Wild, aber harmonisch

Das Ungeheuer aus der griechischen Mythologie «Medusa» hat den Komponisten Thomas Fellow zu einem Stück für Gitarre solo angeregt. Es ist schnell und bewegt, bleibt aber tonal.

«Medusa» von Caravaggio, 1597, Uffizien; wikimedia commons

Medusa ist ein Monster aus der griechischen Mythologie: Ihre Haare sind Schlangen, und wer sie ansieht, erstarrt zu Stein. Dem 1966 geborenen deutschen Gitarristen Thomas Fellow diente ihre Darstellung durch den Maler Caravaggio als Inspirationsquelle für ein virtuoses Gitarren-Solostück. Er hatte das symbolträchtige Bild bereits als Jugendlicher im Psychothriller Die Schrecken der Medusa gesehen (im Original The Medusa Touch), mit Richard Burton in der Hauptrolle.

Das Stück ist in d-Moll gehalten, mit tief gestimmter 6. Saite. Medusas Schlangenhaare vollführen zwar einen wilden Tanz, überschreiten die Grenzen der Tonalität jedoch nicht. Melodietöne, die in ein Gewusel von raschen, meist durchgehenden Sechzehntelbewegungen eingebettet sind, folgen einander vorwiegend abwärts in Ganz- oder Halbtonschritten. Verschiedene melodische Schichten lassen eine differenzierte Gestaltung zu. In markanten Akkordwiederholungen wird Spannung in Energie umgewandelt, am Schluss verstärkt durch perkussive Elemente.

Technisch ist das Stück gut zu bewältigen. Die Herausforderung liegt in der Tempoangabe fast and furious, die für alle fünf Seiten des Notentexts gilt. Im hinteren Teil der sorgfältig und ästhetisch ansprechend gestalteten Ausgabe sind die Noten auch als Tabulatur wiedergegeben. So kann man sich trotz der nur sparsamen Fingersatzangaben jederzeit vergewissern, welche Töne in welchen Lagen zu spielen sind. Zu hören gibt es das Stück in einer Version für zwei Gitarren und Gitarrenperkussion auf der Debut-CD des European Guitar Quartet – der Komponist ist ein Teil davon – sowie als Live-Aufnahme auf Youtube.

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Thomas Fellow: Medusa, für Solo-Gitarre, ED 22595, € 7.50, Schott, Mainz 2016

Weniger Stellen in deutschen Berufsorchestern

Die Zahl der Musikerinnen und Musiker in deutschen Berufsorchestern ist laut der Deutschen Orchestervereinigung weiter gesunken. Von 2016 bis 2018 verringerten sich die Planstellen von 9816 auf 9746. Das entspricht einem Minus von 70 Stellen.

Foto: Denis De Mesmaeker/flickr.com

Auch die Zahl der Orchester war weiter rückläufig. Sie sank von 131 im Jahr 2016 auf aktuell 129. Dafür sind zwei Fusionen verantwortlich: die Zusammenlegung der beiden SWR-Orchester aus Baden-Baden/Freiburg und Stuttgart sowie der Thüringen Philharmonie Gotha und der Landeskapelle Eisenach.

Bei der ersten gesamtdeutschen Erfassung 1992 gab es 168 öffentlich finanzierte, regelmässig spielende Berufsorchester. Seitdem sind 39 Orchester von der Landkarte verschwunden. Die Zahl der ausgewiesenen Musikerplanstellen sank von 1992 bis 2018 von 12’159 auf 9746. Damit ging die Zahl der Arbeitsplätze um rund 20 Prozent zurück. Weitere Verluste drohen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

Vor allem in Ostdeutschland haben viele Profimusiker nur Notlagen-Tarifverträge. Die Vergütungen in einigen Orchestern liegen bis zu 30 Prozent unter Tariflohn und damit nur knapp über dem Mindestlohnniveau. Bundesweit zahlen 39 Orchester nicht nach Tarifvertrag, davon 27 im Osten.

Luzerner Sinfonieorchester erhält Rugeri-Cello

Dem Luzerner Sinfonieorchester verbundene Mäzene haben ein Violoncello von Francesco Rugeri, Cremona, aus dem Jahr 1690 gekauft, um es als unbefristete Leihgabe dem Luzerner Sinfonieorchester zur Verfügung zu stellen.

Celloschnecke (Symbolbild). Foto: Rega Photography/flickr.com

Rugeri leistete einen entscheidenden Beitrag an die Entwicklung der Cremoneser Celli: er prägte die Mensur, die anschliessend von Stradivari übernommen wurde. Seine Instrumente gehören heute zu den gesuchtesten und wertvollsten Instrumenten.

Im Dezember hat das Luzerner Sinfonieorchester zudem seinen Geschäftsbericht für die Saison 16/17 veröffentlicht. Im Zentrum der Saison stand ein mehrteiliges Beethoven Projekt. Sämtliche Klavierkonzerte Beethovens wurden gemeinsam mit Oliver Schnyder erst kammermusikalisch auf dem Pilatus, dann «prima vista» mit dem Orchester und schliesslich in drei Sinfoniekonzerten im KKL Luzern aufgeführt. Die Konzerte wurden für Sony C lassical mitgeschnitten und im November 2017 als CD-Box veröffentlicht.

Insgesamt 10‘700 Personen besuchten Veranstaltungen der Musikvermittlung. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das eine Steigerung um 30 Prozent. Gastspiele führten das Orchester ans Bogotà International Music Festival (3 Konzerte) sowie erstmals nach Bologna, La Chaux-de-Fonds und Udine, wo es die konzertante Saison am Teatro Nuovo Giovanni eröffnete.

Aderi ersetzt Frauchiger

Der Gemeinderat, die Exekutive der Stadt, hat per 1. Januar 2018 Ersatzwahlen in drei Kulturförderkommission Berns vorgenommen: In die Musikkommission wählte er die Sängerin Joana Maria Aderi.

Joana Maria Aderi. Foto: Mario Heller

Die Sängerin, Produzentin und Performerin Aderi ist im Bereich der elektronischen Musik tätig. Sie ersetzt Katrin Frauchiger, die der Musikkommission von 2012 bis Juni 2017 angehörte. Aderi ist in der Zentralschweiz aufgewachsen. Sie beschäftigte sich zunächst mit Renaissancemusik, interessierte sich dann aber auch für zeitgenössischer Musik von Hiphop bis Freejazz und Elektronik. 2004 startete sie ihr eigenes experimentelles Elektronikprojekt EIKO. Während des Studiums an der Jazzschule Basel hat sie in Norwegen ein Austauschsemester absolviert und dort ihr Studium in Trondheim mit einem Master of Performance abgeschlossen. 2012 ist Aderi in die Schweiz zurückgekehrt .

Neu in der Literaturkommission ist Regina Füchslin. Die Altphilologin ist Co-Leiterin der Literaturzeitschrift «orte». Sie ersetzt Simone Ammann, die per Ende 2017 zurückgetreten ist. Die Kunstkommission bestand seit dem Ausscheiden von Claudine Metzger per Ende 2016 nur noch aus sechs Mitgliedern. Nun wurde mit Lucie Kolb ein zusätzliches Mitglied gewählt. Kolb unterrichtet unter anderem an der Zürcher Hochschule der Künste und ist Mitherausgeberin des Magazins für Kunstkritik «Brand-New-Life».

10. Luzerner Musikschulwettbewerb

Die Musikschule Luzern hat 1998 den Musikschulwettbewerb Luzern ins Leben gerufen, eine Plattform, die den Teilnehmenden einen Austausch und die Begegnung mit Gleichgesinnten ermöglicht. Im Jubiläumsjahr hat Pop/Rock/Jazz zum ersten Mal eine eigene Kategorie.

Foto: zVg

Die erste Ausgabe des Musikschulwettbewerbs fand in kleinem Rahmen statt. Damals traten ungefähr 20 Schülerinnen und Schüler vor die Jury, um vorzuspielen. Unterdessen hat sich die Teilnehmerzahl verzehnfacht. Mittlerweile hat sich der Wettbewerb Luzern zu einem grossen Musikfest entwickelt. In diesem Jahr hat die Stilrichtung Pop/Rock/Jazz zum ersten Mal eine eigene Kategorie und die Teilnehmenden können sich von einer professionellen Jazz-Combo begleiten lassen.

Während früher nur die Talentiertesten und Besten am Wettbewerb teilnehmen konnten, steht dieser heute allen Schülerinnen und Schülern der Musikschule Luzern offen. Anfängerinnen und Anfänger sowie Fortgeschrittene treten in einem geschützten und wohlwollenden Rahmen auf und gegeneinander an. Die zirka 200 Teilnehmenden erhalten professionelle Rückmeldungen und sammeln erste Wettbewerbserfahrung oder bereiten sich sogar auf grössere regionale und nationale Wettbewerbe vor.

Der Musikschulwettberwerb findet am Sonntag, 28. Januar, im Südpol statt. Die Vorspiele während des Tages, das Finale und die Rangverkündigung stehen dem Publikum offen, der Eintritt ist frei. Die Zuhörerinnen und Zuhörer haben die Möglichkeit, am Finale Publikumspreise in den Kategorien Pop/Rock/Jazz und Klassik/Folk zu vergeben. Das Programmheft findet sich auf der Website der Musikschule Luzern: www.musikschuleluzern.ch

Die Kunst wird 1.000.055 Jahre alt

Der internationale Geburtstag der Kunst geht zurück auf Robert Filliou. Das Forum Wallis hat zusammen mit Espace 2 eine Feier in der Ferme Asile in Sion organisiert.

Erika Stucky feiert den Art’s Birthday 2018, die globale Geburtstagsparty der Kunst. Foto: E. Stucky,SMPV

Am 17. Januar ist es wieder soweit: Die Kunst hat Geburtstag und wird 1.000.055 Jahre alt. Zumindest nach der Rechnung des Fluxuskünstlers Robert Filliou. Er erfand im Jahr 1963 den «Art’s Birthday», die globale Geburtstagsparty für die Kunst. Auch dieses Jahr feiert die Ars Acustica Gruppe der European Broadcasting Union EBU in über 20 Städten mit zahlreichen Konzerten und Performances. Und das Festival für Neue Musik Forum Wallis beteiligt sich in Zusammenarbeit mit Radio Suisse Romande Espace 2 mit einer zwölfstündigen Marathonveranstaltung in der Ferme Asile in Sion. Zwischen 19 und 23 Uhr sind 20 mobile Radiostudios von Chicago über Helsinki, Moskau und Lissabon bis nach Sion gemeinsam live über Satellit geschaltet und übertragen Konzerte und Statements zur Kunst. In Sion spielen Audrey Cavelius, Yannick Barman und Erika Stucky auf, und von 23h30 bis um 7h30 morgens präsentieren Sara Oswald, Colin Vallon und Julian Sartorius ihre achtstündige Mammutperformance Rêverie in Anlehnung an Max Richters Sleep. Rêverie ist Musik, die erlebt werden soll, während man einschläft und schläft, ein «Endlos-Wiegenlied» von betörender Schönheit. Das Publikum liegt dabei auf eigens zur Verfügung gestellten Liegen. Eine Reservation ist unbedingt erforderlich.

Jazz- und Klassikpianisten nutzen Hirne anders

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS) in Leipzig zeigen, dass bei Jazzpianisten andere Hirnprozesse ablaufen als bei klassischen Pianisten, selbst wenn sie das gleiche Musikstück spielen.

Heidelberg Street Art, August 2012 by Eleye. Foto: liborius/flickr.com,SMPV

Ein wesentlicher Unterschied liegt beispielsweise in der Planung von Bewegungen beim Klavierspielen. Prinzipiell müssen Pianisten, unabhängig von der Stilrichtung, zwar zunächst wissen, was sie spielen, also welche Tasten sie drücken, und anschliessend, wie sie es spielen, also mit welchen Fingern sie diese bedienen. Was jedoch je nach Musikrichtung variiert, ist die Gewichtung dieser beiden Schritte.

Demnach konzentrieren sich klassische Pianisten bei ihrem Spiel besonders auf den zweiten Schritt, das Wie. Für sie geht es darum, ein Stück technisch einwandfrei und persönlich ausdrucksstark wiederzugeben. Hierfür ist etwa die Wahl des Fingersatzes entscheidend. Anders hingegen bei den Jazzpianisten: Sie fokussieren sich vor allem auf das Was. Sie sind stets darauf vorbereitet, zu improvisieren und ihr Spiel flexibel an überraschende Harmonien anzupassen.

Untersucht haben die Wissenschaftler am MPI CBS diese Zusammenhänge mithilfe von 30 professionellen Pianisten, eine Hälfte davon seit mindestens zwei Jahren spezialisiert auf Jazz, die andere auf klassische Musik. Diese bekamen auf einem Bildschirm eine Hand zu sehen, die eine Abfolge von Akkorden auf einem Klavier spielte, gespickt mit gezielten Stolperfallen in den Harmonien und den Fingersätzen. Die Profi-Pianisten sollten es ihr nachtun und entsprechend flexibel auch auf die Unregelmässigkeiten reagieren, während ihre Hirnsignale mit EEG-Sensoren auf ihrem Kopf erfasst wurden. Um dabei Störsignale wie akustische Signale auszuschliessen, lief das Ganze vollkommen ohne Töne, als stummes Klavierspiel ab.

Mehr Infos:
http://www.cbs.mpg.de/Gehirne-von-Jazz-und-Klassik-Pianisten-ticken-unterschiedlich

Orgelmusik ist Unesco-Kulturerbe

In Deutschland hat der Zwischenstaatliche Ausschuss zum Immateriellen Kulturerbe den Orgelbau und die Orgelmusik in Deutschland in die Unesco-Liste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Orgeldemontage St. Agnes 2012. Foto: Pfarrei St. Bonifatius Berlin/flickr.com

400 handwerkliche Orgelbaubetriebe mit etwa 2800 Mitarbeitern, 180 Auszubildende sowie 3500 hauptamtlichen und zehntausenden ehrenamtlichen Organisten prägen das Handwerk und die Kunst des Orgelbaus und der Orgelmusik in Deutschland. Über 50’000 Orgeln sind derzeit im Land im Einsatz.

Die Orgel, der Orgelbau und die Orgelmusik wurden vor mehr als 2000 Jahren im hellenistischen Ägypten erfunden und gelangten über Byzanz nach Europa, wo sie seit der Karolingischen Renaissance als Kulturgut bis in die Gegenwart weiterentwickelt wurden. Seit dem Mittelalter werden Orgeln aus Europa, wo die meisten Orgeln gebaut werden, in viele Länder weltweit exportiert. Deutschland zählt weltweit zu den wichtigsten Ländern für die Weiterentwicklung des Orgelbaus und der Orgelmusik.

Der Zwischenstaatliche Ausschuss setzt sich aus 24 gewählten Vertragsstaaten der Konvention zum Immateriellen Kulturerbe zusammen. Er entscheidet jährlich über die Aufnahme neuer Kulturformen in die Unesco-Listen des Immateriellen Kulturerbes. Bisher sind 377 Formen des Immateriellen Kulturerbes auf der internationalen Repräsentativen Liste eingetragen. Mit der Einschreibung verpflichten sich die Vertragsstaaten, das Immaterielle Kulturerbe auf ihrem jeweiligen Staatsgebiet zu fördern.

Gewinner des Zwyssig-Wettbewerbs 2018

Die drei Komponisten Cyrill Schürch (Zürich), Markus Fricker (Rupperswil) und David Lang (Mammern) gewinnen den Kompositionswettbewerb 2018 der Stiftung Zwyssighaus Bauen.

Cyrill Schürch (re) mit Stephen Montague. Foto: zVg

Cyrill Schürch wurde 1974 in Luzern geboren. Nach privatem Klavierunterricht bei Konstantin Scherbakov studierte er Klavier und Komposition an der University of Houston. Später promovierte er am Londoner King’s College. Seit Herbst 2014 ist er Prorektor der Musikschule Zug mit einem Lehrauftrag für Klavier, Musiktheorie und Komposition. Er ist Mitglied des künstlerischen Beirats des Europäischen Jugendchor Festivals Basel.

Markus Fricker ist pensionierter Schulmusiker, der seine Ausbildung unter Andreas Juon und Willi Gohl gemacht hat. Er schloss sein Lehrdiplom in Sologesang am Konservatorium Zürich bei Sylvia Gähwiller ab. Heute ist er Leiter eines Kirchenchors und vor allem als Komponist von Vokalmusik tätig.

David Lang ist ausgebildeter Sänger, Pianist und Dirigent für Chor und Orchester. Sein Kompositionsstudium begann er an der ZHdK in Zürich im Bereich Composing/Arranging. Nach dem Klavierstudium bildete er sich autodidaktisch weiter.

Insgesamt gingen elf Kompositionen im öffentlich ausgeschriebenen Kompositionswettbewerb ein. Das Preisträgerkonzert findet im Herbst 2018 in der St. Johanneskirche in Zug statt. Die Werke werden vom Walchwiler Kirchenchor unter der Leitung von Peter Wehrlen uraufgeführt.

Ausschreibung für «Classical:NEXT»

Pro Helvetia lanciert eine Ausschreibung für die Teilnahme an «Classical:NEXT», der Fachmesse für klassische und zeitgenössische Musik, die vom 16. bis 19. Mai 2018 in Rotterdam stattfindet.

Das Rotterdamer Kulturzentrum De Doelen. Foto: Classical:NEXT/Rien van Rijthoven

Die «Classical:NEXT» ist ein Forum für Musikschaffende und Fachleute aus allen Bereichen der klassischen und zeitgenössischen Musik. Von Veranstaltern und Festivals über Verlage, Labels oder Verbände bis zu Agenten und Musikschaffenden: Rund 1200 Teilnehmer aus über 40 Ländern treffen sich während vier Tagen im Kongresszentrum de Doelen im Zentrum von Rotterdam.

Teilnehmer der Messe haben die Gelegenheit zur Erweiterung ihres internationalen Netzwerkes, und sie können das umfangreiche Messeprogramm mit Showcases, Konferenzen und Projektpräsentationen besuchen.

Pro Helvetia unterstützt Vertreterinnen und Vertreter von Ensembles aus der freien Szene, die an der «Classical:NEXT 2018» teilnehmen wollen, indem sie die Akkreditierungskosten übernimmt (rund 360 Euro) und sich an den Reise- und Aufenthaltskosten mit pauschal 350 Franken pro Person beteiligt. Interessierte melden sich bis spätestens am 12. Februar 2018 per Mail bei Tobias Rothfahl, Abteilung Musik (trothfahl@prohelvetia.ch).

Mehr Infos:
https://prohelvetia.ch/app/uploads/2018/01/ph-ausschreibung-classicalnext-2018-d.pdf

Höppner im Stiftungsbeirat der Fondation Hindemith

Der Stiftungsrat der Fondation Hindemith hat Christian Höppner, den Generalsekretär des Deutschen Musikrates, in den Stiftungsrat berufen. Die Fondation Hindemith mit Sitz im schweizerischen Blonay widmet sich der Bewahrung und Verbreitung des kulturellen Vermächtnisses des Komponisten Paul Hindemith.

Paul Hindemith probt 1958 in Turin. Foto: Radiocorriere, Januar 1958, Nr. 4, S. 3/WikiCommons,SMPV

Laut Andreas Eckhardt, Präsident des Stiftungsrates der Fondation Hindemith, verfügt Höppner nicht nur «über eine bedeutende kulturpolitische Kompetenz, sondern auch über einen engen Bezug zur Musizier- und Unterrichtspraxis als Hochschullehrer an der Berliner Universität der Künste». An der Vorgängerhochschule hatte Paul Hindemith von 1927 bis 1937 eine Professur für Komposition inne.

Die 1967 gegründete Fondation Hindemith unterstützt oder veranlasst wissenschaftliche Forschungen auf dem Gebiet der Musik und sorgt für ihre Verbreitung. Sie hat ihren Sitz im schweizerischen Blonay (VD) am Genfer See, wo das Ehepaar Hindemith seine letzten Lebensjahre verbrachte. Dort unterhält sie seit 1978 das Centre de Musique Hindemith Blonay, das vor allem der musikalischen Praxis dient. 1974 richtete die Stiftung das Hindemith Institut Frankfurt ein, das sich der musikwissenschaftlichen Forschung und Aufarbeitung von Leben und Werk Paul Hindemiths widmet.

 

Streaming zählt ab sofort für die Hitparade

Ab sofort fliessen neben physischen Verkäufen und Downloads auch die Daten von Musik-Streaming-Anbietern in die wöchentlichen Album-Charts ein, die von GfK Entertainment im Auftrag der IFPI Schweiz ermittelt werden.

In der Single-Hitliste findet Streaming bereits seit 2014 Berücksichtigung. Grundlage sind ausschliesslich Premium-Streams ab einer Spieldauer von 30 Sekunden.

Erster Spitzenreiter der Offiziellen Schweizer Album-Hitparade unter neuem Regelwerk ist Ed Sheeran, dessen Longseller «÷» abermals vorne steht. Silber und Bronze gehen an Martin Suter/Stephan Eicher (Song Book) beziehungsweise Eminem (Revival). Dahinter stehen Gölä (Urchig) und Helene Fischer (Helene Fischer).

Parallel zur Streaming-Integration feiert die Offizielle Schweizer Hitparade in diesen Tagen ihr 50-Jahre-Jubiläum. Am 2. Januar 1968 wurden die ersten Single-Charts im SRF veröffentlicht, damals noch als Top 10. Die vorderen drei Plätze belegten Roland W. (Monja), die Bee Gees (Massachusetts) und Mireille Mathieu (La dernière valse). Das Chart-Jubiläum 2018 wird mit vielen Specials und Rückblicken begangen, darunter eine grosse Fernsehshow am 10. Februar auf SRF1.

Tod des Schubert-Spezialisten Walther Dürr

Laut einer Mitteilung der Schubertiade in Hohenems ist Walther Dürr, einer der bedeutendsten Schubert-Kenner des 20. Jahrhunderts, am vergangenen Samstag völlig unerwartet an einer Lungenembolie gestorben.

Walter Dürr (Bild: Schubertiade),SMPV

Nach Studien in Berlin und Tübingen und der Tätigkeit an verschiedenen Universitäten in Italien, Deutschland und der Schweiz wurde Walther Dürr 1965 geschäftsführendes Mitglied der Editionsleitung der Neuen Schubert-Ausgabe in Tübingen.

Im Mittelpunkt seiner Tätigkeit standen laut der Mitteilung der Schubertiade die Bände mit sämtlichen Liedern von Franz Schubert, die man als sein zentrales Lebenswerk bezeichnen könne; daneben hat er aber auch andere Werkgruppen betreut. Seit 1997 war er im Ruhestand, jedoch weiter als Mitglied der Editionsleitung und als Herausgeber für die Neue Schubert-Ausgabe tätig.

Die Schubertiade «trauert um einen Wegbegleiter, der ihr von Anbeginn an als musikwissenschaftlicher Berater, Autor von Programmheftbeiträgen und Teilnehmer an Podiumsgesprächen eng verbunden war». Die Beerdigung findet am Montag, 15. Januar 2018 um 11 Uhr auf dem Bergfriedhof in Tübingen statt.

Hoch hinaus im Hochhaus

Behäbig mag in Bern vieles sein, die Szene der neuen und experimentellen Musik ist es eindeutig nicht. Verbunden im Netzwerk pakt bern stellt sie wagemutige Projekte auf die Beine und begeistert damit das Publikum.

Franziska Baumann in der Kommandozentrale. Foto: Roger Ziegler

Das wohl berühmteste Geisterhaus in Bern steht an der Junkerngasse, das grösste dagegen am Stadtrand. In seinem Treppenhaus sind Klänge zu vernehmen. Die Quelle der Musik bleibt unsichtbar. Einzelne Lichtprojektionen erhellen das Weiss der kahlen Wände. Horchende tauchen auf – und verschwinden wieder. Surreal mutet die Szenerie an. Was nach dem Plot für einen Gespensterfilm klingt, ist in Wirklichkeit die mit Spannung erwartete Veranstaltung «flash! (back and forward)» des Netzwerks pakt bern im ehemaligen Swisscom-Gebäude. Seit drei Jahren steht das Gebäude leer. Nun kehrte Anfang Dezember zum ersten Mal wieder Leben ein. Zumindest für einen Abend. Während fünf Stunden bespielten nämlich Mitglieder von pakt bern und geladene Musiker ausgewählte Räumlichkeiten des 19-stöckigen Hochhauses. Eine davon: das klaustrophobisch wirkende Treppenhaus. Darin spielten Studierende der Hochschule der Künste Bern (HKB) Solowerke von Iannis Xenakis, des Mathematikers unter den Komponisten.

Schon beim Eingang erwartete die 200 Besucher – mehr durften trotz grossem Ansturm aus Sicherheitsgründen nicht ins Gebäude an der Ostermundigenstrasse 93 – ein erstes Hörerlebnis, Ending II. Diese faszinierend changierende, zähflüssige, mit einer Vielzahl von im Raum verteilten Lautsprechern spielende Installation kreierten Studierende des Studiengangs SoundArts der HKB auf der Basis einer Komposition von Tobias Reber. Mitten im Schneegestöber schickte 19 Etagen höher, auf dem Dach des 72 Meter hohen Gebäudes, die Sängerin Franziska Baumann eine sublime, Stimme und Elektronik verschmelzende Klangwolke in die eiskalte Nacht hinaus. Ihre Kommandozentrale war dabei eine Gondel, stibitzt aus einem Skigebiet, was die audiovisuelle Magie der Darbietung noch verstärkte.

Klassische Avantgarde trifft auf junge Wilde

Ein regelrechtes Panoptikum aktueller Musik entfaltete sich während dem fünfstündigen Anlass und zeigte die erfreuliche Bandbreite des Netzwerks pakt bern, das vor zwei Jahren gegründet worden war, um die Kräfte im Bereich der neuen und experimentellen Musik zu bündeln. Beinahe 60 Exponenten, die alle in einem Bezug zur Stadt Bern stehen, sind im basisdemokratisch organisierten Verein versammelt: Komponisten, Interpreten, Konzertveranstalter, generationen- und genredurchmischt. Die klassische Avantgarde der heute über Siebzigjährigen trifft im Netzwerk auf junge Wilde, Improvisiertes auf Auskomponiertes, Elektronik auf Instrumentalmusik. «Die Vorgeschichte von pakt bern ist lang, der Wunsch indes eindeutig: Musik quer zu denken und zu schaffen. Das Netzwerk bringt Neugierige und Experimentierfreudige zusammen», sagt Christian Pauli, Vorstandsmitglied von pakt bern, einem Verein ohne Präsidenten, notabene.

Schon im Jahr 2016 sorgte das «neue musik netzwerk», wie sich pakt bern auch nennt, für Furore. Im Sternensaal in Bümpliz wurde ein «neue musik battle» organisiert, in Anlehnung an die Box- und Wrestlingkämpfe, die in diesem traditionsträchtigen Saal regelmässig durchgeführt werden. Anstatt mit Fäusten ging man mit Tönen aufeinander los. Zum ersten Mal erlangte ein breites Publikum einen Einblick in das weitgefächerte Spektrum des Vereins, in dem sich alles versammelt, was in der Berner Neue-Musik-Szene Rang und Namen hat. Der Verein hat es sich schon nach kurzem Bestehen zur Tradition gemacht, jeweils aufs Jahresende hin einen Grossanlass zu verwirklichen. Nach dem Boxring kam nun ein Hochhaus als Austragungsort an die Reihe.

Konzertreihe Soap-Box

Ein beinahe unendliches Glissando, eingepackt in schönstes Frequenzgemisch, ist im siebten Stock des ehemaligen Swisscom-Gebäudes zu vernehmen. Dieses entstammt der Komposition Chronos-Kairos des Berner Altmeisters Peter Streiff, 1972 auf einem der ersten transportablen Tisch-Synthesizer, dem «Synthi VCS3», hergestellt. 25 Minuten dauert die sinnliche Klangreise, welche das musikalische Zeitempfinden in ganz neue Relationen setzt. Auf das Netzwerk pakt bern angesprochen, begrüsst Streiff die Solidarität, die durch diesen Zusammenschluss entsteht. «Trotz der grossen künstlerisch-ästhetischen Bandbreite erhält die individuelle Ausrichtung genügend Platz», fügt er als Wesensmerkmal des Vereins hinzu.

Zu entdecken gab es bei «flash! (back and forward)» viel. Improvisierte minimalistische Saxofonklänge des Konus-Quartetts, wuchtiger, instrumental hergestellter «industrial sound» des Hamburger Felix Kubin, live gespielt zu unbekannten Industrie- und Firmenlehrfilmen aus der Zeit von 1960 bis 1990, oder eine meditative Klangmassage von Maru Rieben, in deren Genuss man als Einzelgast in einem Personenlift kam, ergänzten sich an diesem Fest der Sinne zu einem stimmigen Ganzen. Ein Jahr zu warten braucht indes niemand, der in die Klänge der dynamischen Berner Musikszene eintauchen möchte. Ungefähr einmal im Monat findet die von pakt bern lancierte Konzertreihe Soap-Box im Progr statt. Das sind Stubenkonzerte zwischen improvisierter, elektronischer und installativer Musik.

Mehr Informationen zum Verein sowie Auskünfte über die Konzerte der Vereinsmitglieder unter:

www.pakt-bern.ch

«unerhörtes!» Potenzial

Zum sechzehnten Mal ist vom 24. November bis am 3. Dezember 2017 in Zürich und Winterthur das unerhört!-Festival über die Bühne gegangen. Mit ungewöhnlichen Ansätzen schafft es aussergewöhnliche Musik und erreicht neue Kreise.

Kukuruz-Quartett. Foto: Michelle Ettlin

Jazz-Klub Moods, Rote Fabrik, Musikklub Mehrspur und Werkstatt für improvisierte Musik (WIM) mögen als Spielorte noch recht konventionell klingen. Aber Museum Rietberg? Kantonsschule Küsnacht? Alterszentrum Bürgerasyl-Pfrundhaus? Die Überraschungen gehören beim unerhört!-Festival zum Konzept. Ein Paradebeispiel für die Bemühungen, Musik aus den Stilschubladen zu zerren und in neue Zusammenhänge zu stellen, war bei der neuesten Auflage das Konzert des Kukuruz-Quartetts in der Schlosserei Nenniger. Nomen ist hier mehr als Omen: Es handelt sich bei der Schlosserei Nenniger tatsächlich um einen aktiven Handwerksbetrieb. Er befindet sich in der Zürcher Binz, einen Steinwurf entfernt vom Büro der Intakt-Records, dem Plattenlabel, das in der freien Musikszene Weltbedeutung erlangt hat. Die Maschinen sind an die Wände gerollt worden und haben Stühlen Platz gemacht. Von der Decke hängen Flaschenzüge. Auf einer Rampe befinden sich weitere Bänke.

Eastman-Renaissance

Alle Plätze sind besetzt, rund einhundert Zuschauer jeglichen Alters haben sich eingefunden, um eine rare Aufführung der Werke von Julius Eastman zu geniessen. Die vier Klaviere, die es dazu braucht, sind wie ein Sichelmond angeordnet. Dahinter befinden sich das gewaltige Tor der Schlosserei, rechts ein Gestell mit farbigen Plastikkisten. Das Kukuruz-Quartett – Philip Bartels, Duri Collenberg, Simone Keller, Lukas Rickli – widmet sich seit Jahren der Neuerschliessung der Werke des 1990 mit 49 Jahren verstorbenen Eastman. Seine Talente als Pianist, Sänger, Komponist und Dozent waren früh gefördert worden. Je mutiger seine Experimente wurden, je klarer er sich zu einer afro-amerikanischen, homosexuellen Perspektive bekannte und seinen Werken Titel gab wie Evil Nigger oder Gay Guerilla, desto weniger Gehör fand er in der New Yorker Szene. So lebte er in den Achtzigerjahren zeitweilig als obdachloser Alkoholiker im Tompkins Square Park. Erst acht Monate nach seinem Tod erschien in der Village Voice ein erster kleiner Nachruf. Seit einigen Jahren erlebt Eastman eine postume Renaissance. In der Schlosserei demonstriert das Kukuruz-Quartett eindrücklich, wie verdient diese ist. Die Kompositionen mögen von ihrer Anlage her in den Bereich des Minimalismus gehören, dadurch aber, dass die diversen, repetitiven «Riffs» von vier Pianos dargeboten werden, erlangen sie eine herrliche klangliche Üppigkeit, ganz zu schweigen von einem Groove, der irgendwo zwischen Thelonious Monk und Funkadelic liegt. Aber es hat auch Platz für ein fesselndes Stück, wo die kaum wahrnehmbaren Klänge durch Fäden generiert werden, die über die Klaviersaiten gezogen werden. Das Publikum reagiert mit heller Begeisterung. Es bleibt die traurige Frage, was auch noch hätte entstehen können, wenn Eastman von den Gepflogenheiten seiner Zeit nicht an den Rand der Existenz und darüber hinaus getrieben worden wäre.

Monk-Gedenken

Das unerhört!-Festival hat seine Ursprünge in den wöchentlichen Improvisationsabenden, welche die Pianistin Irène Schweizer und der Saxofonist Omri Ziegele einst im Casablanca an der Zürcher Langstrasse einrichteten. «Über die Konzerte hinaus wollten wir auch ein Fest für unsere Musik schaffen», schrieb Schweizer in der Broschüre, die zum zehnten Jubiläum herausgegeben wurde. «Dieser Wunsch war der Auslöser fürs unerhört!» Als Unterschied etwa zum Taktlos-Festival nennt Florian Keller von der Programmgruppe unerhört! den Vermittlungsaspekt: «Wir arbeiten mit Schulen zusammen, mit einer Altersresidenz, achten darauf, dass verschiedene Szenen und Altersgruppen zusammenfinden.» Er nennt als Beispiele den jungen Zürcher Saxofonisten Tapiwa Svosve, der an der Seite von Bassist William Parker und Drummer Hamid Drake in der Roten Fabrik und in den Kantonsschulen Küsnacht und Stadelhofen auftreten konnte. «Das sind dann wirklich magische Momente», sagt Keller. «Ich weiss es von Hamid Drake und William Parker, sie haben es richtig genossen. Denn in der Fragerunde nachher kamen auch politische Fragen, und so konnten sie vor 200, 300 jungen Menschen sagen: ‹Das machen wir, das ist unsere Geschichte›.»

Unerhört! 2017 darf wiederum als ein voller Erfolg verbucht werden. Als roter Faden führte die Idee eines Tributes an den vor hundert Jahren geborenen Thelonious Monk durchs Programm. Während bei den Werken von Eastman Monk als Einfluss herauszuspüren war, kredenzten sowohl Irène Schweizer als auch Mike Westbrook je einen Auftritt lang Interpretationen seiner Stücke. Nebst Svosve/Parker/Drake und Byron/Ortiz gab es weitere Glanzmomente mit und ohne Monk-Bezug vom London Jazz Composers Orchestra, von Aki Takase (Piano) und Ingrid Laubrock (Sax), Michael Arbenz & Big Band der Hochschule Luzern, von der Band Human Feel sowie dem Trio Stephan Crump/Ingrid Laubrock/Cory Smythe.

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