: 10’000’000 dieselbe Person zeigt, wie das Bologna-Porträt.3 Damit gilt das Edlinger-Porträt als letztes zu Lebzeiten entstandenes Mozart-Bildnis. Bereits 2006 brachte daraufhin die Gemäldegalerie der Staatlichen Museen Berlin in ihrer Reihe «Bilder im Blickpunkt» dazu ein sorgfältig redigiertes und hervorragend bebildertes Sonderheft heraus.4

Ein Jugendporträt?

Unweit von Salzburg stiess vor Jahren ein emeritierter Professor der Universität Konstanz, der sich im Internet unter dem Pseudonym «Bilddetektiv»5 bewegt, im Kunsthandel auf ein eher unscheinbares Bild eines jungen Mannes, das ihn aber sofort faszinierte: Irgendwie kam ihm dieses offene Gesicht des Jünglings vertraut vor. Der Bilddetektiv hatte sich schon lange mit Künstlerporträts und der physiognomischen Authentizität der Dargestellten auseinandergesetzt. In über dreissig Arbeiten hatte er sich ein enormes Wissen über Maltechnik, biografische, historische Hintergründe und Zusammenhänge angeeignet und seine Beobachtungsgabe für kleinste physiognomische und physiologische Details geschärft. Nach Vergleichen mit bekannten Mozartbildern war für ihn klar, dass das damals aufgefundene Porträt durchaus Mozart im Alter von circa zehn Jahren darstellen könnte.

 

Dass bis heute immer wieder «neue» Mozart-Porträts auftauchen, die sich dann aber nicht verifizieren lassen, war dem Bilddetektiv durchaus bekannt. Entsprechend vorsichtig ging er daher weiter vor. Er begründete seine These, dass auf dem aufgefundenen Porträt der junge Wolfgang Amadeus Mozart dargestellt sei, zunächst durch einen Vergleich mit den als authentisch geltenden Bildnissen von Joseph Lange, Dorothea Stock und Joseph Grassi sowie mit jenem von Pietro Antonio Lorenzoni von 1763, der das Kind Mozart im Alter von sechs Jahren zeigt (Collage, unterste Reihe, 3. v. re.). Dabei stützte er sich primär auf die vergleichende Betrachtung physiognomischer Merkmale.

Die Forschungsergebnisse zeigten: Die Grösse «und die Form des Kopfes (Stirn, Schläfe, Gesichtsform) sind auf allen Bildern gleich, ebenso der Augenabstand und die Proportionen des Gesichtes. Im Laufe des Lebens können sich die Weichteile zwar wandeln, aber der Schädel bleibt unverändert gleich.»

Der Bilddetektiv weist noch auf ein weiteres wichtiges Merkmal zur Identifikation des Dargestellten hin, das Eva Gesine Baur in ihrem Buch Mozart, Genius und Eros vermerkt hat.7 In der Bildlegende eines dort gezeigten Mozart-Porträts schreibt sie: «Auch hier ist der Einwärts-Strabismus, das Schielen nach innen (des rechten Auges), sichtbar, laut Augenheilkunde oft Folge schwerer Erkrankungen in den ersten Lebensjahren. Sie ist bei Wolfgang für das Jahr 1767 verbürgt (Pockenepidemie). Das würde erklären, warum er auf dem Lorenzoni-Bildnis von 1763 nicht schielt.» Er bestätigt, dass das von Baur erwähnte Schielen auf dem rechten Auge auch auf dem vorliegenden Jugendbild zu erkennen ist: « Die Augenfehlstellung ist ein biometrisches Schlüsselmerkmal von weniger als 3 Prozent Prävalenz. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit einer zufälligen Parallelität erheblich (weniger als p von 0,03 im Binomialmodell).»

Um die Vermutungen aus der reinen Betrachtung zu verifizieren, wurde das Porträt schliesslich mittels biometrischer Gesichtserkennung im Vergleich mit den vier erwähnten Bildern untersucht. Und zwar mit dem Ziel zu beweisen, dass das Bild nicht Mozart darstelle.

Zusammenfassend folgert der Bilddetektiv: «Die Wahrscheinlichkeit der Übereinstimmung liegt je nach Fragestellung zwischen 82 und < 85 Prozent. Eine sehr hohe Übereinstimmung liegt vor in den invarianten Gesichtsmerkmalen: Augenstellung, Augenfarbe, Brauenverlauf, Lippen- und Kinnform sowie in der kleidungs- und frisierspezifischen Typologie der späten 1760er-Jahre. Die mittlere lineare Abweichung beim Augenabstand zum Grassi-Ölporträt beträgt nur 3,7 Prozent der bipupillären Strecke und ist damit unterhalb der typischen 5-Prozent-Schwelle, die in der forensischen Bild-Anthropologie als ‹identische Ähnlichkeit› gilt. Geringfügige Diskrepanzen (e.g., noch unterentwickelte Nasenlänge des Kindes oder rundere Wangen) lassen sich durch ontogenetische Wachstumsprozesse erklären und widersprechen der Identität nicht. Die Nase wächst postpubertär um ca. 1,3 mm/J. (anthropometr. Längsschnittdaten). Ein im Alter von 7,8 Jahren porträtiertes Kind weist daher einen deutlich kürzeren Nasenrücken auf als der 26-jährige Erwachsene.»

Es war also nicht möglich, die Hypothese zu stützen, dass das Bildnis nicht Mozart darstellt (Poppersches Falsifikationskriterium).

Fazit

Die Ikonografie (Bildbeschreibung) der bildlichen Darstellungen von Tonkünstlern ist ein ausserordentlich weites Feld: Hier überschneiden sich Musik- und Kunstwissenschaft, Psychologie, Soziologie, Medizin, Neurobiologie, Stil- und Kostümkunde.

Es mag überraschen, dass bei den Untersuchungen zum Berliner Bild von Edlinger («Mann im grünen Rock», Mozart) wie beim denjenigen zum neu entdeckten Jugendbildnis sämtliche oben genannten Fachbereiche involviert waren, die Musikwissenschaft aber leider fehlte! Dabei ist doch anzunehmen, dass ein Zusammenwirken aller Fachkräfte von grösstem gemeinsamem Nutzen wäre. So könnte biometrische Gesichtserkennung als Ausgangspunkt oder als abschliessendes Indiz für umstrittene Fragen der Identität eingesetzt werden. Bei Mozart wäre das beispielsweise die Fragestellung, ob auf dem sehr beliebten Veronabild oder auf jenem merkwürdigen Konterfei von Josef Hickel wirklich Mozart dargestellt ist:

In enger Zusammenarbeit aller beteiligter Fachrichtungen und unter Beizug vertiefter biometrischer Untersuchungen dürften sich auch diese Fragen sachlich und schlüssig beantworten lassen.

Anmerkungen

1 Zur Lebenssituation Mozarts Ende Oktober 1790 siehe Ueli Ganz auf  https://mozartweg.ch/wp-content/uploads/2023/10/Wie-Mozart-nicht-aussah.pdf

2 Zum Bericht über Vorgehen und Schlussfolgerungen Michaelis/Braun(engl.) http://www.neuroscience-of-music.se/ormen/Edlinger%20Mozart.htm

3 https://dieterdavidscholz.de/ausstellungen/j-g-edlingers-letztes-mozart-bildnis.html

4 Michaelis Rainer, Das Mozartporträt in der Berliner Gemäldegalerie, Preussischer Kulturbesitz, Berlin 2006, ISBN-13: 9783886095292

5 Der Autor dieses Artikels (UG) kennt den vollen Namen des Bilddetektivs.

6 Abrufbar auf: https://bilddetek.hypotheses.org/2096

7 Eva Gesine Baur: Mozart, Genius und Eros -Eine Biographie C.H.Beck, 2014; (zu Legende des Vorsatzbildes vor Seite 86 VI/1771)

Ausgabe 11/2025 – Focus «KI»

Michael Harenberg, fotografiert von Holger Jacob

Inhaltsverzeichnis

Focus

Statistik wird nie zu so etwas wie Komposition führen
Interview mit dem Komponisten, Musik- und Medienwissenschaftler Michael Harenberg und einer künstlichen Intelligenz

KI als Kreativpartnerin
Holly Herndon und Mat Dryhurst suchen mit ihren künstlerischen Projekten nach Wegen, die Kontrolle über die eigene schöpferische Arbeit zu behalten.

Die Zeit ist reif für den KI-Künstler
Die enormen Fortschritte der Technologie bedingen ein neues Selbstverständnis der Musikschaffenden

KI erkennt Mozarts Gesichtszüge

(kursiv = Zusammenfassung in Deutsch des französischen Originalartikels)

Critiques

Neuerscheinungen Bücher, Tonträger, Webseiten, Noten, Filme

Echo 

Der Platz in der gedruckten Ausgabe reicht längst nicht für alle Texte, deshalb werden sie hier aufgelistet und auf die entsprechenden Online-Artikel verlinkt. Diese sind grösstenteils schon vor Erscheinen der gedruckten Ausgabe publiziert worden.

Klangempfinden, Geschichtsbewusstsein und ein Abschied
Francesco Piemontesi

Über Geld und die Welt
Die Podcasts von Äneas Humm und der Stiftung Árvore

Un lien indéfectible avec la Suisse
Nicolas Dorin et Pierre-Michel Menger parlent de Pierre Boulez.

Erste Saison mit Esther Hoppe
Die Geigerin hat vor wenigen Wochen die künstlerische Leitung der Camerata Zürich übernommen.

Schalltrichter an Instrumenten und Mündern
Thilo Hirsch und das Ensemble Arcimboldo taten sich für das Projekt rau-schend 2025–1898 mit einer Schulklasse zusammen.

Ein Fabelwesen erkundet Volksmusikinstrumente
Das Musikkollegium Winterthur präsentierte Barboza und der klingende Baum von Howard Griffiths.

Im Labyrinth der Labyrinthe
Donaueschinger Musiktage 2025

 

Basis

Artikel und Nachrichten aus den Musikverbänden

Eidgenössischer Orchesterverband (EOV) / Société Fédérale des Orchestres (SFO)

Konferenz Musikhochschulen Schweiz (KMHS) / Conférence des Hautes Ecoles de Musique Suisse (CHEMS)

Kalaidos Musikhochschule / Kalaidos Haute École de Musique

Schweizer Musikrat (SMR) / Conseil Suisse de la Musique (CSM)

Swissmedmusica (SMM) / Association suisse de Médecine de la Musique (SMM)

Schweizerische Musikforschende Gesellschaft (SMG) / Société Suisse de Musicologie (SSM)

Schweizerischer Musikerverband (SMV) / Union Suisse des Artistes Musiciens (USDAM)

Schweizerischer Musikpädagogischer Verband (SMPV) / Société Suisse de Pédagogie Musicale (SSPM)

SONART – Musikschaffende Schweiz

Stiftung Schweizerischer Jugendmusikwettbewerb (SJMW)

Arosa Kultur

SUISA – Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik

Verband Musikschulen Schweiz (VMS) / Association Suisse des Écoles de Musique (ASEM)

 

Barocke KI
Rätsel von Michael Kube

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Ausgabe für CHF 10.- (+ CHF 2.- Versandkosten) bestellen

Erste Saison mit Esther Hoppe

Vor wenigen Wochen hat die Schweizer Geigerin die künstlerische Leitung der Camerata Zürich übernommen. Auch sonst versucht das Ensemble Neues, bleibt bei Programmausrichtung und Leitungsmodell aber beim Bewährten.

«Die Camerata Zürich hat ein sehr klares künstlerisches Profil und bewegt sich bewusst abseits des Klassik-Mainstreams», sagt Esther Hoppe. Foto: Patrick Hürlimann

Die fünfzehn Streicherinnen und Streicher im kleinen Saal der Tonhalle Zürich musizieren (bis auf die Cellisten) selbstbewusst im Stehen, die künstlerische Leiterin koordiniert das musikalische Geschehen vom ersten Pult aus. Vor jedem der vier gespielten Werke gibt Esther Hoppe eine kurze Erläuterung. Kann man bei den einleitenden Schubert-Tänzen und Franz Schrekers Intermezzo op. 8 den homogenen Streicherklang der Camerata Zürich bewundern, offenbart sich bei Hindemiths Vier Temperamenten und Haydns Klavierkonzert in G-Dur Ronald Brautigam als vielseitiger Pianist. Hoppes Ausführungen könnten allerdings noch etwas freier daherkommen, und die Aufstellung des Flügels, bei der man nur den Rücken des Pianisten sieht, ist wenig publikumsfreundlich.

Die Werkauswahl dieses zweiten Abokonzerts ist durchaus typisch für die Programmausrichtung der Camerata: Zeitgenössisches (im weitesten Sinn) gemischt mit Klassischem, Raritäten in Kombination mit Repertoirestücken. Blickt man auf die ganze Saison, bemerkt man, dass auch Schweizer Komponisten eine wichtige Rolle spielen. Esther Hoppes Einstandskonzert vom September wurde mit Othmar Schoecks Sommernacht eröffnet. Seit der Gründung des Ensembles im Jahr 1957 durch Räto Tschupp zählen das Zeitgenössische und das Schweizerische zu den Konstanten der Programmierung. Vom Repertoire her knüpft Hoppe also durchaus an die Tradition der Camerata an. Bei der zeitgenössischen Musik achtet sie besonders darauf, dass diese gut in das übrige Programm eingepackt wird. Im fünften Abokonzert beispielsweise stehen Alfred Zimmerlins Gezeiten der Zeit der «Schweizer-Sinfonie» Mendelssohns gegenüber.

Näher zum Publikum

Die Moderation der Konzerte durch Hoppe selbst und ausgewählte Ensemblemitglieder ist eine bemerkenswerte Neuerung: Das Orchester will aus der Anonymität heraustreten und ein Gesicht bekommen. In die gleiche Richtung zielt die neugeschaffene Podcast-Reihe auf der Website, die eine Beziehung zwischen dem Ensemble und dem Publikum herstellen soll. Nicht ganz neu ist die Einsetzung eines Artist in Residence: in dieser Saison eben Ronald Brautigam, einer der wenigen Pianisten, die sowohl auf dem modernen Flügel als auch auf dem Hammerklavier spielen. Hoppe bildet mit Brautigam und ihrem Ehemann Christian Poltéra auch ein Klaviertrio. Neues gibt es ebenso bei der Musikvermittlung: Im Anschluss an die samstäglichen Abokonzerte finden am Sonntagmorgen Kinderkonzerte für Vier- bis Zehnjährige statt, bei denen Evamaria Felder den Kids eines der aufgeführten Werke spielerisch nahebringt. Über die ganze Saison erstreckt sich das Projekt «Camerata@School – Vivaldi Recomposed», bei dem eine Schulklasse der Stadt Zürich auf der Basis von Vivaldis Vier Jahreszeiten ein Konzertprogramm entwickelt und aufführt.

Eigenverantwortliches Musizieren

Esther Hoppe ist in Zug geboren, hierzulande aber (noch) nicht so bekannt ist, weil ein grosser Teil ihrer bisherigen Karriere im Ausland verlief. Nach einer ersten Phase in der Schweiz, unter anderem mit dem von ihr gegründeten Tecchler-Trio, wirkte sie ab 2009 als Erste Konzertmeisterin des Münchener Kammerorchesters. Seit 2013 bekleidet sie eine Professur für Violine an der Universität Mozarteum Salzburg. Zusätzlich konzertiert sie als Solistin in einem internationalen Rahmen. An ihrer neuen Funktion bei der Camerata gefällt Hoppe, Programme gestalten zu können, die zum Orchester passen. Zudem habe das Ensemble eine überschaubare Grösse.

Schon unter Hoppes Vorgängern Thomas Demenga und Igor Karsko praktizierte die Camerata das Modell der nichtdirigierenden künstlerischen Leitung: «Ohne Dirigent muss jeder im Orchester genau wissen, welche Funktion er hat. Es ist ein Musizieren, das sich an der Kammermusik orientiert.» Dass mit diesem Modell etwas mehr Probenarbeit vonnöten ist, nimmt Hoppe in Kauf, weil es die Eigenverantwortung der Mitglieder fördere.

Limitierte Ressourcen

Und wie steht es mit der Konkurrenz zum Zürcher Kammerorchester, das auf dem Platz Zürich eine dominierende Rolle einnimmt und mit Daniel Hope einen international bekannten Geiger als Leiter hat? Esther Hoppe sieht das gelassen: «Ich sehe die beiden Orchester nicht als Konkurrenten. Die Camerata Zürich hat ein sehr klares künstlerisches Profil und bewegt sich bewusst abseits des Klassik-Mainstreams. In ihrer Unterschiedlichkeit ergänzen sich beide Ensembles und bereichern das Musikleben der Stadt.» Finanziell sind die Spiesse allerdings nicht gleich lang. Das Jahresbudget der Camerata liegt im mittleren sechsstelligen Bereich. Immerhin konnte die Eigenfinanzierung in den vergangenen Jahren auf 40 Prozent gesteigert werden. Die Subventionen der Stadt Zürich betragen gegenwärtig 380 000 Franken. Dass bei diesen limitierten Ressourcen ein künstlerisch doch recht ambitioniertes Profil herausschaut, ist bemerkenswert.

Schalltrichter an Instrumenten und Mündern

Thilo Hirsch und das Ensemble Arcimboldo taten sich für das Projekt «rau-sch-end 2025–1898» mit einer Schulklasse zusammen, die dadurch übte, genauer zu hören und sich Gehör zu verschaffen.

Die Kinder lauschen Klängen und verstärken ihre Stimme mit Schalltrichtern im Museum Tinguely.                           Foto: Susanna Drescher

«Hallo» rufen drei Kinder und winken dabei ins Publikum. Sie stehen mitten in einer Musikmaschine im Basler Tinguely-Museum. Ihre hellen Stimmen heben sich ab von den dunklen, tastenden, metallisch gefärbten Klängen, mit denen das zehnköpfige Ensemble Arcimboldo Mauricio Kagels Komposition 1898 für Kinderstimmen und Instrumente begonnen hat. Mit Trompeten, Posaune und Tuba sind gleich drei Blechblasinstrumente dabei. Auch die Streichinstrumente haben statt eines Resonanzkörpers einen Metalltrichter. Es sind sogenannte Strohinstrumente, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts für Orchesteraufnahmen verwendet wurden.

Maurizio Kagel hatte 1898 zum 75-jährigen Bestehen der Gesellschaft Deutsche Grammophon im Jahr 1973 komponiert. Er wollte bei diesem Werk eine «stimmlich ungeschulten Schulklasse» dabeihaben. Die Kinder sollten ein spontanes, auch ein wenig anarchistisches Element in die Erwachsenenwelt hineinbringen. Für die Konzerte in Basel fiel die Wahl auf die Klasse 5a der Primarschule Niederholz in Riehen, die nun in kompletter Grösse an der Bühnenrampe steht und auf die Musik mit Lachen reagiert, gurrt und auch mal zischt. Ein Schüler klebt dem Dirigenten Thilo Hirsch eine freche Zeichnung an den Rücken.

Strohinstrumente

Der musikalische Leiter des Basler Ensembles Arcimboldo hatte die Idee zu diesem ungewöhnlichen Projekt mit dem Titel rau-sch-end 2025–1898, das von der Ernst-von-Siemens-Stiftung gefördert wird. Von den Strohinstrumenten, benannt nach ihrem Erfinder Johannes Matthias Augustus Stroh, war Hirsch schon lange fasziniert. Bei verschiedenen Online-Auktionen konnte er mehrere Schalltrichterinstrumente erwerben, die alle eingesetzt werden, darunter eine Geige, ein Cello, eine Stroviol, eine Fonofiedel und eine Fonoukulele. Die von Kagel für die Uraufführung von 1898 gebauten Instrumente sind inzwischen im Besitz der Paul-Sacher-Stiftung, aber nicht mehr spielbar.

Da die Kinder nur in kurzen Passagen zum Zuge kommen, gab Hirsch bei der Komponistin Abril Padilla ein weiteres Werk in Auftrag. Sie leitete auch gemeinsam mit Naja Parejas die Workshops, die über einen Zeitraum von zweieinhalb Monaten mit den Schülerinnen und Schülern durchgeführt wurden. Inklusive Endproben für die drei Konzerte vom 25. und 26. Oktober im Basler Tinguely-Museum betrug der Zeitaufwand rund 40 Stunden.

Basteln und lauschen

Padilla hat schon in früheren Projekten wie der Resonanzbox mit Hirsch zusammengearbeitet. «Am Anfang ging es in unserem Workshop um konzentriertes Zuhören. Kagels Musik war für die Kinder zunächst recht fremd.» Man übte Unterschiede zwischen aufrichtigem und künstlichem Lachen, wie es Kagel in der Partitur beschreibt. Die Kinder entdeckten spielerisch ihre Stimme. Für ihre neu geschriebene Komposition DEMO wurden Schalltrichter gebastelt. «Diese Verstärker haben einzelnen geholfen, mutiger zu werden», sagt Padilla. Die Kinderrechte, die in ihrem Werk zur Sprache kommen, wurden gemeinsam ausgewählt.

Am Konzertabend beginnt DEMO direkt nach Mauricio Kagels Old/New für Solotrompete. Ein paar Kinder setzen ihren Schalltrichter ans Ohr, um noch besser den abgerissenen Klangfiguren von Jonathan Romana lauschen zu können. Dann ahmen sie Klänge der Trompete nach – es entsteht ein Dialog zwischen dem Musiker und den Kindern. Aus den Tönen werden Worte: «Sauberes Wasser», «Feuer», «Kein Rassismus mehr». In rhythmischem Sprechen skandieren sie: «Umweltschutz ist wichtig, Umweltschutz ist gut.» Maria Luisa Pizzighella verleiht den Worten am Schlagzeug noch mehr Wucht. DEMO ist mehr gestalteter Text als Musik, aber eine kurze Gesangseinlage eines Jungen ist auch Teil des Werks.

Lachen und rauschen

Das abwechslungsreiche, dramaturgisch eng verklammerte Programm beinhaltet noch Kagels von Lanet Flores virtuos gespielte Schattenklänge für Bassklarinette solo, einen Tango für Strohvioline (Juan María Braceras) und Klavier (Helena Bugallo) von Igor Strawinsky sowie zwei weitere Uraufführungen für Fonofiedel (Thilo Hirsch) und Grammofon: Charlotte Torresʼ Jungle Jazz Suite und Abril Padillas 78 RPM. Das Konzert endet in einer von den Kindern mit Schildern angeleiteten Gruppenimprovisation, an der neben den im Raum verteilten Musikerinnen und Musikern auch das Publikum teilnimmt. Die Programmbroschüre wird zum Schalltrichter gefaltet. Dann geht es los mit Lachen und Rauschen, Glissando nach oben und nach unten – und alles durcheinander. Sogar die grosse Tinguely-Maschine hinter der Bühne wird dafür in Gang gesetzt.

Beim Gespräch nach dem Konzert sprudeln die Kinder nur so vor Mitteilungsbedürfnis. Sie finden es toll, auf der Bühne gewesen zu sein und die Instrumente aus der Nähe mitbekommen zu haben. «In den Proben gab es schon lange Wartezeiten, aber am Ende hat sich der ganze Aufwand gelohnt», sagt ein Mädchen. «Wir mussten immer genau zuhören und uns merken, wann wir auf die Bühne kommen», erzählt ein Junge. Auch das Basteln der Schalltrichter und deren Verwendung auf der Bühne hätten viel Spass gemacht. Die beiden Lehrpersonen Manon Siebenhaar und Fabian Leuenberger zeigen sich ebenfalls zufrieden mit dem Projekt: «Die Schülerinnen und Schüler konnten sich aufeinander verlassen. Das hat auch die Klassengemeinschaft gestärkt.»

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