Gemeinsam Lösungen für den Fachkräftemangel finden

Was können Musikschulen und Musikhochschulen gegen Fachkräftemangel tun? Am 12. Juni trafen sich Vertretende aller Kantone in Olten zu einem Austausch. Diskussionen in Kleingruppen und inspirierende Inputs lieferten erste Ansätze.

Fragen, die zum Nachdenken bringen: die Teilnehmenden diskutieren in Kleingruppen (Fotos: Anicia Kohler)

„Fachkräftemangel ist national und international ein Thema“, sagte VMS-Präsident Philippe Krüttli zu Beginn des Anlasses, zu dem der Verband Musikschulen Schweiz und die Konferenz Musikhochschulen Schweiz gemeinsam eingeladen hatten, „Wir möchten einen Raum des Austauschs schaffen, um gemeinsam Szenarien zu entwerfen, wie wir der sich abzeichnenden schweren Krise begegnen können.“

Rico Gubler, Leiter Fachbereich Musik der Hochschule der Künste Bern, gab einen Einblick in die Tätigkeiten der Arbeitsgruppe, die die beiden Organisationen gebildet haben. Der Fokus der gemeinsamen Arbeit liege auf drei Aktionsfeldern:

  • Weiterbildung von Musikschullehrkräften
  • Nachqualifizierung von Musikhochschulabsolvent:innen ohne pädagogischen Masterabschluss
  • Praktika/Hospitationswesen

Zudem hätten die Studiengangsleitungen MA Music Pedagogy bereits ein gemeinsames Mindestniveau von B2 bei den Sprachanforderungen festgelegt. Mehr Infos zur gemeinsamen Arbeitsgruppe finden sich im Jahresbericht 2025 des VMS.

Nach einem Austausch in Kleingruppen präsentierte Mathias Lang, Geschäftsführer des Vorarlberger Musikschulwerks, zwei aktuelle Studien. Die „Mikado-Musik“-Studie aus Deutschland von 2025 belegt einen eklatanten Nachwuchsmangel. Aufgrund von Pensionierungen und rückgängigen Studierendenzahlen werden bereits in zehn Jahren rund 11’000 Musikpädagog:innen fehlen. Zu den Handlungsempfehlungen auf allen Ebenen zählen zum Beispiel bessere Bezahlung und Arbeitsbedingungen, die Förderung psychischer Gesundheit, und auch eine Förderung und Flexibilität der künstlerischen Tätigkeit der Musikstudierenden und Musikpädagog:innen.

Diskutieren mit Teilnehemden aus der ganzen Schweiz

In Österreich scheint die Ausgangslage deutlich besser zu sein als in Deutschland, wie erste Ergebnisse einer Studie der Konferenz der österreichischen Musikschulwerke aufzeigt, die Ende 2026 veröffentlicht wird. Der Bedarf an Lehrenden werde in etwa gleich bleiben – rund 3600 Lehrende stünden rund 3000 Absolvent:innen gegenüber. Erschwert wird die Aussage allerdings durch die schwierige Datenlage.

Danach riss Peter Röbke, Musikpädagoge, emeritierter Musikprofessor und Autor den Horizont auf. Angesichts des Lehrkräftemangel an Musikschulen müsse man sich fragen, ob es um Rückbau oder Stellenschrauben gehe – oder ob man nicht eher über Transformation nachdenken müsste. „Wir alle wollen für Musikschulen kämpfen“, sagt er, „Wir können Krisen als Chance sehen.“

Er machte Mut dazu, die Musikschule als eine „andere Schule“ zu denken, die flexibel sei, die Lern- und Musizierwelten auch ausserhalb des eigentlichen Unterrichts eröffne. Die Mikado-Musik-Studie zeige das Spannungsfeld zwischen künstlerischer und pädagogischer Praxis deutlich auf. 70% der Studienteilnehmenden stimmten der Aussage zu, dass künstlerische Entfaltung in anderen Berufen besser möglich sei. Als Beispiel für eine „andere Schule“ nannte er Dortmund Musik!, eine Musikschule mit sieben Sparten, zu denen auch „Live on Stage“, „Digital“ oder „House of Pop“ gehören.

Schliesslich plädierte er darauf, die spezielle Situation der Generation Z zu berücksichtigen. Das Konzept Zukunft sei für sie fraglich geworden, noch nie zuvor habe es eine solche Ballung an globalen Krisen gegeben. Wenn sich die Musikschule für Neues öffne, könne sie dadurch als Arbeitsplatz auch an Attraktivität für die jungen Arbeitnehmenden gewinnen.

„Vom intensiven Austausch und den Zukunftsideen bin ich sehr inspiriert“, meinte Valentin Gloor, Präsident der Konferenz Musikhochschulen Schweiz zum Schluss, und rief zum gemeinsamen Weiterdenken auf. Auch Philippe Krüttli bedankte sich für den Dialog und entliess die Teilnehmenden ins sonnige Wochenende.

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