PGM: Treten an Ort

Am 7. März trafen sich Mitglieder der Parlamentarischen Gruppe Musik (PGM) mit Abgeordneten verschiedener Musikinstitutionen im Konsi Bern, um über Talentförderung zu debattieren.

Eine Baustelle: musikalische Begabtenförderung. Foto: Chris Devers/flickr.com (2005)

In seinen einführenden Worten beschrieb Nationalrat Stefan Müller-Altermatt, der Präsident der Parlamentarischen Gruppe Musik PGM, den «Musikförderungsartikel», der 2012 angenommen wurde: «Was an Unklarheiten in einen Verfassungsartikel gesteckt werden kann, ist in Art. 67a drin.» Rückenwind aus der Verfassung hatte man sich erhofft, nun reibt man sich bei der Umsetzung musikalischer Förderziele an Unklarheiten, Zuständigkeitsfragen und fehlendem Tempo.

Beim Treffen der PGM ging es im Speziellen um die Talentförderung. Auch da scheinen die Bestrebungen nur schwer vom Fleck zu kommen. Nicht, dass es keine Förderinstrumente für musikalisch begabte Kinder und Jugendliche gäbe, es gibt viele, Müller-Altermatt hatte sogar den Begriff «Dschungel» in den Veranstaltungstitel eingebracht: «Kampf um Talente – Begabtenförderung im Dschungel der Zuständigkeiten». Der Bericht des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation vom Februar 2017 verweist auf eine stattliche Anzahl an kantonalen Massnahmen, kommt aber doch zum Fazit, dass es an den Musikhochschulen einen «teilweise geringen Anteil an Bildungsinländern» habe.

Talente bringen Talente hervor

«Es ist alles gesagt, alles geschrieben, alles wissenschaftlich belegt, was fehlt, ist der politische Wille.» So fasste Hector Herzig in einem Kurzreferat seine Sicht auf die schleppende Umsetzung des Verfassungsartikels und einer zielführenden Begabtenförderung zusammen. «Warum», fragte er weiter, «gibt es kein Musikförderungsgesetz, wo es doch längst ein Sportförderungsgesetz gibt?» Der Bund habe bei den Kantonen drei Lektionen Sport für Kinder und Jugendliche durchgesetzt, da müsse er doch auch im Hinblick auf die musikalische Bildung Einfluss nehmen können.

An der anschliessenden Podiumsdiskussion berichtete Thomas Limacher, Rektor der Musikschule Luzern, über das dortige Fördermodell. Dank einer privaten Zuwendung bestehe im Kanton Luzern seit vier Jahren eine Begabtenförderung Musik. Das Wichtigste dabei sei, die Talente zwar zu unterstützen, sie aber möglichst lange in ihrem angestammten Umfeld zu lassen, denn dort, in der örtlichen Musikgesellschaft oder der regionalen Musikschule, wirkten sie als Leuchttürme. Das eine Talent ziehe in der Regel bald ein zweites, drittes nach sich. Es könne also keineswegs darum gehen, die Talente so schnell wie möglich den regionalen Strukturen zu entziehen und zentral weiter zu fördern. Mit dieser Aussage berührte Limacher ein gesamtgesellschaftliches Thema, das die Musikförderung zusätzlich erschwert und das auch Herzig bereits angesprochen hatte: Die Vereine, das Rückgrat der kulturellen Schweiz, erodieren.

Auf eine paradoxe Situation wies Michael Kaufmann, Direktor der Musikhochschule Luzern, hin: Dieselben politischen Kreise, die bislang keine Talentförderung finanzierten, monierten den niedrigen Anteil von Studierenden mit schweizerischem Zulassungsausweis an den Musikhochschulen. Damit mehr Schweizer Nachwuchsmusikerinnen und -musiker das Hochschulniveau erreichten, brauche es aber eine Talentförderung.

Die Pendenzenliste ist lang

Isabelle Chassot, die Direktorin des Bundesamtes für Kultur, hielt dem entgegen, dass man sich in der Kulturbotschaft 2016–2020 auf die Implementierung des Programms Jugend+Musik konzentriert habe. Die Massnahmen zur Talentförderung müsse man nun für die nächste Periode diskutieren. Da die jetzigen Strukturen sehr unterschiedlich seien, sollte man vielleicht regionale Zentren ins Auge fassen. (In der Tat erwartet der Schweizer Musikrat die Ausarbeitung der Kulturbotschaft 2021–2024 ab Sommer 2018. Deshalb hat er seine Mitglieder aufgerufen, bis am 29. März Vorschläge einzureichen, welche Anliegen der Musiksektor in die Kulturbotschaft einbringen soll.)

Auf die Frage des Moderators Wolfgang Böhler, ob denn der Föderalismus die Bremse sei, entgegnete Susanne Hardmeier, die Generalsekretärin der Erziehungsdirektorenkonferenz EDK, das Engagement der Verantwortlichen in den Kantonen sei riesig, und die Unterschiede zwischen den Kantonen ein Reichtum, kein Hindernis. Grosse Aktivität auch da, aber keine gemeinsame Lösung in Sicht. Voten aus dem Plenum verlängerten den Katalog der ungelösten Problemkreise: Rainer J. Schweizer betonte, dass Begabtenförderung mit dem Zugang zur Musik beginne und dass die Schweiz bei der Erfassung der Kinder aus bildungsfernen Kreisen weit zurückliege. Und Armon Caviezel fragte im Hinblick auf die Schulmusik, was die EDK tun wolle, um die Lehrpersonen für den Lehrplan 21 im Fach Musik fit zu machen.

Im Windschatten des Interesses

Insgesamt also weit mehr Fragen als Antworten. Nationalrat Müller-Altermatt brachte es auf den Punkt: «Wenn ich jetzt in die Eidgenössischen Räte zurückgehe und ein Musikförderungsgesetz durchbringen möchte, dann wüsste ich nicht, wie man das institutionell lösen sollte. Wo den Hebel ansetzen zwischen Kompetenzen der Kantone und des Bundes?»

Die Grundstimmung des Stillstands trotz zunehmender Dringlichkeit, der Ratlosigkeit und Ermüdung, die sich vielerorts bemerkbar machte, fasste Thomas Limacher ganz handfest: «Wir können im Kanton Luzern mit unserem Förderprogramm noch etwa zwei Jahre so weitermachen, dann reichen die bisherigen, eben privaten Mittel nicht mehr aus. Wenn dann keine Hilfe von der Politik kommt, müssen wir das Programm massiv reduzieren oder aufhören.»

Gerade einmal ein Parlamentarier und eine Parlamentarierin hörten sich diese Anliegen von über dreissig Vertreterinnen und Vertretern der Musikszene an. Offensichtlich hält sich das Interesse der Politik an musikalischen Fragen in Grenzen.

Take it and run away

Keiner schafft im leeren Raum. Die meisten Künstler bedienen sich gern und ausgiebig anderswo. Wie sie das tun, zeigt nun eine Ausstellung im Museum Tinguely.

Blick in die Ausstellung. Foto: Daniel Spehr

Es beeindruckt schon jedes Mal von Neuem, über was für Schätze die Paul-Sacher-Stiftung Basel (PSS) verfügt. Sie könnte wohl wahllos etwas davon ausstellen, und schon wäre man von der Aura der Autografen und Zeugnisse fasziniert. Umso schöner, wenn sie sich auf einen Komponisten konzentriert oder, wie hier, auf ein ziemlich aktuelles Thema: «Re-Set». Es geht – in den Unterlagen finden sich zwei Untertitel – um Aneignung, Rückgriff und Fortschreibung in Musik und Kunst seit 1900. Das hat in Zeiten des Sampelns und Remixens Konjunktur, aber es gibt dazu eine lange Tradition.

In vier Räumen des Tinguely-Museums geht die PSS dem Thema nach: bei Fremd-, Eigen- und Volksmusikbearbeitungen und in der Beziehung zur populären Kunst. Ein schöner Katalog mit zahlreichen kundigen und durchwegs gut lesbaren Artikeln begleitet die Ausstellung. Mit einem I-Pad ausgestattet kann man sich auf den Weg machen, die gezeigten Exponate auch in ihrer Klanggestalt erleben und so den Eindruck vertiefen.

Zunächst sind da die Beispiele, bei denen sich Komponisten auf Kollegen aus der Geschichte beziehen. Mit der Bach-Verehrung (hier vertreten durch Webern, Kagel, Gubaidulina) könnte man gewiss allein eine Ausstellung füllen, zum Glück kommen auch Machaut (bei Birtwistle, Kurtág und Sciarrino), Gesualdo (bei Strawinsky, Sciarrino und Klaus Huber), Beethoven (bei Kagel) und Satie (via Debussy) zum Zug. Schönbergs Klavierstücke op. 19 sind (eine beliebte Aufgabe für Kompositionsschüler) in Instrumentationen von Rihm, Holliger und Younghi Pagh-Paan vertreten.

Der zweite Raum gewährt einen Blick in den Schaffensprozess, wenn nämlich Komponisten ihre eigenen Werke bearbeiten, verbessern, neu arrangieren, wie es Strawinsky mit dem Feuervogel tat oder Webern mit den Rilke-Liedern. Boulez, Maderna, Ligeti oder Rihm verpflanzten Teile vom einen Stück in ein anderes oder trieben Kernideen weiter. Da verfügt die PSS über alles erdenkliche Material, so dass sie die verschiedenen Stufen der Arbeit minutiös und augenfällig belegen kann.

Boshaftes und Abgründiges fehlt

Volksmusik dann im dritten Saal, ostjiddische Lieder bei Milhaud und Stefan Wolpe, dazu die jahrelange Forschungsarbeit von Bartók, Veress und Lutosławski und ihre Anverwandlung in Kompositionen. Das ist manchmal sehr nah bei den Quellen, überschreitet aber etwa bei Berio, Reich und Holligers Alb-Chehr die Grenze zu einer imaginierten Volksmusik. Etwas verwundert nimmt man hier doch einige Absenzen zur Kenntnis: Henze (der auch bei den Bearbeitungen fehlt, etwa mit seiner bissigen Orchestration von Wagners Die beiden Grenadiere) oder Globokar. Das wirkt, als winde man sich um alle politischen Implikationen.

Der vierte Raum schliesslich fällt daneben ab, sein Titel wirkt etwas verräterisch: «Unterschwellig elitär. Popularisierung und Nobilitierung». Vielleicht wollte man da etwas Populäres draufsetzen und griff deshalb zu Filmausschnitten aus Disneys Fantasia (mit Strawinskys Sacre du Printemps) und Kubricks 2001: A Space Odyssey (mit Ligeti). Nur hat das wenig mit dem Thema zu tun. Entsprechend isoliert steht es neben den anderen Exponaten. Gewiss gibt es auch da etwas zu entdecken, Beatles-Bearbeitungen nicht nur von Berio, aber sonst wirkt dieser Teil schwammig, schnell vollgesogen, schnell wieder ausgedrückt. Vor allem wird hier deutlich: Die Ausstellung, so vielfältig sie glänzt, hat wenig Reibungsflächen und keine Sprengkraft. Natürlich gibt es immer Absenzen zu monieren, aber es ist schon bezeichnend, was hier fast völlig fehlt: das Boshafte und das Abgründige, so als habe man es umschiffen wollen. Diese Ausstellung ist sehr lieb.

Da wären Kontrapunkte nötig. Die fänden sich allenfalls im Untergeschoss. Vorangestellt (und im Katalog abwesend) ist der Beitrag des Tinguely-Museums, eine kleine Schau mit Werken, die von Duchamps berühmtem Urinoir ausgehen. Ganz zu den Musikexponaten will das doch nicht passen. Mag sein, dass in der bildenden Kunst, wie Hausherr Roland Wetzel bei der Vernissage sagte, «Re-Set» etwas anderes bedeutet als in der Musik, aber vielleicht hätte es doch schlüssigere Beispiele gegeben – auf Duchamps bezogen sich nicht wenige Musiker. Es bleibt also noch etwas übrig für eine weitere Ausstellung.

Museum Tinguely, bis 13. Mai 2018

Katalog, hg. von Simon Obert und Heidy Zimmermann; 328 S., reich illustriert; Mainz, Schott, 2018; ISBN 978-3-7957-9885-7; Fr. 35.— während der Ausstellung.

www.tinguely.ch

Meinungsbildung mit Hilfe von Liedern

Jan-Friedrich Missfelder erforscht an der Uni Basel, wie Lieder und Liedflugschriften zur Meinungsbildung und zum frühneuzeitlichen Geschichtsbewusstsein beigetragen haben. Untersützt wird er dabei nun von einer Förderungsprofessur des Schweizerischen Nationalfonds (SNF).

Ausschnitt aus einem Liedflugblatt des Jahres 1664 (ohne Ort). Bildlegende siehe unten.,SMPV

Jan-Friedrich Missfelder erwarb seinen Doktortitel 2008 an der Humboldt-Universität zu Berlin und ist seit 2017 als Oberassistent an der Universität Zürich tätig. Er wird sein Forschungsvorhaben über die Stimme als Kommunikationsmedium der frühneuzeitlichen Gesellschaft ab 1. Januar 2019 am Departement Geschichte der Universität Basel durchführen. Im Projekt wird analysiert, wie Lieder und Liedflugschriften zur Meinungsbildung und zum zeitgenössischen Geschichtsbewusstsein beigetragen haben.

Die Universität Basel erhält fünf von 39 neuen Förderungsprofessuren, die der Schweizerische Nationalfonds (SNF) dieses Jahr vergeben hat. Sie ermöglichen hoch qualifizierten jungen Forschenden, eine eigene Gruppe aufzubauen und ein eigenständiges Forschungsprojekt durchzuführen. Damit fliessen der Universität rund 7,4 Mio. Franken an Drittmitteln zu.
 

Bildlegende

Denckwürdiges Traurgesang/ über den ietzigen Cometen : Welcher gesehen wird diß Außlauffenden 1664. Jahrs im anfang deß Christmonats. [ohne Ort] : [ohne Drucker], 1664. Zentralbibliothek Zürich, NE 2211,5, http://doi.org/10.3931/e-rara-52706 / Public Domain Mark

Ein Singfest für alle

Vom 9. bis 13. Mai 2018 treffen sich in Basel und der Region rund 2000 Kinder und
Jugendliche zum gemeinsamen Gesang. Das Europäische Jugendchor Festival Basel hat für die 11. Ausgabe hervorragende junge Chöre aus zehn europäischen Ländern eingeladen sowie einen Gastchor aus Südafrika. Über 40 hochstehende Chorkonzerte und ein dichtes Rahmenprogramm für alle Singfreudigen lassen die Auffahrtstage zum grossen Fest der Begegnung und der Musik werden.

EJCF 2016: Männerchor Zero8‘s Youth Choir, Schweden. Foto: Guido Schärli,Foto: Sara Meier,Foto: Guido Schärli,Foto: Guido Schärli,SMPV

Zum elften Mal versammelt das Europäische Jugendchor Festival Basel eine Auswahl der besten Kinder- und Jugendchöre Europas und sieben junge Chöre aus der Schweiz. Die von einem künstlerischen Komitee ausgewählten Chöre kommen aus Dänemark, Finnland, Frankreich, Israel, Portugal, Russland, Schweden, Slowenien, Spanien und Ungarn. Aus der Schweiz nehmen der Jodelchor jutz.ch, incantanti aus dem
Bündnerland, Zik’Zag aus Fribourg, der Kammerchor des Gymnasiums Muttenz sowie die Gastgeberchöre Knaben- und Mädchenkantorei Basel und der Jugendchor Vivo der Musik-Akademie. Einen besonderen Akzent setzt der Drakensberg Boys Choir aus Südafrika mit seinen 55 Knaben. Er ist als Gastchor aus Übersee eingeladen
und überzeugte die Jury mit mitreissenden Performances und grossem musikalischem Können.

Shosholoza

Das gleichnamige, weltberühmte Lied aus Südafrika bedeutet «mutig nach vorn schauen». Das haben sich die Festivalverantwortlichen auch für die aktuelle Ausgabe des erfolgreichen Festivals vorgenommen und gleich eine ganze Reihe neuer Konzertformate erfunden. So treffen sich die 800 Sängerinnen und Sänger bereits nach den
Eröffnungskonzerten zum ersten Stelldichein bei Kerzenlicht und gemeinsamem Gesang unter freiem Himmel. Später locken Darbietungen, welche alle Konzertregeln brechen und das Singen in den Alltag bringen und solche, die dem Publikum erlauben das Programm auf spielerische Weise mitzugestalten. Am Samstag zieht das
Publikum in einer «parade à l’envers» durch alle Singenden, welche die Strassen säumen. Neu ist auch die Idee des «Jugendchorschiffs». Auf anderthalbstündigen Rundfahrten werden Sing-Workshops und Veranstaltungen zum musikkulturellen Hintergrund der Portugiesen und Finnen angeboten. Ein besonderer Schwerpunkt setzt
das Extrakonzert «Swiss Songbridge». Einem internationalen Konzept folgend gestalten die Chöre aus der französischen, romanischen und deutschsprachigen Schweiz ein Konzert mit vielen gemeinsam gesungenen Liedern, darunter drei Neukompositionen von Stefan Furter, Fabien Volery und Gion Andrea Casanova.

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EJCF 2014: Singe uf dr Strooss – Münsterplatz

Ein Festival für die Bevölkerung

Das Jugendchorfestival kann traditionsgemäss auf eine grosse Unterstützung aus der Bevölkerung zählen. Über 40 Kooperationspartner gestalten das Festival mit, 800 Freiwillige engagieren sich für das Treffen, darunter 250 Gastfamilien, welche die 500 ausländischen Gäste beherbergen. Ein Rahmenprogramm fördert den Nachwuchs
und gibt 1500 Kindern und Jugendlichen aus der ganzen Schweiz die Chance, sich in einer der drei lokalen Matineen zu präsentieren oder zusammen mit den Chören aus Südafrika und Schweden einen Singtag zum Thema «Africa» oder «ABBA» zu erleben. Die Festivalleiterin Kathrin Renggli sagt dazu: «Elite entsteht nur bei
konsequenter Förderung der Basis. Das weltweit einmalig hohe Niveau am Basler Festival steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Angebot für die singende Jugend der Schweiz und dem Support durch die Bevölkerung. Auch international müssen wir uns für junge, ambitionierte Chorleitende engagieren, wenn musikalisches Können auch zukünftig ein Wert darstellen soll».

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EJCF 2016: Cor Infantil Amics de la Unió, Spanien

Finanzierung

Das Jugendchorfestival kann auf finanzielle Unterstützung durch das Bundesamt für Kultur für die laufende Kulturbotschaft bis 2021 zählen. Zusammen mit den paritätisch gesprochenen Beiträgen der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft ermöglicht der Bund die Durchführung des diesjährigen Festivals. Festivalpräsidentin
Elisabeth Schneider-Schneiter erklärt dazu: «Die Anerkennung des Bundes basiert einerseits auf dem Beitrag, den das Festival zum Zusammenhalt der Sprachregionen in der Schweiz und zur Förderung der singenden Jugend leistet und andererseits auf der hohen internationalen Reputation, welche das Festival in Fachkreisen geniesst.»
Zusätzliche Unterstützungsgelder kommen von zahlreichen Stiftungen und Sachsponsoren. Medial darf das Festival diesmal auf eine Medienpartnerschaft mit der SRG SSR zählen sowie mit der Basellandschaftlichen Zeitung, der Schweizer Musikzeitung und zahlreichen anderen Fachmedien.

Der Vorverkauf startet am Montag, 19. März 2018.

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EJCF 2016: Female Academic Folk Choir, Bulgarien

Zärtliches Grundrauschen

Heinz Holliger dirigierte am 4. März im Opernhaus Zürich die Uraufführung seiner Oper «Lunea – Lenau-Szenen in 23 Lebensblättern».

Szenenbild mit den fünf Gesangssolisten. Foto: Paul Leclaire

Die Musik beginnt ohne bewussten Anfang. Zarte Arpeggios auf der Harfe, dem Zymbal und dem Klavier vermischen sich mit Liegetönen in den Bläsern, gesummten Akkorden und Glockenschlägen zu einem Klangstrom, der immer in Bewegung bleibt. Heinz Holligers neue Oper Lunea, die bei ihrer Uraufführung am Opernhaus Zürich von ihm selbst dirigiert wird, bleibt nie stehen. Die Musik ist ein einziges Fluidum. Selbst die vielen Ruhepunkte sind belebt und erinnern an einen dunklen See, dessen Oberfläche von einem Windhauch gekräuselt wird. Über vierzig verschiedene Instrumente werden von den vier Schlagzeugern gespielt, vom Waschbrett bis zum Sandpapier. Holliger spricht lieber vom «Streichelzeug», so behutsam müssen die Musiker agieren, so zärtlich ist das Grundrauschen, das Lunea umhüllt. Mit seiner hochsensiblen, klangfarblich reichen Musik möchte Holliger den Zuhörer die Innenwelt des Dichters Nikolaus Lenau (1802–1850) entdecken lassen: seine melancholischen Stimmungen, seine Abgründe, aber auch seine lichten und visionären Gedanken.

Geschehen ohne Stachel

Bereits vor fünf Jahren hat der Schweizer Komponist 23 Notizen des rastlosen österreichischen Weltschmerz-Dichters als Liederzyklus vertont und später für ein Kammerorchester instrumentiert. Mit dem Librettisten Händl Klaus entwickelte er nun gemeinsam die rund 100-minütige Oper, die er «Lenau-Szenen in 23 Lebensblättern» untertitelt. Keine Handlung liegt diesem Musiktheater zugrunde, auf eine Chronologie wurde bewusst verzichtet. Die offene Form der Texte spiegelt sich auch in der Konzeption der Oper. Die fünf Gesangssolisten übernehmen mehrere Rollen, wobei die Grenzen fliessend sind. Lenaus platonische Geliebte Sophie von Löwenthal ist auch seine Mutter, der Freund Anton Schurz auch sein Alter Ego. Die mehr angedeuteten als genau gezeichneten Lebensstationen folgen einer Traumlogik. Der im zweiten Lebensblatt thematisierte Schlaganfall vom 29. September 1844 – Nikolaus Lenau nannte ihn Riss –, der eine Gesichtshälfte lähmte und ihn nach und nach in den Wahnsinn trieb, ist eine Achse, von der aus in beide Richtungen erzählt wird. Erinnerungen und düstere Vorausblicke in die Vereinsamung reichen sich die Hand. Eine weitere Achse bildet genau die Mitte des Werkes: das zwölfte Blatt. Ab hier werden manche Wörter und ganze Sätze rückwärts gesprochen. Schuldig wird zu gidlusch, Feuer zur Reue, wobei das fehlende F im Libretto eingeklammert ist. In der ästhetischen Inszenierung von Andreas Homoki wird ab diesem Angelpunkt die schwarze Wand zwischen den Szenen im Schneckentempo von links nach rechts, also in die entgegengesetzte Richtung bewegt (Bühnenbild: Frank Philipp Schlössmann). Das ist dann doch zu viel Kopfgeburt und zu wenig Theatralik. Eine zwingende, hörbare Verbindung zur Musik entsteht nicht. Wie überhaupt an diesem traumverlorenen Abend auf der schwarzen Bühne keine echte Spannung entsteht zwischen den konturenarmen Figuren. Die von Klaus Bruns in edle, blau schimmernde Biedermeierkleider und Gehröcke gewandeten Personen werden von Andreas Homoki behutsam geführt. Wie Gemälde erscheinen die Szenen, wie Familienaufstellungen die wechselnden Arrangements. Aber die bewusst vage gehaltene Personenkonstellation erzeugt eine Beliebigkeit, die dem Geschehen den Stachel zieht.

Ende ohne Abschluss

Mit dem Bariton Christian Gerhaher, der bereits den Lunea-Liederzyklus uraufführte, hat Holliger den geeignetsten Interpreten für diese wenig greifbare Titelfigur ausgewählt. Gerhaher beseelt jede kleinste Melodiephrase. In seiner sensiblen Textdeutung und den klangfarblichen Schattierungen erkennt man den grossen Liedinterpreten. Holligers Musik ist trotz ihrer avantgardistischen Klangsuche (ohne jede Elektronik!) im Kern hochromantisch, die Gesangslinien strahlen Intensität und Schönheit aus. Juliane Banse (Sophie von Löwenthal), die bereits die Titelpartie in Heinz Holligers erster Oper Schneewittchen in der Zürcher Uraufführung 1998 gestaltete, verkörpert mit dunkler Sopranfärbung und grossem Atem eine tief empfindende Seelenverwandte. Sarah Maria Sun bringt mit ihrem beweglichen, kristallinen Sopran Lenaus verflossene Lieben zu einer Opernsängerin und einer Bürgermeisterstochter ins Bild. Ivan Ludlow mit seinem nicht ganz frei strömenden Bariton und Annette Schönmüller mit ausgeglichenem Mezzo können Lenau als Ehepaar Anton und Therese Schurz nicht den notwendigen Halt geben. Die herausragenden Basler Madrigalisten sind Teil der Biedermeier-Gesellschaft oder lassen Gedanken hinter der Bühne nachklingen. Holliger verwebt das Bühnengeschehen ganz dicht mit der vorzüglichen Philharmonia Zürich, wenn Zischlaute im Orchestergraben fortgeführt werden und das Schnarren der Kontrabassklarinette in den tiefen Bässen weiterlebt. Stimme und Instrument reichen sich die Hand. Wie präzise der Komponist seine eigene Musik zum Leben erweckt, begeistert das Premierenpublikum. Die Balance ist perfekt, der Gesamtklang stets rund und transparent. Am Ende wird es immer einsamer und dunkler um den Dichter. Der Aphorismus «Der Mensch ist ein Strandläufer am Meer der Ewigkeit» wird auf die leere Bühne projiziert. Die im dreifachen Piano gespielten Flageolettketten der Streicher und zarten Glissandi der Bläser dehnen ein letztes Mal die Zeit und lösen sich allmählich im Nichts auf. Ein Ende ohne Abschluss.

Tod des Musikwissenschaftlers Max Haas

Der Basler Musikwssenschaftler Max Haas ist laut einer Mitteilung seiner Frau nach kurzer Krankheit in La Chaux-de-Fonds verstorben.

Foto: zVg/Archiv SMZ,SMPV

Der 1943 geborene Max Haas studierte Musikwissenschaft, mittelalterliche Kirchen- und Dogmengeschichte sowie slawische Philologie in Basel und Heidelberg. An der Universität Basel wurde er 1970 mit einer Arbeit über byzantinische und slawische Notationen promoviert. Sieben Jahre später habilitierte er sich mit Studien zur Beziehung zwischen mittelalterlicher Musiklehre und Scholastik. An der Universität Basel war er als Leiter des Mikrofilmarchivs des Fachbereichs Musikwissenschaft sowie ab 1982 als ausserordentlicher Professor für Musikwissenschaft tätig.

In den 1990er Jahren führten ihn Gastdozenturen nach Israel an die Bar Ilan-Universität und in die USA ans Graduate Department der City University of New York. Bis zu seiner Emeritierung 2005 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent am Fachbereich Musikwissenschaft der Universität Basel. Seine jüngsten monographischen Werke behandeln Anschauungs- und Denkformen in der Musik (2002) sowie das musikalische Denken im Mittelalter (2005).

 

Suisseculture begrüsst No-Billag-Entscheid

Suisseculture, der Dachverband der Schweizer Kulturverbände, nimmt «mit Genugtuung von der überaus deutlichen Ablehnung der No-Billag-Initiative Kenntnis». Er will sich «weiterhin gegen den Abbau des Service public und der Kultur in unseren Medien zur Wehr setzen».

Bielersee, im Hintergrund der Chasseral mit dem Sendeturm. Foto: Хрюша/wikimedia commons

Tausende von Künstlerinnen und Künstler hätten sich gegen die Initiative engagiert, schreibt Suisseculture. Medien seien ein wichtiger Bestandteil der Kultur. Suisseculture engagiert sich mit den angeschlossenen Verbänden und Organisationen für den Erhalt und die Entwicklung der Medien als öffentliches und kulturelles Gut als Garant für die kulturelle und mediale Vielfalt. Radio und Fernsehen seien im Kulturleben – neben ihrer unterhaltenden Funktion – traditionell bedeutende Kulturträger.

Radio und Fernsehen seien nicht nur für die Verbreitung, sondern auch für die Rezeption und Aufarbeitung des Kunst- und Kulturschaffens zuständig. Porträts, Kritiken und Diskussionen sorgten dafür, dass die Werke der Künstlerinnen und Künstler einem breiten Publikum zugänglich und durch einen sachkundigen Diskurs in der Gesellschaft verankert werden.

Der öffentliche Rundfunk stellt laut Suisseculture für das Kulturschaffen ein wichtiges Forum dar, und es ist eine lebenswichtige Erwerbsquelle für Kulturschaffende, Künstlerinnen und Künstler aus allen Sparten und aus allen Sprachregionen der Schweiz. Kunst und Kultur sind nach Überzeugung des Dachverbandes auf unabhängige, nicht gewinnstrebende Medien angewiesen, mit breiten Angeboten, wie sie die Medien der SRG bieten.

Suisseculture will sich «zusammen mit allen Kulturschaffenden weiterhin gegen den Abbau des Service public und der Kultur in unseren Medien zur Wehr setzen und sich für ein breites und vielfältiges Kulturangebot engagieren, in welchem auch weniger bekannte Kunstformen ihren Platz erhalten sollen».
 

MKZ-Studierende verbinden Klee mit Beethoven

Schülerinnen und Schüler der Musikschule Konservatorium Zürich MKZ visualisieren im Rahmen eines Konzertes des Tonhalle-Orchesters Zürich die Musik Bethovens inspiriert von Skizzen von Paul Klee.

Paul Klee: Drehbares Haus 1921. Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, Daderot/wiki commons

Um ohne jegliches Vorwissen vertieft in die Musik Beethovens einzutauchen haben sich Schülerinnen und Schüler im Alter von 13 bis 17 Jahren der MKZ aufgemacht, eigene visuelle Interpretationen der ikonischen Vierten Sinfonie mittels einer speziellen Software zu entwickeln. Das Projekt kulminiert in einer Live-Aufführung des Werkes mit dem Tonhalle-Orchester Zürich in der Tonhalle Maag.

Dabei werden ausgewählte Schülervisualisierungen auf Grossleinwand hinter dem Orchester projiziert. Die Musikschülerinnen und -schüler werden mit Hilfe einer Autofensterkurbel die Visualisierungen live mit der Musik synchronisieren und so selbst zum Teil der Aufführung werden.

Das Konzert findet zweimal statt – am Sonntag, 18. März um 14.15 und 17 Uhr im Konzertsaal Tonhalle Maag. die Leitung hat Yi-Chen Lin.

 

Deutscher Support für No-Billag-Gegner

Es ist selten, dass sich ausländische Interessengruppen direkt in die Schweizer Kulturpolitik einklicken. Mit Blick auf die No-Billag-Abstimmung tun dies nun aber etwas kurzfristig die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) und die Gewerkschaft Ver.di.

Foto: Christian

Die No-Billag-Initiative könne «verheerende Auswirkungen auf die Medien- und Kulturlandschaft nicht nur in der Schweiz haben» schreiben DOV und ver.di. Momentan sei das Resultat selbst für Experten kaum kalkulierbar. Fest stehe jedoch, dass die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) bei einem Wegfall der Gebührenfinanzierung in ihrer jetzigen Form nicht weiter existieren würde.

Einen solchen Schritt bewerten die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) als ernstzunehmende Gefahr. Denn das Ergebnis in der Schweiz habe auch Signalwirkung auf die Debatte in Deutschland.

Nach Ansicht von DOV-Geschäftsführer Gerald Mertens wäre dann auch die kulturelle Grundversorgung in Gefahr. Die öffentlich-rechtlichen Orchester, Chöre und Bigbands in Deutschland leisteten mit ihrer integrativen Arbeit und ihrem Engagement in der Musikvermittlung einen unersetzlichen Beitrag für die Gesellschaft. Ohne ausreichende Beiträge sei dieses einzigartige Kulturangebot massiv gefährdet.

 

 

Schweizer Jugendchor mit neuem Vorstand

Der Schweizer Jugendchor hat an seiner 24. Generalversammlung einen neuen Vorstand gewählt. Neuer Präsident ist Patrick Secchiari, der an der Hochschule der Künste Bern Chordirigieren unterrichtet und auch als Präsident der Schweizerischen Föderation Europa Cantat SFEC amtet.

Schweizer Jugendchor. Foto: Christian Rossel

Patrick Secchiari studierte an den Musikhochschulen Fribourg und Bern und besuchte Internationale Meisterkurse. Gegenwärtig leitet er zwei Chöre sowie sein selbst gegründetes Vokalensemble ardent.

Die künstlerische Leitung des Chores hat der gebürtige Berner Nicolas Fink der heute in Leipzig lebt. Er arbeitet mit den führenden professionellen Chören in ganz Europa und ist ein gesuchter Partner für Einstudierungen. Seit 2014 ist er Chordirektor des Schleswig-Holstein Festival Chores.

Die weiteren Vorstandmitglieder sind Maxime Thély (Administration), Ivana Aeschbacher (Logistik), Anna-Barbara Winzeler (Marketing und PR) sowie Doris Lüthi (Beisitz und Beratung).

Aus dem Vorstand verabschiedet wurden Jean-Pierre Salamin (bisheriger Präsident), Hansrüedi Kämpfen (Gründer und Initiator des Schweizer Jugendchores) – für seine Verdienste für den Schweizer Jugendchor wurde ihm die Ehrenmitgliedschaft verliehen –, Mirjam Schumacher (Bereich Öffentlichkeitsarbeit) und Gian-Reto Trepp (Gemeinschaftsprojekt mit dem Zentralschweizer Jugendsinfonieorchester ZJSO).

Webportal zu Musik und Integration

Das Deutsche Musikinformationszentrum (MIZ) hat ein Informationsportal zu Musik und Integration eingerichtet. Es führt Informationen zu musikalischen Flüchtlingsprojekten deutschlandweit zusammen und unterstützt Recherchen, Austausch und Vernetzung.

Musik-und-Integrations-Portal des MIZ (Bild: Screenshot)

Mit dem Portal reagiert das MIZ «auf das starke Informationsbedürfnis vieler Anbieter in der musikalischen Integrationsarbeit». Die Erfahrungen vieler ehrenamtlich und professionell Tätiger zeigten, dass unter den Akteuren integrativer Angebote ein hohes Bedürfnis danach bestehe, erklärt dazu Stephan Schulmeistrat, der Leiter des MIZ. Zwei Jahre lang hat das MIZ die Entwicklung musikalischer Angebote für Geflüchtete intensiv begleitet. Erfahrungen, die die Akteure in ihrer Arbeit gesammelt haben, wurden dabei zum wichtigen Impuls für den Aufbau der neuen Plattform.

Neben praxisnahen Informationen gibt das Portal auch Anregungen für neue Angebote und deren Verwirklichung. Da das Portal aus den Bedürfnissen der Praxis heraus entwickelt und gestaltet worden ist, können Interessierte «aus einer überregionalen Sicht heraus verstehen, wie musikalische Integrationsarbeit in Deutschland aktuell funktioniert: Wer sind die Träger, wer die Anbieter, woher kommen Förderungen, welche Ziele haben die Projekte und welche Probleme können auftreten?»

Aufbauen konnte das MIZ bei der Entwicklung des Portals auf Erfahrungen mit der im Oktober 2015 bereitgestellten Plattform «Musik macht Heimat – Engagement für Dialog». Den Impuls dafür gaben die Mitglieder des Deutschen Musikrats, die die Resolution «Willkommen in Deutschland: Musik macht Heimat! Von der Willkommens- zur Integrationskultur» verabschiedeten.

Webseite: integration.miz.org

Hellat folgt in Zürich auf Baumgartner

Am 1. September 2018 übernimmt Tom Hellat die Leitung des Förderbereichs Musik in der Fachstelle Kultur des Kantons Zürich. Heinrich Baumgartner, bisheriger Leiter Förderbereiche und Verantwortlicher für die Musikförderung, verlässt die Fachstelle per Ende August.

Tom Hellat. Foto: zVg

Der 37-jährige Tom Hellat studierte nach Klavierstudien in Versailles an der Universität Zürich Philosophie, Musikwissenschaft und Völkerrecht. Beim Aargauer Kuratorium, der Kulturförderstelle des Kantons Aargau, war er für klassische Musik und regionale Kulturveranstalter verantwortlich. Als Musikjournalist schrieb er für verschiedene Medien und publizierte eine Biographie über den Komponisten Peter Mieg.

Als Experte im Förderbereich Musik ist Tom Hellat zudem seit 2015 Mitglied der Kulturförderungskommission des Kantons Zürich. Mit seinem Bruder Rolf Hellat hat er das Strohhut-Label LeTom gegründet.

Heinrich Baumgartner wird nach sieben Jahren die Fachstelle Kultur im Spätsommer 2018 verlassen. In dieser Zeit hat er als Leiter des Förderbereichs Musik und ab 2013 als Verantwortlicher für die gesamte gesuchsbasierte Förderung die Förderpraxis der kantonalen Kulturförderung massgeblich mitgeprägt und weiterentwickelt.

Michel Vust wird Bieler Kulturdelegierter

Michel Vust übernimmt ab 1. Juli 2018 die Leitung der Dienststelle für Kultur der Stadt Biel. Der Film- und Digital-Fachmann wechselt von der Pro Helvetia in die zweisprachige Stadt am Jurasüdfuss

Michel Vust (Bild: zvg)

Der 1976 in Neuenburg geborene Michel Vust wohnt derzeit in Zürich. Er arbeitet seit 2012 bei der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia als Verantwortlicher für die Förderung des digitalen Kulturschaffens. Für dieses hat er eigene Unterstützungssysteme entworfen. Von 2005 bis 2012 war er Co-Direktor des Neuchâtel International Fantastic Film Festivals (NIFFF). Er war auch für diverse Publikationen des Filmfestivals Locarno verantwortlich. Parallel dazu veranlasste er die Gründung eines Vereins, der das Fortbestehen des Neuenburger Konzertsaals «Case à Chocs» sicherte.

Vusts neue Aufgabe besteht darin, «Einrichtungen und Kulturschaffende bei ihren Vorhaben zu unterstützen und zu fördern». Ziel ist es, den Bekanntheitsgrad der Bieler Szene, die von Zweisprachigkeit geprägt ist, zu steigern. Er ist in Zusammenarbeit mit den rund dreissig Einrichtungen, die über einen Leistungsvertrag verfügen, für die Förderung kultureller Aktivitäten verantwortlich.

Punktuell unterstützt er in seiner neuen Funktion auch zahlreiche Kulturanlässe. Zusammen mit der Kulturkommission überwacht er die Mittelzuweisung für Werkbeiträge und für Ateliers im Ausland. Ferner verwaltet er mehrere Räume, die lokalen Kulturschaffenden zur Verfügung gestellt werden. In Zusammenarbeit mit der Kunstkommission kümmert er sich um die Weiterentwicklung und den Erhalt der städtischen Kunstsammlung.
 

 

Zeitgenössisches für den Klavierunterricht

Die ausdrücklich für den Klavierunterricht geschaffenen Kompositionen von Matius Shan-Boone, Peter Yarde-Martin und Daniel Serrano Garcia zusammengefasst in einem Heft.

Foto: Rainer Sturm/pixelio.de

2016 veranstaltete das Ludwig-van-Beethoven-Institut der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien schon zum dritten Mal den Mauricio-Kagel-Kompositionswettbewerb. Dessen Zielsetzung besteht darin «Komponistinnen und Komponisten zu motivieren, Klavierstücke für den Unterricht zu schreiben, die sowohl die musikalische Sprache unserer Zeit widerspiegeln, aber zugleich für Kinder und Jugendliche spielbar sind.

Die Jury hatte dieses Mal aus 176 Stücken zu wählen, eingereicht aus 41 Ländern. Der erste Preis ging an den aus Indonesien stammenden Komponisten Matius Shan-Boone für seine Six Views from my Window. Den zweiten Preis erhielt der Brite Peter Yarde-Martin mit The Five Elements und einen dritten gab es für Sonetos aus der Feder des Spaniers Daniel Serrano Garcia. Allesamt junge Komponisten, die noch nicht dreissig Jahre alt sind.

Die preisgekrönten Stücke brachte nun die Universal-Edition in einem Sammelheft heraus. Man hätte die drei Preise durchaus auch in umgekehrter Reihenfolge verteilen können. Die Six Views from my Window sind zwar wirklich originell und vielgestaltig, für das Zielpublikum aber doch wohl eine Nummer zu gross. Auch machen umfangreiche Spielanweisungen den Zugang nicht leichter. Yarde-Martins Five Elements sind da schon handlicher. Allerdings sind seine Stücke gemessen an ihrer Substanz etwas zu weitschweifig und monoton geraten.

Das kann man von Serrano Garcias Beitrag nicht behaupten. Die sechs Sonetos bedienen die verschiedensten Klangräume und Notationstechniken. Unterbrochen werden sie von zwei Intermezzi (Barcarola I und II), die an Knappheit und Konzentration kaum zu überbieten sind. Zu lesen und zu lernen sind all diese Stücke ohne grösseren Aufwand. Das musikalische Erlebnis dagegen ist sozusagen umgekehrt proportional dazu. Eine nicht alltägliche Qualität!

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Matius Shan-Boone, Peter Yarde-Martin, Daniel Serrano Garcia: K 2016 (Six Views from my Window, The Five Elements, Sonetos), UE 37110, € 17.95, Universal Edition, Wien 2017

In einem Atem mit Beethoven

Die «Sonate concertante» in G-Dur für Hammerklavier und Traversflöte von Joseph Lipavsky erinnert an grosse Vorbilder, bringt aber durchaus eigene musikalische Ideen.

Ausschnitt aus dem Titelblatt

Der böhmische Komponist Joseph Lipavsky (1772–1810), der auch als Klaviervirtuose bekannt war, erlernte das Klavier -und Orgelspiel in Königgrätz und war in Wien Schüler von Johann Baptist Vanhal und – wie es in einem Künstlerlexikon des 19. Jahrhunderts heisst – auch von Wolfgang Amadeus Mozart. Lipavsky durchlief eine für seine Zeit «nicht untypische Laufbahn eines aus Böhmen stammenden Pianisten-Komponisten», der, wie der Herausgeber Martin Skamletz im Vorwort schreibt, «ein Flair für die Variation von Opernmelodien mit kontrapunktischen Kenntnissen verbindet». In Carl Czernys Erinnerungen aus meinem Leben wird der Komponist noch in einem Atem mit Beethoven genannt, und tatsächlich besitzt die vorliegende Sonate concertante für Flöte und Pianoforte in G-Dur, bei der es sich um Lipavskys letztes Werk handelt, vom Gestus her eine gewisse Ähnlichkeit mit den Sonaten von Czerny und Beethoven: alle Sätze konzertant gehalten, das Klavier spielt lange Einleitungen und Überleitungen und auch das thematische Geschehen ist gleichmässig auf beide Instrumente verteilt.

Im ersten Satz, der in der Sonatenhauptsatzform komponiert ist, kommt bereits in der Exposition eine Passage in Es- Dur, die an Beethovens Geschöpfe des Prometheus erinnert, die aber recht schnell in die Dominanttonart D- Dur zurückmoduliert. Der zweite Satz beginnt mit einem schönen arienhaften Thema, das zuerst von der Flöte und dann vom Klavier vorgetragen wird, und erinnert an ein Opernduett, in welchem rezitativische Elemente in beiden Stimmen miteinander agieren. Der dritte Satz Rondo klingt sehr virtuos und wirkt beinahe witzig, so laufen die Sechzehntel-Kaskaden im ersten Teil motorisch durch beide Stimmen, was entfernt an eine schnelle Flötenuhrkomposition von Joseph Haydn erinnert. In einem mit Scherzando übertitelten Teil folgt ein grosses Klaviersolo, das thematisch von der Flöte aufgenommen wird, bevor in einem Dolce-Teil in D-Dur das Rondo-Thema wieder zum Tragen kommt.

Die Sonate ist für Hammerklavier und Traversflöte komponiert und, da die Tonart G-Dur gut liegt, sowohl auf der einklappigen als auch mehrklappigen Traversflöte gut spielbar. Selbstverständlich ist es genauso reizvoll, die Sonate, die durch ihre mannigfaltigen musikalischen Ideen besticht, auf modernen Instrumenten zu interpretieren.

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Joseph Lipavsky: Sonate concertante in G-Dur, für Flöte und Pianoforte, hg. von Martin Skamletz, hh420.fsp, £ 15.95, Edition HH, Oxon 2017

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