Mit Goethe ins Reich der Hexen

Zur Uraufführung des 1. und 3. Aktes von Alfred Felders Oper «Walpurgisnacht» am 3. April 2025 in Winterthur. 2020 konnten Aufführungen wegen COVID-19 nicht stattfinden.

Die Komposition einer Oper ist das lange verfolgte künstlerische Vorhaben des in Luzern geborenen und in Winterthur leben­den Schweizer Komponist Alfred Felder (*1950). Am 3. April kommt nun in Zusam­menarbeit mit dem Musikkollegium Win­terthur, den Zurich Chamber Singers und Solisten unter der Leitung von Christian Erny im Stadthaus die Walpurgisnacht zur Uraufführung.

Dass der Weg dazu lang war, hat mit den grossen Hürden für Opernkomponisten zu tun. Die Stoffwahl und Libretto-Frage ist die eine, die andere der grosse Apparat, den seine Partitur verlangt. Im Frühjahr 2020 stand die Uraufführung bevor. Nur Tage vor dem Ereignis erfolgte wegen der Pan­demie der Lockdown, die Aufführung der ‹Walpurgisnacht› – Oper in 2 Akten nach Goethes ‹Faust› in der Tonhalle Maag am 27. und im Stadthaus Winterthur am 28. März mit dem Konzertchor Harmonie Zü­rich und dem Musikkollegium Winterthur konnte nicht stattfinden.

Überarbeitete Fassung

Nun, fünf Jahre später, handelt es sich nicht darum, das 2020 Erreichte aufzu­wärmen. Nach der langen Ungewissheit über das weitere Schicksal der Oper, der Neuaufstellung der musikalischen Kräfte, aber auch Felders weiterer Beschäftigung mit der Partitur ist die Uraufführung einem Phoenix aus der Asche vergleichbar. Die Szene der Trödelhexe ist dazugekommen. Im Ganzen haben sich Idee und Musik aber nicht geändert. Im folgenden sei deshalb hier der Text, der nach Gesprächen mit dem Komponisten 2020 entstand, noch­mals aufgelegt. Wir sprachen über sei­ne Beschäftigung mit Goethes Faust, über die Faszination der Walpurgisnacht und die Eigenart seiner Musiksprache.

Musste es Goethe und sein in zahllosen Ansätzen und Stilen vertonter «Allerweltsstoff»? Für Felder unbedingt: Das Faust-Drama habe ihn schon seit seiner Jugend fasziniert. Und überblickt man sein Schaffen, lässt sich sagen: Es steuerte auf diesen Stoff zu, genauer: auf die «Walpurgisnacht», jene Szene, die sich in der Tragödie zwischen die Szene im Dom – Margarethes Dies irae – und die letzten Szenen um Gretchens Hinrichtung schiebt. Anders als Goethes Drama integriert Felder in seinem selbst verfassten Libretto die Hexenszenerie nicht in die Tragödie, sondern die Tragödie in die Hexenszenerie.

Spontane Feier des Lebens

Image
Flyer unter Verwendung eines Bildes des Luzerner Künstlers Thyl Eisenmann (1948–2015) – Alfred Felders inspirierender Freund seit der Jugendzeit.

Die originelle Dramaturgie erklärt sich mit Felders Auslegung des geheimnisvoll-verruchten Hexensabbats: «Das zentrale Thema in der Walpurgisnacht sind für mich die Natur – und die Frauen als Schamaninnen. Ihr grosses Wissen über Heilkräfte und Urkräfte hat mich immer sehr beeindruckt. Ihre fröhlichen (Hexen-)Sabbate waren für mich immer eine sinnliche und spontane Feier des Lebens.» Mit der Sympathie für die Hexen korrespondiert die Abscheu vor deren Verfolgung. Als Hexenjagd empfindet Felder bei Goethe das Schicksal der Kindsmörderin und geht in seinem Libretto eigene Wege: «Ich lasse Gretchen am Ende meiner Walpurgisnacht nicht sterben. Sie hält uns als Rebellin den Spiegel vor und entlarvt damit die Verlogenheit dieser Welt. Sie soll an der Schwelle zur Hinrichtung Gnade erfahren, als Zeichen, dass das Patriarchalische unserer Welt einmal enden wird. Ein utopischer Schluss?»

Mystik und Schamanismus

Felders Sicht auf Goethes Werk lässt sich leicht zu aktuellen Diskursen in Beziehung setzen. Aber seine Musik gründet nicht in intellektuellen Debatten, sondern in Erfahrungen des «anderen»: In seinem Œuvre fällt die Präsenz des Schamanischen und Mystischen auf. Das Oratorium âtesh basiert auf Gedichten des persischen Mystikers Rūmī, und im Werkkatalog figuriert etwa auch der Nachtgesang für Flöte, Viola und Harfe, der einem Heilsritual der Navajo-Indianer nachempfunden ist. Als Cellist in der Kammermusik und Sinfonik zu Hause, bedient sich Felder auch als Komponist der abendländisch-tonalen Sprache, wenn auch in einer eigenen, freien Weise, die ihn von «Tonalisationen», von Färbungen der Tonalität, sprechen lässt: «Der Anfang der Oper ist in einer D-Tonalisation geschrieben, den Schluss (Tanz) habe ich in einer Es-Tonalisation komponiert. Die D-Tonalität habe ich sehr dunkel gefärbt, Es-Tonalität ist für meine Ohren eigentlich die hellste Tonalität. Also der Anfang in D, dann jede Szene in einer anderen Tonalität bis zum Schluss zur Es-Tonalität – der grösste Unterschied von dunkel und hell, aber in der Musik nur einen halben Ton auseinander, das heisst das kleinste mögliche Intervall, aber der grösste farbliche Kontrast.»

«Fremde» Klangmittel werden gezielt eingesetzt: Im Klaviertrio The second attention etwa ist es die Schamanentrommel; im ebenfalls von Rūmī inspirierten open secret, einem sozusagen «reinen» Violinkonzert, das für die Stammbesetzung des Musikkollegiums geschrieben ist, lässt er die Orchestermusiker flüsternd rezitieren. Das Neue um des Neuen willen habe ihn nie interessiert, betont Felder: «Das einzig Neue, das Sie möglicherweise in der Walpurgisnacht hören werden, sind die ungewohnten Schlagzeug-Klänge – Weinflaschen, Guetzlibüchsen, Zeitungspapier, Löffel, Whiskey-Container, in denen Murmeln kreisen – ein tolles Geräusch zum Auftakt des Hexentanzes.»

Das Fest der Nacht

Mit den Auftraggebern der Oper, dem Musikkollegium Winterthur ist Felder seit Langem verbunden. Für das Winterthurer Orchester hat er etliche Werke komponiert, darunter auch das vielfach gespielte Streichquartett Fremd bin ich eingezogen …) mit Bezug zu Schubert.

Mit der Umarbeitung zum abendfüllenden Bühnenwerk hat er das Panorama der Walpurgisnacht beträchtlich erweitert. Zu Faust (Tenor), Mephistopheles (Bariton) und dem Hexenchor kamen als weitere Figuren die Halbhexe und Schöne Hexe (Mezzosopran) und schliesslich nun auch noch die Trödelhexe (Koloratursopran). Zur Choraufgabe gehört auch der Gesang der Dominikaner-Inquisitoren. Sie künden Margarethes Hinrichtung an. Und dass diese dritte Hauptfigur in der Walpurgisnacht nicht mehr nur als Vision, sondern als leibhaftige Figur und Solopartie (Sopran) in Erscheinung tritt, ist die zentrale Entscheidung des Komponisten. Diese weist zum magischen Fluchtpunkt des Werks, das mit Margarethe und den Hexen – «welch unerwartet Meteor» – in das Fest der Nacht und die Frühlingsfeier mündet.

 

Walpurgisnacht

Oper von Alfred Felder nach Goethes Faust, konzertante Uraufführung des 1. und 3. Aktes

Stadthaus Winterthur, 3. April 2025

Orchester: Musikkollegium Winterthur

Chor: The Zurich Chamber Singers

Choreinstudierung: João Martins

Leitung: Christian Erny

Konzerteinführung 18.45: Hans-Ulrich Munzinger und Alfred Felder

 

Alexa Vogel (Sopran), Margarete

Sara-Bigna Janett (Sopran), Trödelhexe

Leila Pfister (Mezzosopran), Halbhexe / Schöne Hexe

Tino Brütsch (Tenor), Faust

Alexandre Beuchat (Bariton), Mephistopheles

 

Soirée (Werkeinführung): 1. April 2025

 

Anmerkung der Redaktion: Der Text von Herbert Büttiker wurde erstmals am 12. März 2020 veröffentlicht. Die aktuelle Version wurde den neuen Umständen entsprechend überarbeitet.

Vogelstimmen im Zentrum der Musikforschung

Der soeben erschienene Sonderband des Schweizer Jahrbuchs für Musikwissenschaft denkt über Vogelgesang, Musik und Stille nach.

Zum ersten Mal nach seiner digitalen Neuausrichtung präsentiert das Schweizer Jahrbuch für Musikwissenschaft eine Sonderedition, die durch die beiden Musikethnologinnen Helena Simonett und Patricia Jäggi von der Hochschule Luzern (HSLU) gasteditiert wurde und aus deren Forschungsprojekt Seeking Birdscapes hervorgeht. Vier Hauptartikel und zwei künstlerische Beiträge nähern sich dem Vogelgesang aus unterschiedlichen Perspektiven.

In ihrer Einleitung führen Helena Simonett und Patricia Jäggi ins Thema «Birdscapes» ein und stellen das Luzerner Forschungsprojekt vor. In seinem Aufsatz «The Anatomy of a Benign Failure» dekonstruiert Gergely Loch Péter Szőkes anthropozentrische Behauptung, dass sowohl der Vogelgesang als auch der menschliche Gesang auf Grund identischer neurologischer und physiologischer Vorgänge entstünde. Andrew Whitehouses Aufsatz «Inquisitory Birds» stellt die Frage nach der Ethik der Methode des Playback von Vogelstimmen, wenn es darum geht, seltene Vogelarten für Forschungszwecke aus ihrem Versteck zu locken. Ein Spaziergang durch den Schweizer Klangwald Tùn Resùn bildet die Grundlage des Artikels von Nathalie Kirschstein und Helena Simonett, in dem die multisensorischen Erlebnisse verschiedener Gewährspersonen dokumentiert und eingeordnet werden.

Emily Doolittle führt in ihre Kompositionen Gannetry ein, ein multimodales Werk, das durch die Geräusche von schottischen Basstölpeln inspiriert und in Zusammenarbeit mit dem Dichter Dawn Wood entstanden ist. Abschliessend stellen Matthias Lewy und Helena Simonett die Ausstellung Birdscapes vor, die eng mit dem Forschungsprojekt an der HSLU verbunden und 2022 in Naturmuseum Luzern zu sehen war.

 

Musizierende Tiere?

Dass das «Musizieren» von Tieren nun im Zentrum einer musikwissenschaftlichen Publikation steht, scheint kein Zufall. Die zunehmende Besorgnis um unsere Umwelt – hervorgerufen durch die aktuelle Klimakrise und den zunehmend schwindenden und sich verändernden natürlichen Lebensraum und der damit verbundenen Klanglandschaften – fordert ein genaues Hinschauen und Hinhören, ein radikales Umdenken über die Rolle des Anthropozäns und die Suche nach neuen Möglichkeiten, wie wir mit unserer Welt umgehen sollen.

Die musikwissenschaftliche Forschung insbesondere in den Human Animal Studies, den Sound Ecologies und der Ecomusicology gewinnt zunehmend an Bedeutung, was im vergangenen Oktober in Nürnberg eine internationale Forschungsgruppe ins Leben gerufen hat, die sich dem Forschungsschwerpunkt «Multispecies Sound and Movement Studies» widmet. Der Sonderband des Schweizer Jahrbuchs für Musikwissenschaft fügt sich mit seinem Schwerpunkt auf Vogelgesang dementsprechend gut in die aktuellen Forschungsdebatten ein.

Musik-Kurswochen Arosa 2025

Die 39. Musik-Kurswochen bieten von Juni bis November 132 Kurse an. Nebst unzähligen Kursen für Amateure, finden auch wieder diverse Meisterkurse statt.

Seit 39 Jahren bietet der Verein Arosa Kultur die Musik-Kurswochen Arosa an. Jeden Sommer und Herbst finden rund 1450 Teilnehmende den Weg in die herrliche Bergwelt von Arosa. Im Einsatz stehen rund 200 versierte Kursleitende aus der Schweiz und dem Ausland. Die meist 6-tägigen Kurse richten sich sowohl an Laienmusiker:innen wie auch an Berufsmusiker:innen und Studierende.

 

Nicht nur Musik-Kurse im Angebot

Die rund 80 Instrumentalkurse sind für die verschiedensten Streich-, Blas-, Tasten- und Percussions-Instrumente ausgeschrieben. Ein buntgemischtes Programm erwartet die Teilnehmenden der verschiedenen Chor- und Singwochen.

Arosa Kultur bietet aber nicht nur Musik-Kurse an. Im Programm finden sich auch Malkurse, diverse Tanzkurse, ein Instrumentenbaukurs und ein Literatur-Weekend. Erneut finden auch verschiedene Anfängerkurse und spezielle Kurse für Kinder und Jugendliche statt.

 

Neu im Programm

Folgende Kurse werden im 2025 zum ersten Mal angeboten: Indianische Flöte mit Samuel Staffelbach – Handpan für Fortgeschrittene mit Kay Rauber – Tango für Streichinstrumente mit Katharina Deissler – Zeitgenössische Musik für Flöte mit Rebecca Blau – Volksmusik für bestehende Formationen mit Madlaina Küng und Thomas Aeschbacher – Mongolische Pferdekopfgeige und Kehlkopfgesang mit Bayanzul Damdinsuren – Viola da Gamba mit Soma Salaat-Zakariás – Barockvioline mit Claire Foltzer – Historisches Generalbassspiel auf dem Cembalo mit Andreas Westermann – Kammermusik für Streicher und Gitarre mit Nicolas Corti und Han Jonkers – Musik von Hannes Meyer mit Matthias Gubler – Kammermusik mit dem Trio Degas – Körper-Musik-Mentales mit Ivo Prato – Tanzkurs für Anfänger:innen ü45 mit Peter Wingling – Hochzeitstanzkurs mit Valeria Klaus – Literatur-Weekend zu Hermann Hesse mit Reto Bonifazi – Das A – Z der Zeit mit Anna Jelen – Singen und Musizieren im Zwergliland mit Bettina Boller und Christina Schwerzenbach (für Kinder von 2 – 5 Jahren).

 

Arosa Music Academy und Meisterkurse

Auch im Bereich der Spitzenförderung sind die Musik-Kurswochen Arosa international mit dabei. 14 verschiedene Meisterkurse und zwei Arosa Music Academy’s finden im Sommer und Herbst 2025 in Arosa statt. Unter den Teilnehmenden werden mehrere Preise der Hans Schaeuble Stiftung verliehen.

 

Informationen und Anmeldung

Alle Informationen über die Kurse sowie die Anmeldung finden Sie unter . Das gedruckte Kursprogramm kann bei Arosa Kultur (siehe Kontakt) bestellt werden. Für Frühbucher gibt es bis Ende Februar CHF 40.00 Rabatt.

Stipendienwettbewerb der Kalaidos Musikhochschule

Herzlichen Glückwunsch an die Gewinner:innen unseres Stipendienwettbewerbs!

Die Gewinnerinnen und Gewinner des Stipendienwettbewerbs 2024. Foto: Kalaidos

Am 11. November 2024 fand der jährliche Stipendienwettbewerb der Kalaidos Musikhochschule statt. Dieses Förderinstrument zeichnet hervorragende junge Künstler:innen aus und ergänzen die Leistungen des Kalaidos Stipendienfonds, der Studierende in schwierigen finanziellen Situationen unterstützt.

Studierende aller Studiengänge der Kalaidos Musikhochschule waren eingeladen, eine etwa zwanzigminütige Performance mit Stücken verschiedener Stilrichtungen zu geben, um sich für die Stipendien und Preise zu qualifizieren. Von der virtuosen Violinsonate bis hin zum Popsong war an diesem Konzerttag eine grosse Vielfalt an Stücken, Interpretationen und ganz persönlichen Stilen zu hören.

Studierende der Klassik- und Jazz-/Pop-Abteilung sangen und spielten Violine, Viola, Kontrabass, Trompete, Klavier und Querflöte. Daneben bewarben sich auch Studierende der Musikpädagogik für die ausgeschriebenen Stipendien. Für die verschiedenen Instrumente waren je Expert:innen eingeladen, um die Vorstellungen der einzelnen Studierenden zu beurteilen. Natürlich fiel der Jury die Stipendien- und Preisvergabe nicht leicht – musste sie  doch viele ausgezeichnete Vorführungen verschiedener Stilrichtungen und Instrumentengruppen und die Lehrproben miteinander vergleichen und einige davon besonders auszeichnen.

Deshalb freuen wir uns besonders, die Musikerinnen und Musiker bekannt zu geben, die beim diesjährigen Stipendienwettbewerb der Kalaidos Musikhochschule ausgezeichnet wurden! Insgesamt wurden von der Jury, bestehend aus Prof. Dr. Michael Bühler, Dr. Leslie Leon, Jens Bracher, Dr. Stefan Häussler und Erna Ronca, 10 Stipendien vergeben. Die Stipendien sichern den Gewinnerinnen und Gewinnern volle Studiengebühren für 6 resp. 12 Monate.

 

Unsere herzliche Gratulation geht an:

– Nicola Angileri – Master of Arts Kalaidos FH in Musikpädagogik

– Immanuel Brunner – Bachelor of Arts FH in Musik mit Vertiefung in Klassik

– Adeline Favre – Bachelor of Arts FH in Musik mit Vertiefung in Klassik

– Aida Jauslin – Master of Arts Kalaidos FH in Musikpädagogik mit Vertiefung in Jazz & Popular Music

– Lilla Krájer – Bachelor of Arts FH in Musik mit Vertiefung in Klassik

– Elisabeth Kulmer – Master of Arts Kalaidos FH in Musikpädagogik mit Vertiefung in Klassik

– Milana Perduv – Master of Arts Kalaidos FH in Musikpädagogik mit Vertiefung in Klassik

– Zhixin Zhang – Master of Arts Kalaidos FH in Music Performance mit Vertiefung in Klassik

– Zeyu Zhao – Master of Arts Kalaidos FH in Music Performance mit Vertiefung in Klassik

– Tatiana Zubova – Master of Arts Kalaidos FH in Musikpädagogik mit Vertiefung in Klassik

Wir wünschen allen Preisträgerinnen und Preisträgern viel Erfolg und Freude auf Ihrem musikalischen Weg und freuen uns sehr, sie bei der Verwirklichung Ihrer Ziele unterstützen zu dürfen! Wir wissen aus eigener Erfahrung, welch grosses Engagement, welch Durchhaltevermögen und welche kreative Energie Musiker:innen brauchen, um von frühem Alter an ein Musikinstrument zu erlernen, eine Unzahl an Stunden damit zu verbringen, Technik und musikalische Gestaltung zu perfektionieren und über alle Hindernisse, nicht zuletzt finanzieller Art, hinweg, dabei zu bleiben, sich für die Musik zu begeistern und diesen Enthusiasmus mit einem Publikum zu teilen. Über die Liebe zur Musik vergessen wir manchmal, welche grosse Leistung dahintersteckt, alles für einen Berufzu geben, der manchmal auch mit herausfordernden Arbeitsbedingungen verbunden ist.

Wir freuen uns, die Tätigkeit dieser jungen Künstler:innen finanziell unterstützen zu können und hoffen, mit unserer Arbeit etwas dazu beizutragen, dass sich diese Musiker:innen in ihrer je eigenen Spielart weiterentwickeln und ihr Publikum noch lange mit ihrer Begeisterung für die Musik anstecken und mit ihrem Ausdrucksreichtum verzaubern – haben wir doch in den letzten Jahren gelernt, dass uns gerade in Momenten der Unsicherheit und der Zukunftsangst tief empfundener künstlerischer Ausdruck und das Engagement einer jungen Generation Kraft und Hoffnung geben kann, um der Zukunft optimistischer zu begegnen und sie zum Positiven zu wenden.

Gesucht: Beiträge SJM

Welche Rolle spielt die Zeit in der Musik? Das Schweizer Jahrbuch für Musikwissenschaft (SJM) sucht spannende Beiträge zum Thema «Zeit und Zeitlichkeit in der Musik»

Für die fünfte Ausgabe des neuen digitalen Schweizer Jahrbuchs für Musikwissenschaft (Bd. 42 (2025) lädt die Redaktion Autorinnen und Autoren ein, Artikel zum Thema «Zeitlichkeit in der Musik» einzureichen. Gleichzeitig ermutigt das Herausgeberinnenteam Forscherinnen und Forscher, die aktuell an Musikprojekten an Schweizer Forschungsinstitutionen arbeiten, dazu, diese als Forschungsberichte zu präsentieren.

 

Zeit und Zeitlichkeit in der Musik

In dieser Ausgabe sollen verschiedenen Aspekte von Zeit und Zeitlichkeit in der Musik kulturell, geografisch, historisch, begrifflich und theoretisch untersucht werden. Musik hat eine einzigartige Wirkung auf unser Zeitwahrnehmung. Im Konzertsaal oder in der Disco verläuft die Zeit gefühlt anders als im Alltäglichen Leben. Diesen flexiblen und hybriden Charakter der Zeit haben Komponisten, Interpretinnen, Musikschaffende und (inter)nationale Institutionen im Laufe der Geschichte und auf der ganzen Welt immer wieder bewusst und unbewusst eingesetzt.

Um zu verstehen, wie Musik und Zeitlichkeit auf einzigartige Weise miteinander verbunden sind, gilt es, die Grenzen der engeren Musikwissenschaft zu überschreiten. Beiträge sind deshalb aus verschiedenen Teildisziplinen gefragt. Dazu gehören neben der Musikwissenschaft, Musikethnologie und Musikpädagogik z.B. auch die Literaturwissenschaft, Kulturgeschichte, Filmwissenschaft, Geschlechterforschung, oder die Sozialwissenschaft.

Wir fragen uns z.B., wie werden musikalische Phänomene in Form von Erinnerung, Antizipation oder Nostalgie geprägt und verändert? Welche Rolle spielt die Zeit in der Wiederbelebung eines alten Volkslieds, wie klang es damals, wie heute? Wie funktionieren erzählerische Mittel wie Beschleunigung und Rückblende innerhalb bestimmter Konventionen in unterschiedlichen historischen und kulturellen Kontexten? Wie können wir das komplexe Zusammenspiel verschiedener Zeitlichkeiten in der Musik verstehen, z.B. wie wird in einer Oper eine Geschichte, die sich über mehrere Tage oder Jahre zieht, innerhalb von wenigen Stunden musikalisch dargestellt?

Solche musikalische Zeitphänomene sind nicht an einem bestimmten musikalischen Stil oder an eine Epoche gebunden: sie können sowohl anhand einer Symphonie, einem Rockkonzert oder einer Jazz Improvisation untersucht werden.

 

Drei Formate für die Publikation

Die Hauptartikel von max. 40’000 Zeichen (inkl. Leerzeichen und Fussnoten) zum Thema Zeit und Zeitlichkeit in der Musik bilden den Hauptteil der Ausgabe und werden einer doppelten Blindbegutachtung unterzogen. In der Rubrik «Zeitzeugen» werden kürzere Beiträge von max. 10’000 Zeichen (inkl. Leerzeichen und Fussnoten) publiziert, die sich dem Thema der musikalischen Zeitlichkeit widmen. Diese können unterschiedliche Formate haben, z.B. eine schriftliche, akustische oder visuelle Präsentation einer historischen oder musikalischen Originalquelle, ein Künstler:innen- oder Expert:inneninterview oder ein Statement zu aktuellen Ereignissen. In der Rubrik «Werkstatt-CH» werden ausgewählte Beiträge publiziert, die aktuelle Ansätze und Fragestellungen aus Schweizer Forschungsinstitutionen aufzeigen. Auch diese können unterschiedliche Formate haben wie z.B. Poster oder andere digitale Formate. Diese Beiträge sind nicht an das Oberthema der Ausgabe gebunden.

 

Vollständig redigierte Artikelvorschläge in Deutsch, Italienisch, Französisch, Rätoromanisch oder Englisch sind bis spätestens 15. Februar 2025 über die Website einzureichen. Die Benachrichtigung über die Annahme erfolgt im März 2025, die Ausgabe erscheint Ende 2025.

Lampenfieber meistern: Mit mentaler Stärke auf der Bühne glänzen

Nervosität vor Auftritten kennt fast jede*r Musiker*in. Sebastian Rosenberg zeigt, wie du mit Atemübungen, positivem Denken und Visualisierungen deine Nervosität kontrollierst und dein volles Potenzial abrufst. Praktische Tipps und Techniken, um mit Gelassenheit und Freude auf die Bühne zu gehen.

Du stehst mit weichen Knien auf der Bühne, dein Puls rast und deine Hände sind schwitzig. Eigentlich wolltest du dich auf das Musizieren fokussieren, doch jetzt drehen sich deine Gedanken nur noch um deine Nervosität. Kommt dir diese Situation bekannt vor?

Lampenfieber kann die Leistungsfähigkeit stark beeinträchtigen. Wenn der Körper unter Stress steht, wird das Stresshormon Cortisol ausgeschüttet, welches Symptome wie Zittern, Schwitzen oder eine flache Atmung auslöst. Obwohl die Stressreaktion unterbewusst abläuft, lässt sie sich durch gezielte Techniken beeinflussen – zum Beispiel durch bewusstes Atmen.

Eine hilfreiche Technik für bewusstes Atmen ist die «Quadratatmung», welche folgendermassen funktioniert:

Positioniere dich bequem und richte deine Aufmerksamkeit «nach innen». Atme ruhig ein und aus. Zähle dann beim Einatmen bis fünf und folge gedanklich der ersten Seite eines imaginären Quadrats. Halte den Atem für die gleiche Dauer an, ohne Anspannung (die zweite Seite), atme dann aus und folge der dritten Seite des Quadrats. Halte den Atem wieder an, um die vierte Seite zu vervollständigen. Wiederhole diesen Zyklus. Passe die Dauer der Seitenlängen deinen Bedürfnissen an.

Es gibt viele verschiedene Atemtechniken, und jede Person reagiert anders. Es ist wichtig, herauszufinden, welche Technik dich am besten beruhigt oder aktiviert, damit du die Kontrolle über deine Nervosität zurückgewinnst.

Neben der Atemtechnik spielt auch der Umgang mit störenden Gedanken eine wichtige Rolle. «Störende Gedanken» sind solche, die uns in stressigen Situationen von der Aufgabe ablenken oder uns negativ beeinflussen – etwa während eines Konzerts oder Probespiels. Ein effektiver Ansatz, um mit solchen Gedanken umzugehen, ist das WAVE-Prinzip des Sportpsychologen Jörg Wetzel (aus «GOLD – Mental stark zur Bestleistung», Jörg Wetzel, 6. Auflage, 2019). «WAVE» steht für:

1. Wahrnehmen: Erkenne bewusst deine Gedanken, Gefühle und körperlichen Reaktionen.

2. Anhalten: Stoppe den Gedankenstrom aktiv, indem du «Stopp» oder «Halt» sagst.

3. Verändern: Ersetze negative Gedanken durch positive, konstruktive Denkmuster.

4. Einüben: Wiederhole den neuen Gedanken und prüfe seine Wirkung.

Beispiele: Statt «Schon wieder einen Ton nicht sauber getroffen, wie peinlich!» könntest du sagen: «Ich kann das besser. Abhaken und weitermachen!» Oder anstatt zu denken «Wenn ich jetzt nervös werde, funktioniert es sicher nicht» könnte der Gedanke lauten: «Ich bleibe ruhig und musiziere, wie ich es zu Hause tue.» Indem du lernst, deine Gedanken aktiv zu lenken, kannst du deine Nervosität in den Griff bekommen und dich besser fokussieren.

Mentales Training bietet zudem die Möglichkeit, Konzertsituationen zu üben. Visualisierungstechniken helfen dabei, ein positives ­Konzerterlebnis nochmals mit allen Sinnen zu durchleben oder eine zukünftige Aufführung gedanklich vor einem imaginären Publikum zu proben. Diese Methode bereitet dich mental auf den «besonderen Moment» vor, damit du die Nervosität besser antizipieren und ihr gelassen begegnen kannst. In vielen Fällen ist die dritte oder vierte Aufführung viel leichter als die Premiere.

Die Momente kurz vor der Performance sind entscheidend für den Erfolg. Eine sorgfältige Planung und das Training dieses Ablaufs, unterstützt durch mentale Techniken, sind genauso wichtig wie die technische und musikalische Vorbereitung.

Nervosität lässt sich nicht vollständig eliminieren, doch mit mentalen Techniken kannst du lernen, sie zu steuern und einen positiven Umgang damit zu entwickeln. So kannst du auch in stressigen Momenten deine Leistung zuverlässig abrufen und mit Gelassenheit auftreten.

 

Sebastian Rosenberg
… berät Musiker*innen und gibt Kurse und Workshops im Themenbereich Mentaltraining, unterrichtet Trompete und leitet Ensembles an der Musikschule Rontal LU.

Zwei Festivals in Arosa

Der Kulturwinter Arosa bietet auch dieses Jahr ein vielfältiges Programm. Neben viel Musik gibt es Vorträge, Lesungen, Gespräche und einen Film. Aushängeschilder sind dabei die beiden Festivals Arosa Sounds und Arosa Klassik.

Das Arosa Sounds Ende Januar bis Anfang Februar verspricht ein energiegeladenes Programm. Gestartet wird das Festival am Mittwochabend mit dem Afro Jazz Sextett der jungen Berner Sängerin Malika Kaita. Da trifft Afrobeat auf fidelen Jazz, dargeboten von noch jungen und hochmotivierten Musiker:innen. Zur Einstimmung findet im Vorfeld des Konzerts ein Talk mit Malika Kaita statt zum Thema interkulturelle musikalische Zusammenarbeiten. Der in Chur aufgewachsene Sänger Andreas Lareida hat sein altes Bandprojekt «Andreas Lareida Agorà» aus dem 10-jährigen Schlaf aufgeweckt und tritt als Septett in neuer Frische auf die Bühne. Ladunna kann als die Bündner Ent­deckung des Jahres 2024 bezeichnet werden. Zwei junge Frauen aus der Romantschia kombinieren pulsierende Rhythmen mit Jazzgesang. Etwas ruhigere Musik spielt der Kontrabassist Marc Jenny im Bergkirchli. Als Abschluss des Festivals gibt es zwei Konzerte des Formats «Bündner Sounds»: Die Sänger:innen Andreas Lareida, Malenco, Anna Bläsi und die Saxophonistin Gianna Lavarini arrangieren und proben ihre Eigenkompositionen mit einer Begleitband, das Resultat dieser Zusammenarbeit wird exklusiv bei Arosa Sounds präsentiert.

Das Klassikfestival Arosa steht dieses Jahr unter dem Motto «Stimmen zu Gast in Arosa». Zur Eröffnung geben der ehemalige Direktor des Schweizer Fernsehen Ueli Haldimann und der Schauspieler Christian Sprecher, Hermann Hesse eine Stimme. Haldimann hat die Aufenthalte Hesses in den Jahren 1928/29 in Arosa recherchiert und Sprecher liest aus den wunderbaren Texten über das Skifahren und über die Aroser Sonne welche Hermann Hesse verfasst hat. Der Bariton Samuel Zünd ist mit den «Galgenliedern» von Christian Morgenstern zu Gast in Arosa. Der Schweizer Dirigent und Komponist Enrico Lavarini hat sich der heiter-morbiden Texte angenommen. Mit Zünd stehen auch der Klarinettist Emil Scheibenreif und die Pianistin Nilgün Keles auf der Bühne.

«Das Wichtigste ist die Musik, die man im Kopf hat», sagte Madame Flo, die unerschütterliche, selbstbewusste und sagenhaft talentfreie Sopranistin. Doch leider sang sie zum Erbarmen falsch, das Publikum liebte sie trotzdem und kam in Scharen, um sich über sie zu amüsieren. Das Stück «SOUVENIR» von Stephen Temperley über Jenkins Karriere ist eine wunderbar herzerwärmende Hommage an diese Legende des amerikanischen Showbusiness. Die Schauspielerin Ute Hoffmann gibt die Jenkins. Mit von der Partie sind Nikolaus Schmid und Marco Schädler.

Während der Churer Zoologe und Museumspädagoge Flurin Camenisch in einem Vortrag darüber spricht, wie sich Tiere miteinander unterhalten, zeigt der Film «Sibel» eine junge Frau, deren Stimme verstummt ist. Sie kann sich lediglich mit pfeifen einigermassen verständigen. Der Film spielt im zerklüfteten Berggebiet an der türkischen Schwarzmeerküste, wo Menschen die althergebrachte Pfeifsprache noch beherrschen und pflegen.

Wie schon in den vergangenen Jahren werden die Preisträger:innen des Hans Schaeuble Awards Konzerte im Rahmen des Klassik Festival Arosa geben. In zwei Gruppen erarbeiten sie in Arosa je ein Konzertprogramm welches nebst in Arosa auch in Chur, Boswil und Zürich aufgeführt wird.

Zum Abschluss des Klassik Festival Arosa singt der Gemischte Chor Arosa unter der Leitung von Ursula Müller-Weigl Chorpassagen aus bekannten Operetten. Als Solistinnen wirken die Mezzo-Sopranistin Stefanie Schaefer und die Pianistin Kristina Ruge mit.

«Ich will verstehen»: Künstlerische Forschung an Musikhochschulen

Die Diskussion über die künstlerische Forschung und Integrationsbemühungen an Schweizer Musikhochschulen haben sich intensiviert, doch ihre Potenziale werden weiterhin unterschätzt. Die folgenden Überlegungen basieren auf Studienbesuchen des Autors in Gent, Kopenhagen, Oslo und Wien.

Die künstlerische Forschung findet in den letzten Jahren durch die nationale und internationale Positionierung und Profilierung der Schweizer Musikhochschulen mehr Aufmerksamkeit. Ausgehend von den Pionierleistungen des 1996 gegründeten Orpheus Instituut in Gent wurde die künstlerische Forschung zunächst an Musik- und Kunsthochschulen im europäischen Norden und dem Vereinigten Königreich, dann in Österreich und Deutschland gefördert und institutionell erfolgreich integriert. In diese Entwicklung fügt sich auch die Gründung der Society for Artistic Research (SAR) 2010. Die Institutionalisierung der künstlerischen Forschung als Forschungspraxis wie auch in Ausbildungsgängen war eine wichtige Voraussetzung für die Einführung von akademischen und international anerkannten Abschlüssen.

Trotz der jungen Entwicklung und der teilweise unterschiedlichen Ansätze herrscht bereits Einigkeit darüber, dass künstlerische Praktiken einen wesentlichen Beitrag zu Diskursen über Wissensordnungen leisten. Als ein auf Erkenntnis ausgerichtetes Handeln – ganz im Sinne von Hannah Arendts Äusserung im legendären Interview mit Günter Gaus (1964) «Ich will verstehen» – generiert Kunst selbst Wissen. Im Wissenschaftsverständnis ist reflektiertes künstlerisches Handeln demnach als Forschung zu verstehen. Aber auch bildungspolitische Überlegungen legen die Förderung und Institutionalisierung von künstlerischer Forschung nahe. Denn im Rahmen der etablierten universitären Disziplinen fehlen Anschlussmöglichkeiten einer für die Musikhochschulen adäquaten Forschungspraxis weitgehend. Damit korrespondiert, dass aus der künstlerischen Praxis generierte und für die Musikhochschulen relevante Forschungsanliegen bisher oft Ausgrenzung erfuhren. Hinzu kommen Wettbewerbsnachteile und systemische Schwächen: Die begrenzte Anziehungskraft der Schweizer Musikhochschulen für hochqualifizierte Forschende und Promovierende sowie fehlende Karrierewege für den eigenen Nachwuchs. Auch kooperative Promotionsmodelle mit Universitäten mindern diese Problematiken nur scheinbar: Ohne ein Erstbetreuungsrecht und ohne institutionelle Sichtbarkeit auf den Diplomen tragen die Musikhochschulen trotzdem oft die Hauptlast der Betreuungsarbeit, und nur selten haben solche Kooperationen eine nachhaltige Entwicklung und Stärkung einer spezifisch musikhochschulischen Forschungskultur sowie entsprechender wissenschaftlicher Expertise zur Folge.

Für Musikhochschulen hat ein an die künstlerische Forschung gekoppeltes Promotionsrecht deshalb das besondere Potenzial, künstlerische wie wissenschaftliche Kompetenzen entwickeln und die für sie herausfordernde Vernetzung von Theorie und Praxis bewältigen zu können. Durch forschendes Lernen werden Studierende befähigt, ihre Projekte sowohl nach Massstäben der künstlerischen Exzellenz als auch nach wissenschaftlichen Standards zu reflektieren, theoretisch zu untermauern und zu präsentieren. Dies fördert nicht nur ein tieferes Verständnis der eigenen musikalischen Praxis, sondern auch für deren gesellschaftliche und historische Einbettung. Gleichzeitig begünstigt künstlerische Forschung neue Ausdrucks- und Präsentationsformate sowie kreative Problemlöseverfahren. Mit der Förderung und Institutionalisierung der künstlerischen Forschung hängt folglich auch eine Erweiterung des Musiker:innen-Profils zusammen, das – nebst der Produktion bzw. Reproduktion von Musik – auf die Generierung von gesellschaftsrelevantem Wissen und neuen Erkenntnissen zielt. Indem Musiker:innen vermehrt befähigt werden, sich aktiv in gesellschaftliche Prozesse einzubringen, trägt die künstlerische Forschung zur Profilierung des Musikstudiums in sich verändernden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen bei. Im Kontext der aktuellen Diskurse betreffend Diversity und Nachhaltigkeit sowie kultureller Teilhabe und Aneignung kann dieser Mehrwehrt nicht hoch genug bewertet werden.

Seit einigen Jahren unternehmen die Schweizer Musikhochschulen vielversprechende aber noch weitestgehend aus eigenen Ressourcen getragene Schritte: Die Einrichtung von Forschungsschwerpunkten und von Professuren für künstlerische Forschung oder die Implementierung von Masterstudiengängen wie auch von kooperativen Doktoratsprogrammen. Diese Bemühungen sollten zukünftig durch eine nachhaltigere und systematischere Förderung als auch durch die Einführung eines seit längerem geforderten sowie dem universitären Modell gleichgestellten Promotionsrechts wirkungsvoll flankiert werden.

Prof. Dr. Antonio Baldassarre ist Vizedirektor und Leiter für Forschung und Entwicklung an der Hochschule Luzern – Musik

50 Jahre Hingabe an die Förderung und den musikalischen Nachwuchs

Von der Geburt eines Traums zur Feier eines Vermächtnisses: ein halbes Jahrhundert Musik, Inspiration und unvergessliche Begegnungen für Kinder und junge Musiktalente.

Im Herzen der Schweiz des Jahres 1975, wo musikalische Traditionen auf ein lebendiges Streben nach Innovation trafen, entstand ein Traum, der ein halbes Jahrhundert überdauern sollte: der Schweizerische Jugendmusikwettbewerb (SJMW). Mit einem ehrgeizigen Ziel wollte der damalige Direktor des Tonhalle-Orchesters Zürich, Gerd Albrecht, eine nationale Plattform für junge Musiktalente schaffen, um sich auszudrücken, wertvolle Rückmeldungen von einer hochkarätigen Jury zu erhalten und – vor allem – «ihren Platz im nationalen Vergleich zu erkennen». Dieses Umfeld, um Talente zu fördern, hat seit jeher Generationen von Musiker:innen in seinen Bann gezogen.

 

Ein Verbündeter für das ganze Leben

Der SJMW richtete sich von Beginn an an Kinder und Jugendliche im Bereich der klassischen Musik – eine revolutionäre Idee in einer Zeit, in der Musikwettbewerbe vor allem Erwachsenen vorbehalten waren. Seit der ersten Edition zog der Wettbewerb junge Musiktalente aus der ganzen Schweiz an und bot eine inspirierende Umgebung für künstlerisches Wachstum.

Mit der Zeit erweiterte der SJMW seine Disziplinen, um neue musikalische Ausdrucksformen zu integrieren – von der Komposition über Jazz bis hin zur Musiktechnologie. Sein Ziel bleibt es, jungen Talenten zu ermöglichen, ihre Leidenschaft voll auszuleben, um ihr künstlerisches Feuer zum Leuchten zu bringen.

Ein besonders wertvoller Aspekt des SJMW ist das hier entstehende starke Gemeinschaftsgefühl. Teilnehmende unterschiedlicher Hintergründe kommen zusammen, um miteinander zu wetteifern, aber auch voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu inspirieren. Musik wird zur gemeinsamen Sprache, wie Nadia Boulanger es ausdrückte: «Musik kennt keine Grenzen, sondern nur Begegnungen» – und diese Begegnungen bilden die Grundlage für den Erfolg des SJMW, der lebenslange künstlerische Partnerschaften hervorgebracht hat.

In 50 Jahren war der SJMW das Sprungbrett für viele heute weltbekannte Musiker:innen. Doch auch diejenigen, die nicht in der Musik geblieben sind, tragen die Werte des Wettbewerbs – Dis­ziplin, Hingabe und Kreativität – weiter. Zoltán Kodály sagte: «Musik bildet nicht nur das Herz, sondern auch den Charakter» – ein vom SJMW verkörpertes Vermächtnis.

 

«Impulse für ein ganzes Leben»

Dies ist das Motto des 50-Jahr-Jubiläums, das die nachhaltige Wirkung des SJMW auf Tausende Kinder und Jugendliche unterstreicht: Ein Impuls, der sich in den Lebensentscheidungen, im Charakter und in den Werten der Teilnehmenden verankert.

Das Jubiläum wird am 13. September 2025 in der Tonhalle Zürich gefeiert. Den Auftakt bildet ein Kinderkonzert junger Preisträger:innen, gefolgt von einem Jazzkonzert ehemaliger Gewinner:innen. Eine interaktive Ausstellung lässt die Geschichte des Wettbewerbs lebendig werden. Dazu wird eine Jubiläumspublikation Portraits früherer Preisträger:innen präsentieren.

Den Höhepunkt bildet ein Galakonzert im Grossen Saal der Tonhalle. Das Tonhalle-Orchester unter der Leitung von David Bruchez begleitet ehemalige Gewinner:innen als Solist:innen. Zwei speziell für den Anlass komponierte Uraufführungen von Daniel Schnyder und Richard Dubugnon runden das Programm ab.

50 Jahre sind ein Meilenstein, aber auch ein Versprechen für die Zukunft. Der SJMW verpflichtet sich, den Blick nach vorne zu richten, ganz im Geist der Worte unseres Landsmannes Yehudi Menuhin: «Wenn uns die Zukunft etwas lehrt, dann ist es, dass die Musik niemals aufhören wird zu vereinen.» Der Wettbewerb wird weiterhin eine wichtige Anlaufstelle für junge Musiktalente aus der ganzen Schweiz sein, um ihr Talent zu fördern und unsere Musikkultur zu bereichern.

Gesundheitsmanagement als Erfolgsfaktor

Der Nationale Gesundheitstag Musik der Swissmedmusica hat im Neubad Luzern die Brücke zwischen Musikpädagogik, Sport- und Musikermedizin geschlagen.

Der diesjährige Tag begann buchstäblich mit Paukenschlägen: Das Mallets-Ensemble Oberer Sempachersee der Musikschule Oberer Sempachersee begeisterte zur Eröffnung mit Energie und Virtuosität, bevor der Zürcher Sport- und Musikermediziner Christoph Reich aufzeigte, wie sich Konzepte des Selbstmanagements vom Sporttraining auf das Musizieren übertragen lassen. Eine Überlastungsproblematik sei, so Reich, zuallererst die Folge einer zu schnellen oder zu punktuellen Belastungssteigerung. Mechanische und statische Faktoren beeinflussten die Toleranzreserve. Sie müssten eruiert und angepasst werden.Cinzia Cruder (Conservatorio della Svizzera Italiana und University of Applied Sciences and Arts of Southern Switzerland) und Dawn Rose (Hochschule Luzern – Musik) präsentierten aktuelle Forschungen aus den Schweizer Musikhochschulen. Letztere schliessen sich erfreulicherweise zusammen, um in einer Langzeitstudie Risiken der spielbedingten Muskel-Skelett-Erkrankungen (Playing-Related Musculoskeletal Disorders, PRMD) zu evaluieren. Cinzia Cruder präsentierte Resultate ihrer paneuropäischen «Rismus»-Studie («Risk Of Music Students»).

Sie weist nach, dass bloss ein Drittel aller Musikstudierenden nicht unter PRMD leiden. Dawn Rose mahnte an, dass die Studierenden und die Musikhochschulen eine gemeinsame Verantwortung für ihr Wohlergehen haben und traditionelle Vorstellungen von Erfolg hinterfragt werden müssen. Etwa wenn es um die nach wie vor herumgeisternde Überzeugung geht, Fortschritte müssten mit Schmerzen erkauft werden oder die Suche nach Hilfe sei bereits ein Zeichen des eigenen Versagens.

Wenn es darum geht, das Gesundheitsmanagement in der Musikpädagogik zu sichern, muss neueren Entwicklungen Rechnung getragen werden. Neben den traditionellen Musikschulen beleben immer mehr private Musikschulen und sogar globale Onlineangebote den Markt. Damit bestimmen die Lernenden – vor allem diejenigen mit sehr knappen finanziellen Ressourcen – immer mehr, welche Formen des Unterrichts sie autonom kombinieren wollen. Die Perspektive der privaten Anbieter brachte Gerhard Wolters, der Gründer einer eigenen Akademie ein. Man konnte aus seinen Ausführungen schliessen, dass er die ungehinderte intrinsische Motivation von Lernenden als vermutlich wichtigste Präventionsmassnahme betrachtet.

Der deutsche Psychiater und Musikermediziner Peer Abilgaard wies zum Schluss darauf hin, dass der weitaus grösste Anteil am Gelingen des Musikunterrichts die gelingende, vertrauensvolle Beziehung ist und dass die exzellentesten Musiker, vor allem diejenigen, die in ihren Ausbildungen nie mit Krisen oder verstörenden technischen Herausforderungen zu kämpfen hatten, nicht unbedingt auch die besten Pädagogen sind. Geraten Studierende in Krisen, sei es entscheidend, ihr Leid zu würdigen und dem Reflex zu widerstehen, dieses herunterzuspielen.

Nationaler Gesundheitstag Musik

9. November 2024, Neubad Luzern

Verlagsverträge und deren Risiken und Nebenwirkungen

Ein Musikverlag soll Kompositionen vermarkten. Je nach Musikgenre ist der Fokus dieser Vermarktung ein anderer.

Der Verlag kann Labels suchen, die eine Aufnahme produzieren. Der Verlag kann dafür sorgen, dass Musik in einer neuen Aufnahme für Werbung, Film oder Computer-Games verwendet wird oder Kompositionsaufträge vermitteln. Weiter kann der Verlag Bearbeitungen wie z.B. Übersetzungen oder Stilwechsel gegen Entgelt erlauben oder anregen. Klassischerweise druckt ein Verlag auch Noten, veröffentlicht Songbooks oder gibt einem Streamingdienst eine Lizenz zum Anzeigen der Songtexte während des Streamings. Hingegen gehört es nicht zu den Aufgaben des Verlags, sich um die Auswertung von Aufnahmen zu kümmern. Dies gehört typischerweise zu den Kernaufgaben der Labels oder eines Vertriebs.

Gute Musikverlage haben in der Regel ein grosses Netzwerk, idealerweise auch im Ausland, welches ihnen diese Aufgaben ermöglicht oder erleichtert. Bei der Entscheidung für oder gegen die Zusammenarbeit mit einem Verlag sollte ein*e Künstler*in auch berücksichtigen, ob das Netzwerk zu den eigenen Bedürfnissen und zum eigenen Musikstil passt.

Damit der Musikverlag seine Aufgaben wahrnehmen kann, überträgt ihm der/die Urheber*in (Komponist*in, Textautor*in oder Bearbeiter*in) die Urheberrechte für einen definierten Zeitraum in einem definierten Territorium.

Für seine Arbeit erhält der Verlag einen Prozentsatz der Einnahmen des/der Urheber*in aus der Nutzung der Kompositionen. Die Höhe des Prozentsatzes hängt von der Art der Nutzung ab. Verlag und Komponist*in sind beide Mitglied bei einer Verwertungsgesellschaft wie der SUISA. Dort wird der Verlag bei den einzelnen Werken registriert und im Verlagsvertrag werden die Einnahmen gleich aufgeteilt wie im Verteilungsreglement der SUISA. Dies betrifft alle Rechte ausser die Synchronisation (z.B. Verwendung der Musik in Film, Games etc. aber auch Verbindung der Musik mit einer Choreo­graphie, Einbetten in ein Theaterstück etc.), die Bearbeitung (z.B. Übersetzen von Texten, Stilwechsel etc.), das »grafische» Recht (z.B. Druck von Noten oder die im Internet abgebildeten Texte). Für die direkt vom Verlag wahr­genommenen Rechte vereinbaren Verlag und Urheber*in eine Umsatzbeteiligung frei.

Weil der Verlag anstelle eines festen Honorars eine Umsatzbeteiligung erhält, trägt er das Risiko viel zu arbeiten aber wenig zu erreichen und damit wenig einzunehmen. Es kann aber auch sein, dass der Verlag sich für die Auswertung von bestimmter Musik wenig einsetzt und trotzdem gut verdient, weil die Künstler*innen z.B. grosse Tourneen spielen, an welchen ihre Songs aufgeführt werden. Dabei erhält der Verlag stets einen Anteil der SUISA-Einnahmen.

Verlagsverträge haben eine Mindestlaufzeit von drei Jahren, werden aber auch regelmässig für die »Dauer der Schutzfrist» abgeschlossen, also bis 70 Jahre nach dem Tod des/der Urheber*in. Üblicherweise werden Verlagsverträge zudem für die gesamte Welt abgeschlossen.

Das Gesetz regelt zwar die wichtigsten Grundzüge eines Verlagsvertrags. Die Regeln sind jedoch auf typische Buchverlage ausgelegt und passen für Musikverlage kaum. Aufgrund der langen Bindung und der kaum vorhandenen gesetzlichen Vorgaben empfiehlt es sich, alle wesentlichen Themen im Vertrag zu klären. Dazu gehören, nebst Dauer und Territorium, auch klare Pflichten des Verlags, Umsatzbeteiligungen sowie mögliche Kündigungsgründe. Weiter empfiehlt es sich, dass ein*e Urheber*in mitentscheiden kann, für welche Arten von Filmen, Werbung, Games etc. die Musik verwendet werden darf. Die Verbindung der Musik mit anderen Produktionen wirkt sich zwangsläufig auf Künstler*innen und ihren Ruf zurück.

Da Verlagsverträge sehr lange Laufzeiten haben und es für Künstler*innen kaum Möglichkeiten gibt, einen Verlagsvertrag zu kündigen, muss die jeweilige Person im Einzelfall gut prüfen, ob sich die Zusammenarbeit für sie lohnt. Die grösste Herausforderung sind die Konstrukte, bei denen Organisationen wie Labels, Auftraggebende für Musik o.ä., die Verlagsrechte übernehmen wollen, um damit eigene Investitionen wie das Auftragshonorar zu refinanzieren. Manchmal ist die Abtretung der Verlagsrechte Bedingung, um überhaupt den Auftrag zu erhalten oder die Aufnahme zu vermarkten. Dies ist zwar rechtlich in der Regel zulässig, aber hier sollten Künstler*innen besonders gut prüfen, ob aus ihrer Sicht das Gesamtpaket sinnvoll ist.

Wie immer gilt: zu Risiken und Nebenwirkungen des Vertrags fragen Sie eine Fachperson – bevor der Vertrag unterzeichnet wird.

 

Chantal Bolzern … ist Rechtsanwältin, Mediatorin und Co-Präsidentin von Helvetiarockt.

Musik als «Tool in Society»

Mit den Veränderungen in Künsten, Medien und Gesellschaft verändert sich auch die Musik, die damit eine Chance hat, neue Formen und Funktionen zu entdecken.

Das Handwerk einer Musiker*in ist und bleibt seit Jahrzehnten (fast) das gleiche. Anders sieht es aus hinsichtlich ihrer Rolle in der Gesellschaft: Hier ist alles in permanentem Wandel begriffen. Und mit diesen Veränderungen wandeln sich auch die Begriffe, mit denen Hochschulen auf gesellschaftliche Herausforderungen an die Künste reagieren. Kaum hatte man bemerkt, dass «Musikvermittlung» eine relevante Disziplin geworden war, für die dringend Fachpersonen ausgebildet werden sollten, musste man sich schon an den Begriff «Kulturelle Teilhabe» gewöhnen. Parallel dazu war auch noch von «Audience Development», «Community Music», «Co-Creation» oder «Musicking» die Rede. Allen Begriffen ist gemeinsam, dass sich Musiker*innen über ihr Handwerk hinaus auch als Künstler*innen in die Gesellschaft einbringen. Oder wie es Augusto Boal, der brasilianische Regisseur und Theoretiker formuliert: “Being a citizen is not living in society, it is changing it.” Diese Trends werden nicht nur an den Hochschulen, sondern auch in den internationalen Verbänden wie der AEC (Musikhochschulen) oder ELIA (Kunsthochschulen) intensiv diskutiert.

An der Hochschule der Künste Bern wurde kürzlich ein disziplinenübergreifendes Lehrgefäss zum Thema «Artistic Citizenship» durchgeführt, um dem Interesse von Studierenden nach gesellschaftlichem Engagement zu begegnen, das weit über Musikvermittlung hinaus geht. Wir untersuchten in einer Forschungswoche theoretisch und empirisch, ob und wie dafür das Modell des «Artistic Citzenship» taugt: Können Konzepte wie künstlerische Bürgerschaft, soziale Verantwortung und staatsbürgerliche Mission mit künstlerischer Exzellenz, Phantasie und Kreativität eine fruchtbare Verbindung eingehen? Was passiert mit unserer Kunst, wenn wir ihre Praxis als sozialen Prozess oder als «tool in society» begreifen? Dabei beschäftigten wir uns auch mit globalen Megatrends, die unter den Stichworten wie beispielsweise «Global Migration» oder «Down-aging» (ältere Menschen fühlen sich zunehmend jünger) identifiziert werden. Studierende aller Fachrichtungen führten ein eigenes qualitatives Experiment durch, das sie selbstbestimmt mit einem der behandelten Megatrends verbanden. Die Ergebnisse, darunter Performances, Projekt- und Workshop-Konzepte, konnten sie an einem öffentlichen Event Konzertveranstaltern vorstellen.

Eine Studentin hat sich in diesem Zusammenhang spezifisch der Dialoggruppe der hochbetagten Menschen gewidmet und ihr Experiment in den Trend «Silver Society» gestellt. Die Alterung der Gesellschaft ist heute Herausforderung wie Chance für eine neue soziokulturelle Vitalität. Die Studentin – eine Flötistin – hat eine über 90-jährige an Demenz erkrankte Dame, die früher auch Querflöte gespielt hatte, regelmässig im Alterszentrum besucht. Sie war tief beeindruckt von der grossen und erfreulichen Resonanz der Dame auf ihr Flötenspiel, insbesondere auf ihre frei bearbeiteten Volkslieder.

Um als Hochschule neue Methoden und innovative Strategien zu entwickeln, setzt die Berner Fachhochschule seit längerem auf drei strategische Felder: digitale Transformation, Nachhaltigkeit und «Caring Society». So will man auf Herausforderungen reagieren und Studierende befähigen, beispielsweise klassische Musik mit hochbetagten Menschen zu teilen. So arbeitet aktuell ein Team aus den Departementen Musik und Soziale Arbeit daran, wie auf das Bedürfnis von betagten Menschen nach musikalischer Ausdrucksmöglichkeit und nach kreativem, prozesshaftem Austausch mit jungen Menschen reagiert werden kann. Längerfristig soll dies in einem Hochschulkontext gelehrt und gelernt werden können.

Im Fachbereich Musik der Hochschule der Künste besteht seit längerer Zeit die Möglichkeit, Inhalte rund um Vermittlung und Teilhabe im Rahmen des MA in Specialized Music Performance zu studieren. Teil der Abschlussarbeit ist dann ein massgeschneidertes Projekt, das etwa neuartige Konzertformate oder die Inklusion von klassikfernen Gruppen beinhalten kann.

Wenn wir also Musik nicht bloss als performativen Akt von Ausführenden für ein passives Publikum begreifen, sondern ihre Praxis gesellschaftlich umfassend denken, erforschen und erweitern, dann bestärkt das die Bedeutung dieser Musik insgesamt, es bringt vormals eher getrennte gesellschaftliche Gruppen in aktiven Austausch und es erhöht die Legitimation unserer Hochschulen als Bildungs-, Kommunikations- und Kulturinstitutionen.

 

Barbara Balba Weber ist Leiterin Schwerpunkt «Music in Context», Hochschule der Künste Bern

Hochschulwettbewerb zur Finanzierung von Studiengebühren

Privatwirtschaftliche Träger von Berufsausbildungen, also konkret Universitäten und Hochschulen, die nicht von der öffentlichen Hand unterstützt werden, wirken für viele, die sich für ein Musikstudium begeistern, häufig abschreckend: «Ist das aber teuer!», hören wir oft in Beratungsgesprächen mit Interessierten. Dabei geht es auch anders.

«Wir haben da Möglichkeiten, vielleicht müssen Sie gar nicht alles aus eigener Tasche hinlegen!», entgegnen wir dann.

In der Tat: Man muss sich um die Finanzierung der Studien- und Unterrichtsgebühren, welche sich in fixe und variable Kosten aufteilen lassen, kümmern. Dass man vollständig «durchfinanziert» wird, kann man zugegebenermassen nicht unbedingt erwarten. Aber nach dem Sub­sidiaritätsprinzip nebst staatlicher Unterstützung auch im Patchwork verschiedene Quellen «anzuzapfen» sowie Eigenleistungen einzubringen, eröffnet eine andere Sicht auf die eigene Situation.

Verschieden Finanzquellen akquirieren

Möglichkeiten zur Finanzierung der eigenen WEITER-Bildung zu suchen, gehört quasi mit dazu, wenn man sich über die für eine:n selbst in Frage kommenden Studienangebote informiert. Jedoch in der AUS-Bildung bzw. dem grundständigen Studium ist man dies nicht unbedingt gewöhnt, werden die entsprechenden Studiengänge in der Musik doch primär von staatlich subventionierten Hochschulen angeboten. Dort fällt in der Regel nur ein geringer bis nahezu kein Eigenkostenanteil an – gemessen an den faktischen Kosten eines Studienplatzes.

Hochschulinterner Stipendienwettbewerb

Auch die an der jeweiligen Hochschule vorhandenen Optionen zur Mittelakquise zu prüfen, kann die Entscheidung für oder gegen eine Bewerbung zum Studium beeinflussen.

An der Kalaidos Musikhochschule stellen wir zukünftig immatrikulierten Studierenden attraktive finanzielle Unterstützungen in Aussicht. Diese sind leistungsbasierend und werden jährlich in einem offenen Wettbewerb vergeben, der auch für bereits eingeschriebene Studierende gilt. Nebst Stipendien zur Deckung gewisser Anteile der Kosten eines Studiums werden auch Preise vergeben.

Neue Kategorie: Musikpädagogik/Fachdidaktik

Wie in der letzten SMZ-Ausgabe angekündigt, ist in diesem Jahr neu, dass wir nicht nur in Music Performance ausschreiben, sondern die Musikpädagogik explizit und eigenständig berücksichtigen. Das heisst, dass neben einer rein künstlerischen Wertung des musikalischen Vortrages auch eine separate Kategorie für herausragende fachdidaktische Leistungen ein­geführt wird. Sowohl in Performance wie auch Pädagogik ist die Teilnahme in den Stil­richtungen «Klassik» und «Jazz/Pop» möglich – ent­sprechend unseren beiden Studienschwer­punkten. Auch kann man in mehreren Kategorien antreten.

Zulassungsprüfung im Anschluss

Die erfolgreiche Teilnahme am Wettbewerb bedeutet zum Studienantritt zwar die Garantie für ein Stipendium oder einen Preis. Damit ist jedoch noch nicht die formelle Zulassung zum Studium ausgesprochen. Dazu ist Ende November separat die Zulassungsprüfung zu absolvieren.

Insbesondere für Späteinsteigende und/oder solche, die berufsbegleitend ein Musikstudium absolvieren oder sich weiterbilden möchten, ist die Kalaidos Musikhochschule sehr interessant – unter Umständen, wenn nicht sogar die einzige Möglichkeit…

Das Wirken und Schaffen von Benno Ammann in Aesch

Der vielseitige Komponist war auch als Chorleiter in der Region Basel tätig. Von 1951 bis 1959 dirigierte er den Cäcilienchor Aesch (BL) und schuf dort einige bedeutende Werke – trotz Höhen und Tiefen.

Nur wenige Schweizer Komponisten des 20. Jahrhunderts haben ein Œuvre mit derart breitem stilistischem Spektrum hinterlassen wie Benno Ammann. Der gebürtige Gersauer schuf über 500 Werke, zunächst tonal im Stile der Groupe des Six sowie weniger progressiv in klassisch-romantischer Tradition für die Laienmusik, später dann immer mehr der in Darmstadt kultivierten Avantgarde zugewandt, zuletzt fast ausschliesslich mit experimenteller und elektronischer Musik beschäftigt. Letztere Schaffensperiode wird in Fachkreisen der Neuen Musik seit einiger Zeit rege diskutiert und die Basler Madrigalisten rückten den Namen Benno Ammann 2021 wieder ins Rampenlicht – dank ihrer Ersteinspielung seiner bedeutendsten Vokalkomposition, der Missa Defensor Pacis, die 1947 anlässlich der Heiligsprechung von Bruder Klaus im Petersdom uraufgeführt worden war.

Frei nach der Redewendung Wo Licht, ist auch Schatten geht in einer traditionell höhepunktlastigen Musikerbiografie gerne vergessen, dass im Kontrast zu den bedeutsamen Momenten im Rampenlicht ein alltägliches Schattendasein gefristet wird – was überhaupt nicht so negativ gemeint ist, wie es tönen mag, denn in schattenspendender Frische wird nüchtern für den Lebensunterhalt gearbeitet. So wirkte Benno Ammann nicht nur als gefeierter Komponist und Orchesterdirigent zwischen Darmstadt und Rom, sondern auch als Leiter mehrerer Laienchöre in der Region Basel. Exemplarisch dafür steht sein Wirken im Dienst der römisch-katholischen Pfarrei St. Josef in Aesch (BL) von 1951 bis 1959 – besonders deshalb, weil Ammann in dieser Zeit neben kompositorischen Glanzpunkten auch zwischenmenschliche Konflikte erlebte, wie es sie überall gibt, wo Menschen mit- und manchmal leider auch gegeneinander arbeiten.

Bereits die Umstände in Aesch, die 1951 zu Ammanns Berufung dorthin führten, waren allzumenschlicher Natur: Am Weissen Sonntag verpasste ein Hilfsorganist im Gottesdienst das Anstimmen eines Lieds, woraus ein Streit zwischen Hauptorganist Hans Kirschner und Pfarrer Isidor Ottiger entbrannte, der das Pfarreileben bis in den Herbst belastete. In Solidarität mit dem Organisten demissionierte auch Dorflehrer Fritz Renz als Chorleiter, sodass Pfarrer Ottiger seinen Schulfreund Benno aus Einsiedler Tagen zur Nachfolge überzeugen konnte. Am 19. Oktober 1951 leitete Ammann die erste Probe des Cäcilienchors in der Aescher Kirche und genoss trotz halbjähriger Probezeit von Beginn weg bemerkenswerte Freiheiten. So wurde ihm bereits im Januar 1952 eine längere Stellvertretung von Mai bis September bewilligt, um Kompositionsarbeiten nachzukommen. Dies beinhaltete den Besuch der Darmstädter Ferienkurse, wo er u.a. Olivier Messiaen begegnete, aber vermutlich auch das Verfassen einer neuen Festmesse Missa Christus Dominus für die Aescher Pfarrei, die an Ostern 1953 uraufgeführt wurde. Das lässt aufhorchen, zumal es keine Hinweise gibt, wonach die Pfarrei die Honorarkosten für einen Kompositionsauftrag trug. Vielmehr erscheint es plausibel, dass Pfarrer Ottiger als Präsident der Schweizerischen St. Lukasgesellschaft für Kunst und Kirche dahinter steckte: Zur gleichen Zeit arbeitete Ammann an der Vertonung dreier Gedichte des Innerschweizer Dichters Walter Hauser (1902–1963) für Bariton-Solo und Orgel, die in der Orchesterfassung an der St. Lukastagung 1954 in Zürich erstmals erklangen. Denkbar also, dass Ottiger und Ammann ein Paket schnürten, denn Auszüge aus der Missa Christus Dominus wurden nochmals in einer kirchenmusikalischen Abendfeier im März 1954 zusammen mit der Uraufführung der Orgelfassung besagter Drei geistlichen Gesänge präsentiert.

Pfarrer Ottiger wurde nicht müde, die Neuschöpfungen seines Intimus anzupreisen. Im Basler Volksblatt liess er verlauten, dass es «wohl das erste Mal [war], dass in einem Kirchenkonzert unseres Landes Zwölfton-Musik erklang». Als Präsident der St. Lukasgesellschaft dürfte er einen guten Überblick über das zeitgenössische geistliche Musikschaffen gehabt haben; ob es tatsächlich die erste Aufführung geistlicher Zwölftonmusik in der Schweiz war, bedürfte weiterer Recherche. Formal sind die drei Stücke mit separatem instrumentalem Vorspiel konservativ gehalten und erinnern lose an eine Suite. Die Harmonik ist eher in einer freien Tonalität des frühen 20. Jahrhunderts verankert als in einer dodekaphonen Regellosigkeit. Die ursprünglichen Orgelfassungen hat Ammann jeweils unterschiedlich orchestriert. Die Nr. 1 (Der Weihrauch) mit den immer wieder von Neuem sich auffächernden Liegetönen ist für Streichorchester ausgesetzt, die rezitativische Nr. 2 (Der Kelch) erfordert zusätzlich Holzbläser und zwei Hörner, die Nr. 3 (Aufstieg) nochmals zusätzlich Pauken und zwei Trompeten. Der Bariton als melodisch prägnanter Protagonist steht dabei fast durchgehend in responsorialer Zwiesprache mit der harmonisch sanft gestalteten Instrumentalbegleitung, was dem damaligen Anspruch an kirchlicher Musik und Ästhetik gerecht geworden zu sein schien und auch die an Gefälliges gewohnte Zuhörerschaft in Aesch nicht überforderte. Von der Nr. 1 gibt es eine Version mit Sopran-Solo, die Ammann spezifisch für die Uraufführung in Aesch schuf und in der endgültigen Gesamtfassung mit Bariton-Solo nicht berücksichtigt wurde.

Zwei kürzere Werke für Chor a cappella brachte Ammann an dieser Abendfeier ebenfalls zur Uraufführung. Zum einen ein schlichtes Ave Maria, komponiert 1949 und zwei Jahre darauf beim Pariser Verlag Éditions Schola Cantorum veröffentlicht, und zum anderen die Litanei Anima Christi für Chor und Bariton-Solo. Ammann schrieb diese 1952 in einer deutschen Frühfassung und sie wurde von Messiaen in Darmstadt als «œuvre sincère et émouvante» gelobt: «J’en ai hautement apprécié l’esprit modal, la variété rythmique et le caractère profondément réligieux.» Dass Ammann das periphere Aesch abseits der grossen kirchenmusikalischen Zentren für die Première dieser vielbeachteten Chorwerke wählte, darf durchaus als Zeichen der Anerkennung gegenüber dem Cäcilienchor und als Ausdruck der Verbundenheit mit Pfarrer Ottiger gewertet werden, denn die später veröffentlichte Fassung in Latein wurde unter diametral entgegengesetzten Gegebenheiten uraufgeführt: 1957 im Rahmen des weltrenommierten Congrès international de musique sacrée III in Paris.

Das eigentliche Aescher Hauptwerk Ammanns bildet unbestritten die Missa Christus Dominus. Sie ist Pfarrer Ottiger und dem Cäcilienchor Aesch gewidmet und vertont das Messordinarium in den üblichen sechs Sätzen Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei. Formal ist das Werk einfach gehalten, Ammann wählte einen weitgehend homophonen Chorsatz mit vereinzelten Soli aus den Chorreihen ohne eigenständige Solopartien sowie eine anspruchsvolle, farbig registrierte Orgelbegleitung, die besonders im Gloria und Credo virtuose Passagen zu bestreiten hat. Sanctus und Benedictus zeichnen sich durch einstimmige Melodien mit einer transparenten, aufs Nötigste reduzierten Begleitung aus. Den Rahmen bilden Kyrie und Agnus Dei mit einem markanten Terzmotiv-Ostinato, das Ammann aus dem Proprium In festo S. Pauli a Cruce entlehnte. Der Musikkritiker Joachim Keller beschreibt in einer Werkbesprechung (veröffentlicht am 20. April 1953 im Basler Volksblatt) die Harmonik als «freischwebend, grösstenteils polytonal und stellenweise sogar atonal», wobei sich «diese verschiedenen Ausdrucksarten in fast unmerklichen Übergängen vermischen, auflösen, das Ohr nie verletzen». Wie so vielen Neuschöpfungen erging es auch der Missa Christus Dominus. Die ruhigen Sätze Sanctus und Benedictus waren nochmals Bestandteils der zuvor erwähnten Abendfeier im März 1954, danach verschwand das Werk unveröffentlicht in den Archiven. Der Autor dieses Textes, heutiger Leiter des Cäcilienchors Aesch, hat sich einer Wiederaufführung des Werk angenommen, die im Mai 2024 mit der Einladung des Chors an die jährliche Vereidigungsfeier der Schweizergarde im Petersdom zu Rom – den sogenannten Sacco di Roma – einen äusserst prominenten Rahmen erfahren hat. Die Messe ist auf gute Laienchöre und professionelle Vokalensembles ausgerichtet. Auf Basis des Orgelsatzes wurde eine optionale Zusatzbegleitung für Streichquintett hinzugefügt und mehrere Chorabschnitte für eine optionale solistische Ausführung gekennzeichnet. So gibt es für interessierte Chöre die Möglichkeit, die Missa Christus Dominus sowohl in originaler Gestalt als auch mit zusätzlichen Klangfarben aufzuführen, die den Chor mit ergänzendem Streichquintett stützen und dank Solopartien gleichzeitig entlasten.

So sehr die ersten Jahre von Kreativität und Erfolg geprägt waren, begann Ammanns Ansehen in Aesch Risse zu bekommen. Noch im Frühjahr 1954 litten die Vorbereitungen für die erwähnte Abendfeier unter vielen Absenzen der Chormitglieder und es herrschten zwischenzeitlich Spannungen mit dem jungen noch in Ausbildung befindlichen Organisten Othmar Lenherr, die dank Vermittlung von Pfarrer Ottiger ausgeräumt werden konnten. In Zusammenarbeit mit dem Innerschweizer Pater Bertwin Frey (1916–1999) entstand die Betsingmesse zu Ehren Pius X., auch einfach nur Deutsche Singmesse genannt. Form und Inhalt des siebensätzigen Werks für einstimmigen Chor und Orgelbegleitung orientieren sich stark an das Deutsche Hochamt von Michael Haydn oder die Deutsche Messe von Franz Schubert. Die Melodik ist ganz auf den Gemeindegesang ausgerichtet, ebenso die dezente Orgelbegleitung, die harmonisch schlicht bleibt und trotzdem Ammanns Stil wiedergibt. Sie wurde am 6. März 1955 durch den Cäcilienchor in Aesch uraufgeführt. Das Werk wird demnächst in einem mehrstimmigen Arrangement veröffentlicht, sodass neben der einstimmigen Originalfassung auch eine Variante für kleinere Laienchöre verfügbar sein wird.

Versöhnliche Töne nach langem Streit

Von November 1956 bis Juni 1958 übernahm Ammann ad interim auch die Leitung des Kirchenchors in Muttenz. In Aesch machte sich Unmut breit ob der oft zu kurzfristigen Programmplanung Ammanns. Im Sommer 1957 wurde ein Vize­dirigent als regelmässiger Stellvertreter beantragt und im Januar 1958 folgte die Forderung nach einer Musikkommission. Es kam erneut zu monatelangen Streitigkeiten, die von der Kündigung des Organisten Othmar Lenherr befeuert wurden und in einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung des Cäcilienchors gipfelten, die vorsätzlich nicht protokolliert wurde. In einer dreistündigen Aussprache zwischen Kirchenrat und Chorvorstand wurden die Gründe für die starke Opposition genannt: «Der Chor [sei] ungenügend vorbereitet, […] es sei unmöglich, mit dem Dirigenten zu verhandeln, er handle immer eigenmächtig. Während den Gesangstunden trachte er immer die Proben frühzeitig abzubrechen, um rechtzeitig nach Hause zu kommen.» Ammann reagierte mit einem Dispensgesuch «wegen starker beruflicher Überbeanspruchung», um sich «vermehrt dem eigenen Schaffen und den Problemen der Neuen Musik widmen zu können». Noch im Herbst 1958 vermittelte Pfarrer Ottiger den in Aesch tätigen Lehrer Josef Hunkeler als neuen Organisten. Ammann reichte im Juni 1959 seine Kündigung ein und empfahl Hunkeler als seinen Nachfolger, der in der Folge 30 Jahre lang Leiter des Cäcilienchors Aesch blieb. Im Jahresbericht für 1959 stimmte Kuno Stöckli, neu gewählter Chorpräsident und zuletzt Ammanns Vizedirigent, versöhnliche Töne an: «Seine Künstlernatur machte es ihm schwer, bei uns erfolgreich zu wirken. Wir freuen uns deshalb umso mehr, dass ihn seine Künstlernatur auf dem Gebiete der Komposition in jüngster Zeit zu verschiedenen internationalen Erfolgen geführt hat. Wir danken ihm für seine Arbeit mit uns und wünschen ihm als Komponisten noch viele grosse Erfolge.»

Wer weiss, wie Benno Ammann in Aesch kompositorisch weitergewirkt hätte, wäre die Zusammenarbeit nicht durch beiderseitiges Unvermögen beeinträchtigt worden. Hinweise darauf geben die Skizze eines mehrstimmigen Satzes über das gregorianische Tantum ergo, datiert vom 29. Juni 1953, sowie ein weiteres Ave Maria für gemischten Chor, das Ammann am Weihnachtstag 1953 vollendete und damit mutmasslich für Aesch im Sinn hatte, aber erst 1957 mit einer nachträglichen Widmung für Abt Benno Gut des Klosters Einsiedeln versah. Ausserdem sind Fragmente für eine weitere Messvertonung erhalten, der Missa sopra AESCH, welche Ammann ebenfalls 1953 mit Motiven über die Tonfolge A-E-Es-C-H skizzierte. All diese Werke und Entwürfe scheint er mit dem Auftreten erster Probleme im Frühjahr 1954 nicht mehr weiterverfolgt zu haben. Dennoch dokumentieren auch sie die rege kompositorische Tätigkeit, der Ammann für das Aescher Kirchenmusikleben nachging und die er – abgesehen von einfachen Volksliedbearbeitungen – bei keinem der anderen Chöre, die er geleitet hatte, ausübte. Mit Sicherheit war es die langjährige Freundschaft mit Pfarrer Ottiger, die ihn wohl länger als zweckmässig in Aesch gehalten hatte, sich aber nach seinem Weggang verlor: Essenseinladungen von Ottiger zu sich nach Aesch, stets mit «Mein Lieber» eingeleitet, liess Ammann unbeantwortet.

Neue Edition beim Pizzicato Verlag Helvetia

Dem Interesse des Pizzicato Verlag Helvetia ist es zu verdanken, dass neben den elektronischen Werken von Benno Ammann auch sämtliche hier besprochenen Werke aus seiner Aescher Zeit in einer neuen Edition veröffentlicht werden: Die Missa Christus Dominus mit optionaler Streicherbegleitung; die Deutsche Singmesse mit optionalem mehrstimmigem Chorsatz; die Drei geistlichen Gesänge in allen erhaltenen Fassungen für Sopran, Bariton, Orgel und Orchester; die Litanei Anima Christi in allen erhaltenen Fassungen für Frauen- oder gemischten Chor sowie auf Deutsch und Lateinisch; zwei Ver­tonungen des Ave Maria und ein mehrstimmiger Satz zum gregorianischen Tantum ergo; und die Fragmente der Missa sopra AESCH mit optionaler Vervollständigung zu einer aufführbaren Fassung. Damit kann anhand einer in sich geschlossenen Schaffensperiode eine repräsentative, stilistisch breite Auswahl des künstlerisch bedeutenden wie praxisorientierten Œuvres von Benno Ammann für verschiedene Formationen im In- und Ausland zugänglich gemacht werden: Laien-, Kirchen- und Profichöre, Solistinnen und Solisten ebenso wie instrumentale Ensembles von der Orgel übers Streichquintett bis zum Orchester. Die Werke sind ab Herbst 2024 beim Verlag erhältlich.

Förderung junger Talente in Arosa

Neben dem «Hans Schaeuble Award» führt Arosa Kultur auch das Format «Junge Talente im Konzert» seit einigen Jahren erfolgreich durch. Als Abschluss des Meisterkurses geben die jungen Talente jeweils drei bis vier Konzerte in der Schweiz.

Im Jahre 2022 wurde in Zusammenarbeit mit dem OSI (Orchestra della svizzera italiana) und dem CSI (Conservatorio della svizzera italiana) ein neues Konzept für einen Meisterkurs erarbeitet.

Dieses Jahr hat Robert Kowalski, der 1. Konzertmeister des OSI, vier Studenten*innen des Pre-Colleges des CSI eine Woche lang in Arosa betreut und unterrichtet. Der Meisterkurs fand heuer vom 24. bis 29.Juni statt. Im Anschluss fanden drei Konzerte in Arosa, Cham und Lugano statt. Die vier jungen Musiker*innen Adeleide Chiaradonna, Gianluigi Sartori, Tommaso Braido und Milo Antognini erlebten lehrreiche Tage in Arosa. Die Probetage waren intensiv. Dank der routinierten, fachlich und menschlich ausgewiesenen Leitung durch Robert Kowalski und der Korrepetition von Redjan Teqia konnten sie wertvolle Erfahrungen sammeln.

Der nächste Meisterkurs wird im Juni 2025 stattfinden, die kleine Konzerttournee wird die jungen Musiker*innen neben Arosa wiederum nach Cham und Lugano führen.  Zusätzlich Konzertorte sind in Abklärung.

«Hans Schaeuble Award»

Seit 2015 wird jedes Jahr an mehrere Teilnehmende der beiden Arosa Music Academy Wochen der «Hans Schaeuble Anerkennungspreis» vergeben. Durch die grosszügige Erhöhung des Beitrages der Hans Schaeuble Stiftung ab 2023 kann dieser Preis nun stark aufgewertet werden. Pro Academy Woche wird zusätzlich zu den Anerkennungspreisen ein Hans Schaeuble Award im Wert von 2000 Franken vergeben. Die Arosa Music Academy sind zwei internationale Meisterkurse der Musik-Kurswochen Arosa für die Instrumente Violine/Viola/Violoncello und Saxofon/Akkordeon. Die Auszeichnungen beinhalten eine Einladung zur aktiven Teilnahme am Arosa Klassik Festival im darauffolgenden Frühjahr. Unter der Hauptleitung von Markus Fleck (Violine) und Lars Mlekusch (Saxofon) werden je ein Kammermusikprogramm erarbeitet und anschliessend in Arosa, Chur, Zürich und Boswil aufgeführt.

In Chur werden die Konzerte in Zusammenarbeit mit dem Konzertstudio und der «klibühni, Das Theater» veranstaltet. In Zürich findet das Konzert im Rahmen der Konzertreihe «Mittagsmusik im Predigerchor» der Zentralbibliothek Zürich statt. Das letzte Konzert findet dann im Haus der Musik in Boswil statt.

Arosa Klassik Festival

Das Arosa Klassikfestival 2025 findet vom 7. –  29. März in verschiedenen Konzertlokalen in Arosa statt.

Neben den Konzerten der Preisträger der Arosa Music Academy soll die Stimme in all ihren Facetten im Zentrum stehen. Zur Eröffnung geht es um die literarische Stimme. Dies mit einem Vortrag über «Hermann Hesse in Arosa» mit dem Journalisten Ueli Haldimann und dem Schauspieler Christian Sprecher. Liederabende, ein Vortrag über Tierstimmen, ein Musiktheater über die «Königin der Dissonanzen» Florence Foster Jenkins, ein Film über ein türkisches Bergvolk, welches sich statt mit der Stimme mit Pfeiftönen über grosse Distanzen unterhält, werden zu hören und zu sehen sein.

Zum Abschluss des Klassikfestivals wird der gemischte Chor Arosa ein Programm mit «leichter» Klassik darbieten.

Informationen zum Festival werden Ende November auf www.arosaklassik.ch aufgeschaltet.

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